L-Phenylalanin ist eine essenzielle Aminosäure: Die WHO nennt für Phenylalanin und Tyrosin zusammen 25 mg pro kg Körpergewicht am Tag, bei 70 kg also rund 1,75 g – eine Portion Hähnchenbrust liefert davon schon über 2 g. Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht, auch nicht für das Gemisch DL-Phenylalanin (DLPA); die Studien zu Stimmung und Schmerzen sind alt und klein. Bei der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (PKU) sind Präparate tabu. Stand: Oktober 2026.
L-Phenylalanin ist eine der 9 essenziellen Aminosäuren. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sie muss mit dem Essen kommen. Sie ist ein Baustein fast aller Eiweiße.
Aus Phenylalanin bildet der Körper die Aminosäure L-Tyrosin. Daraus entstehen Botenstoffe wie Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, außerdem die Schilddrüsenhormone und der Hautfarbstoff Melanin.
Als Präparat wird Phenylalanin für Stimmung, Antrieb und Konzentration verkauft. Das Gemisch DL-Phenylalanin (DLPA) wird zusätzlich mit Schmerzen beworben. Belegt ist davon nichts.
Phenylalanin steckt in allem mit Eiweiß. Viel liefern Sojabohnen, lange gereifter Käse, Kerne, Hülsenfrüchte, Fleisch und Fisch.
| Lebensmittel | g pro 100 g | g pro Portion |
|---|---|---|
| Sojabohnen, getrocknet | 1,97 | 1,18 (60 g roh) |
| Parmesan | 1,91 | 0,38 (2 EL gerieben, 20 g) |
| Kürbiskerne | 1,7 | 0,51 (Handvoll, 30 g) |
| Erdnüsse, geröstet | 1,54 | 0,46 (Handvoll, 30 g) |
| Emmentaler | 1,45 | 0,44 (1 Scheibe, 30 g) |
| Linsen, getrocknet | 1,4 | 0,84 (60 g roh) |
| Gouda | 1,27 | 0,38 (1 Scheibe, 30 g) |
| Mandeln | 1,16 | 0,35 (Handvoll, 30 g) |
| Rindfleisch, mager | 1,06 | 1,33 (125 g) |
| Thunfisch | 0,98 | 1,23 (1 Steak, 125 g) |
| Kichererbsen, getrocknet | 0,96 | 0,58 (60 g roh) |
| Hähnchenbrust | 0,93 | 1,16 (125 g) |
| Tofu | 0,87 | 0,87 (100 g) |
| Lachs | 0,8 | 1 (1 Filet, 125 g) |
| Haferflocken | 0,78 | 0,39 (50 g) |
| Hühnerei | 0,76 | 0,46 (1 Ei, 60 g) |
| Magerquark | 0,61 | 0,92 (150 g) |
| Quinoa | 0,56 | 0,34 (60 g roh) |
Werte: Max Rubner-Institut (2025), Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, roh bzw. getrocknet, gerundet. Abgerufen am 21.10.2026.
Mit dem Essen nehmen Menschen in der EU laut EFSA im Mittel zwischen 0,4 und 4,1 g Phenylalanin am Tag auf, je nach Land und Alter. Auch der Zusatzstoff Aspartam (E 951) liefert Phenylalanin, mehr dazu bei der Phenylketonurie.
Ideen aus der Küche: Linsen-Tofu-Bolognese, Schneller Linsen-Feta-Salat oder Parmesan-Hähnchen auf Spargel.
Die WHO hat 2007 zusammen mit FAO und UNU den Bedarf für Phenylalanin und Tyrosin gemeinsam festgelegt, weil der Körper Tyrosin aus Phenylalanin bildet: 25 mg pro kg Körpergewicht am Tag für Erwachsene.
| Körpergewicht | Bedarf pro Tag |
|---|---|
| 50 kg | 1,25 g |
| 60 kg | 1,5 g |
| 70 kg | 1,75 g |
| 80 kg | 2 g |
| 90 kg | 2,25 g |
Mittlerer Bedarf; für eine sichere Zufuhr rechnet die WHO 24 % dazu.
125 g Hähnchenbrust liefern laut BLS rund 1,2 g Phenylalanin und 1,2 g Tyrosin. Wer genug Eiweiß aus abwechslungsreichen Lebensmitteln isst, bekommt also meist mehr als genug.
Eine EU-Höchstmenge oder einen BfR-Wert für L-Phenylalanin gibt es nicht. Eine Obergrenze ließ sich laut VKM nicht ableiten, weil Daten zu Präparaten über lange Zeit bei Gesunden fehlen.
| Behörde | Bewertung |
|---|---|
| VKM, Norwegen (2016) | 100 bis 1.000 mg L-Phenylalanin am Tag aus Präparaten sind für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 10 Jahren wahrscheinlich unbedenklich. Das gilt nicht bei PKU. Zu DL-Phenylalanin war keine Aussage möglich. |
| EFSA (2013), Aspartam | Die erlaubte Tagesdosis für Aspartam von 40 mg pro kg entspricht 22,4 mg Phenylalanin pro kg. Sie gilt nicht für Menschen mit PKU. Die VKM nutzte diesen Wert als Vergleich. |
| EU | Keine Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel und keine zugelassene Gesundheitsangabe. L-Phenylalanin steht auf der EU-Liste der Stoffe für Säuglingsnahrung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. |
Bei der angeborenen Phenylketonurie (PKU) kann der Körper Phenylalanin nicht richtig abbauen. Es reichert sich im Blut an und schadet dem Gehirn. PKU betrifft laut Gemeinsamem Bundesausschuss etwa eines von 10.000 Neugeborenen und gehört in Deutschland zum Neugeborenen-Screening.
Menschen mit PKU essen eine streng eiweißarme Spezialdiät. Phenylalanin-Präparate, DLPA und Mischungen mit Aminosäuren kommen für sie nur nach Vorgabe des Stoffwechselzentrums infrage.
Aspartam (E 951) besteht zum Teil aus Phenylalanin. Deshalb schreibt die EU-Lebensmittelinformations-Verordnung auf Lebensmitteln damit den Hinweis „enthält Aspartam (eine Phenylalaninquelle)“ vor, wenn in der Zutatenliste nur die E-Nummer steht, sonst „enthält eine Phenylalaninquelle“.
Phenylalanin aus dem Essen ist für Menschen ohne PKU kein Problem. Zu Präparaten über lange Zeit gibt es laut VKM keine Daten zu Nebenwirkungen bei Gesunden, auch die Literatursuche der VKM brachte keine neuen Hinweise.
Die Bewertung aus Norwegen reicht bis 1.000 mg am Tag. Zur D-Form konnte die VKM mangels Daten nichts sagen, die Studien dazu sind alt und klein.
Gut untersuchte Wechselwirkungen gibt es kaum. Weil Phenylalanin die Vorstufe von Botenstoffen ist und dieselben Transportwege nutzt wie manche Arzneistoffe, gilt bei diesen Medikamenten Vorsicht:
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva und Parkinson-Mittel) | Sie bremsen den Abbau von Botenstoffen, die auch aus Phenylalanin entstehen. Zusätzliches Phenylalanin wurde damit kaum untersucht – nur nach ärztlicher Absprache. |
| Levodopa (Parkinson-Mittel) | Levodopa konkurriert mit Aminosäuren wie Phenylalanin um dieselben Transportwege in den Körper und ins Gehirn. Präparate nur nach Absprache mit der neurologischen Praxis. |
| Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen) | 18 Männer mit Schizophrenie und Spätdyskinesie bekamen in einer Studie (1997) einmalig 100 mg Phenylalanin pro kg oder ein Scheinmittel. Nach Phenylalanin nahmen die unwillkürlichen Bewegungen deutlich zu. Bei solchen Erkrankungen nur nach ärztlicher Absprache. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Sehr hohe Phenylalaninwerte im Blut der Mutter schaden dem Ungeborenen. Das zeigt die PKU: Frauen mit PKU müssen ihre Werte vor und in der Schwangerschaft streng einstellen. Auf diesem Risiko beruht auch der Grenzwert der EFSA für Aspartam.
Zu Phenylalanin-Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine behördliche Bewertung. Präparate in dieser Zeit und für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Kinder unter 10 Jahren hat die VKM nicht bewertet.
DL-Phenylalanin (DLPA) ist ein Gemisch aus gleichen Teilen L-Phenylalanin und seiner Spiegelform D-Phenylalanin. Die D-Form ist kein Baustein von Eiweiß. Beworben wird sie vor allem bei Schmerzen und für die Stimmung.
| Thema | Stand |
|---|---|
| EU-Novel-Food-Katalog | Kein Eintrag zu D- oder DL-Phenylalanin. Ob die D-Form als Lebensmittel verkehrsfähig ist, hat die EU nicht entschieden. |
| EU-Liste für besondere Lebensmittel | Gelistet ist nur L-Phenylalanin, nicht die D- oder DL-Form. |
| VKM, Norwegen (2016) | Norwegen ließ 50 und 75 mg DL-Phenylalanin am Tag prüfen. Eine Aussage war mangels Daten nicht möglich. |
| Italien | Die Liste für Nahrungsergänzungsmittel erlaubt die D-Form ausdrücklich nur bei Asparaginsäure. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Die Angaben zu Stimmung und Schmerzlinderung lehnte die EFSA 2010 ab. |
Wer DLPA nimmt, nimmt immer auch L-Phenylalanin auf. Alles zu PKU, Schwangerschaft und Wechselwirkungen auf dieser Seite gilt deshalb auch für DLPA.
Mythen-Check: Woher die Versprechen zu Phenylalanin und DLPA kommen – und was Studien zeigen.
Die Idee stammt aus Tierversuchen: D-Phenylalanin bremste dort den Abbau körpereigener schmerzdämpfender Stoffe. In einer Studie mit 30 Menschen mit chronischen Schmerzen (1986) bekamen alle je 4 Wochen D-Phenylalanin und ein Scheinmittel. 25 Prozent hatten mit D-Phenylalanin weniger Schmerzen, 22 Prozent mit dem Scheinmittel, 53 Prozent merkten keinen Unterschied. Einen Unterschied zum Scheinmittel fanden die Autoren nicht.
Die Studien, auf die sich die Werbung stützt, sind fast 50 Jahre alt. In einer offenen Studie (1977) bekamen 20 Menschen mit Depression 20 Tage lang DLPA, ohne Vergleichsgruppe und ohne Scheinmittel. Daraus lässt sich keine Wirkung ableiten. Die EFSA sah 2010 keinen belegten Zusammenhang mit der Stimmung.
Auch Anträge zu Wachheit und Gedächtnis lehnte die EFSA 2010 ab, weil Studien fehlten, die einen Zusammenhang zeigen. Mehr zu Studien mit der Folgestufe Tyrosin unter Stress steht bei L-Tyrosin.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Phenylalanin ist ein Baustein von Eiweiß, aus dem der Körper Tyrosin und daraus Botenstoffe bildet. Eine EU-zugelassene Wirkung als Präparat gibt es nicht. Die EFSA lehnte 2010 Angaben zu Stimmung, Wachheit, Schmerzen und Gedächtnis ab.
Ein Gemisch aus gleichen Teilen L- und D-Phenylalanin. Für die D-Form gibt es in der EU keine Zulassung und keine Sicherheitsbewertung, eine Studie mit 30 Schmerzpatienten fand keinen Unterschied zum Scheinmittel.
Die WHO nennt 25 mg pro kg Körpergewicht für Phenylalanin und Tyrosin zusammen, bei 70 kg also 1,75 g. Eine Portion Hähnchenbrust liefert davon schon über 2 g.
Menschen mit Phenylketonurie (PKU), etwa eines von 10.000 Neugeborenen. Vorsicht gilt außerdem bei MAO-Hemmern, Levodopa und Neuroleptika sowie in der Schwangerschaft – dann nur nach ärztlicher Absprache.
Der Hinweis ist auf Lebensmitteln mit dem Zusatzstoff Aspartam Pflicht. Er warnt Menschen mit PKU, weil Aspartam im Körper Phenylalanin freisetzt.
Sojabohnen, Parmesan, Kürbiskerne, Erdnüsse, Käse und Linsen. Auch Fleisch, Fisch und Eier liefern viel.
Zu Präparaten über lange Zeit gibt es kaum Daten. Die norwegische Behörde VKM hält bis 1.000 mg am Tag ab 10 Jahren für wahrscheinlich unbedenklich, aber nicht bei PKU.
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