Als Nahrungsergänzung hat Echinacea keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Anders bei Arzneimitteln aus dem Presssaft des frischen Krauts – für sie erkennt die EMA bei Erkältungen eine „gut belegte Anwendung“ an, kurzzeitig und höchstens 10 Tage lang. Eine Cochrane-Auswertung von 24 Studien mit 4.631 Teilnehmenden (2014) fand bei sehr unterschiedlichen Präparaten höchstens einen schwachen Nutzen. Stand: Oktober 2026.
Echinacea, auf Deutsch Sonnenhut, ist eine Gruppe von Stauden aus Nordamerika. In Präparaten stecken vor allem drei Arten: Echinacea purpurea (Roter Sonnenhut), Echinacea angustifolia und Echinacea pallida.
Am meisten untersucht ist der Presssaft aus dem frischen, blühenden Kraut des Roten Sonnenhuts. Wie er im Körper arbeiten soll, ist laut EMA nicht bekannt.
Angeboten wird Echinacea vor allem für Herbst und Winter, als Tropfen, Tabletten, Kapseln oder Tee. In derselben Zeit werden auch Holunderbeer-Extrakt und Zistrose beworben.
Echinacea ist nicht gleich Echinacea. Art, Pflanzenteil und Zubereitung unterscheiden sich stark, und so auch die Rechtslage.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Presssaft aus frischem Kraut (Echinacea purpurea) | Saft aus dem blühenden Kraut, flüssig oder getrocknet in Tabletten | Arzneimittel mit gut belegter Anwendung laut EMA: kurzzeitig bei Erkältungen, höchstens 10 Tage, ab 12 Jahren. Als Salbe traditionell bei kleinen oberflächlichen Wunden. |
| Wurzel (Echinacea purpurea, angustifolia, pallida) | Trockenextrakte, Tinkturen oder Pulver | Traditionelle pflanzliche Arzneimittel laut EMA, also allein auf Basis langer Anwendung. |
| Nahrungsergänzung | Kraut, Wurzel oder Extrakt in Kapseln, Menge je nach Hersteller | Lebensmittel. Kraut und Wurzel sind laut EU-Katalog in Nahrungsergänzung kein neuartiges Lebensmittel. |
| Echinacea-Tee | Aufguss aus dem getrockneten Kraut | Lebensmittel. Ein nicht konzentrierter Aufguss ist laut EU-Katalog nicht neuartig. |
| Extrakt aus Pflanzenzellkulturen | Aus Zellen gezüchtet, nicht aus der Pflanze | Eigens zugelassenes neuartiges Lebensmittel mit eigenen Bedingungen. |
Quellen: EMA-Monographien und Bewertungsbericht, Novel-Food-Katalog der EU, Stoffliste von Bund und Ländern.
Auf der Packung sollten Art und Pflanzenteil stehen. Ergebnisse aus Studien mit einem Präparat lassen sich nicht auf andere übertragen – das betont auch die Cochrane-Auswertung.
Für Echinacea in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographien legen Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt das Kraut des Roten Sonnenhuts als Lebensmittel für Tee und Nahrungsergänzung und zugleich als Arzneistoff. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Nach einer allergischen Reaktion solltest du Echinacea laut EMA nicht wieder nehmen. Bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht ruf den Notruf 112.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Immunsuppressiva, etwa nach einer Transplantation oder bei Autoimmunerkrankungen | Die EMA rät bei Immunsuppression von Echinacea ab. Ob sich die Mittel gegenseitig stören, ist nicht geklärt – sprich vorher mit deiner Praxis. |
| Chemotherapie und andere Mittel, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden | Ein Fallbericht beschreibt einen starken Abfall der Blutplättchen unter Chemotherapie, während der Patient Echinacea nahm. Die EMA wertet das als Signal, auch wenn der Presssaft das Enzym im Labor deutlich schwächer hemmt als Tinkturen. |
| Medikamente allgemein | Die EMA-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Das heißt nicht, dass es keine gibt – untersucht ist wenig. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Einige hundert dokumentierte Schwangerschaften zeigen laut EMA keine Hinweise auf Schäden für Mutter oder Kind. In einer Studie aus Kanada (2000) mit 206 Schwangeren gab es nicht mehr Fehlbildungen als in der Vergleichsgruppe. Für eine sichere Aussage reicht das der EMA nicht: Sie rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, außer die Ärztin oder der Arzt empfiehlt es.
Für Kinder unter 12 Jahren empfiehlt die EMA Echinacea nicht, weil zu wenige Daten vorliegen. Frag bei Kindern vorher in der Kinderarztpraxis.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel: Presssaft aus frischem Kraut (EMA-Monographie 2014) | „Gut belegte Anwendung“ bei Erkältungen, kurzzeitig zum Vorbeugen und zur Behandlung, ab 12 Jahren und höchstens 10 Tage. Grundlage sind vor allem zwei ältere Placebo-Studien (1997 und 2001). |
| Arzneimittel: Wurzeln der drei Arten | Nur traditionell registriert, also auf Basis langer Anwendung. |
| Überprüfung | 2024 hat die EMA die regelmäßige Überprüfung der Monographien begonnen. Ein Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht. |
| Lebensmittel | Kraut und Wurzel von Echinacea purpurea und Echinacea angustifolia sind in Nahrungsergänzung kein neuartiges Lebensmittel, Tee aus dem Kraut ist nicht neuartig (Novel-Food-Katalog der EU). In anderen Lebensmitteln gilt das nicht: 2026 wurden an der EU-Grenze zwei Erfrischungsgetränke mit Echinacea-Extrakt als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel zurückgewiesen. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen, Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. Eine beantragte Angabe zu leichter Angst für einen Wurzelextrakt aus Echinacea angustifolia hat die EU 2022 abgelehnt. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Echinacea nicht mit Krankheiten wie Erkältungen beworben werden.
Die Studien testen sehr verschiedene Arten, Pflanzenteile und Zubereitungen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Eine Cochrane-Auswertung (2014) fand 24 Placebo-Studien mit 4.631 Teilnehmenden. Keiner der 12 Vergleiche zum Vorbeugen zeigte für sich einen sicheren Unterschied. Nachträglich zusammengerechnet erkrankten mit Echinacea 10 bis 20 Prozent weniger – ob das im Alltag zählt, halten die Autoren für fraglich.
Von 7 Behandlungsstudien, die die Dauer maßen, zeigte nur eine einen sicheren Unterschied. In einer US-Studie (2010) mit 719 Erkälteten dauerte die Erkältung mit Tabletten aus Echinacea-Wurzel im Schnitt einen halben Tag kürzer, der Unterschied war aber nicht sicher.
Eine Auswertung von 2019 rechnete für das Vorbeugen 22 Prozent weniger Atemwegsinfekte aus, bei der Dauer fand sie keinen Unterschied. Ob der Effekt im Alltag bedeutsam ist, lassen die Autoren offen – auch weil viele verschiedene Präparate getestet wurden.
In einer Placebo-Studie (2003) mit 407 Kindern zwischen 2 und 11 Jahren waren Erkältungen mit Echinacea weder kürzer noch milder. Hautausschlag trat häufiger auf: bei 7,1 statt 2,7 Prozent der Kinder.
Mit dem Immunsystem wird Echinacea oft beworben, eine zugelassene Angabe gibt es dafür nicht: Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU seit Jahren „on hold“. Die Studien messen Erkältungen, nicht „das Immunsystem“. Für eine Einnahme über Monate fand die EMA keine gut gemachte Studie mit positivem Ergebnis.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Als Nahrungsergänzung ist keine Wirkung belegt, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Für Arzneimittel aus dem Presssaft des frischen Krauts erkennt die EMA eine kurzzeitige Anwendung bei Erkältungen an. Eine Auswertung von 24 Studien fand insgesamt höchstens einen schwachen Nutzen.
Die EMA sieht Arzneimittel bei Erkältungen höchstens 10 Tage vor. Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Dauer. Halten Beschwerden länger an, sprich mit deiner Praxis.
Wer auf Korbblütler allergisch ist, soll Echinacea laut EMA nicht nehmen. Abgeraten wird auch bei Autoimmunerkrankungen, Immunschwäche, Immunsuppression und Erkrankungen der weißen Blutkörperchen, und für Kinder unter 12 Jahren wird es nicht empfohlen.
Möglich sind allergische Reaktionen wie Ausschlag, Juckreiz oder Schwellungen im Gesicht, selten auch schwere bis zum Schock. Wer zu Allergien neigt, soll vorher ärztlich nachfragen.
Studien zum Vorbeugen zeigen allenfalls einen kleinen Effekt, je nach Auswertung 10 bis 22 Prozent weniger Atemwegsinfekte. Für eine Einnahme über Monate fand die EMA keine überzeugende Studie, Arzneimittel sind auf 10 Tage begrenzt.
Die EMA rät davon ab, außer die Ärztin oder der Arzt empfiehlt es. Einige hundert dokumentierte Schwangerschaften zeigen keine Schäden, für eine sichere Aussage reicht das nicht.
Beides gibt es. Zugelassene Arzneimittel haben eine Packungsbeilage, Kraut und Wurzel dürfen auch in Nahrungsergänzung stecken. Nahrungsergänzung darf nicht mit Krankheiten werben.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.