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Bienenpollen: Wirkung, Inhaltsstoffe und Risiken

Eine belegte Wirkung haben Bienenpollen nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und Studien am Menschen mit Bienenpollen selbst gibt es kaum. Je nach Pflanze stecken 10 bis 40 g Eiweiß in 100 g, dazu können Bienenpollen Allergien bis zum allergischen Schock auslösen und Pyrrolizidinalkaloide enthalten, für die seit 2022 ein EU-Höchstgehalt von 500 µg pro kg gilt. Stand: Oktober 2026.

Bienenpollen in 30 Sekunden

Was ist das?
Blütenpollen, die Honigbienen mit Nektar und Speichel zu kleinen Kügelchen verkleben. Imker sammeln sie am Eingang des Bienenstocks ein. Mehr dazu
Wofür?
Verkauft als natürliches Nährstoff-Granulat für Müsli und Smoothies. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Zur Forschung
Woher?
Aus dem Bienenstock. Was drinsteckt, hängt davon ab, welche Pflanzen die Bienen besucht haben. Zu den Inhaltsstoffen
Präparate?
Granulat, Pulver oder Kapseln, ohne amtliche Tagesmenge. Bei Heuschnupfen, Asthma oder Allergie gegen Bienenprodukte nur nach ärztlicher Rücksprache. Mehr dazu

Was sind Bienenpollen?

Bienenpollen sind Blütenpollen, die Arbeiterinnen der Honigbiene sammeln. Sie verkleben den Pollen mit Nektar oder Honig und Speichel zu kleinen Kügelchen, den „Pollenhöschen“ an ihren Hinterbeinen.

Imker streifen die Kügelchen mit einem Gitter am Eingang des Bienenstocks ab. Frisch enthalten sie 20 bis 30 % Wasser, deshalb werden sie für den Verkauf getrocknet oder eingefroren.

Die Farbe reicht von Gelb über Orange bis Violett. Sie verrät, von welchen Pflanzen der Pollen stammt. Mehr zum Lebensmittel liest du im Lexikon unter Bienenpollen.

Andere Produkte aus dem Bienenstock sind Gelée royale und Propolis. Nicht dasselbe sind standardisierte Pollenextrakte aus Blüten, die in einigen Ländern bei Prostata-Beschwerden verkauft werden.

Was steckt in Bienenpollen?

Bienenpollen bestehen vor allem aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen. Wie viel davon, schwankt stark, weil jede Pflanze anderen Pollen bildet.

Getrocknete Bienenpollen: Spannen aus der Literatur (Stand Oktober 2026)
BestandteilPro 100 gIn 1 Teelöffel (ca. 5 g), rechnerisch
Eiweiß10–40 g0,5–2 g
Kohlenhydrate13–55 g0,7–2,8 g
Fett1–13 g0,05–0,7 g
Ballaststoffe0,3–20 gbis 1 g
Kalium400–2.000 mg20–100 mg
Vitamin C7–56 mg0,4–2,8 mg

Quelle: Campos et al. (2008), Übersicht der Internationalen Honigkommission, Werte bezogen auf getrocknete Pollen. Teelöffel: eigene Rechnung mit 5 g, das BfR rechnete für 1 bis 2 Teelöffel mit etwa 10 g. In der deutschen Nährwertdatenbank (BLS 4.0) gibt es keinen Eintrag für Bienenpollen.

Zum Vergleich: Ein Hühnerei ohne Schale (rund 55 g) liefert laut Bundeslebensmittelschlüssel etwa 7 g Eiweiß, ein Teelöffel Bienenpollen höchstens 2 g. Für die Ernährung spielen die üblichen Mengen kaum eine Rolle.

Wie viel Bienenpollen am Tag?

Für Bienenpollen gibt es keine amtliche Tagesmenge. Behörden haben sich vor allem mit einem Risiko befasst: Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA. Das sind Pflanzengifte, die über den Pollen bestimmter Pflanzen in das Produkt gelangen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, die Aufnahme von PA über Pollen und Produkte mit Pollen von PA-haltigen Pflanzen zu vermeiden. Seit Juli 2022 gilt in der EU für Pollen, Pollenprodukte und Nahrungsergänzungsmittel auf Pollenbasis ein Höchstgehalt von 500 µg PA pro kg.

Die Packungen nennen oft 1 bis 2 Teelöffel am Tag. Das ist eine Herstellerangabe, keine amtliche Empfehlung.

Risiken: Allergie, Pflanzengifte, Verunreinigungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Medikament oder BehandlungGut zu wissen
Gerinnungshemmer wie Warfarin oder PhenprocoumonEin Fallbericht (2010): Ein 71-jähriger Mann nahm einen Monat lang zweimal täglich einen Teelöffel Bienenpollen. Sein Gerinnungswert INR stieg auf 7,1, Ziel war 2 bis 3. Die Autoren werteten das als wahrscheinliche Wechselwirkung. Nur nach Rücksprache mit der Praxis.
Hyposensibilisierung (Allergie-Behandlung)Ein Bericht beschreibt einen allergischen Schock nach Bienenpollen bei einer Frau, die gerade eine Hyposensibilisierung wegen Heuschnupfen bekam. Sprich vorher mit deiner Praxis.
Andere MedikamenteStudien zu Wechselwirkungen gibt es nach unserer Recherche nicht. Fehlende Daten heißen nicht, dass es keine gibt.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor Bienenpollen in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Studien zu Bienenpollen in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nicht. Wegen der Pyrrolizidinalkaloide und der Allergiegefahr sprich das Thema mit Ärztin, Arzt oder Hebamme ab.

Bei Kindern zieht das BfR eine höhere Empfindlichkeit für Pyrrolizidinalkaloide in Betracht. Allergische Schocks nach Bienenpollen sind auch bei einem 4-jährigen und einem 15-jährigen Jungen beschrieben.

Fachleute der Internationalen Honigkommission schlugen 2008 für Packungen den Hinweis vor, Bienenpollen nicht an Säuglinge unter 1 Jahr zu geben. Begründet haben sie das mit möglichen Bakteriensporen und Allergenen.

Rechtslage: Lebensmittel mit Grenzwert

Bienenpollen in der EU auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas gilt
LebensmittelBienenpollen werden als Lebensmittel und Nahrungsergänzung verkauft. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag für Bienenpollen, nur für Bienengift (noch nicht zugelassen).
PyrrolizidinalkaloideHöchstgehalt 500 µg pro kg für Pollen, Pollenprodukte und Nahrungsergänzungsmittel auf Pollenbasis, seit Juli 2022 (heute Verordnung (EU) 2023/915).
GesundheitsangabenKeine zugelassen. Abgelehnt hat die EU unter anderem Angaben zu einem Pollen-Stempel-Extrakt (Müdigkeit, Muskeln).
SchnellwarnsystemSeit 2023 neun Meldungen zu Pyrrolizidinalkaloiden in Pollen, zum Beispiel aus Polen, Italien, Belgien und der Schweiz.

Als Lebensmittel dürfen Bienenpollen nicht mit Aussagen zu Krankheiten beworben werden.

Was sagt die Forschung?

Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Bienenpollen – und was zeigen Studien?

Mythos: das perfekte Naturprodukt

Bienenpollen enthalten Eiweiß, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und etwas Vitamine. Die Mengen schwanken aber stark mit der Pflanze, und ein Teelöffel liefert nur wenig davon. Studien, die einen Nutzen für gesunde Menschen zeigen, gibt es nach unserer Recherche nicht.

Mythos: Bienenpollen machen Heuschnupfen erträglicher

Die Idee: Wer Pollen isst, gewöhnt sich daran. Studien am Menschen, die das prüfen, gibt es nach unserer Recherche in der Literaturdatenbank Europe PMC nicht. Belegt sind dagegen Fallberichte, in denen gerade Menschen mit Heuschnupfen schwer allergisch reagierten. Eine Hyposensibilisierung gehört in die Hand von Fachleuten.

Studien am Menschen

Eine Übersicht von 2022 sammelte klinische Studien zu Pollen. Die meisten untersuchten standardisierte Pollenextrakte bei Prostata-Beschwerden, nicht das Granulat aus dem Bienenstock. Die Studien waren klein, und die Übersicht weist auf die schwankende Zusammensetzung von Bienenpollen hin.

Pflanzengifte

Die EFSA kam 2017 zu dem Schluss, dass Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln ein mögliches Gesundheitsrisiko sind. Nahrungsergänzungsmittel aus PA-haltigen Pflanzen können laut EFSA zu Mengen führen, die zu nah an giftigen Dosen liegen. Deshalb gilt heute ein Höchstgehalt.

Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken

Häufige Fragen

Welche Wirkung haben Bienenpollen?

Belegt ist keine, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Studien am Menschen mit Bienenpollen selbst gibt es kaum.

Sind Bienenpollen gefährlich?

Für Allergiker können sie es sein: Fallberichte beschreiben allergische Schocks. Außerdem können Bienenpollen Pyrrolizidinalkaloide enthalten, für die in der EU ein Höchstgehalt von 500 µg pro kg gilt.

Darf ich Bienenpollen bei Heuschnupfen essen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Gerade Menschen mit Heuschnupfen reagierten in Fallberichten schwer allergisch. Studien, die bei Heuschnupfen einen Nutzen zeigen, gibt es nicht.

Wie viel Bienenpollen am Tag?

Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Packungen nennen oft 1 bis 2 Teelöffel, das ist eine Herstellerangabe.

Was steckt in Bienenpollen?

Je nach Pflanze 10 bis 40 g Eiweiß pro 100 g, dazu Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Mineralstoffe und etwas Vitamine. Ein Teelöffel liefert davon nur wenig.

Kann ich Bienenpollen mit Blutverdünnern nehmen?

Nur nach Rücksprache mit der Praxis. Ein Fallbericht beschreibt einen stark erhöhten Gerinnungswert unter Warfarin nach einem Monat mit Bienenpollen.

Quellen

  1. Campos MGR et al.: Pollen composition and standardisation of analytical methods · Journal of Apicultural Research, 2008
  2. Analytik und Toxizität von Pyrrolizidinalkaloiden sowie eine Einschätzung des gesundheitlichen Risikos durch deren Vorkommen in Honig (Stellungnahme Nr. 038/2011, ergänzt 2013) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2011
  3. Pyrrolizidinalkaloide: Gehalte in Lebensmitteln sollen nach wie vor so weit wie möglich gesenkt werden (Stellungnahme Nr. 030/2016) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2016
  4. EFSA CONTAM Panel: Risks for human health related to the presence of pyrrolizidine alkaloids in honey, tea, herbal infusions and food supplements (EFSA Journal 15(7):4908) · EFSA, 2017
  5. Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln (Anhang I Nr. 2.4.11: Pyrrolizidinalkaloide in Pollen) · Amtsblatt der EU, 2023
  6. Kempf M et al.: Pyrrolizidine alkaloids in pollen and pollen products · Molecular Nutrition & Food Research, 2010
  7. Choi JH et al.: Bee Pollen-Induced Anaphylaxis: A Case Report and Literature Review · Allergy, Asthma & Immunology Research, 2015
  8. Matuszewska-Mach E et al.: Ensuring the Safe Use of Bee Products: A Review of Allergic Risks and Management · International Journal of Molecular Sciences, 2025
  9. Hurren KM, Lewis CL: Probable interaction between warfarin and bee pollen · American Journal of Health-System Pharmacy, 2010
  10. Algethami JS et al.: Bee Pollen: Clinical Trials and Patent Applications · Nutrients, 2022
  11. RASFF 2025.5694: Pyrrolizidine alkaloids exceeding legal limits in bee pollen (Italien), dazu Suche „pollen“ im RASFF Window · Europäische Kommission, RASFF Window, 2025
  12. EU Novel Food Status Catalogue (kein Eintrag für Bienenpollen; Apis mellifera, Bienengift: POL-NF-00140) · Europäische Kommission
  13. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (konsolidierte Fassung, kein Eintrag für Pollen) · Amtsblatt der EU, 2025
  14. Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0 – Hühnerei roh (DOI 10.25826/Data20251217-134202-0); kein Eintrag für Bienenpollen · Max Rubner-Institut, 2025

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.