Als Nahrungsergänzung hat Mutterkraut keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die EMA erkennt Arzneimittel mit dem Kraut nur aufgrund langer Tradition bei Migräne an – und nur, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat. In der größten Studie hatten Menschen mit Migräne unter einem Mutterkraut-Extrakt 0,6 Anfälle pro Monat weniger als mit Placebo, eine Cochrane-Auswertung von 6 Studien stuft die Belege als schwach ein. In Schwangerschaft und Stillzeit und bei einer Korbblütler-Allergie ist Mutterkraut tabu. Stand: Oktober 2026.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Staude mit kleinen weißen Blüten, die an Kamille erinnern. Es gehört zu den Korbblütlern, wie Kamille, Arnika oder Ringelblume. Verwendet werden die oberirdischen Teile, also Blätter, Stängel und Blüten.
Der bekannteste Inhaltsstoff ist Parthenolid. Das Europäische Arzneibuch verlangt im getrockneten Kraut mindestens 0,2 Prozent davon. Der deutsche Name erinnert daran, dass die Pflanze früher bei Frauenleiden genutzt wurde, der englische Name Feverfew an ihren alten Ruf bei Fieber.
Heute wird Mutterkraut vor allem mit Migräne in Verbindung gebracht. Angeboten wird es als Nahrungsergänzung in Kapseln und als traditionelles Arzneimittel.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Nahrungsergänzung | Getrocknetes, gemahlenes Kraut oder Extrakt in Kapseln | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Laut EU-Katalog in Nahrungsergänzung nicht neuartig. |
| Traditionelles Arzneimittel | Kapseln mit gemahlenem Kraut, Menge und Dauer in der Packungsbeilage | Von der EMA nur aufgrund langer Tradition anerkannt. In Deutschland wurde 2015 ein solches Arzneimittel registriert. |
| Extrakte aus Studien | Zum Beispiel ein standardisierter CO2-Extrakt | Ergebnisse gelten nur für das getestete Produkt und lassen sich nicht auf andere Kapseln übertragen. |
| Frische Blätter | Gekaute Blätter aus dem Garten | In einer Umfrage unter 300 Anwenderinnen und Anwendern bekamen gut 11 Prozent der Blätter-Kauer Geschwüre im Mund. Lippen und Zunge können sich entzünden. |
Quellen: EMA-Monographie (2020) und Bewertungsbericht, EU-Katalog für neuartige Lebensmittel.
Wie viel Parthenolid ein Produkt enthält, schwankt stark. Laut EMA-Bericht wird diskutiert, ob schlecht verarbeitetes Kraut einen Teil seiner Inhaltsstoffe verliert – ein Grund, warum Studien so unterschiedlich ausfallen.
Für Mutterkraut in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Laut EMA sollen Menschen ärztlich beraten werden, wenn ihre Migräneanfälle nach 2 Monaten Anwendung eines Arzneimittels weiter auftreten oder wenn sich die Beschwerden verschlimmern.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat oder nimmst du es seit Langem und willst aufhören, sprich mit Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon, Warfarin oder Heparine | Fachbücher nennen ein mögliches höheres Blutungsrisiko, Studien dazu gibt es laut EMA nicht. Der EMA-Bericht beschreibt einen Mann unter Warfarin, der zusätzlich Mutterkraut, Ginkgo und Vitamin E nahm, stark erhöhte Gerinnungswerte hatte und starb – ob Mutterkraut beteiligt war, ließ sich nicht klären. Nur nach Rücksprache. |
| Plättchenhemmer und Schmerzmittel wie ASS, Clopidogrel oder Ibuprofen | Fachbücher raten zur Vorsicht, weil Mutterkraut im Labor die Blutplättchen hemmt. Bei Schmerzmitteln wie Ibuprofen werden zusätzlich Magen- und Nierenprobleme diskutiert. Belegt ist beides nicht. |
| Propranolol (Betablocker) | Ein Fallbericht beschreibt sehr niedrigen Puls und Blutdruck unter Propranolol und Mutterkraut. Die EMA hält einen Zusammenhang für möglich. |
| Geplante Operation | Eine Frau, die über Monate Mutterkraut-Kapseln nahm, hatte veränderte Gerinnungswerte und Blutungen (Fallbericht 2021). Die Autoren raten vor geplanten Eingriffen zur Vorsicht. Sprich das vor jeder Operation mit der Ärztin oder dem Arzt ab. |
| Medikamente allgemein | Die EMA-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Gezielte Studien am Menschen gibt es aber nicht. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Mutterkraut-Präparat in der Apotheke.
Die EMA empfiehlt Mutterkraut in Schwangerschaft und Stillzeit nicht. Die Sicherheit ist nicht belegt, und eine Studie an trächtigen Ratten zeigte Hinweise auf Schäden bei Embryonen – mit wenigen Tieren und ohne klares Ergebnis.
Dazu kommt der traditionelle Ruf der Pflanze, die Gebärmutter anzuregen und die Regel auszulösen. Deshalb raten auch die Hersteller von Arzneimitteln in der Schwangerschaft ab.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist Mutterkraut laut EMA nicht vorgesehen, weil Daten fehlen. Migräne in diesen Lebensphasen gehört in ärztliche Behandlung, Präparate nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2020) | Nur traditionelles Arzneimittel, allein auf Basis langer Anwendung. Anwendungsgebiet: Migräne-Prophylaxe, also die regelmäßige Einnahme zwischen den Anfällen, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat. |
| Gut belegte Anwendung | Nicht anerkannt. Die Daten reichen laut EMA nicht aus: wenige Studien mit wenigen Menschen, kleine Unterschiede zu Placebo und verschiedene Mengen. |
| Überprüfung | Von März bis Juni 2026 hat die EMA neue Studien für eine mögliche Überarbeitung der Monographie gesammelt. Die Prüfung läuft. |
| Deutschland | Laut EMA-Bericht wurde 2015 ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel mit gemahlenem Mutterkraut registriert. Daneben wird Mutterkraut als Nahrungsergänzung verkauft. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Oberirdische Teile (unter dem Namen Chrysanthemum parthenium): in Nahrungsergänzung nicht neuartig. Für andere Lebensmittel gilt dieser Eintrag nicht. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Einen Eintrag zu Mutterkraut gibt es in der Pflanzenliste nach unserer Recherche nicht. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Mutterkraut darf in Nahrungsergänzung stecken, aber nicht mit Migräne oder anderen Krankheiten beworben werden. Ob ein Produkt Arzneimittel oder Lebensmittel ist, entscheiden Behörden im Einzelfall.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Für die Migräne-Vorbeugung wurden auch Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 untersucht.
6 Studien mit 561 Menschen mit Migräne erfüllten die Kriterien. Zusammenrechnen ließen sie sich nicht, weil Produkte, Mengen und Messgrößen zu verschieden waren. Drei kleine Studien mit 17 bis 60 Teilnehmenden fanden Vorteile, zwei sorgfältigere mit 50 und 147 Teilnehmenden keine. Die Autoren werten die Belege insgesamt als schwach.
Menschen mit Migräne bekamen 16 Wochen lang einen standardisierten CO2-Extrakt aus Mutterkraut oder Placebo, 170 wurden ausgewertet. Mit Extrakt sank die Zahl der Anfälle von 4,8 auf 2,9 pro Monat, mit Placebo von 4,8 auf 3,5. Der Unterschied beträgt 0,6 Anfälle im Monat. Stärke und Dauer der Anfälle unterschieden sich nicht.
In einer Placebo-Studie (1989) nahmen 40 Frauen mit rheumatoider Arthritis 6 Wochen lang Mutterkraut-Pulver oder Placebo. Bei Beschwerden und Blutwerten gab es keinen Unterschied.
Im Labor wird Parthenolid an Krebszellen untersucht. In einer kleinen Studie mit 12 Menschen mit fortgeschrittenem Krebs war Parthenolid nach Mutterkraut-Kapseln im Blut nicht nachweisbar, die Studie wurde deshalb beendet. Für Menschen folgt aus den Laborversuchen nichts.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Als Nahrungsergänzung hat Mutterkraut keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA erkennt Mutterkraut-Arzneimittel nur aufgrund langer Tradition bei Migräne an, und nur nach ärztlicher Abklärung.
In der größten Studie hatten Menschen mit Extrakt 0,6 Anfälle pro Monat weniger als mit Placebo. Eine Cochrane-Auswertung von 6 Studien mit 561 Menschen stuft die Belege als schwach ein.
Beschrieben sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden und wunde Stellen im Mund, besonders beim Kauen frischer Blätter. Bei einer Korbblütler-Allergie ist Mutterkraut tabu.
Nein, die EMA empfiehlt es in Schwangerschaft und Stillzeit nicht. Die Sicherheit ist nicht belegt, und eine Tierstudie zeigte Hinweise auf Schäden bei Embryonen.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Mutterkraut hemmt im Labor die Blutplättchen, und es gibt einzelne Fallberichte über Blutungen, Studien am Menschen fehlen.
Beides gibt es: In Deutschland wurde 2015 ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel registriert, daneben wird Mutterkraut als Nahrungsergänzung verkauft. Als Lebensmittel darf es nicht mit Migräne beworben werden.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.