Lactoferrin ist ein Eiweiß aus Milch, das Eisen bindet – Muttermilch enthält in den ersten Wochen im Mittel 4,9 g pro Liter, Kuhmilch nur 0,1 bis 0,2 g. In Studien traten Nebenwirkungen selten auf, bei einer Kuhmilcheiweiß-Allergie ist es aber nicht geeignet, und eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht. Stand: Oktober 2026.
Lactoferrin ist ein Eiweiß, das Eisen bindet. Es kommt in vielen Körperflüssigkeiten vor, besonders viel in Muttermilch, und gehört zu den Molkenproteinen.
Präparate enthalten Lactoferrin aus Kuhmilch. In der Werbung geht es meist um Infekte und Eisenmangel. Was Studien dazu zeigen, liest du unter Was sagt die Forschung?
Lactoferrin ist kein Eisenpräparat. Es bindet Eisen, liefert aber kaum welches: Laut EU-Spezifikation enthält 1 g Lactoferrin höchstens 0,35 mg Eisen. Der Referenzwert für Eisen auf Lebensmitteln liegt bei 14 mg am Tag. Mehr dazu auf der Seite Eisen.
| Milch | Lactoferrin | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Muttermilch, erste 4 Wochen | im Mittel 4,9 g pro Liter | Auswertung von 52 Studien mit 2.724 Frauen (2014). Die Werte schwanken stark. |
| Muttermilch ab etwa 1 Monat | im Mittel 2,1 g pro Liter | Danach bleibt der Gehalt bis ins zweite Stilljahr ungefähr gleich. |
| Kuhmilch | 0,1 bis 0,2 g pro Liter | Angabe aus der Allergie-Leitlinie der World Allergy Organization (2022). |
Über Kuhmilch kommt also wenig Lactoferrin zusammen. Präparate enthalten Lactoferrin, das aus Magermilch oder Käsemolke gewonnen wird. Es ist ein fast geruchloses, leicht rosafarbenes Pulver.
Besonders viel steckt in der ersten Milch nach der Geburt. Mehr dazu im Lexikon: Kolostrum (Biestmilch). Präparate aus der Biestmilch von Kühen findest du unter Bovines Colostrum.
Eine amtliche Tagesmenge für Lactoferrin gibt es nicht. Weil Lactoferrin aus Kuhmilch in Nahrungsergänzungsmitteln nicht als neuartig gilt, gibt es dafür auch keine EU-Höchstmenge.
Als die EFSA 2012 Lactoferrin als neuartiges Lebensmittel prüfte, schätzte sie die Aufnahme Erwachsener aus allen beantragten Verwendungen auf im Mittel etwa 1,4 g am Tag, bei Vielverzehrern auf 3,4 g. Bei diesen Mengen sah sie keine Sicherheitsbedenken. Das ist eine Sicherheitsbewertung, keine Empfehlung.
In den Studien unten wurden bei Erwachsenen 200 bis 800 mg am Tag untersucht. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Eine Unverträglichkeit von Milchzucker ist etwas anderes als eine Allergie gegen Milcheiweiß. Mehr dazu unter Laktase. Hast du eine Allergie oder Beschwerden, sprich mit deiner Praxis.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Eisenpräparate bei Eisenmangel | Lactoferrin ersetzt kein verordnetes Eisen. In einer Studie mit 555 Frauen (2026) stieg der Wert für den roten Blutfarbstoff mit Eisentabletten deutlich stärker. |
| Andere Medikamente | Belegte Wechselwirkungen sind uns aus Studien und Behördenbewertungen nicht bekannt. Untersucht ist das aber kaum. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Lactoferrin steckt von Natur aus in Muttermilch. In Studien bekamen auch Schwangere Lactoferrin aus Kuhmilch, meist bei Eisenmangel.
Eisenmangel in der Schwangerschaft gehört in ärztliche Hand. Ein Präparat in Schwangerschaft und Stillzeit deshalb nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Für Säuglinge ist Lactoferrin in der EU in Säuglingsnahrung zugelassen, mit höchstens 100 mg pro 100 ml. Frühgeborene bekamen es in Studien in der Klinik – Präparate für Babys und Kinder nur nach Rücksprache mit der Kinderarztpraxis.
Lactoferrin aus Kuhmilch gilt in Nahrungsergänzungsmitteln nicht als neuartig, es darf dort also verwendet werden. In anderen Lebensmitteln ist es ein zugelassenes neuartiges Lebensmittel, mit festen Höchstgehalten je Lebensmittelgruppe.
| Verwendung | Was gilt |
|---|---|
| Nahrungsergänzungsmittel | Nicht neuartig laut EU-Katalog für neuartige Lebensmittel. Keine EU-Höchstmenge. |
| Säuglingsanfangs- und Folgenahrung | Zugelassen, höchstens 100 mg pro 100 ml (trinkfertig). |
| Getränke auf Milchbasis, Joghurt- und Käseerzeugnisse, Speiseeis, Backwaren, Bonbons, Kaugummi und weitere | Zugelassen mit Höchstgehalten je Gruppe, zum Beispiel 200 mg pro 100 g in Getränken auf Milchbasis. |
| Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke | Je nach Bedarf bis zu 3 g am Tag. |
| Bezeichnung auf der Packung | „Lactoferrin aus Kuhmilch“. Milch muss als Allergen hervorgehoben sein. |
| Reinheit | Über 93 % Eiweiß, davon über 95 % Lactoferrin. Höchstens 350 mg Eisen pro kg. |
Werbung mit Krankheitsbezug ist für alle Nahrungsergänzungsmittel verboten, auch für Lactoferrin.
Hier steht, was Studien an Menschen zeigen – an wem, wie viele und mit welchem Ergebnis, ohne Versprechen. Die Ergebnisse sind gemischt, die größten Studien fanden keinen klaren Nutzen.
Eine Auswertung von 25 Studien an Kindern (2025) fand mit Lactoferrin weniger Kinder mit Durchfall als mit Placebo. Bei Infekten der oberen Atemwege war der Unterschied nicht eindeutig.
In einer britischen Studie mit 2.203 sehr früh geborenen Babys (2019) bekamen 29 % mit Lactoferrin und 31 % mit Placebo eine Infektion – kein klarer Unterschied. Ein Cochrane-Review (2020) mit 12 Studien fand weniger Blutvergiftungen, hält die Sicherheit dieses Ergebnisses aber für gering.
Eine Auswertung von 4 Studien mit 600 Schwangeren (2017) fand nach 4 Wochen ähnliche oder etwas bessere Blutwerte als mit Eisensulfat. In einer großen Studie mit 555 nicht schwangeren Frauen aus Bangladesch (2026) schnitt Lactoferrin dagegen klar schlechter ab als Eisentabletten.
In einer italienischen Studie mit 218 Erwachsenen im Krankenhaus (2023) war der Anteil derer, die starben oder auf die Intensivstation kamen, mit Lactoferrin nicht kleiner als mit Placebo. Die Autoren sehen keinen Grund für diesen Einsatz.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine zugelassene Wirkung auf die Haut gibt es nicht. Eine Angabe zur Haut war bei der EU beantragt, sie bezog sich aber auf Akne, also auf eine Krankheit. Werbung mit Krankheitsbezug ist für Nahrungsergänzungsmittel verboten.
In Studien traten mit Lactoferrin selten Nebenwirkungen auf, im Vergleich mit Eisentabletten gab es seltener Magen-Darm-Beschwerden. Bei einer Kuhmilcheiweiß-Allergie ist es nicht geeignet.
Ein Eiweiß aus Milch, das Eisen bindet. Präparate stammen aus Kuhmilch, sind also nicht vegan, und werden meist mit Infekten und Eisenmangel beworben. Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht, die größten Studien fanden keinen klaren Nutzen.
Nein. Lactoferrin enthält kaum Eisen, laut EU-Spezifikation höchstens 0,35 mg pro Gramm. In einer Studie mit 555 Frauen (2026) stiegen die Blutwerte mit Eisentabletten deutlich stärker.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Studien an Erwachsenen untersuchten 200 bis 800 mg am Tag, und die EFSA sah 2012 bei geschätzt bis zu 3,4 g am Tag aus allen geplanten Verwendungen keine Sicherheitsbedenken.
Lactoferrin ist ein Eiweiß, kein Milchzucker. Ob ein Präparat Reste von Milchzucker enthält, regelt die EU-Spezifikation nicht – frag im Zweifel beim Hersteller nach.
Kolostrum ist die erste Milch nach der Geburt und enthält viele verschiedene Eiweiße, darunter Lactoferrin. Lactoferrin-Präparate enthalten das isolierte Eiweiß.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.