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Phosphatidsäure: Wirkung, Risiken & Rechtslage

Phosphatidsäure ist ein Baustein aller Zellhüllen und wird als Präparat für mehr Muskeln beim Krafttraining verkauft – belegt ist das nicht: Von 4 kleinen Studien mit trainierten Männern zeigte nur 1 einen klaren Vorteil, und die bezahlte der Hersteller. In der EU ist Phosphatidsäure nur im Gemisch mit Phosphatidylserin als neuartiges Lebensmittel zugelassen, für reine Phosphatidsäure-Präparate ist keine Zulassung bekannt. Stand: Oktober 2026.

Phosphatidsäure in 30 Sekunden

Was ist das?
Ein Phospholipid, also ein Fettbaustein mit Phosphat. Es steckt in allen Zellhüllen und in kleinen Mengen im Essen, besonders in Kohlblättern.
Rechtslage?
Zugelassen ist in der EU nur ein Gemisch aus Soja mit gleichen Teilen Phosphatidylserin und Phosphatidsäure. Für reine Präparate ist keine Zulassung bekannt. Zur Rechtslage
Forschung?
Wenige kleine Studien zum Krafttraining mit gemischten Ergebnissen, die positiven bezahlt vom Hersteller. Bei älteren Männern störte Phosphatidsäure in einer Studie eher.
Risiken?
Kaum Daten über mehr als 8 Wochen. Präparate stammen meist aus Soja, wichtig bei Soja-Allergie. Mehr zu Risiken

Was ist Phosphatidsäure?

Phosphatidsäure ist ein Phospholipid: ein Fettbaustein aus Glycerin, zwei Fettsäuren und Phosphat. Sie steckt in allen Zellhüllen, macht dort aber nur einen kleinen Teil der Phospholipide aus. Der Körper nutzt sie als Zwischenstufe, um andere Phospholipide und Fette zu bilden.

Außerdem ist Phosphatidsäure in Zellen ein Signalstoff. Forschende zeigten 2001 an Zellen, dass sie an mTOR bindet. mTOR ist ein Eiweiß, das in Zellen Wachstum und Eiweißbildung steuert. Darauf beruht die Idee, Phosphatidsäure Kraftsportlern zu verkaufen.

Im Essen kommt Phosphatidsäure in kleinen Mengen vor. Eine japanische Messung von 38 Lebensmitteln (2012) fand die höchsten Gehalte in Kohlblättern und Rettichblättern, wenig dagegen in Obst, Getreide und tierischen Lebensmitteln. Wird roher Kohl fein geschnitten, entsteht durch ein Enzym der Pflanze mehr davon. Mehr zum Gemüse im Lexikon unter Rotkohl und Grünkohl.

Präparate werden meist aus Soja-Lecithin hergestellt. Verwandte Phospholipide mit eigener Seite sind Phosphatidylcholin und Phosphatidylserin. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Phosphatidsäure gibt es nicht.

Rechtslage in Deutschland und der EU

Angereicherte Stoffe, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartige Lebensmittel. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung.

Phosphatidsäure: Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
WoWas gilt
Gemisch aus Phosphatidylserin und PhosphatidsäureSeit 2017 als neuartiges Lebensmittel zugelassen, heute in der EU-Unionsliste: ein Pulver aus Soja-Lecithin mit je mindestens 20 % Phosphatidylserin und Phosphatidsäure. Erlaubt mit Höchstmengen in Nahrungsergänzung und einigen Lebensmitteln wie Joghurt oder Getreideriegeln.
Pflichthinweise beim GemischBezeichnung „Soja-Phosphatidylserin und -Phosphatidsäure“. Nicht für Schwangere und Stillende bestimmt.
Reine Phosphatidsäure-PräparateKeine Zulassung bekannt. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag zu Phosphatidsäure.
Zum Vergleich: Phosphatidylserin aus SojaLaut EU-Katalog in Nahrungsergänzung nicht neuartig, für andere Lebensmittel zugelassen. Diese Einstufung gilt nicht automatisch für Phosphatidsäure.
EU-Schnellwarnsystem RASFFKeine Meldung zu Phosphatidsäure gefunden (Suche Oktober 2026). Das heißt nicht, dass reine Präparate erlaubt sind.

Für dich heißt das: Erlaubt ist das Gemisch mit Phosphatidylserin, erkennbar an der Bezeichnung „Soja-Phosphatidylserin und -Phosphatidsäure“. Ob reine Phosphatidsäure-Präparate, wie sie in den Muskel-Studien verwendet wurden, in der EU verkauft werden dürfen, ist nicht geklärt.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien liefen über 8 Wochen mit jungen Männern, die schon länger Krafttraining machten.

Mythos: mehr Muskeln durch Phosphatidsäure

In 4 kleinen Studien mit 15 bis 28 trainierten Männern (2012 bis 2017) trainierten alle 8 Wochen lang, eine Gruppe bekam Phosphatidsäure, die andere ein Scheinmittel. Nur eine Studie (2014) fand klar mehr Muskelmasse und Kraft. In den anderen drei gab es in der üblichen Auswertung keinen Unterschied; zwei davon sahen nur mit einer zusätzlichen Wahrscheinlichkeitsrechnung einen möglichen Vorteil.

Wer bezahlt hat

Die positive Studie von 2014 und die Studie von 2012 bezahlte der Hersteller des verwendeten Präparats. Zwei Mitautoren arbeiteten als bezahlte Berater für ihn und sind als Erfinder auf Patentanträgen genannt.

Ältere Männer

In einer britischen Studie (2019) nahmen 16 ältere Männer nach einer Trainingseinheit Phosphatidsäure oder ein Scheinmittel. Die Eiweißbildung im Muskel stieg nur in der Scheinmittel-Gruppe. Die Forschenden schließen, dass Phosphatidsäure hier eher störte und bei Muskelabbau im Alter wohl keine Option ist.

Kombi-Produkte

Eine Studie (2016) mit 18 Männern testete ein Produkt, das neben Phosphatidsäure auch Leucin, HMB und Vitamin D enthielt. Mehr Muskelmasse und Kraft lassen sich dort keinem einzelnen Stoff zuordnen.

Der mTOR-Schalter

In Zellversuchen schaltet Phosphatidsäure den Wachstums-Schalter mTOR an, Phosphatidsäure aus Soja stärker als aus Ei (2014). Ob geschluckte Phosphatidsäure im Muskel dasselbe tut, ist nicht gezeigt.

Risiken und Nebenwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Studien zu Wechselwirkungen gibt es nicht. Die Tabelle zeigt, wo Vorsicht naheliegt.

MedikamentGut zu wissen
Mittel, die mTOR hemmen, etwa Sirolimus (Rapamycin) nach OrgantransplantationenPhosphatidsäure bindet im Labor an mTOR, an der Stelle, an der Rapamycin ansetzt (2001). Ob ein Präparat beim Menschen etwas ändert, ist nicht untersucht. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
Andere Präparate für KraftsportViele Produkte kombinieren Phosphatidsäure mit weiteren Stoffen. Was davon welche Folgen hat, lässt sich nicht trennen.
Medikamente allgemeinNicht untersucht. Frag vor einem Präparat in der Apotheke nach.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vor jedem Präparat mit Phosphatidsäure mit deiner Praxis oder Apotheke.

Häufige Fragen

Was bewirkt Phosphatidsäure?

Eine belegte Wirkung als Präparat gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Im Körper ist sie ein Baustein der Zellhüllen und ein Signalstoff in Zellen.

Baut Phosphatidsäure Muskeln auf?

Belegt ist das nicht. Von 4 kleinen Studien mit trainierten Männern fand 1 mehr Muskelmasse und Kraft, und die bezahlte der Hersteller.

Ist Phosphatidsäure in Deutschland erlaubt?

Zugelassen ist in der EU nur ein Gemisch aus Soja mit Phosphatidylserin und Phosphatidsäure zu gleichen Teilen. Für reine Phosphatidsäure-Präparate ist keine Zulassung bekannt.

Welche Nebenwirkungen hat Phosphatidsäure?

In einer Studie von 2012 wurden keine Nebenwirkungen gemeldet. Daten über mehr als 8 Wochen fehlen, und wer Soja nicht verträgt, sollte auf die Herkunft achten.

In welchen Lebensmitteln steckt Phosphatidsäure?

Vor allem in Kohl- und Rettichblättern, laut einer japanischen Messung von 38 Lebensmitteln. Tierische Lebensmittel enthielten wenig.

Was ist der Unterschied zu Phosphatidylserin?

Beides sind Phospholipide, Phosphatidylserin trägt zusätzlich die Aminosäure Serin. Als Gemisch aus beiden ist in der EU ein Präparat aus Soja zugelassen.

Quellen

  1. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 – Unionsliste der neuartigen Lebensmittel (konsolidierte Fassung vom 10.08.2026, Eintrag „Phospholipidprodukt mit gleichen Anteilen an Phosphatidylserin und Phosphatidsäure“) · Amtsblatt der EU, 2026
  2. Evira: Placing a novel food on the market – phospholipid product containing phosphatidylserine and phosphatidic acid (Schreiben vom 20.02.2017) · Finnische Lebensmittelbehörde Evira / Europäische Kommission, 2017
  3. EU Novel Food Status Catalogue (Suche „phosphatidic“: kein Eintrag; Eintrag Phosphatidylserine POL-NF-00710) · Europäische Kommission
  4. Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel · Amtsblatt der EU, 2015
  5. RASFF Window: Suche „phosphatidic“ und „phosphatidylserine“ (keine Meldung) · Europäische Kommission
  6. Fang Y et al.: Phosphatidic acid-mediated mitogenic activation of mTOR signaling · Science, 2001
  7. Tanaka T et al.: Quantification of phosphatidic acid in foodstuffs using a thin-layer-chromatography-imaging technique · Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2012
  8. Urikura M et al.: Phosphatidic acid production in the processing of cabbage leaves · Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2012
  9. Hoffman JR et al.: Efficacy of phosphatidic acid ingestion on lean body mass, muscle thickness and strength gains in resistance-trained men · Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2012
  10. Joy JM et al.: Phosphatidic acid enhances mTOR signaling and resistance exercise induced hypertrophy · Nutrition & Metabolism, 2014
  11. Andre TL et al.: Eight weeks of phosphatidic acid supplementation in conjunction with resistance training does not differentially affect body composition and muscle strength in resistance-trained men · Journal of Sports Science & Medicine, 2016
  12. Gonzalez AM et al.: Effects of phosphatidic acid supplementation on muscle thickness and strength in resistance-trained men · Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 2017
  13. Escalante G et al.: The effects of phosphatidic acid supplementation on strength, body composition, muscular endurance, power, agility, and vertical jump in resistance trained men · Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2016
  14. Smeuninx B et al.: The effect of acute oral phosphatidic acid ingestion on myofibrillar protein synthesis and intracellular signaling in older males · Clinical Nutrition, 2019

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.