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Arachidonsäure: Wirkung, Lebensmittel und Rechtslage

Eine Wirkung von Arachidonsäure-Präparaten ist nicht belegt: Zwei kleine Studien mit je rund 30 trainierten Männern, beide von einem Hersteller mitbezahlt, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Omega-6-Fettsäure steckt in Eiern, Fleisch und Fisch – ein Hühnerei liefert laut BLS rund 76 mg –, und das konzentrierte Pilzöl ist in der EU nur für Säuglingsnahrung zugelassen. Stand: Oktober 2026.

Arachidonsäure in 30 Sekunden

Was ist das?
Eine Omega-6-Fettsäure, die in allen Zellwänden steckt. Der Körper bildet aus ihr Botenstoffe und kann sie selbst aus Linolsäure herstellen.
Wofür?
Als Präparat vor allem für Krafttraining beworben. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Mehr dazu
Woher?
Nur aus tierischen Lebensmitteln wie Eigelb, Geflügel, Fisch und Fleisch. Pflanzen enthalten praktisch keine. Zur Tabelle
Präparate?
Keine amtliche Tagesmenge. Das konzentrierte Pilzöl ist in der EU nur für Säuglingsnahrung zugelassen, nicht für Nahrungsergänzung. Mehr dazu

Was ist Arachidonsäure?

Arachidonsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure aus der Omega-6-Gruppe. Chemisch hat sie 20 Kohlenstoffatome und vier Doppelbindungen, Fachleute schreiben kurz 20:4 n-6 oder ARA.

Sie ist ein Baustein der Zellwände. Aus ihr bildet der Körper Botenstoffe, die Eicosanoide, etwa Prostaglandine und Leukotriene. Viele Schmerz- und Rheumamittel setzen genau an diesem Weg an (Übersicht 2018).

Der Körper kann Arachidonsäure selbst aus Linolsäure herstellen, einer Omega-6-Fettsäure aus dem Essen. Gesunde Erwachsene bilden so laut einem Positionspapier (2025) genug, auch bei pflanzlicher Ernährung.

Mehr zur anderen großen Gruppe der mehrfach ungesättigten Fettsäuren liest du unter Omega-3 und im Ratgeber Omega-3 und Omega-6 im Vergleich.

Arachidonsäure in Lebensmitteln

Arachidonsäure kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor. Am meisten steckt im Eigelb und in Geflügel, auch in Hähnchenleber. Fisch und mageres Rindfleisch liefern weniger.

Arachidonsäure in Lebensmitteln (roh)
Lebensmittelmg pro 100 gmg pro Portion
Eigelb44680 (1 Eigelb, 18 g)
Hähnchenleber230230 (100 g)
Putenkeule, ohne Haut170213 (125 g)
Hühnerei12776 (1 Ei, 60 g)
Makrele6683 (1 Filet, 125 g)
Hähnchenschenkel mit Haut5569 (125 g)
Putenbrust5569 (125 g)
Hering5468 (1 Filet, 125 g)
Lachs4860 (1 Filet, 125 g)
Thunfisch4455 (1 Steak, 125 g)
Hähnchenbrust3544 (125 g)
Rinderleber2222 (100 g)
Rindfleisch, mager1620 (125 g)

Werte: Max Rubner-Institut (2025), Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, Spalte Fettsäure C20:4 n-6 (Arachidonsäure), roh, gerundet, abgerufen am 20.10.2026. Ein Teil der Werte ist im BLS berechnet, nicht gemessen. Für Gouda und Emmentaler weist der BLS 0 aus.

Wie viel du mit dem Essen aufnimmst, hängt vor allem von Eiern und Geflügel ab. In Studien aus den USA (1997 und 1998) lieferte eine übliche Grundkost rund 200 mg Arachidonsäure am Tag.

Ideen mit Eiern und Fisch: Spinat-Omelett mit Kirschtomaten, Wildlachsfilet auf Linsen und Spinat oder ein Puten-Linsen-Eintopf. Mehr zu Fisch im Lexikon unter Wildlachs.

Dosierung: Was Behörden zu Arachidonsäure sagen

Für Arachidonsäure gibt es keine amtliche Tagesmenge. Die EFSA hat 2010 bewusst keinen Referenzwert festgelegt und auch keine Obergrenze für Omega-6-Fettsäuren.

In Studien bekamen gesunde Männer zusätzlich 1 bis 1,5 g Arachidonsäure am Tag, über 50 Tage bis 8 Wochen. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Treten Beschwerden auf, setz das Präparat ab und lass dich ärztlich beraten.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

MedikamentGut zu wissen
Gerinnungshemmer und Plättchenhemmer (z. B. ASS, Clopidogrel, Warfarin)Aus Arachidonsäure entsteht Thromboxan, ein Botenstoff der Blutplättchen. Mit diesen Medikamenten ist ein Präparat nicht untersucht. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
Schmerz- und Rheumamittel (NSAR, z. B. Ibuprofen)Sie bremsen Enzyme, die aus Arachidonsäure Prostaglandine machen. Ob ein Präparat das beeinflusst, ist nicht untersucht.
Omega-3-PräparateOmega-3- und Omega-6-Fettsäuren nutzen teils dieselben Enzyme. Wie sie sich gegenseitig beeinflussen, ist laut einer Übersicht (2018) noch nicht gut verstanden.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglinge

Laut einem Positionspapier (2025) können gesunde Erwachsene, auch Schwangere und Stillende, Arachidonsäure selbst aus Linolsäure bilden und brauchen kein Präparat. Säuglinge sollen gestillt werden oder Säuglingsnahrung mit Arachidonsäure bekommen.

In der EU muss Säuglingsnahrung DHA enthalten, Arachidonsäure darf zugesetzt werden. Eine europäische Fachgesellschaft für Kinderheilkunde empfahl 2020, Arachidonsäure immer zusammen mit DHA zuzusetzen.

Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.

Rechtslage: Lebensmittel, Pilzöl und Säuglingsnahrung

Arachidonsäure in der EU auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas giltQuelle
Im EssenNatürlicher Bestandteil tierischer Lebensmittel, keine Zulassung nötig.–
Arachidonsäurereiches Öl aus dem Pilz Mortierella alpinaZugelassenes neuartiges Lebensmittel mit mindestens 40 % Arachidonsäure, aber nur für Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke für Säuglinge.Unionsliste neuartiger Lebensmittel
NahrungsergänzungsmittelFür Nahrungsergänzung ist das Pilzöl nicht zugelassen. Im Novel-Food-Katalog der EU gibt es keinen Eintrag zu Arachidonsäure.Unionsliste, Novel-Food-Katalog
SäuglingsnahrungDHA ist Pflicht (20 bis 50 mg pro 100 kcal). Arachidonsäure darf zugesetzt werden, höchstens 1 % des Fetts.VO (EU) 2016/127
GesundheitsangabenKeine zugelassen. Anträge zu DHA, Arachidonsäure und Gehirnentwicklung abgelehnt.EFSA-Gutachten 2008 und 2009
ReferenzwertKeiner, auch keine Obergrenze für Omega-6-Fettsäuren.EFSA 2010

Im EU-Schnellwarnsystem RASFF haben wir keine Meldung zu Arachidonsäure oder Mortierella-Öl gefunden. Als Lebensmittel darf ein Präparat nicht mit Krankheiten beworben werden.

Was sagt die Forschung?

Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Arachidonsäure – und was zeigen Studien an Menschen?

Studienlage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaStudieErgebnis
Krafttraining31 trainierte Männer, 1 g am Tag, 50 Tage (2007)Kraft und Muskelmasse wie mit Scheinmittel, im Sprinttest mehr Spitzenleistung
Krafttraining30 trainierte Männer, 1,5 g am Tag, 8 Wochen (2016)Mehr Magermasse und Kraft im Oberkörper als mit Scheinmittel
Botenstoffe und Abwehrwerte10 gesunde Männer, 1,5 g am Tag, 50 Tage (1998)Mehr Botenstoffe im Labortest, Abwehrwerte unverändert
Blutgerinnung10 gesunde Männer, 1,7 g am Tag, 50 Tage (1997)Kein Unterschied

Beide Sport-Studien wurden ganz oder teilweise von einem Hersteller bezahlt.

Mythos: Arachidonsäure baut Muskeln auf

31 trainierte Männer nahmen 50 Tage lang 1 g Arachidonsäure oder ein Scheinmittel (2007). Kraft und Muskelmasse unterschieden sich nicht, nur die Spitzenleistung im Sprinttest war höher. In einer zweiten Studie mit 30 Männern (2016) legte nur die Arachidonsäure-Gruppe an Magermasse und Kraft zu. Beide Studien sind klein und wurden von einem Hersteller mitbezahlt.

Mythos: Arachidonsäure macht Entzündungen

Aus Arachidonsäure entstehen Botenstoffe, die an Entzündungen beteiligt sind. Laut einer Übersicht (2018) stiegen bei gesunden Erwachsenen mit mehr Arachidonsäure oder Linolsäure im Essen viele Blutwerte, die auf Entzündungen hinweisen, aber nicht an. In einer Studie (1998) mit 10 Männern bildeten Blutzellen im Labor mehr dieser Botenstoffe, die gemessenen Abwehrwerte blieben gleich. Das Zusammenspiel mit Omega-3 ist komplex und nicht geklärt.

Mehr Linolsäure, mehr Arachidonsäure?

Eine Auswertung von Studien (2011) fand: Wurde die Linolsäure im Essen stark verringert oder erhöht, änderte sich der Arachidonsäure-Gehalt im Blut kaum. Mehr Arachidonsäure im Essen erhöhte ihn dagegen.

Vegetarisch und vegan

Pflanzen enthalten praktisch keine Arachidonsäure. Laut einem Positionspapier (2025) bilden gesunde Erwachsene trotzdem genug aus Linolsäure. Einen geeigneten Test für einen Mangel gibt es nicht, weil Referenzbereiche fehlen. Für Kinder sind die Daten dünn.

Säuglingsnahrung mit oder ohne Arachidonsäure?

Die EU schreibt DHA in Säuglingsnahrung vor, Arachidonsäure nicht. Fachleute einer europäischen Fachgesellschaft halten das für nicht ausreichend geprüft und raten, beides zuzusetzen (2020). Studien zur besten Menge fehlen noch.

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Arachidonsäure?

Als Präparat ist keine Wirkung belegt, und die EU hat keine Angabe zugelassen. Zwei kleine Studien mit je rund 30 Kraftsportlern kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

In welchen Lebensmitteln steckt Arachidonsäure?

Nur in tierischen: am meisten in Eigelb, Geflügel und Innereien, weniger in Fisch und Rindfleisch. Ein Hühnerei liefert laut BLS rund 76 mg.

Macht Arachidonsäure Entzündungen?

Aus ihr entstehen Botenstoffe, die an Entzündungen beteiligt sind. Bei gesunden Erwachsenen stiegen mit mehr Arachidonsäure im Essen viele Blutwerte, die auf Entzündungen hinweisen, aber nicht an (Übersicht 2018).

Wie viel Arachidonsäure am Tag?

Eine amtliche Menge gibt es nicht, die EFSA hat keinen Referenzwert festgelegt. Mit üblicher Kost nimmst du nach Studien rund 200 mg am Tag auf.

Ist Arachidonsäure als Nahrungsergänzung erlaubt?

Das konzentrierte Öl aus dem Pilz Mortierella alpina ist in der EU nur für Säuglingsnahrung zugelassen, nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Im Essen ist Arachidonsäure ein normaler Bestandteil.

Brauchen Veganer Arachidonsäure?

Laut einem Positionspapier (2025) bilden gesunde Erwachsene genug aus Linolsäure, auch bei veganer Ernährung. Für Kinder sind die Daten dünn – das klärst du am besten in der Kinderarztpraxis.

Quellen

  1. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 – Unionsliste der neuartigen Lebensmittel (konsolidierte Fassung vom 10.08.2026), Eintrag „Arachidonsäurereiches Öl aus dem Pilz Mortierella alpina“ · Amtsblatt der EU, 2026
  2. Delegierte Verordnung (EU) 2016/127 – Zusammensetzung von Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung (Anhang I Nr. 5.6 und 5.7, Anhang II Nr. 4.6 und 4.7) · Amtsblatt der EU, 2016
  3. EFSA NDA Panel: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats, including saturated fatty acids, polyunsaturated fatty acids, monounsaturated fatty acids, trans fatty acids, and cholesterol (EFSA Journal 8(3):1461) · EFSA, 2010
  4. EFSA: Scientific substantiation of a health claim related to docosahexaenoic acid (DHA) and arachidonic acid (ARA) and brain development pursuant to Article 14 of Regulation (EC) No 1924/2006 (EFSA Journal 7(3):1000) · EFSA, 2009
  5. Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0 – Fettsäure C20:4 n-6 (Arachidonsäure) (DOI 10.25826/Data20251217-134202-0) · Max Rubner-Institut, 2025
  6. Zhang H, Cui Q, Song X: Research advances on arachidonic acid production by fermentation and genetic modification of Mortierella alpina · World Journal of Microbiology and Biotechnology, 2021
  7. Roberts MD et al.: Effects of arachidonic acid supplementation on training adaptations in resistance-trained males · Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2007
  8. De Souza EO et al.: Effects of Arachidonic Acid Supplementation on Acute Anabolic Signaling and Chronic Functional Performance and Body Composition Adaptations · PLOS ONE, 2016
  9. Kelley DS et al.: Arachidonic acid supplementation enhances synthesis of eicosanoids without suppressing immune functions in young healthy men · Lipids, 1998
  10. Nelson GJ et al.: The effect of dietary arachidonic acid on platelet function, platelet fatty acid composition, and blood coagulation in humans · Lipids, 1997
  11. Innes JK, Calder PC: Omega-6 fatty acids and inflammation · Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids, 2018
  12. Rett BS, Whelan J: Increasing dietary linoleic acid does not increase tissue arachidonic acid content in adults consuming Western-type diets: a systematic review · Nutrition & Metabolism, 2011
  13. Koletzko B et al.: Should formula for infants provide arachidonic acid along with DHA? A position paper of the European Academy of Paediatrics and the Child Health Foundation · The American Journal of Clinical Nutrition, 2020
  14. Weder S et al.: Arachidonic acid as a potentially critical nutrient for vegetarians and vegans – position paper of the Research Institute for Plant-based Nutrition (IFPE) · Lipids in Health and Disease, 2025

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