Als Nahrungsergänzung hat Weidenrinde keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und der Gehalt an Salicin schwankt je nach Weiden-Art und Produkt stark. Am meisten untersucht sind Rückenschmerzen: Eine Cochrane-Auswertung (2014) fand dazu 2 Placebo-Studien mit 261 Teilnehmenden und stuft die Belege als mittelmäßig ein. Weil im Körper Salicylsäure entsteht, soll Weidenrinde laut EMA unter anderem nicht bei einer Allergie gegen ASS, bei Magengeschwüren, unter 18 Jahren und im letzten Schwangerschaftsdrittel genommen werden. Stand: Oktober 2026.
Weidenrinde ist die getrocknete Rinde junger Zweige verschiedener Weiden-Arten (Salix), etwa der Purpur-Weide, der Bruch-Weide oder der Silber-Weide.
Typisch sind Salicin und verwandte Stoffe. Wie viel davon in der Rinde steckt, schwankt laut EMA stark: in der Silber-Weide etwa 0,5 Prozent, in der Bruch-Weide 1 bis 10 Prozent. Dazu kommen Gerbstoffe und Flavonoide.
Salicin ist eine Vorstufe: Der Körper baut es zu Salicylsäure um. Acetylsalicylsäure (ASS), den Wirkstoff vieler Schmerztabletten, enthält die Rinde nicht. Angeboten wird Weidenrinde vor allem für Rücken und Gelenke, ähnlich wie Teufelskralle oder Weihrauch.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Weidenrindentee | Geschnittene Rinde, als Aufguss oder Abkochung | Laut EMA traditionelles Arzneimittel. In Deutschland Teil von Erkältungstee-Mischungen mit Standardzulassung. Die Stoffliste von Bund und Ländern kennt die Rinde der Silber-Weide auch als Tee. |
| Arzneimittel mit Trockenextrakt | Extrakt, mit 70 Prozent Alkohol hergestellt und auf etwa 15 Prozent Salicin eingestellt | Laut EMA-Monographie ein Arzneimittel mit „gut belegter Anwendung“. Mit Packungsbeilage. |
| Nahrungsergänzung | Rindenpulver oder Extrakt in Kapseln, Salicin-Gehalt je nach Hersteller | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt, die Verwendung zu beschränken. |
| ASS-Tabletten | Acetylsalicylsäure, chemisch hergestellt | Arzneimittel. Hemmt die Blutplättchen deutlich stärker als Weidenrinden-Extrakt. |
Quellen: EMA-Monographie (2017) und Bewertungsbericht, Stoffliste von Bund und Ländern (2026), Krivoy et al. (2001).
Weidenrinde ist also kein „natürliches ASS“. Die Salicylsäure aus der Rinde wirkt aber im Körper, deshalb gelten ähnliche Vorsichtsregeln.
Für Weidenrinde in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage – laut EMA höchstens 4 Wochen.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt die Rinde der Silber-Weide als Tee und in Nahrungsergänzung, außerdem als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon oder Warfarin | Weidenrinde kann ihre Wirkung laut EMA verstärken. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis, die Gerinnungswerte sollten kontrolliert werden. |
| ASS, andere Salicylate und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen | Laut EMA nicht ohne ärztlichen Rat kombinieren. |
| Andere Mittel, die die Blutplättchen oder die Gerinnung beeinflussen | Wechselwirkungen hält die EMA für wahrscheinlich, auch wenn Studien dazu fehlen. Sag vor Operationen und Zahnbehandlungen, dass du Weidenrinde nimmst. |
| Medikamente allgemein | Gezielte Studien zu Wechselwirkungen gibt es laut EMA nicht. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Salicylate gehen in die Plazenta und in die Muttermilch über. Im letzten Schwangerschaftsdrittel darf Weidenrinde laut EMA nicht genommen werden, in den ersten beiden Dritteln und in der Stillzeit rät die EMA ab. Daten über die Fruchtbarkeit fehlen.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren schließt die EMA Weidenrinde aus, wegen des Risikos eines Reye-Syndroms. Das ist eine sehr seltene, aber lebensgefährliche Erkrankung, die mit ASS in Verbindung gebracht wird. Nach Weidenrinde wurde sie bisher nicht berichtet – die EMA entschied sich trotzdem für die Vorsicht.
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2017) | Ein bestimmter Trockenextrakt: „gut belegte Anwendung“ zur kurzzeitigen Behandlung von Kreuzschmerzen. Tee, Pulver und weitere Extrakte: traditionelles Arzneimittel bei leichten Gelenkschmerzen, Fieber bei Erkältung und Kopfschmerzen, allein auf Basis langer Anwendung. Nur für Erwachsene. |
| Überprüfung | 2025 hat die EMA die regelmäßige Überprüfung der Monographie begonnen. Ein Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht. |
| Arzneimittel in Deutschland | Arzneimittel mit Weidenrinden-Extrakt, dazu Weidenrinde in Erkältungstee-Mischungen mit Standardzulassung. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag zu Weidenrinde. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Rinde der Silber-Weide: als Lebensmittel als Tee und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B). Nicht verbindlich. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Weidenrinde nicht mit Krankheiten oder Schmerzen beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien testeten alkoholische Extrakte mit festgelegtem Salicin-Gehalt, oft von denselben Forschungsgruppen.
Die Auswertung zu Pflanzenmitteln bei Kreuzschmerzen fand für Weidenrinde 2 Placebo-Studien mit 261 Teilnehmenden. Kurzfristig gingen die Schmerzen mit Extrakt stärker zurück als mit Placebo, die Qualität der Belege war mittelmäßig. Ein Vergleich mit einem Schmerzmittel wurde als sehr unsicher bewertet.
210 Menschen mit akut verstärkten Rückenschmerzen bekamen 4 Wochen lang Extrakt in zwei Stärken oder Placebo. In der letzten Woche waren mit der höheren Stärke 39 Prozent schmerzfrei, mit der niedrigeren 21 Prozent und mit Placebo 6 Prozent.
In zwei Studien mit 127 Menschen mit Hüft- oder Kniearthrose und 26 mit rheumatoider Arthritis gab es nach 6 Wochen keinen deutlichen Unterschied zu Placebo. Das Vergleichsmedikament Diclofenac schnitt bei Arthrose deutlich besser ab.
In einer Studie (2001) mit 51 Teilnehmenden hemmte Weidenrinden-Extrakt die Blutplättchen viel schwächer als eine niedrige Tagesmenge ASS. Weidenrinde kann ASS deshalb nicht ersetzen, etwa nach einem Herzinfarkt – ändere verordnete Medikamente nie ohne Rücksprache.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie sieht für Weidenrinde bei entzündlichen Gelenkerkrankungen keinen belegten Nutzen (2025). Nehmen Menschen mit Arthrose sie von sich aus, müsse man nicht abraten, solange die übrige Behandlung stimmt.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Ein bestimmter Extrakt ist als Arzneimittel anerkannt, am meisten untersucht sind Rückenschmerzen – laut Cochrane mit mittelmäßigen Belegen.
Nein. Weidenrinde enthält Salicin, aus dem im Körper Salicylsäure wird, aber keine Acetylsalicylsäure. In einer Studie hemmte sie die Blutplättchen viel schwächer als eine niedrige Tagesmenge ASS.
Laut EMA niemand mit Allergie gegen ASS oder andere Schmerzmittel, mit Asthma durch Salicylate, aktivem Magengeschwür, Gerinnungsstörungen, schweren Leber- oder Nierenerkrankungen oder Favismus. Außerdem nicht unter 18 Jahren und nicht im letzten Schwangerschaftsdrittel.
Nur nach ärztlichem Rat, so die EMA. Mit Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon kann Weidenrinde die Wirkung verstärken.
Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Dauer. Bei Arzneimitteln sieht die EMA höchstens 4 Wochen vor, bei anhaltenden Beschwerden schon nach einer Woche eine Abklärung in Praxis oder Apotheke.
Im letzten Schwangerschaftsdrittel nicht, davor und in der Stillzeit rät die EMA ab. Salicylate gehen in die Plazenta und in die Muttermilch über.
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