Chondroitinsulfat ist ein natürlicher Bestandteil von Knorpel. Für Präparate wird es meist aus Tierknorpel gewonnen und oft mit Glucosamin kombiniert. Hier steht, welche Nebenwirkungen bekannt sind und was Studien zeigen.
Chondroitinsulfat gehört zu den Glykosaminoglykanen. Das sind lange Ketten aus Zuckerbausteinen. Sie kommen in Knorpel, Sehnen und Haut vor. Der Körper bildet Chondroitinsulfat selbst, unter anderem aus Glucosamin.
In Präparaten steckt es oft zusammen mit Glucosamin. Verwandte Stoffe sind Hyaluronsäure, die ebenfalls zu den Glykosaminoglykanen zählt.
Für Präparate wird Chondroitinsulfat aus Knorpel gewonnen, zum Beispiel von Rindern, Geflügel oder Fischen wie Haien. Je nach Herkunft unterscheiden sich Kettenlänge, Aufbau und Reinheit. Steht die Herkunft nicht auf der Packung, frag beim Hersteller nach.
Daneben gibt es eine Variante ohne Tierknorpel: Bakterien bilden die Grundsubstanz, danach wird sie chemisch verändert. Sie ist in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen.
Auch Knorpel im Essen enthält Chondroitinsulfat. Ob und wie viel davon zum Beispiel über eine lang gekochte Brühe aufgenommen wird, ist laut BfR nicht bekannt.
Ideen aus der Küche: eine Hühnerbrühe, eine Hühnersuppe mit Gemüse oder ein Hühner-Fondue mit Zitronengras und Pak Choi.
Eine EU-Höchstmenge für Chondroitinsulfat aus Tierknorpel gibt es nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2018 Präparate mit 800 bis 1.200 mg am Tag bewertet – weil die meisten Studien diese Mengen nutzten.
Das BfR betont: Das ist keine Empfehlung, diese Mengen auszuschöpfen. Zu höheren oder niedrigeren Mengen fehlen Daten für eine Bewertung.
Für die mit Bakterien hergestellte Variante gilt in der EU eine Höchstmenge von 1.200 mg am Tag, nur für Erwachsene. In einzelnen EU-Ländern reichen die erlaubten Tagesmengen laut französischer Behörde ANSES von 500 bis 900 mg.
In Studien mit 800 bis 1.200 mg am Tag kamen Nebenwirkungen meist nicht häufiger vor als mit Scheinmittel. Am häufigsten waren Beschwerden im Bauch. Sie traten in den Placebo-Gruppen sogar öfter auf.
Fachinformationen von zwei Arzneimitteln mit Chondroitinsulfat aus der Schweiz nennen laut BfR:
Zu Kombipräparaten mit Glucosamin und weiteren Stoffen gibt es einzelne Berichte über Leberschäden. Ob sie wirklich daher kamen, ist nicht geklärt. Die französische Behörde ANSES erhielt bis 2018 insgesamt 74 Meldungen zu Beschwerden nach Präparaten mit Glucosamin oder Chondroitinsulfat.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (zum Beispiel Warfarin, Phenprocoumon) | Bei Kombipräparaten aus Glucosamin und Chondroitinsulfat sind Fälle beschrieben, in denen der Gerinnungswert INR stieg. Die ANSES rät Menschen mit diesen Mitteln von solchen Präparaten ab. |
| Mittel gegen das Verklumpen von Blutplättchen (zum Beispiel ASS, Clopidogrel) | Das BfR rät, vor Präparaten mit 800 bis 1.200 mg am Tag ärztlichen Rat einzuholen. In Tierversuchen mit hohen Mengen zeigte sich ein leichter Effekt auf die Blutplättchen. |
| Arzneimittel mit Chondroitinsulfat | Nicht zusätzlich ein Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Laut ANSES fehlen dafür Sicherheitsdaten. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Das BfR kann Präparate mit isoliertem Chondroitinsulfat für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche nicht empfehlen, weil Daten fehlen. Auch die ANSES rät ab.
Die mit Bakterien hergestellte Variante ist in der EU ausdrücklich nur für Erwachsene zugelassen, nicht für Schwangere und Stillende.
Fast alle Studien untersuchten Menschen mit Arthrose, meist im Knie. Hier steht, was herauskam – ohne Versprechen.
Eine Auswertung von 43 Studien mit über 9.000 Menschen mit Arthrose. In kurzen Studien waren die Schmerzen mit Chondroitin etwas geringer als mit Scheinmittel, im Mittel um 8 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100. Die meisten Studien waren von geringer Qualität. In großen und von Herstellern unabhängigen Studien war der Vorteil unsicher.
1.583 Menschen mit Kniearthrose bekamen 24 Wochen lang Glucosamin, Chondroitinsulfat (1.200 mg am Tag), beides, ein Schmerzmittel oder ein Scheinmittel. Chondroitinsulfat war insgesamt nicht besser als das Scheinmittel. Nebenwirkungen waren selten und in allen Gruppen ähnlich.
Eine Auswertung von 10 großen Studien mit 3.803 Menschen fand keinen Unterschied, den Betroffene spüren würden. Studien ohne Geld von Herstellern zeigten kleinere Effekte als bezahlte.
604 Menschen mit Kniearthrose bekamen 6 Monate lang ein Arzneimittel mit 800 mg Chondroitinsulfat am Tag, ein Schmerzmittel oder ein Scheinmittel. Die Schmerzen gingen mit Chondroitinsulfat etwas stärker zurück als mit Scheinmittel. Getestet wurde ein Arzneimittel in Pharma-Qualität – das lässt sich nicht auf jedes Präparat übertragen.
Studien an Menschen ohne Gelenkprobleme fehlen. Deshalb sah die EFSA für die allgemeine Bevölkerung keinen Beleg.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Ein natürlicher Baustein von Knorpel, Sehnen und Haut aus langen Ketten von Zuckerbausteinen. Für Präparate wird es meist aus Tierknorpel gewonnen.
Am häufigsten Bauchbeschwerden wie Übelkeit oder Durchfall, seltener Kopfschmerzen, Schwindel oder Hautausschlag. In Studien kamen sie meist nicht häufiger vor als mit Scheinmittel.
Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Studien bei Arthrose zeigen gemischte, meist kleine Effekte, für gesunde Menschen fehlen Belege.
Eine amtliche Empfehlung gibt es nicht. Das BfR hat Präparate mit 800 bis 1.200 mg am Tag bewertet und betont, dass das keine Empfehlung ist.
Eine amtliche Empfehlung zur Tageszeit gibt es nicht. Wie Studien es gegeben haben, ist eine Studienbedingung und kein geprüfter Rat.
Aus Knorpel von Tieren, zum Beispiel von Rindern, Geflügel oder Haien. Eine zugelassene Variante wird mit Bakterien hergestellt. Bei Fischallergie die Herkunft prüfen.
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Mit Gerinnungshemmern wie Warfarin sind bei Kombipräparaten veränderte Gerinnungswerte beschrieben, bei Mitteln wie ASS rät das BfR zu ärztlichem Rat.
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