Borretschöl besteht zu 18 bis 27 % aus Gamma-Linolensäure (GLA), eine belegte Wirkung hat es aber nicht: In einer Cochrane-Auswertung (2013) schnitt es in 8 Studien bei Neurodermitis nicht besser ab als ein Scheinmittel, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die Borretschpflanze bildet Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können – in Nahrungsergänzungsmitteln auf Ölbasis hat das BfR sie bisher aber nicht nachgewiesen. Stand: Oktober 2026.
Borretsch ist eine einjährige Pflanze mit blauen, sternförmigen Blüten. Die Blätter schmecken leicht nach Gurke, daher der Name Gurkenkraut. Aus den Samen wird Borretschöl gepresst.
Besonders an dem Öl ist sein hoher Anteil an Gamma-Linolensäure (GLA), einer Omega-6-Fettsäure. Sie steckt auch in Nachtkerzenöl, dort aber in kleineren Mengen.
Beworben wird Borretschöl vor allem für Haut und Gelenke. Untersucht wurde es meist bei Neurodermitis und rheumatoider Arthritis. Was dabei herauskam, liest du unter Was sagt die Forschung?
| Punkt | Borretschöl | Nachtkerzenöl |
|---|---|---|
| Gamma-Linolensäure (GLA) | 18–27 % | 7–14 % |
| Linolsäure | 23–37 % | 65–85 % |
| GLA in 1 g Öl | rechnerisch 180–270 mg | 80–116 mg |
| Herkunft | Samen des Borretschs | Samen der Nachtkerze |
Borretschöl: Spannen für standardisiertes Öl laut Monographie der kanadischen Gesundheitsbehörde (2025). Nachtkerzenöl: Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs und GLA je Gramm laut EMA-Bericht (2018). Der Gehalt schwankt je nach Sorte und Herstellung.
Damit liefert Borretschöl je Gramm etwa doppelt so viel GLA wie Nachtkerzenöl. Omega-3-Fettsäuren enthält es nur wenig. Mehr zum Unterschied liest du unter Omega-3 und im Ratgeber Omega-3 vs. Omega-6.
Für Erucasäure, eine weitere Fettsäure, gilt bei Borretschöl ein eigener EU-Höchstgehalt: 50 g pro kg. Für die meisten anderen Pflanzenöle sind es 20 g.
Weichkapseln haben oft eine Hülle aus tierischem Material. Wenn du bestimmte Tierarten meidest, schau auf die Packung oder frag beim Hersteller nach.
Borretsch gehört zu den Raublattgewächsen. Wie viele Pflanzen dieser Familie bildet er Pyrrolizidinalkaloide (PA). Bestimmte PA können laut BfR die Leber schädigen. In Tierversuchen wirkten einige erbgutschädigend und krebserregend.
Im Kraut stecken PA in wechselnden Mengen, in allen Pflanzenteilen. Die Stoffliste von Bund und Ländern rät deshalb, Borretsch in Lebensmitteln nur beschränkt zu verwenden.
| Produkt | Was bekannt ist |
|---|---|
| Borretschblätter, frisch oder tiefgefroren | EU-Höchstgehalt: 750 µg PA pro kg |
| Borretsch, getrocknet | EU-Höchstgehalt: 1.000 µg PA pro kg |
| Kaltgepresstes Samenöl | Enthält laut Stoffliste von Bund und Ländern keine oder nur Spuren |
| Nahrungsergänzungsmittel auf Ölbasis | Das BfR hat darin bisher keine PA nachgewiesen |
Höchstgehalte nach Verordnung (EU) 2023/915. Sie gelten für die Summe von 21 bestimmten PA plus 14 weiteren, die bei der Messung mit ihnen zusammenfallen können.
Die US-Datenbank LactMed hält kleine Mengen PA im Samenöl trotzdem für möglich. Als Küchenkraut steckt Borretsch etwa in der Frankfurter Grünen Soße. Das BfR nennt ihn als Beispiel für ein Lebensmittel aus einer PA-bildenden Pflanze und rät allgemein zu Abwechslung beim Essen.
Für Borretschöl als Nahrungsergänzungsmittel gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge. Auch Zeitpunkt und Dauer der Einnahme hat keine Behörde festgelegt.
Für das Kraut veröffentlichte die frühere Kommission E des Bundesgesundheitsamts eine Negativmonographie, also eine Bewertung, die von der Anwendung als Arzneimittel abrät. Grund waren die Risiken durch PA.
In einer Studie zu Neurodermitis (2003) bekamen Erwachsene 12 Wochen lang täglich Kapseln mit zusammen 920 mg GLA. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Treten Beschwerden auf, setz das Öl ab und lass dich ärztlich beraten.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Blutverdünner und Mittel gegen das Verklumpen von Blutplättchen (z. B. ASS, Clopidogrel, Phenprocoumon, Warfarin) | Gezielte Studien mit Borretschöl fehlen. Für das ebenfalls GLA-haltige Nachtkerzenöl hält die EMA eine Verstärkung von Plättchenhemmern für möglich. Sprich die Einnahme vorher mit deiner Praxis ab. |
| Mittel gegen Epilepsie | Es gibt einen Fallbericht über einen schweren Krampfanfall nach Borretschöl. Hast du Epilepsie, frag vorher ärztlich nach. |
| Medikamente allgemein | Wechselwirkungen sind kaum untersucht. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor Borretschöl-Kapseln in der Apotheke oder Praxis.
Zur Sicherheit von Borretschöl in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine belastbaren Daten. Für Arzneimittel mit Nachtkerzenöl, das ebenfalls GLA liefert, rät die EMA aus diesem Grund in beiden Phasen ab.
Die US-Datenbank LactMed rät in der Stillzeit von Borretschblättern und -blüten ab, weil Pyrrolizidinalkaloide in die Muttermilch übergehen könnten. Auch beim Samenöl hält sie kleine Mengen für möglich.
Ob du in Schwangerschaft, Stillzeit oder für dein Kind Borretschöl verwendest, besprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
| Bereich | Was gilt |
|---|---|
| Lebensmittel | Blätter, Blüten, Samen und Samenöl sind laut EU-Novel-Food-Katalog nicht neuartig (POL-NF-00191). Seit September 2025 gilt das für das Öl in allen Lebensmitteln, vorher nur in Nahrungsergänzungsmitteln. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Kraut und Samen stehen in Liste B: Die Verwendung in Lebensmitteln soll beschränkt werden, wegen der Pyrrolizidinalkaloide. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz. |
| Pyrrolizidinalkaloide | EU-Höchstgehalte für Borretschblätter (750 µg pro kg) und getrockneten Borretsch (1.000 µg pro kg). |
| Erucasäure | Höchstgehalt für Borretschöl 50 g pro kg, für die meisten anderen Pflanzenöle 20 g. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu GLA hat die EFSA geprüft und nicht bestätigt (EFSA Journal 2010;8(2):1477 und 2011;9(4):2059). |
| Arzneimittel | Für Arzneimittel mit PA-haltigen Pflanzen erließ das BfArM 1992 einen Stufenplan. Die frühere Kommission E bewertete das Kraut negativ. |
Borretschöl wurde vor allem wegen seiner GLA untersucht. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Eine Cochrane-Auswertung (2013) fasste 27 Studien mit 1.596 Teilnehmenden zusammen, 8 davon zu Borretschöl. Das Öl schnitt bei den Ekzem-Beschwerden nicht besser ab als ein Scheinmittel, weder aus Sicht der Betroffenen noch der Ärztinnen und Ärzte. Die Autoren halten weitere Studien kaum für sinnvoll.
In einer Studie (2003) nahmen 140 Kinder und Erwachsene 12 Wochen lang Borretschöl oder ein Scheinmittel. Die Haut-Werte besserten sich in beiden Gruppen, mit dem Scheinmittel sogar etwas mehr. Die Autoren folgern, dass GLA bei Neurodermitis nichts bringt.
In einer Studie (2003) bekamen 118 Säuglinge aus Familien mit Allergien 6 Monate lang Borretschöl oder ein Scheinpräparat. Neurodermitis trat im ersten Lebensjahr nicht seltener auf, bei der Stärke gab es nur einen nicht gesicherten Trend.
Eine Cochrane-Auswertung (2011) fand in 7 Studien mit GLA-haltigen Ölen aus Nachtkerze, Borretsch oder Schwarzer Johannisbeere im Mittel geringere Schmerzwerte und weniger Einschränkungen. Die Autoren werten die Belege als mäßig. Für Borretschöl allein lässt sich daraus wenig ableiten.
Belegt ist das nicht. Angaben zu GLA und Hautbarriere, Feuchtigkeit oder Elastizität hat die EFSA 2011 geprüft und keinen Zusammenhang gesehen.
Große, unabhängige Studien über lange Zeit fehlen. Die meisten Studien sind älter, klein und liefen nur einige Monate.
Bei Hautbeschwerden oder Gelenkschmerzen, die dich belasten, ist die Praxis die bessere erste Adresse. Ein weiteres Öl mit ähnlichem Ruf findest du unter Schwarzkümmelöl.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine Wirkung ist nicht belegt, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Bei Neurodermitis schnitt Borretschöl in einer Cochrane-Auswertung mit 8 Studien (2013) nicht besser ab als ein Scheinmittel.
Standardisiertes Borretschöl enthält 18 bis 27 % GLA, 1 g Öl also rechnerisch 180 bis 270 mg. Das ist etwa doppelt so viel wie in Nachtkerzenöl.
Kaltgepresstes Samenöl enthält laut Stoffliste von Bund und Ländern keine oder nur Spuren, in ölbasierten Nahrungsergänzungsmitteln hat das BfR bisher keine nachgewiesen. Blätter und Blüten des Borretschs enthalten dagegen wechselnde Mengen.
In Studien traten meist leichte Magen-Darm-Beschwerden auf, ähnlich wie beim Scheinmittel. Ein Fallbericht (2011) beschreibt einen schweren Krampfanfall nach einer Woche Einnahme.
Belastbare Sicherheitsdaten gibt es nicht. Sprich vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme – für das ähnliche Nachtkerzenöl rät die EMA in Schwangerschaft und Stillzeit ab.
Borretschöl wird vor allem als Nahrungsergänzung in Kapseln verkauft und ist nicht zum Braten oder Kochen gedacht. Für die Pfanne gibt es andere Fette.
Beide liefern GLA, Borretschöl mit 18 bis 27 % aber etwa doppelt so viel wie Nachtkerzenöl mit 7 bis 14 %. Bei Neurodermitis schnitten beide in Studien nicht besser ab als ein Scheinmittel.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.