Guarana wirkt vor allem über sein Koffein, eine eigene EU-zugelassene Wirkung hat es nicht: Die Samen enthalten laut EMA 1,1 bis 5,8 % Koffein, 1 g Pulver also 11 bis 58 mg. Bei üblichen Mengen ist Guarana laut der US-Datenbank LiverTox nicht mit Leberschäden in Verbindung gebracht worden, die EMA nennt nur einen Einzelfall. Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis 400 mg Koffein am Tag aus allen Quellen für unbedenklich, bis 200 mg auf einmal. Stand: Oktober 2026.
Guarana ist eine Kletterpflanze aus dem Amazonasgebiet. Ihre roten Früchte platzen bei der Reife auf und zeigen schwarze Samen. Diese werden geröstet, getrocknet und gemahlen.
In Südamerika wird Guarana laut EMA für Limonaden und andere Getränke verwendet. Bei uns gibt es Guarana auch als Pulver, in Kapseln und in Energydrinks. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Guarana.
Der wichtigste Inhaltsstoff ist Koffein. Früher hieß er bei Guarana Guaranin, chemisch ist es aber dasselbe Koffein wie im Kaffee. Dazu kommen laut EMA kleine Mengen Theobromin und Theophyllin sowie viele Gerbstoffe. Mehr zum Wirkstoff selbst liest du unter Koffein.
Laut EMA enthalten Guaranasamen 1,1 bis 5,8 % Koffein. Für Arzneimittel muss das Pulver nach dem französischen Arzneibuch mindestens 3,5 % enthalten. Extrakte können noch mehr Koffein haben: In Studien waren es 11 bis 12 %.
| Produkt | Menge | Koffein | Quelle |
|---|---|---|---|
| Guaranasamen-Pulver | 1 g | 11 bis 58 mg | EMA |
| Guarana-Pulver in Arzneibuch-Qualität | 1 g | mindestens 35 mg | EMA |
| Espresso | 60 ml | rund 80 mg | EFSA |
| Filterkaffee | 200 ml | rund 90 mg | EFSA |
| Cola | 355 ml | rund 40 mg | EFSA |
| Energydrink | 250 ml | rund 80 mg | EFSA |
Guarana-Werte rechnerisch aus den Gehalten im EMA-Bewertungsbericht (2013). EFSA-Werte sind Beispielwerte. Je nach Produkt schwankt der Gehalt stark – entscheidend ist die Koffeinangabe auf der Packung.
Getränke mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter müssen in der EU den Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ tragen, gleich aus welcher Quelle das Koffein stammt. Einen Vergleich mit Tee und Kaffee findest du unter Matcha.
Eine amtliche Höchstmenge für Guarana in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland nicht. Die Grenze setzt das Koffein: Die EFSA hat 2015 bewertet, wie viel aus allen Quellen zusammen unbedenklich ist – also auch aus Kaffee, Tee, Cola und Energydrinks.
| Gruppe | Koffein aus allen Quellen |
|---|---|
| Gesunde Erwachsene | bis 400 mg am Tag, bis 200 mg auf einmal |
| Schwangere | bis 200 mg am Tag |
| Stillende | bis 200 mg am Tag und auf einmal |
| Kinder und Jugendliche | 3 mg pro kg Körpergewicht am Tag, bei 30 kg also 90 mg |
| Kurz vor dem Schlafengehen | Schon 100 mg können bei manchen Erwachsenen Schlafdauer und Schlafmuster verändern. |
Diese Werte gelten nicht für Menschen mit Vorerkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten – dazu hat die EFSA keine Aussage gemacht.
Die EU-Monographie (2013) nennt Mengen nur für traditionelle pflanzliche Arzneimittel und nur für Erwachsene. Sie gilt für deren Zulassung, nicht für Kapseln aus dem Drogeriemarkt, und ist kein Rat zur Einnahme.
Laut der US-Datenbank LiverTox hat Guarana bei üblichen Mengen wenige Nebenwirkungen und wurde nicht mit Leberschäden oder Gelbsucht in Verbindung gebracht.
Die EMA nennt einen Einzelfall aus Ungarn (2007): Eine 30-jährige Frau, die dauerhaft Guarana-Produkte und gelegentlich ein Schmerzmittel als Spritze nahm, bekam ein akutes Nieren- und Leberversagen. Nach einer Dialyse erholten sich die Nieren. Ob Guarana die Ursache war, ist damit nicht bewiesen.
Bei einer Leberzirrhose baut der Körper Koffein langsamer ab, es sammelt sich an. Deutsche Guarana-Arzneimittel nannten die Erkrankung laut EMA-Bericht deshalb als Grund, das Mittel nicht zu nehmen.
Hast du Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion, sollst du Guarana-Arzneimittel laut EMA nicht nehmen. Sprich vor Kapseln mit Guarana mit deiner Praxis.
| Medikament oder Stoff | Gut zu wissen |
|---|---|
| Synephrin und Bitterorange | Beide Stoffe wirken auf Herz und Kreislauf. Bei gleichzeitiger Einnahme sieht das BfR ein Risiko für Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. Mehr unter Synephrin. |
| MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva) | Laut EU-Monographie nur mit Vorsicht. Sprich das vorher mit deiner Praxis ab. |
| Sympathomimetika (anregende Arzneistoffe) und Schilddrüsenhormone | Koffein kann laut EMA deren Nebenwirkungen und Wirkung verstärken. |
| Schlaf- und Beruhigungsmittel | Koffein schwächt deren Wirkung ab. |
| Pille, Cimetidin, Disulfiram und bestimmte Antibiotika (Chinolone) | Sie bremsen den Koffein-Abbau in der Leber. Das Koffein wirkt dann länger und stärker. |
| Theophyllin (Asthma-Mittel) | Koffein verzögert seine Ausscheidung. |
| Kaffee, Tee, Cola, Energydrinks | Zählen zur Koffeinmenge dazu. Die EFSA-Werte gelten für alle Quellen zusammen. |
Die Angaben zu Pille, Antibiotika und Theophyllin stammen aus deutschen Arzneimittel-Informationen, die die EMA in ihrem Bericht zitiert. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor Guarana in der Apotheke oder Praxis.
In der Schwangerschaft hält die EFSA bis 200 mg Koffein am Tag aus allen Quellen für unbedenklich für das Ungeborene. In der Stillzeit gilt das für bis 200 mg am Tag und auf einmal.
Koffein geht über die Plazenta zum Kind und in die Muttermilch über. Für Guarana-Arzneimittel rät die EMA in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Daten fehlen. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
| Bereich | Was gilt |
|---|---|
| Lebensmittel | Früchte und Samen sind laut EU-Novel-Food-Katalog nicht neuartig (POL-NF-00572). Guarana darf in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln stecken. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Die Samen stehen in Liste B: Die Verwendung in Lebensmitteln soll beschränkt werden. Als kritische Inhaltsstoffe nennt die Liste Koffein und Saponine. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz. |
| Kennzeichnung | Getränke mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter brauchen einen Warnhinweis. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit zugesetztem Koffein muss der Koffeingehalt je Tagesmenge auf der Packung stehen. |
| Pflanzliches Arzneimittel (EU) | EU-Monographie der EMA (2013): traditionelles Arzneimittel bei Müdigkeit und Schwäche, allein auf Basis langer Anwendung. Bei der Überprüfung 2022 fand die EMA keine neuen Sicherheitsbedenken. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. Guarana mit Grüntee und Körpergewicht: von der EFSA 2012 nicht bestätigt. |
Traditionelle Anwendung heißt: Die Wirksamkeit ist nicht ausreichend durch Studien belegt, gilt aber wegen langer Anwendung als plausibel. Als Lebensmittel darf Guarana nicht mit Krankheiten beworben werden.
Die meisten Studien zu Guarana sind klein, kurz oder nutzen Mischungen mit anderen Stoffen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
In zwei kleinen Studien mit 26 und 28 Studierenden bekamen die Teilnehmenden einmalig einen Guarana-Extrakt oder ein Scheinmittel. Einige Aufgaben lösten sie danach etwas schneller, sie fühlten sich wacher. Der Extrakt enthielt Koffein, und ob die übrigen Stoffe etwas beitragen, ist nicht geklärt.
In einer Studie (2013) nahmen 27 gesunde Erwachsene 5 Tage lang ein Guarana-Präparat oder ein Scheinmittel. Bei Wohlbefinden, Angst und Stimmung gab es keinen Unterschied.
Eine Auswertung (2021) fand 7 Studien mit 427 Menschen mit Krebs. In der gemeinsamen Auswertung von 3 Studien war die Müdigkeit mit Guarana nicht geringer als mit Scheinmittel, die Belege waren sehr schwach. Eine weitere Auswertung (2024) mit 5 Studien und 229 Menschen kam zu einem günstigeren Ergebnis, die Studien unterschieden sich aber stark. Die EMA sah 2022 keine belegte Wirksamkeit.
Studien gibt es fast nur zu Mischungen, etwa mit Mate und Damiana oder mit Grüntee-Extrakt, und mit wenigen Teilnehmenden. Eine Angabe zu Guarana mit Grüntee und dem Körpergewicht hat die EFSA 2012 nicht bestätigt.
Belegt ist das nicht. Das Koffein in Guarana ist dasselbe wie im Kaffee. Vergleichende Studien am Menschen, die eine langsamere oder sanftere Wirkung zeigen, gibt es nach unserer Recherche nicht.
Mehr zu Koffein im Tee liest du unter Matcha und im Lexikon unter Yerba Mate. Bist du oft erschöpft, ist die Praxis die bessere erste Adresse.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Guarana wirkt vor allem über Koffein, 1 g Pulver liefert 11 bis 58 mg. Eine eigene EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht, und ob die übrigen Pflanzenstoffe etwas beitragen, ist nicht geklärt.
Bei üblichen Mengen wurde Guarana laut LiverTox nicht mit Leberschäden in Verbindung gebracht. Die EMA nennt einen Einzelfall (2007) mit Nieren- und Leberversagen, bei Leberzirrhose sammelt sich Koffein im Körper an.
Laut EMA enthalten die Samen 1,1 bis 5,8 % Koffein, 1 g Pulver also 11 bis 58 mg. Extrakte können 11 bis 12 % Koffein enthalten.
Eine amtliche Guarana-Menge gibt es nicht. Entscheidend ist das Koffein: Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis 400 mg am Tag aus allen Quellen für unbedenklich, bis 200 mg auf einmal.
Pro Gramm meist ja, die Samen enthalten bis zu 5,8 % Koffein. Pro Portion kommt es auf die Menge an: 1 g Guarana-Pulver liefert 11 bis 58 mg, ein Becher Filterkaffee mit 200 ml laut EFSA etwa 90 mg.
Koffein kann Herzklopfen auslösen, und bei Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck rät die EMA von Guarana-Arzneimitteln ab. Ein Fallbericht (2001) beschreibt Kammerflimmern nach einem Getränk mit etwa 550 mg Koffein.
Die EFSA hält in der Schwangerschaft bis 200 mg Koffein am Tag aus allen Quellen für unbedenklich, Guarana zählt dazu. Für Guarana-Arzneimittel rät die EMA in Schwangerschaft und Stillzeit ab.
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