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Guduchi (Giloy): Wirkung, Risiken & Rechtslage

Guduchi, auch Giloy genannt, ist eine Kletterpflanze aus dem Ayurveda, eine belegte Wirkung hat sie nicht: Studien am Menschen sind wenige, klein und stammen meist aus Indien. Seit 2021 beschreiben Ärztinnen und Ärzte in Indien Leberschäden nach der Einnahme, in der größten Studie bei 43 Menschen, von denen 4 starben. In der EU gilt nur der Tee als herkömmliches Lebensmittel, für Pulver und Kapseln gibt es keine Zulassung. Stand: Oktober 2026.

Guduchi in 30 Sekunden

Was ist das?
Eine Kletterpflanze aus Indien (Tinospora cordifolia). Im Ayurveda werden vor allem die Stängel verwendet.
Rechtslage?
In der EU ist nur der Tee als herkömmliches Lebensmittel eingestuft. Für Pulver, Extrakte und Kapseln gibt es weder Einstufung noch Zulassung.
Forschung?
Wenige kleine Studien am Menschen, meist aus Indien. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Risiken?
In Indien sind schwere Leberschäden beschrieben, teils tödlich. Daten zur Sicherheit fehlen. Mehr zu Risiken

Was ist Guduchi?

Guduchi (Tinospora cordifolia) ist eine verholzende Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern. Sie gehört zu den Mondsamengewächsen und wächst im tropischen Indien. Auf Hindi heißt sie Giloy, im Sanskrit Guduchi. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Guduchi.

Im Ayurveda werden Stängel, Wurzeln und Blätter für sehr viele Beschwerden eingesetzt. Laut BfR stecken in der Pflanze unter anderem Bitterstoffe, Alkaloide wie Berberin und verschiedene Glycoside. Wie viel davon in Tee oder Kapseln steckt, ist kaum untersucht.

Während der Corona-Pandemie wurde Guduchi in Indien breit beworben, auch von Behörden. Viele Menschen nahmen es über Wochen. Wie Ashwagandha und Tulsi gehört Guduchi zu den bekanntesten Ayurveda-Pflanzen.

Für Guduchi hat die EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Angaben zu Pflanzenstoffen hat die EU noch nicht abschließend geprüft, sie stehen „on hold“.

Rechtslage in Deutschland und der EU

Bei Guduchi kommt es auf die Form an. Für den Tee gibt es eine Einstufung der EU, für Pulver, Extrakte und Kapseln nicht.

Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
FrageStand
Guduchi als TeeKein neuartiges Lebensmittel: Laut EU-Novel-Food-Katalog wurde ein nicht konzentrierter wässriger Aufguss schon vor 1997 in der EU verzehrt.
Pulver, Extrakt, KapselnVom Katalog-Eintrag nicht abgedeckt. Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel gibt es nicht.
EU-Liste zugelassener neuartiger LebensmittelKein Eintrag.
Stoffliste für Pflanzen (BVL, Deutschland)Kein Eintrag. Die Liste ist eine Orientierungshilfe der Behörden und nicht rechtsverbindlich.
Pflanzenliste Italien mit BELFRIT-ListeKein Eintrag in der Liste von 2017, in die auch die gemeinsame Liste von Belgien, Frankreich und Italien eingeflossen ist.
EU-Schnellwarnsystem (RASFF)Keine Meldung zu Tinospora, Guduchi oder Giloy gefunden.
GesundheitsangabenKeine zugelassen. Angaben zu Pflanzenstoffen stehen „on hold“.
ArzneimittelKeine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). In Indien ist Guduchi ein gängiges Ayurveda-Mittel.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2014 Guduchi-Kräutertees bewertet. Die Daten reichten nicht aus, um zu sagen, ob ein Gesundheitsrisiko besteht. Als Lebensmittel ohne Sicherheitsbedenken stufte das BfR die Tees deshalb nicht ein.

Ein fehlender Eintrag heißt nicht, dass Kapseln oder Pulver erlaubt sind. Der Hersteller muss belegen können, dass sein Produkt verkehrsfähig ist. Als Lebensmittel darf Guduchi nicht mit Krankheiten beworben werden.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Viele Arbeiten zu Guduchi sind Labor- und Tierstudien. Studien am Menschen sind klein und stammen meist aus Indien.

Abwehr und Corona

Eine Auswertung von Studien zu Ayurveda-Mitteln (2024) fand bei Guduchi etwas weniger COVID-19-Ansteckungen. Ins Krankenhaus kamen aber nicht weniger Menschen. Die Qualität der Belege war gering bis mittel, die Autoren arbeiten an einem Ayurveda-Institut in Indien.

Heuschnupfen

In einer Studie mit 75 Menschen mit allergischem Schnupfen (2005) berichtete die Guduchi-Gruppe nach 8 Wochen weniger Beschwerden als die Placebo-Gruppe. Es blieb bei dieser einen, kleinen Studie.

Zuckerwerte im Blut

Die meisten Hinweise stammen aus Tierversuchen, die das BfR 2014 zusammengefasst hat. Aussagekräftige Studien am Menschen gibt es nach unserer Recherche nicht.

Leber

Im Ayurveda wird Guduchi auch bei Leberleiden eingesetzt. Studien am Menschen, die das stützen, sind uns nicht bekannt. Gut dokumentiert sind dagegen Leberschäden nach der Einnahme.

Was fehlt

Große, unabhängige Studien über lange Zeit fehlen. Auch die Präparate sind selten vergleichbar: Tee, Pulver, Extrakte und Mischungen mit anderen Kräutern.

Risiken und Nebenwirkungen

Das indische AYUSH-Ministerium widersprach 2021: Die Fälle seien schlecht dokumentiert, womöglich hätten die Betroffenen die ähnlich aussehende Art Tinospora crispa genommen. Eine Nachuntersuchung (2023) bestätigte für vier Pflanzenproben der Betroffenen per Erbgut-Analyse aber Tinospora cordifolia.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Studien zu Wechselwirkungen bei Menschen gibt es nicht. Die Tabelle beruht auf dem, was über die Inhaltsstoffe bekannt ist.

MedikamentGut zu wissen
Diabetes-MedikamenteIn Tierversuchen lagen die Zuckerwerte im Blut nach Guduchi-Extrakten niedriger. Zusammen mit Diabetes-Medikamenten könnten sie zu stark fallen.
Mittel, die das Immunsystem dämpfen (zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder bei Autoimmunerkrankungen)Inhaltsstoffe von Guduchi beeinflussten in Studien Immunzellen. Ob das solche Medikamente stört, ist nicht untersucht. Die Leberschäden in Indien zeigten oft Merkmale einer Autoimmunreaktion.
Medikamente, die selbst die Leber belasten könnenWerden deine Leberwerte schon wegen eines Medikaments kontrolliert, sag in der Praxis, dass du Guduchi nimmst.

Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Guduchi-Produkt mit deiner Praxis oder Apotheke.

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Guduchi?

Belegt ist keine, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die wenigen Studien am Menschen sind klein und stammen meist aus Indien, etwa zu Corona und Heuschnupfen. Gut dokumentiert sind dagegen Leberschäden nach der Einnahme.

Was ist Guduchi?

Eine Kletterpflanze aus Indien, botanisch Tinospora cordifolia, auf Hindi Giloy. Im Ayurveda werden vor allem die Stängel verwendet.

Kann Guduchi der Leber schaden?

Ja, in Indien sind Leberschäden beschrieben. In der größten Studie (2022) waren es 43 Menschen, 4 von ihnen starben. Die Todesfälle betrafen Menschen, deren Leber schon vorher chronisch erkrankt war.

Ist Guduchi in Deutschland erlaubt?

Als Tee gilt Guduchi in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel. Für Pulver, Extrakte und Kapseln gibt es keine Einstufung und keine Zulassung.

Was ist der Unterschied zwischen Guduchi-Tee und Kapseln?

Den Tee stuft die EU als herkömmliches Lebensmittel ein, weil er schon vor 1997 verzehrt wurde. Kapseln mit Pulver oder Extrakt deckt diese Einstufung nicht ab.

Was zeigen Studien zu Guduchi und Corona?

Eine Auswertung von 2024 fand etwas weniger Ansteckungen, aber nicht weniger Krankenhausaufenthalte. Die Belege waren schwach, eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.

Wer sollte Guduchi nicht ohne ärztlichen Rat nehmen?

Menschen mit Leber- oder Autoimmunerkrankungen, Schwangere, Stillende und Kinder. Das gilt auch, wenn du Diabetes-Medikamente nimmst.

Quellen

  1. EU Novel Food Status Catalogue: Tinospora cordifolia – Non-concentrated aqueous infusion: Not novel in food (POL-NF-00748) · Europäische Kommission
  2. Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Guduchi-Kräutertees sind möglich – Datenlage ist aber noch unzureichend (Stellungnahme Nr. 009/2014) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2014
  3. Stoffliste des Bundes und der Bundesländer: Pflanzenliste, Einträge L–Z, Auflage 2.1 (Aktualisierung September 2026) – kein Eintrag für Tinospora · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2026
  4. Notifizierung 2017/0276/I: Italienisches Dekret zu pflanzlichen Stoffen in Nahrungsergänzungsmitteln mit gemeinsamer Pflanzenliste (inkl. BELFRIT) – kein Eintrag für Tinospora · Europäische Kommission (TRIS), 2017
  5. HMPC Overview of assessment work – Priority list, July 2026 (kein Eintrag für Tinospora) · European Medicines Agency (EMA), 2026
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (kein Eintrag für Guduchi; Erwägungsgrund 10 zu Pflanzenstoffen) · Amtsblatt der EU, 2025
  7. LiverTox: Tinospora · National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIH)
  8. Nagral A et al.: Herbal Immune Booster-Induced Liver Injury in the COVID-19 Pandemic – A Case Series · Journal of Clinical and Experimental Hepatology, 2021
  9. Kulkarni AV et al.: Tinospora Cordifolia (Giloy)-Induced Liver Injury During the COVID-19 Pandemic – Multicenter Nationwide Study From India · Hepatology Communications, 2022
  10. Nagral A et al.: Herb-induced Liver Injury – A Guide to Approach. Lessons from the Tinospora cordifolia (Giloy) Case Series Story · Journal of Clinical and Experimental Hepatology, 2023
  11. Relating Giloy to Liver Damage is completely Misleading, Says Ministry of Ayush (Release ID 1733260) · Press Information Bureau, Regierung von Indien, 2021
  12. Badar VA et al.: Efficacy of Tinospora cordifolia in allergic rhinitis · Journal of Ethnopharmacology, 2005
  13. Thakar A et al.: Ayush Prophylaxis Against COVID-19: A Living Systematic Review and Meta-Analysis (Second Update) · Journal of Integrative and Complementary Medicine, 2024

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