Als Nahrungsergänzung hat Lavendel keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die EMA führt Lavendelöl und Lavendelblüten nur als traditionelle Arzneimittel. Am meisten untersucht ist ein standardisierter Lavendelöl-Extrakt, der in Deutschland als Arzneimittel zugelassen ist. In einer vom Hersteller finanzierten Auswertung von 5 Studien mit 1.213 Erwachsenen mit Angstbeschwerden halbierte sich der Angstwert nach 10 Wochen bei 52 von 100, mit Placebo bei 39 von 100. Stand: Oktober 2026.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ist ein Lippenblütler. Mit „Lavendel-Extrakt“ ist meist Lavendelöl gemeint: das ätherische Öl aus den blühenden Triebspitzen, gewonnen mit Wasserdampf.
Der wichtigste Bestandteil des Öls ist Linalool. Angeboten wird es vor allem in Kapseln zum Einnehmen, beworben für Entspannung und den Abend.
Es gibt Lavendelöl-Kapseln als Arzneimittel aus der Apotheke und als Nahrungsergänzung. Das ist rechtlich ein großer Unterschied, mehr dazu unter Rechtslage.
Lavendel gibt es in sehr unterschiedlichen Formen. Achte auf der Packung darauf, was drin ist und ob es ein Arzneimittel, eine Nahrungsergänzung oder ein Duftprodukt ist.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Lavendelblüten als Tee | Getrocknete Blüten, mit heißem Wasser aufgegossen | Lebensmittel (Tee, Gewürz). Als Arzneitee gibt es Lavendelblüten in Deutschland auch mit Standardzulassung. |
| Lavendelöl-Kapseln aus der Apotheke | Standardisierter Lavendelöl-Extrakt | Zugelassenes, apothekenpflichtiges Arzneimittel, nur für Erwachsene ab 18 |
| Lavendelöl-Kapseln als Nahrungsergänzung | Lavendelöl in Kapseln, Menge und Qualität je nach Hersteller | Lebensmittel. Blüten und Öl sind in Nahrungsergänzungsmitteln laut EU-Katalog kein neuartiges Lebensmittel. |
| Duftöl und Badezusatz | Ätherisches Öl zum Verdunsten, für Kosmetik oder das Bad | Ein Duft- oder Kosmetikprodukt. Als Badezusatz gibt es auch traditionelle Arzneimittel (EMA). |
Quellen: EMA-Monographien zu Lavendelöl und Lavendelblüten, Fachinformation der Lavendelöl-Weichkapseln, Novel-Food-Katalog der EU, Stoffliste von Bund und Ländern.
Lavendelblüten sind ein Lebensmittel. Die Stoffliste von Bund und Ländern führt sie als Tee, als Gewürz und in Nahrungsergänzungsmitteln.
Andere Pflanzen, die für den Abend angeboten werden, sind Hopfen, Baldrian, Zitronenmelisse und Passionsblume.
Für Lavendel in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographien legen Zubereitungen und Mengen nur für registrierte Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Für das zugelassene Arzneimittel stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt die Lavendelblüte als Lebensmittel, als Arzneistoff und als traditionelles Arzneimittel. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Stoff | Gut zu wissen |
|---|---|
| Beruhigungs- und Schlafmittel, Mittel gegen Angststörungen (z. B. Benzodiazepine) | Studien dazu fehlen. Die Fachinformation rät vorsichtshalber, das Arzneimittel nicht damit zu kombinieren. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Alkohol | Auch hier rät die Fachinformation vorsichtshalber ab, weil Daten fehlen. |
| Pille (Ethinylestradiol mit Levonorgestrel) | In einer Studie änderte der Arzneimittel-Extrakt die Verhütungssicherheit nicht in relevantem Maß. |
| Medikamente, die in der Leber über Enzyme abgebaut werden | In einer Studie mit 5 Test-Medikamenten änderte der Arzneimittel-Extrakt deren Abbau nicht in relevantem Maß. Beim Enzym CYP2C19, das zum Beispiel Omeprazol abbaut, lag ein Wert knapp über der vorab festgelegten Grenze. |
| Medikamente allgemein | Die EMA-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Für andere Lavendelöl-Präparate ist wenig untersucht. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Lavendel-Arzneimitteln ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. Auch Daten über die Fruchtbarkeit fehlen.
Für das zugelassene Arzneimittel gibt es keine Erfahrungen bei Schwangeren, die Anwendung wird nicht empfohlen. Stillende sollen es nicht nehmen, weil unklar ist, ob Bestandteile in die Muttermilch übergehen.
Unter 12 Jahren empfiehlt die EMA Lavendel-Arzneimittel nicht, die Kapseln aus der Apotheke sind erst ab 18. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel in Deutschland | Lavendelöl-Weichkapseln mit einem standardisierten Extrakt sind seit 2009 als Arzneimittel zugelassen, apothekenpflichtig und nur für Erwachsene. Anwendungsgebiet laut Fachinformation: Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung. |
| EU-Monographie Lavendelöl (EMA, 2012) | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Symptomen von psychischem Stress und Erschöpfung und zum Einschlafen, allein auf Basis langer Anwendung. Eine „gut belegte Anwendung“ sah die EMA nicht: Die Studien hatten zu wenige Teilnehmende. |
| EU-Monographie Lavendelblüten (EMA, 2012) | Gleiche traditionelle Anwendung, zum Beispiel als Tee. Bei der Überprüfung 2020 sah die EMA keinen Grund für eine Änderung. |
| Lebensmittel | Laut Novel-Food-Katalog der EU sind die blühenden Triebspitzen kein neuartiges Lebensmittel. Blüten und ätherisches Öl sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Lavendelblüte als Lebensmittel (Tee, Gewürz, Nahrungsergänzung), als Arzneistoff und als traditionelles Arzneimittel, mit der Empfehlung, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken. Nicht verbindlich. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Lavendel nicht mit Krankheiten wie Angststörungen beworben werden.
Fast alle guten Studien stammen zu einem einzigen standardisierten Lavendelöl-Extrakt, der in Deutschland ein Arzneimittel ist. Ergebnisse lassen sich nicht auf andere Kapseln, Tee oder Duftöl übertragen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Eine Auswertung von 5 Studien mit 1.213 Erwachsenen mit Angstbeschwerden (2023) verglich 10 Wochen lang den Extrakt mit Placebo. Bei 52 von 100 halbierte sich der Angstwert mindestens, mit Placebo bei 39 von 100. Die Auswertung wurde vom Hersteller finanziert, ein Autor arbeitet dort.
Die EMA hielt 2012 die Zahl der Teilnehmenden je Studie für zu klein, um eine Wirkung festzustellen. Eine Studie verglich das Öl mit einem Beruhigungsmittel, aber ohne Placebo-Gruppe. Deshalb gilt Lavendelöl in der EU nur als traditionelles Arzneimittel.
Eine Auswertung von 65 Studien (2019) fand, dass Menschen in angespannten Situationen mit Lavendelduft niedrigere Werte in Angst-Fragebögen angaben. Die meisten Studien hatten aber ein hohes Risiko für Verzerrungen und waren sehr unterschiedlich aufgebaut.
Eine Auswertung von 11 Studien mit 628 Erwachsenen (2026) fand mit Lavendelöl etwas bessere Werte in Schlaf-Fragebögen. Die Autoren halten die Studien für zu wenige und zu schwach für ein sicheres Urteil.
In einer Studie aus Taiwan (2015) tranken 40 junge Mütter mit Schlafproblemen 2 Wochen lang täglich eine Tasse Lavendeltee, 40 andere bekamen die übliche Betreuung. Nach 2 Wochen gaben die Tee-Trinkerinnen weniger Müdigkeit und gedrückte Stimmung an, nach 4 Wochen gab es keinen Unterschied mehr. Eine Placebo-Gruppe gab es nicht.
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Als Nahrungsergänzung hat Lavendel keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Am meisten untersucht ist ein standardisierter Lavendelöl-Extrakt, der in Deutschland ein Arzneimittel ist: In 5 Studien mit 1.213 Erwachsenen halbierte sich der Angstwert bei 52 von 100, mit Placebo bei 39 von 100.
Es gibt beides. Ein standardisierter Lavendelöl-Extrakt ist in Deutschland ein zugelassenes, apothekenpflichtiges Arzneimittel für Erwachsene. Daneben werden Lavendelöl-Kapseln als Nahrungsergänzung verkauft, die nicht mit Krankheiten beworben werden dürfen.
Eine Auswertung von 11 kleinen Studien mit 628 Erwachsenen (2026) fand etwas bessere Werte in Schlaf-Fragebögen, bei schwacher Studienqualität. Die EMA führt Lavendel zum Einschlafen nur als traditionelles Arzneimittel, also auf Basis langer Anwendung.
Am häufigsten ist Aufstoßen, bei 1 bis 10 von 100 Menschen. Selten sind allergische Reaktionen bis zu Schwellungen und Atembeschwerden. Auf der Haut kann Lavendelöl Ausschläge auslösen.
Beschrieben sind seit 2007 Fälle von 8 Jungen und 4 Mädchen, bei denen Brustgewebe wuchs, während sie Pflegeprodukte mit Lavendel- oder Teebaumöl nutzten. Nach dem Absetzen bildete es sich zurück, ein Beweis für die Ursache fehlt.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Lavendel-Arzneimitteln ab, weil Daten fehlen. Frag vor jedem Präparat Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge. Beim Arzneimittel stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage, laut Fachinformation höchstens 3 Monate.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.