Probiotika sind lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien oder Hefen, und was Studien zeigen, gilt jeweils nur für den untersuchten Stamm. Am besten untersucht ist Durchfall unter Antibiotika: In 33 Studien mit 6.352 Kindern bekamen ihn mit Probiotika 8 %, ohne sie 19 % – eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Präparate gibt es trotzdem nicht. Für Frühgeborene, schwer Kranke, Menschen mit geschwächter Abwehr oder einem zentralen Venenkatheter können lebende Keime gefährlich werden. Stand: Oktober 2026.
Nach einer Definition von Welternährungsorganisation (FAO) und Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2001 sind Probiotika lebende Mikroorganismen, für die in ausreichender Menge ein Nutzen für die Gesundheit belegt ist. Ob das für ein bestimmtes Produkt zutrifft, muss für jeden Stamm einzeln in Studien gezeigt werden.
Meist handelt es sich um Milchsäurebakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium, manchmal um Hefen wie Saccharomyces boulardii. FAO und WHO empfehlen, auf der Packung Gattung, Art und Stamm zu nennen, also zum Beispiel Lacticaseibacillus, rhamnosus und eine Stammbezeichnung aus Buchstaben oder Ziffern. Dazu gehört die Zahl lebender Keime am Ende der Haltbarkeit.
Laut FAO und WHO lassen sich Ergebnisse eines Stammes nicht auf andere Stämme übertragen, auch nicht innerhalb derselben Art. Ein Präparat mit vielen Stämmen ist deshalb nicht automatisch besser untersucht.
Nicht verwechseln: Ballaststoffe wie Inulin oder GOS sind keine Lebewesen. Bakterien im Dickdarm vergären sie. Einen Überblick über diese Stoffgruppe findest du hier.
Fermentiert heißt: Mikroorganismen haben das Lebensmittel bei der Herstellung verändert. Ob danach noch lebende Keime drin sind, hängt davon ab, ob das Produkt anschließend erhitzt, gebacken oder gefiltert wurde.
| Lebende Keime enthalten | Keine lebenden Keime mehr |
|---|---|
| Joghurt, Kefir, saure Sahne | Brot, auch Sauerteigbrot |
| Die meisten Käsesorten | Erhitztes oder pasteurisiertes Sauerkraut und Gemüse |
| Nicht erhitztes Sauerkraut, Kimchi und anderes fermentiertes Gemüse | Sojasauce und Essig |
| Miso, Natto, Tempeh | Wein und die meisten Biere |
| Die meisten Kombuchas | Manche Kombuchas |
Quelle: Einteilung im Konsens-Papier der Fachgesellschaft ISAPP zu fermentierten Lebensmitteln (2021). Wer Tempeh oder Miso kocht, tötet die Keime ab. Lebende Kulturen in Lebensmitteln sind nicht automatisch Probiotika: Dafür müssten Stamm, Menge und Nutzen bekannt sein.
Mehr zu einzelnen Lebensmitteln im Lexikon: Kefir, griechischer Joghurt, Sauerkraut, Kimchi, Miso, Tempeh und Kombucha.
Ideen aus der Küche, bei denen nichts erhitzt wird: ein schneller Erdbeer-Kefir-Smoothie, ein Gurken-Joghurt-Dip oder eine vegane Kimchi-Tofu-Bowl mit Kimchi aus dem Kühlregal.
Eine amtliche Tagesmenge für Probiotika gibt es nicht, auch keine Höchstmenge. Präparate geben die Menge als koloniebildende Einheiten (KbE) an, also als Zahl lebender Keime, die sich im Labor vermehren können.
Die einzige amtliche Zahl in der EU stammt aus der Angabe zu Joghurtkulturen: mindestens 100 Millionen KbE je Gramm Joghurt oder fermentierter Milch. Für Kapseln und Pulver gilt sie nicht.
In der Cochrane-Auswertung zu Kindern unter Antibiotika fiel der Unterschied in Studien mit mindestens 5 Milliarden KbE am Tag deutlicher aus. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Schwere Nebenwirkungen durch Probiotika traten in den Studien mit Kindern nicht auf. Treten anhaltende Beschwerden auf, setz das Präparat ab und sprich mit deiner Praxis.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antibiotika | Sie können Bakterien aus dem Präparat abtöten. In den meisten Studien wurden Probiotika gerade während einer Antibiotika-Behandlung untersucht. Wie viel Abstand sinnvoll ist, klärst du in der Apotheke. |
| Mittel gegen Pilze (Antimykotika) | Sie können Hefen wie Saccharomyces boulardii abtöten. Mehr dazu auf der Seite zu Saccharomyces boulardii. |
| Mittel, die die Abwehr unterdrücken (etwa nach Transplantation, bei Autoimmunerkrankungen, Chemotherapie) | Nicht ohne ärztliche Rücksprache: Bei geschwächter Abwehr steigt das Risiko, dass Keime ins Blut gelangen. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Zu Probiotika-Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine eigene behördliche Bewertung. Joghurt, Kefir und Käse gehören zu einer normalen Ernährung. Sprich Präparate vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme ab.
Frühgeborene bekommen Probiotika, wenn überhaupt, nur in der Klinik. Gib Säuglingen und Kindern Präparate nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis. Bei akutem Brechdurchfall von Kindern rät die US-Fachgesellschaft für Gastroenterologie (AGA) eher von Probiotika ab.
| Thema | Stand |
|---|---|
| Als Lebensmittel | Die üblichen Arten der Gattungen Lactobacillus, Lacticaseibacillus, Bifidobacterium und Streptococcus gelten laut EU-Katalog nicht als neuartig. Einzelne Stämme sind noch nicht zugelassen. Akkermansia muciniphila ist nur abgetötet (pasteurisiert) zugelassen. |
| Gesundheitsangaben | Im EU-Register stehen über 300 Anträge zu Bakterien- und Hefekulturen. Zugelassen ist nur einer, und der betrifft Joghurt. |
| Angabe zu Joghurtkulturen | Sie gilt nur für Joghurt und fermentierte Milch mit mindestens 100 Millionen KbE der Joghurtkulturen je Gramm. Sie betrifft Menschen, die Milchzucker schlecht vertragen, und den Milchzucker im selben Produkt. Für Kapseln gilt sie nicht. |
| Das Wort Probiotika auf der Packung | Laut Leitlinie der EU-Kommission (2007) eine Gesundheitsangabe. Zugelassen ist sie nicht. |
| Arzneimittel | Einzelne Stämme sind in Deutschland Arzneimittel, zum Beispiel die Hefe Saccharomyces boulardii. |
Viele Anträge scheiterten, weil die EU-Behörde EFSA den Stamm nicht ausreichend beschrieben fand. In anderen Fällen reichten ihr die Studien nicht.
Hier steht, was Studien untersucht haben, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. In vielen Auswertungen wurden ganz verschiedene Stämme zusammengefasst.
Eine Cochrane-Auswertung von 33 Studien mit 6.352 Kindern (2019) fand: Mit Probiotika bekamen 8 % Durchfall unter Antibiotika, ohne sie 19 %. Die Autoren bewerten die Gewissheit als mittel. Schwere Nebenwirkungen durch die Präparate traten in den Studien nicht auf.
Eine Cochrane-Auswertung von 39 Studien mit 9.955 Menschen (2017) fand Durchfall durch diesen Keim bei 1,5 % mit Probiotika und bei 4,0 % ohne. Ein klarer Unterschied zeigte sich nur in Studien, in denen ohne Probiotika mehr als 5 % erkrankten: 3,1 % statt 11,6 %.
Eine Cochrane-Auswertung von 60 Studien mit 11.156 sehr früh geborenen oder sehr leichten Babys (2023) fand mit Probiotika seltener eine nekrotisierende Enterokolitis, eine gefährliche Entzündung bei Frühgeborenen. Die Gewissheit ist aber gering. Bei extrem früh Geborenen zeigte sich kein klarer Unterschied. Eingesetzt werden Präparate dort nur in der Klinik.
Die US-Fachgesellschaft für Gastroenterologie (AGA) empfahl 2020, Probiotika bei Reizdarm, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nur im Rahmen von Studien einzusetzen. Die Datenlage reichte ihr für eine Empfehlung nicht.
In einer kleinen Studie mit gesunden Freiwilligen, die vorher Antibiotika genommen hatten (2018), kehrte die gewohnte Bakterien-Zusammensetzung im Stuhl mit einem Präparat aus mehreren Stämmen langsamer zurück als ohne Präparat. Ob das gesundheitlich etwas bedeutet, ist offen.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Das hängt vom einzelnen Stamm ab. Am besten untersucht ist Durchfall unter Antibiotika: In Studien mit Kindern bekamen ihn mit Probiotika 8 %, ohne sie 19 %. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Präparate gibt es nicht.
Frühgeborene, schwer Kranke, Menschen mit geschwächter Abwehr und Menschen mit zentralem Venenkatheter nur nach ärztlicher Rücksprache. Bei ihnen können die Keime ins Blut gelangen.
In den meisten Studien wurden sie gerade so untersucht. Antibiotika können Bakterien aus dem Präparat abtöten, den passenden Abstand klärst du in der Apotheke.
Sie enthalten lebende Kulturen, solange sie nicht erhitzt wurden. Als Probiotika gelten sie erst, wenn Stamm, Menge und Nutzen bekannt sind. Erhitztes Sauerkraut enthält keine lebenden Keime mehr.
Eine amtliche Menge gibt es nicht. Die einzige amtliche Zahl gilt für Joghurt: mindestens 100 Millionen KbE der Joghurtkulturen je Gramm.
Laut einer Leitlinie der EU-Kommission ist schon dieser Hinweis eine Gesundheitsangabe. Zugelassen ist er nicht.
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