Eine belegte Wirkung von Kanna gibt es nicht: Die wenigen Studien am Menschen liefen höchstens 3 Monate, nur mit Gesunden und fast alle mit demselben Extrakt, oft mit Beteiligung des Herstellers. In der EU ist Kanna noch nicht als Lebensmittel zugelassen, seit 2020 gab es 4 Warnmeldungen im EU-Schnellwarnsystem. Weil der Hauptinhaltsstoff im Labor ähnlich wie manche Antidepressiva wirkt, raten Fachleute von der Kombination mit solchen Mitteln ab. Stand: Oktober 2026.
Kanna ist eine sukkulente Pflanze aus Südafrika. Botanisch heißt sie Sceletium tortuosum, heute oft auch Mesembryanthemum tortuosum. Sie gehört zu den Mittagsblumengewächsen und wächst in trockenen Gebieten im Westen des Landes.
Die San und Khoikhoi nutzen Kanna seit Jahrhunderten. Traditionell wird die Pflanze zerdrückt, in der Sonne fermentiert und getrocknet, dann gekaut, geraucht oder geschnupft. Später kamen Tee und Tinktur dazu.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Alkaloide wie Mesembrin und Mesembrenon. Im Labor blockieren sie den Transporter, der Serotonin zurück in die Nervenzellen holt – ähnlich wie bestimmte Antidepressiva (SSRI). Ein Extrakt hemmte außerdem das Enzym PDE4.
Im Netz wird Kanna als Kapsel, Pulver oder Tee verkauft und für Stimmung und Gelassenheit beworben, in der Drogenszene auch als „Legal High“. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartig. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. Für Kanna gibt es keine.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag zu Kanna. Die verwandte Art Eiskraut (Mesembryanthemum crystallinum) gilt dort als nicht neuartig – das betrifft Kanna nicht. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung. |
| Antrag auf Zulassung | Ein Hersteller hat einen Extrakt aus Kanna mit Wasser und Alkohol als neuartiges Lebensmittel beantragt: für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene, nicht für Schwangere und Stillende. Die EU-Kommission führt den Antrag unter den Anträgen von 2024. Entschieden ist nichts. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | 4 Meldungen von 2020 bis 2026 zu Kanna als nicht zugelassener neuartiger Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln, 3 davon aus Deutschland, 1 aus Österreich. Die Ware kam unter anderem aus Südafrika, den Niederlanden und der Slowakei. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Die Mittagsblumen (Mesembryanthemum) stehen mit allen Pflanzenteilen in Liste A: Eine Verwendung in Lebensmitteln wird nicht empfohlen. Kritischer Inhaltsstoff ist Mesembrin. Die Liste ist eine Orientierungshilfe der Behörden, kein Gesetz. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Solange es keine Zulassung gibt, darf Kanna in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Alle Studien am Menschen liefen mit Gesunden, fast alle mit demselben standardisierten Extrakt.
Studien mit Menschen mit Depression oder Angststörung gibt es nicht. Die Idee stammt aus dem Labor: Dort blockiert Mesembrin den Serotonin-Transporter, ein Extrakt hemmt zusätzlich das Enzym PDE4 (2011). Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen.
In einer MRT-Studie mit 16 Gesunden (2013) reagierte nach einer einmaligen Gabe der Mandelkern, ein an Angst beteiligter Bereich im Gehirn, schwächer auf ängstliche Gesichter. In zwei kleinen Studien (2020) mit jungen Gesunden gaben die Teilnehmenden in einer Teilstudie vor einer simulierten Rede etwas weniger Angst an, in der anderen gab es keinen Unterschied.
21 Gesunde mittleren Alters nahmen 3 Wochen lang den Extrakt und 3 Wochen Placebo (2014). Bei geistiger Flexibilität und beim Planen und Steuern von Aufgaben schnitten sie mit Extrakt besser ab. In einer Studie mit 60 jungen Freizeitsportlerinnen und -sportlern (2020) waren sie nach 8 Tagen in einem schwierigen Reaktionstest besser, bei der Stimmung gab es keinen Unterschied zu Placebo.
In der längsten Studie nahmen 37 Gesunde 3 Monate lang den Extrakt in zwei Mengen oder Placebo (2013). EKG, Blutwerte und Blutdruck blieben unauffällig, Kopfschmerzen kamen mit Placebo sogar häufiger vor. Eine Wirkung wurde in dieser Studie nicht untersucht.
An mehreren Studien wirkte ein Arzt mit, der laut eigener Angabe (2014) Leiter für Medizin und Wissenschaft bei der Firma ist, die den Extrakt entwickelt hat. Die Studie von 2014 bezahlten diese Firma und ihr US-Vertrieb. Große unabhängige Studien fehlen.
Studien zu Wechselwirkungen gibt es nicht. Eine Übersicht von 2021 kennt keine Berichte über schwere Wechselwirkungen, rät aber wegen des Wirkprinzips zur Vorsicht.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antidepressiva, zum Beispiel SSRI wie Citalopram oder Sertralin und SNRI wie Venlafaxin | Nicht zusammen mit Kanna, rät die Übersicht von 2021. Weil Mesembrin im Labor wie ein SSRI wirkt, ist zu viel Serotonin möglich (Serotonin-Syndrom). Berichte darüber sind uns nicht bekannt. |
| Andere Mittel, die auf Serotonin wirken, zum Beispiel 5-HTP oder Johanniskraut | Nicht untersucht. Wegen des gleichen Wirkprinzips nicht kombinieren. |
| PDE4-Hemmer, zum Beispiel Roflumilast (bei COPD) | Ein Kanna-Extrakt hemmt PDE4 im Labor. Die Übersicht von 2021 nennt deshalb mögliche Wechselwirkungen. |
| Medikamente, die über Leberenzyme wie CYP2D6 oder CYP3A4 abgebaut werden | Mesembrin wird laut einer Laborstudie (2015) über mehrere dieser Enzyme abgebaut. Ob es zu Wechselwirkungen kommt, ist nicht untersucht. |
| Alkohol, Cannabis und andere berauschende Stoffe | Laut Operation Supplement Safety ist besondere Vorsicht geboten, wenn Kanna mit Cannabis oder anderen psychoaktiven Stoffen kombiniert wird. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Produkt mit Kanna mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine. Die wenigen Studien liefen mit Gesunden, waren klein und kurz, und fast alle testeten denselben Extrakt mit Beteiligung des Herstellers.
Als Lebensmittel nicht: Kanna ist in der EU noch nicht als neuartiges Lebensmittel zugelassen. Deutsche Behörden meldeten Kanna-Produkte seit 2020 dreimal im EU-Schnellwarnsystem.
Das weiß niemand verlässlich. Eine amtliche Menge gibt es nicht, und die Sicherheit über längere Zeit ist nicht untersucht.
Nicht ohne ärztliche Aufsicht. Mesembrin wirkt im Labor ähnlich wie ein SSRI, Fachleute raten von der Kombination ab.
Genannt werden Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und Schläfrigkeit. Langzeitdaten fehlen, und manche Produkte waren mit Ephedrin oder Hordenin verunreinigt.
Kanna (Sceletium tortuosum) ist eine Pflanze aus Südafrika, die San und Khoikhoi traditionell fermentiert kauen. Ihr Alkaloid Mesembrin blockiert im Labor den Serotonin-Transporter.
Traditionell wird Kanna auch geraucht oder geschnupft, heute teils als „Legal High“. Welche Folgen das hat, ist kaum untersucht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.