Phosphatidsäure ist ein Baustein aller Zellhüllen und wird als Präparat für mehr Muskeln beim Krafttraining verkauft – belegt ist das nicht: Von 4 kleinen Studien mit trainierten Männern zeigte nur 1 einen klaren Vorteil, und die bezahlte der Hersteller. In der EU ist Phosphatidsäure nur im Gemisch mit Phosphatidylserin als neuartiges Lebensmittel zugelassen, für reine Phosphatidsäure-Präparate ist keine Zulassung bekannt. Stand: Oktober 2026.
Phosphatidsäure ist ein Phospholipid: ein Fettbaustein aus Glycerin, zwei Fettsäuren und Phosphat. Sie steckt in allen Zellhüllen, macht dort aber nur einen kleinen Teil der Phospholipide aus. Der Körper nutzt sie als Zwischenstufe, um andere Phospholipide und Fette zu bilden.
Außerdem ist Phosphatidsäure in Zellen ein Signalstoff. Forschende zeigten 2001 an Zellen, dass sie an mTOR bindet. mTOR ist ein Eiweiß, das in Zellen Wachstum und Eiweißbildung steuert. Darauf beruht die Idee, Phosphatidsäure Kraftsportlern zu verkaufen.
Im Essen kommt Phosphatidsäure in kleinen Mengen vor. Eine japanische Messung von 38 Lebensmitteln (2012) fand die höchsten Gehalte in Kohlblättern und Rettichblättern, wenig dagegen in Obst, Getreide und tierischen Lebensmitteln. Wird roher Kohl fein geschnitten, entsteht durch ein Enzym der Pflanze mehr davon. Mehr zum Gemüse im Lexikon unter Rotkohl und Grünkohl.
Präparate werden meist aus Soja-Lecithin hergestellt. Verwandte Phospholipide mit eigener Seite sind Phosphatidylcholin und Phosphatidylserin. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Phosphatidsäure gibt es nicht.
Angereicherte Stoffe, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartige Lebensmittel. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Gemisch aus Phosphatidylserin und Phosphatidsäure | Seit 2017 als neuartiges Lebensmittel zugelassen, heute in der EU-Unionsliste: ein Pulver aus Soja-Lecithin mit je mindestens 20 % Phosphatidylserin und Phosphatidsäure. Erlaubt mit Höchstmengen in Nahrungsergänzung und einigen Lebensmitteln wie Joghurt oder Getreideriegeln. |
| Pflichthinweise beim Gemisch | Bezeichnung „Soja-Phosphatidylserin und -Phosphatidsäure“. Nicht für Schwangere und Stillende bestimmt. |
| Reine Phosphatidsäure-Präparate | Keine Zulassung bekannt. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag zu Phosphatidsäure. |
| Zum Vergleich: Phosphatidylserin aus Soja | Laut EU-Katalog in Nahrungsergänzung nicht neuartig, für andere Lebensmittel zugelassen. Diese Einstufung gilt nicht automatisch für Phosphatidsäure. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Keine Meldung zu Phosphatidsäure gefunden (Suche Oktober 2026). Das heißt nicht, dass reine Präparate erlaubt sind. |
Für dich heißt das: Erlaubt ist das Gemisch mit Phosphatidylserin, erkennbar an der Bezeichnung „Soja-Phosphatidylserin und -Phosphatidsäure“. Ob reine Phosphatidsäure-Präparate, wie sie in den Muskel-Studien verwendet wurden, in der EU verkauft werden dürfen, ist nicht geklärt.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien liefen über 8 Wochen mit jungen Männern, die schon länger Krafttraining machten.
In 4 kleinen Studien mit 15 bis 28 trainierten Männern (2012 bis 2017) trainierten alle 8 Wochen lang, eine Gruppe bekam Phosphatidsäure, die andere ein Scheinmittel. Nur eine Studie (2014) fand klar mehr Muskelmasse und Kraft. In den anderen drei gab es in der üblichen Auswertung keinen Unterschied; zwei davon sahen nur mit einer zusätzlichen Wahrscheinlichkeitsrechnung einen möglichen Vorteil.
Die positive Studie von 2014 und die Studie von 2012 bezahlte der Hersteller des verwendeten Präparats. Zwei Mitautoren arbeiteten als bezahlte Berater für ihn und sind als Erfinder auf Patentanträgen genannt.
In einer britischen Studie (2019) nahmen 16 ältere Männer nach einer Trainingseinheit Phosphatidsäure oder ein Scheinmittel. Die Eiweißbildung im Muskel stieg nur in der Scheinmittel-Gruppe. Die Forschenden schließen, dass Phosphatidsäure hier eher störte und bei Muskelabbau im Alter wohl keine Option ist.
Eine Studie (2016) mit 18 Männern testete ein Produkt, das neben Phosphatidsäure auch Leucin, HMB und Vitamin D enthielt. Mehr Muskelmasse und Kraft lassen sich dort keinem einzelnen Stoff zuordnen.
In Zellversuchen schaltet Phosphatidsäure den Wachstums-Schalter mTOR an, Phosphatidsäure aus Soja stärker als aus Ei (2014). Ob geschluckte Phosphatidsäure im Muskel dasselbe tut, ist nicht gezeigt.
Studien zu Wechselwirkungen gibt es nicht. Die Tabelle zeigt, wo Vorsicht naheliegt.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Mittel, die mTOR hemmen, etwa Sirolimus (Rapamycin) nach Organtransplantationen | Phosphatidsäure bindet im Labor an mTOR, an der Stelle, an der Rapamycin ansetzt (2001). Ob ein Präparat beim Menschen etwas ändert, ist nicht untersucht. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Andere Präparate für Kraftsport | Viele Produkte kombinieren Phosphatidsäure mit weiteren Stoffen. Was davon welche Folgen hat, lässt sich nicht trennen. |
| Medikamente allgemein | Nicht untersucht. Frag vor einem Präparat in der Apotheke nach. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vor jedem Präparat mit Phosphatidsäure mit deiner Praxis oder Apotheke.
Eine belegte Wirkung als Präparat gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Im Körper ist sie ein Baustein der Zellhüllen und ein Signalstoff in Zellen.
Belegt ist das nicht. Von 4 kleinen Studien mit trainierten Männern fand 1 mehr Muskelmasse und Kraft, und die bezahlte der Hersteller.
Zugelassen ist in der EU nur ein Gemisch aus Soja mit Phosphatidylserin und Phosphatidsäure zu gleichen Teilen. Für reine Phosphatidsäure-Präparate ist keine Zulassung bekannt.
In einer Studie von 2012 wurden keine Nebenwirkungen gemeldet. Daten über mehr als 8 Wochen fehlen, und wer Soja nicht verträgt, sollte auf die Herkunft achten.
Vor allem in Kohl- und Rettichblättern, laut einer japanischen Messung von 38 Lebensmitteln. Tierische Lebensmittel enthielten wenig.
Beides sind Phospholipide, Phosphatidylserin trägt zusätzlich die Aminosäure Serin. Als Gemisch aus beiden ist in der EU ein Präparat aus Soja zugelassen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.