MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine Schwefelverbindung, die vor allem für Gelenke verkauft wird – eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht, und eine Übersichtsarbeit fand nur zwei kleine Gelenkstudien mit zusammen 52 Behandelten. Eine EU-Höchstmenge fehlt: Norwegens Gesundheitsinstitut FHI hält bis 1,2 g am Tag für bis zu 4 Monate für sicher, Dänemark legt 200 mg am Tag zugrunde. Stand: Oktober 2026.
MSM steht für Methylsulfonylmethan, chemisch auch Dimethylsulfon genannt. Es ist eine kleine organische Schwefelverbindung. Sie kommt in Spuren in vielen Lebensmitteln vor und findet sich auch im Blut.
Verkauft wird MSM vor allem für Gelenke, außerdem für Haut, Haare und Nägel. Es gibt MSM als Pulver und Kapsel oder in Mischungen, etwa mit Glucosamin und Chondroitinsulfat. Die Werbung beruft sich meist auf den Schwefel.
Ja, aber nur in Spuren. Die norwegische Behörde VKM nennt diese Gehalte, nach einer Bewertung der spanischen Lebensmittelbehörde:
| Lebensmittel | MSM pro Kilogramm |
|---|---|
| Kuhmilch | 6 bis 8 mg |
| Kaffee | 1,6 mg |
| Tomate | 0,86 mg |
| Tee | 0,3 mg |
| Mais | 0,11 mg |
Quelle: VKM 2021 nach AECOSAN 2014. Ein Glas Milch (200 ml) liefert damit rund 1,2 bis 1,6 mg MSM.
Zum Vergleich: In Gelenkstudien bekamen die Teilnehmenden 3 bis 6 g am Tag, also mehr als tausendmal so viel wie aus einem Glas Milch. Wie viel MSM der Körper selbst bildet, ist laut VKM nicht bekannt.
Den Schwefel, den der Körper braucht, liefert vor allem Eiweiß: Die Aminosäuren L-Methionin und L-Cystein enthalten Schwefel. Wer genug Eiweiß isst, bekommt sie mit, etwa aus Hülsenfrüchten, Eiern, Fisch oder Käse – zum Beispiel in Linsen-Tofu-Bolognese oder Linsen-Feta-Salat.
Eine EU-Höchstmenge für MSM gibt es nicht, auch keinen BfR-Wert. Behörden in Norwegen und Dänemark kommen zu sehr unterschiedlichen Werten.
| Behörde | Bewertung |
|---|---|
| VKM, Norwegen (2021) | 200 mg am Tag aus Präparaten sind für gesunde Erwachsene wahrscheinlich unbedenklich, 3 g am Tag könnten ein Risiko sein. Für Kinder und Jugendliche war keine Aussage möglich. |
| FHI, Norwegen (2025, veröffentlicht 2026) | Neubewertung: bis 1,2 g am Tag für bis zu 4 Monate bei Erwachsenen sicher. Ob 1,5 bis 3 g sicher sind, ist unklar. Für Kinder und Jugendliche war keine Aussage möglich. |
| DTU-Lebensmittelinstitut, Dänemark (2025) | Folgt der VKM mit 200 mg am Tag. Bei 250 mg am Tag lasse sich ein Risiko für Erwachsene nicht ausschließen. |
| EU | Keine Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel und keine zugelassene Gesundheitsangabe. |
Grundlage aller drei Bewertungen ist vor allem eine Studie, in der 100 Erwachsene mit Rückenschmerzen 16 Wochen lang 6 g MSM am Tag oder ein Scheinmittel nahmen. Blutbild, Leber- und Nierenwerte blieben unauffällig. Den Unterschied macht der Sicherheitsabstand: Die VKM teilte durch 30, das FHI nur durch 5.
In Gelenkstudien bekamen die Teilnehmenden 3 bis 6 g am Tag über 12 Wochen. Das sind Studienbedingungen, kein Rat. Ob ein Präparat für dich passt, klärst du am besten in Apotheke oder Praxis.
Schwere Nebenwirkungen zeigten Studien am Menschen bisher nicht. Sie liefen aber höchstens wenige Monate, Daten zur Einnahme über Jahre fehlen.
Wechselwirkungen von MSM mit Medikamenten sind laut FHI nicht bekannt. Gut untersucht ist das Thema allerdings nicht.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente allgemein | MSM zeigte laut FHI nur ein geringes Potenzial, Leberenzyme zu beeinflussen, die viele Arzneistoffe abbauen. Fehlende Daten heißen trotzdem nicht, dass es keine Wechselwirkungen gibt. |
| Schmerzmittel wie Naproxen | In der Rückenschmerz-Studie nahmen alle Teilnehmenden zusätzlich Naproxen. Blutwerte waren nach 16 Wochen in beiden Gruppen unauffällig. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis. Gelenkschmerzen, die nicht vergehen, gehören in ärztliche Abklärung.
Zu MSM in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Studien am Menschen; die Studie zu Rückenschmerzen schloss Schwangere und Stillende aus. Ein Versuch an trächtigen Ratten zeigte keine Schäden, für Menschen reicht das nicht.
Für Kinder und Jugendliche konnten weder VKM noch FHI eine sichere Menge nennen. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder deshalb nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Stand |
|---|---|
| Novel Food | Im EU-Novel-Food-Katalog gilt MSM in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig (Eintrag POL-NF-00503). In anderen Lebensmitteln ist MSM nicht zugelassen. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Die EFSA lehnte 2009 und 2010 alle beantragten Angaben ab, darunter zu Gelenken, Kollagen, Haaren und Nägeln. |
| Arzneimittel | Als Arzneimittel ist MSM nicht zugelassen, es wird nur als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. |
| Höchstmengen | EU-weit keine. Norwegen und Dänemark bewerten sichere Mengen sehr unterschiedlich, siehe oben. |
Mythen-Check: Was stimmt an den verbreiteten Aussagen zu MSM – und was zeigen Studien?
50 Menschen mit Kniearthrose nahmen in einer Studie (2006) 12 Wochen lang 6 g MSM am Tag oder ein Scheinmittel. Mit MSM fielen die Werte für Schmerzen und Beweglichkeit in Fragebögen besser aus. In einer zweiten Studie (2011) mit 49 Menschen war die Beweglichkeit besser, bei den Schmerzen war der Unterschied nicht gesichert.
Eine Übersichtsarbeit (2008) fand nur zwei MSM-Studien mit 52 Behandelten, die Ergebnisse waren positiv, aber nicht eindeutig. Eine Meta-Analyse (2011) zu MSM und dem verwandten DMSO sah bei den Schmerzen keinen Unterschied, der für Betroffene spürbar wäre. Behandlungsleitlinien zur Kniearthrose erwähnen MSM laut Verbraucherzentrale nicht.
Für Schwefel gibt es keinen eigenen Tagesbedarf. Das US-amerikanische Institute of Medicine legte 2005 keinen Wert fest, weil schwefelhaltige Aminosäuren aus Eiweiß und Wasser den Bedarf decken. Einen Schwefelmangel, den MSM ausgleichen müsste, beschreibt die Fachliteratur bei normaler Ernährung nicht.
Die EFSA sah 2010 keinen Zusammenhang mit Haaren und Nägeln belegt. Eine Studie (2022) mit 20 und 63 Teilnehmenden fand nach 16 Wochen mit 1 oder 3 g am Tag weniger sichtbare Falten. Ein Mitautor arbeitet bei einem MSM-Hersteller, unabhängige Studien dazu gibt es nach unserer Recherche nicht.
DMSO (Dimethylsulfoxid) ist chemisch verwandt, ein kleiner Teil davon wird im Körper zu MSM. Es ist aber ein anderer Stoff: ein Lösungsmittel, das in Studien meist als Gel auf die Haut kam. Laut Verbraucherzentrale ist DMSO kein Nahrungsergänzungsmittel und schlechter verträglich als MSM.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht. Die EFSA lehnte Angaben zu Gelenken, Kollagen, Haaren und Nägeln ab, Studien zu Kniearthrose sind klein und kurz.
Zwei kleine Studien mit 50 und 49 Teilnehmenden fanden nach 12 Wochen etwas bessere Werte in Fragebögen. Eine Meta-Analyse sah keinen spürbaren Unterschied bei Schmerzen, Leitlinien empfehlen MSM nicht.
Eine EU-Höchstmenge gibt es nicht. Norwegens Gesundheitsinstitut FHI hält bis 1,2 g am Tag für bis zu 4 Monate für sicher, Dänemark und die norwegische VKM nennen 200 mg.
In Studien bis 16 Wochen traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Möglich sind Blähungen, Durchfall, Kopfschmerzen und Hautreizungen, Langzeitdaten fehlen.
Nein. DMSO ist ein verwandtes Lösungsmittel, das teils zu MSM umgebaut wird. DMSO ist kein Nahrungsergänzungsmittel.
Nein. Einen eigenen Schwefelbedarf gibt es nicht, schwefelhaltige Aminosäuren aus Eiweiß und Wasser decken ihn.
In Spuren in Kuhmilch (6 bis 8 mg pro Kilogramm), Kaffee, Tomaten, Tee und Mais. Präparate enthalten ein Vielfaches davon.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.