Als Nahrungsergänzung hat Johanniskraut keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und bestimmte Extrakte sind in Deutschland Arzneimittel – bei mittelschweren Depressionen nur auf Rezept. Untersucht sind vor allem diese Arzneimittel-Extrakte, eine Cochrane-Auswertung fasste 2008 insgesamt 29 Studien mit 5.489 Menschen zusammen. Vor allem Extrakte können viele Medikamente abschwächen, auch die Pille – laut EMA noch bis zu einer Woche nach dem Absetzen. Stand: Oktober 2026.
Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine Pflanze mit gelben Blüten. Verwendet wird das getrocknete Kraut, das zur Blütezeit geerntet wird.
Wichtige Inhaltsstoffe sind Hypericin, Hyperforin und Flavonoide. Hyperforin ist laut EMA der Stoff, der bestimmte Leberenzyme anregt. Deshalb kommt es auf ihn an, wenn es um Wechselwirkungen mit Medikamenten geht.
Angeboten wird Johanniskraut vor allem für die Stimmung, als Arzneimittel aus der Apotheke, als Tee und als Nahrungsergänzung. Für die Stimmung werden auch Safran, Rhodiola und SAM-e beworben.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Johanniskrauttee | Getrocknetes Kraut, mit heißem Wasser aufgegossen | Lebensmittel: Blätter und Blüten sind laut EU-Katalog nicht neuartig. In den Tee geht nur wenig Hyperforin über, in einer Messung etwa 1 Prozent der Menge im Kraut. |
| Arzneimittel aus der Apotheke | Trockenextrakte in Tabletten oder Kapseln, mit Angabe zum Gehalt an Hypericin | Zugelassene Arzneimittel mit Packungsbeilage. Für mittelschwere Depressionen nur auf Rezept. |
| Nahrungsergänzung | Kraut oder Extrakt in Kapseln, Menge und Hyperforin-Gehalt je nach Hersteller | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt, die Verwendung zu beschränken. |
| Johanniskrautöl | Kraut, in Pflanzenöl ausgezogen | Laut EMA traditionelles Arzneimittel für die Haut, etwa bei leichtem Sonnenbrand und kleinen Wunden – allein auf Basis langer Anwendung. |
Quellen: EMA-Monographie (2022) und Bewertungsbericht, Novel-Food-Katalog der EU, Stoffliste von Bund und Ländern, Arzneimittelverschreibungsverordnung.
Die Unterschiede zählen vor allem bei den Wechselwirkungen. Laut EMA-Bewertungsbericht hängt die Wirkung auf die Leberenzyme vom Hyperforin ab: In einer Studie mit Nierentransplantierten veränderte ein hyperforinarmer Extrakt den Spiegel von Ciclosporin nicht deutlich, ein hyperforinreicher senkte ihn.
Für Johanniskraut in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Extrakte und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Eine Grenze nennt die EMA für Wechselwirkungen: Bei traditionellen Zubereitungen mit höchstens 1 mg Hyperforin am Tag, höchstens 2 Wochen lang, sind keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen berichtet. Steht der Hyperforin-Gehalt nicht auf der Packung, kannst du das nicht abschätzen. Rechne dann mit Wechselwirkungen und sprich vorher mit Praxis oder Apotheke.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt Kraut und Blüten als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Als Lebensmittel kennt sie Johanniskraut nur als Zutat mit Aroma-Eigenschaften und in Nahrungsergänzung. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
Johanniskraut regt Leberenzyme wie CYP3A4 und das Transport-Eiweiß P-Glykoprotein an. Dadurch baut der Körper viele Medikamente schneller ab, ihr Spiegel im Blut sinkt. Laut EMA normalisieren sich die Enzyme erst etwa eine Woche nach dem Absetzen.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel | Ihr Spiegel im Blut kann sinken. Laut EMA sind Zwischenblutungen möglich, und die Verhütung kann unsicher werden. Deshalb zusätzlich verhüten, zum Beispiel mit Kondom. |
| Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon oder Warfarin | Laut EMA nicht zusammen nehmen. |
| Mittel nach einer Organtransplantation wie Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus oder Sirolimus | Laut EMA nicht zusammen nehmen. Im Jahr 2000 wurden zwei Herztransplantierte beschrieben, deren Körper das Spenderherz abstieß, nachdem sie zu Ciclosporin Johanniskraut genommen hatten. |
| HIV-Mittel wie Proteasehemmer und nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer | Laut EMA nicht zusammen nehmen. |
| Krebsmittel wie Irinotecan, Imatinib und andere Zytostatika, die über dieselben Enzyme abgebaut werden | Laut EMA nicht zusammen nehmen. |
| Antidepressiva wie Sertralin oder Paroxetin, außerdem Buspiron | Sehr selten ist ein Serotonin-Syndrom möglich. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Weitere Medikamente, etwa Digoxin, Simvastatin, Methadon, Amitriptylin, Alprazolam, Diazepam oder Midazolam | Ihr Spiegel im Blut kann sinken. Laut EMA ist besondere Vorsicht nötig. |
| Geplante Operation mit Narkose | Laut EMA vorher klären, ob Wechselwirkungen mit Narkosemitteln möglich sind, und Johanniskraut wenn nötig absetzen. |
Auch Tee ist nicht ganz ohne Risiko: Laut EMA-Bewertungsbericht sank bei einem Nierentransplantierten der Ciclosporin-Spiegel deutlich, als er regelmäßig eine Teemischung mit Johanniskraut trank. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor jedem Johanniskraut-Produkt in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab: Die Sicherheit ist nicht belegt, und Tierversuche zeigten Hinweise auf Schäden für die Fortpflanzung. Auch Daten über die Fruchtbarkeit fehlen.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Johanniskraut zum Einnehmen nicht, weil Daten fehlen. Wer mit der Pille verhütet, sollte während der Einnahme zusätzlich verhüten. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2022) | Bestimmte Trockenextrakte: „gut belegte Anwendung“ zur Behandlung leichter bis mittelschwerer depressiver Episoden, ein Extrakt nur kurzzeitig bei leichten depressiven Beschwerden. Tee und weitere Zubereitungen nur traditionell, auf Basis langer Anwendung, etwa bei vorübergehender geistiger Erschöpfung und äußerlich für die Haut. |
| Arzneimittel in Deutschland | Zugelassene Johanniskraut-Arzneimittel. Für mittelschwere Depressionen sind sie verschreibungspflichtig (Arzneimittelverschreibungsverordnung). |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Blätter und Blüten: nicht neuartig, als Lebensmittel üblich. Andere oberirdische Teile: nur in Nahrungsergänzung nicht neuartig. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Kraut und Blüte: als Lebensmittel nur als Zutat mit Aroma-Eigenschaften und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B). Nicht verbindlich. |
| Andere Länder | Die Schweiz meldete 2021 einen Johanniskraut-Tee aus Österreich über das EU-Schnellwarnsystem: Johanniskraut sei dort kein Lebensmittel, weil es mit Arzneimitteln wechselwirken kann. Dänemark beanstandete 2022 Nahrungsergänzungsmittel mit Johanniskraut als nicht erlaubt. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Tee aus Blättern und Blüten gilt in der EU als Lebensmittel. Kapseln mit Extrakt liegen an der Grenze zum Arzneimittel – ob ein Produkt das eine oder das andere ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Johanniskraut nicht mit Krankheiten wie Depressionen beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien testeten Arzneimittel-Extrakte, nicht Tee oder Nahrungsergänzung. Ergebnisse lassen sich nicht von einem Produkt aufs andere übertragen.
Die Auswertung fand 29 Studien mit 5.489 Menschen mit einer Depression. Mit Extrakt sprachen mehr Menschen auf die Behandlung an als mit Placebo, ähnlich viele wie mit herkömmlichen Antidepressiva, und weniger brachen wegen Nebenwirkungen ab. Studien aus deutschsprachigen Ländern fielen aber günstiger aus als andere, das erschwert die Deutung.
35 Studien mit 6.993 Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Depression: Mit Johanniskraut gab es mehr Ansprechen als mit Placebo und keinen deutlichen Unterschied zu Antidepressiva. Die Ergebnisse schwankten aber stark, zu schwerer Depression fehlen Studien, und seltene Nebenwirkungen wurden kaum erfasst.
Eine Auswertung von 27 Studien mit 3.808 Menschen (2017) verglich Johanniskraut mit SSRI-Antidepressiva. Alle Studien dauerten nur 4 bis 12 Wochen. Zu längerer Anwendung und zu Menschen mit Suizidgedanken fehlen Daten.
Hier ist die Lage klarer als bei der Stimmung. Seit dem Jahr 2000 zeigten Studien und Fallberichte, dass Johanniskraut die Spiegel vieler Medikamente im Blut senkt, etwa von Ciclosporin, Digoxin, Warfarin und der Pille. Je mehr Hyperforin ein Präparat enthält, desto stärker werden die Leberenzyme angeregt (Übersicht 2020).
Johanniskraut ist pflanzlich, aber nicht harmlos. Die EMA schließt die Kombination mit vielen wichtigen Medikamenten aus, und in der Schweiz gilt schon der Tee nicht als Lebensmittel.
Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Bestimmte Extrakte sind Arzneimittel, bei mittelschweren Depressionen in Deutschland nur auf Rezept.
Nicht zuverlässig. Johanniskraut kann den Spiegel der Pille im Blut senken, laut EMA sind Zwischenblutungen möglich und die Verhütung kann unsicher werden. Verhüte deshalb zusätzlich, zum Beispiel mit Kondom.
Laut EMA nicht zusammen mit Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ, Mitteln nach Organtransplantationen, vielen HIV-Mitteln und bestimmten Krebsmitteln. Bei vielen weiteren Medikamenten ist Vorsicht nötig, frag deshalb vorher in der Apotheke.
In den Tee geht nur wenig Hyperforin über, der Stoff hinter den meisten Wechselwirkungen. Ganz ausschließen lassen sie sich nicht: Ein Fallbericht beschreibt einen stark gesunkenen Ciclosporin-Spiegel nach einer Teemischung mit Johanniskraut.
Hellhäutige Menschen können bei starker Sonne mit Kribbeln, Brennen oder sonnenbrandähnlichen Hautreaktionen reagieren. Die EMA rät, während der Anwendung starke UV-Strahlung zu meiden, auch im Solarium.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Zusammen mit Mitteln wie Sertralin oder Paroxetin kann sehr selten ein Serotonin-Syndrom auftreten. Antidepressiva solltest du nie eigenmächtig absetzen.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt sie Johanniskraut zum Einnehmen nicht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.