Myrrhe hat keine belegte Wirkung: Als Arzneimittel ist Myrrhentinktur in der EU nur traditionell registriert, zum Spülen und Auftragen im Mund und auf der Haut, und klinische Studien dazu fand die EMA 2011 keine. Myrrhe-Extrakt zum Einnehmen gibt es in Deutschland vor allem in einem Kombi-Arzneimittel mit Kamille und Kaffeekohle, als Nahrungsergänzung ist der Status nicht geklärt. In der Schwangerschaft solltest du Myrrhe meiden, die EMA rät ab. Stand: Oktober 2026.
Myrrhe ist das Gummiharz des Myrrhenstrauchs, botanisch Commiphora myrrha, auch Commiphora molmol genannt. Das Harz tritt aus Stamm und Ästen aus oder wird durch Einschnitte gewonnen und härtet an der Luft.
Es besteht aus ätherischem Öl, Harz und Gummi. Typisch für das Öl sind sogenannte Furanosesquiterpene.
Myrrhe gehört zu den ältesten Arzneien: Schon die Texte des Hippokrates und Rezepte aus dem alten Rom nennen sie. Heute gibt es sie vor allem als Tinktur zum Spülen und Auftragen, in Kombi-Arzneimitteln und Magenbittern, in Zahnpasta, Mundwasser und Duftstoffen.
Mit „Myrrhe-Extrakt“ sind sehr verschiedene Produkte gemeint. Achte auf der Packung darauf, ob es ein Arzneimittel ist und ob es zum Einnehmen oder nur zum Spülen gedacht ist.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Myrrhentinktur | Auszug aus dem Harz mit Alkohol | Traditionelles Arzneimittel zum Spülen, Gurgeln und Betupfen, nicht zum Schlucken (EMA). In Deutschland mit Standardzulassung. |
| Tabletten mit Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle | Kombination aus Myrrhe, Kamillenblüten-Trockenextrakt und Kaffeekohle | Traditionell registriertes, apothekenpflichtiges Arzneimittel zum Einnehmen, ab 12 Jahren |
| Kapseln mit Myrrhe | Harz oder Extrakt in Kapseln, Menge und Qualität je nach Hersteller | Als Nahrungsergänzung nicht geklärt: kein Eintrag im Novel-Food-Katalog der EU und keiner in der Stoffliste von Bund und Ländern |
| Harz und ätherisches Öl in Kosmetik | In Zahnpasta, Mundwasser und Parfüm | Kosmetik ohne Beschränkung. Der Europarat führt Myrrhe als natürliche Aromaquelle für kleine Mengen in Lebensmitteln. |
| Guggul | Harz einer anderen Commiphora-Art (Commiphora mukul) | Nicht dasselbe wie Myrrhe, mehr unter Guggul |
| Weihrauch | Harz von Boswellia-Bäumen, etwa Boswellia serrata | Andere Pflanze, mehr unter Weihrauch |
Quellen: EMA-Monographie und Bewertungsberichte zu Myrrhe (2011, 2018), Fachinformation des Kombi-Arzneimittels (Stand Mai 2026), Novel-Food-Katalog der EU, Stoffliste von Bund und Ländern.
Für Myrrhe zum Einnehmen gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie gilt nur für die Tinktur zum Spülen und Auftragen. Die Einnahme hat die EMA 2011 ausdrücklich nicht aufgenommen: Sie sei in den letzten 30 Jahren stark zurückgegangen und nicht mehr üblich.
Mengen für die Tinktur und das Kombi-Arzneimittel stehen in der jeweiligen Packungsbeilage. Sie gelten nicht für Kapseln aus dem Handel und sind kein Rat zur Einnahme.
Zur Sicherheit beim Einnehmen größerer Mengen gibt es kaum Daten. Tests zu Krebsrisiko und Fortpflanzung fehlen laut EMA. Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer wie Warfarin oder Phenprocoumon | Ein Fallbericht (2005) beschreibt, dass Warfarin schwächer wirkte, nachdem ein Patient einen Wurzel-Sud vom Myrrhenstrauch getrunken hatte. Für das Harz ist das laut EMA nur begrenzt aussagekräftig. Trotzdem nur nach Rücksprache und mit Kontrolle der Gerinnungswerte. |
| Ciclosporin (nach Transplantation) | Bei Ratten senkte Myrrhe die Aufnahme von Ciclosporin um etwa 45 Prozent. Ob das beim Menschen passiert, ist nicht untersucht. Nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam. |
| Theophyllin (bei Asthma) | Bei Kaninchen veränderte Myrrhe den Abbau von Theophyllin. Studien am Menschen fehlen. |
| Diabetes-Medikamente | In Tierversuchen sanken mit Myrrhe die Zuckerwerte im Blut. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nicht untersucht. Sprich das vorher mit deiner Praxis ab. |
| Alle Medikamente zum Einnehmen (beim Kombi-Arzneimittel) | Laut Fachinformation kann es die Aufnahme anderer Medikamente beeinträchtigen, die du zur selben Zeit nimmst. |
Die EMA-Monographie zur Tinktur nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat zum Einnehmen in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Myrrhe-Arzneimitteln ab, weil Daten fehlen. Auch für das Kombi-Arzneimittel wird die Anwendung in der Schwangerschaft nicht empfohlen, in der Stillzeit soll es nicht genommen werden.
Es gibt Hinweise, dass Myrrhe auf die Gebärmutter wirken könnte. Eine Schwangere bekam nach großen Mengen Myrrhe über 2 Monate starke Bauchschmerzen, die nach dem Absetzen verschwanden (Fallbericht 2016). In einer Studie aus dem Iran (2020) mit 80 Frauen nach unvollständiger Fehlgeburt wurde mit Myrrhe-Kapseln häufiger das restliche Gewebe ausgestoßen als mit Placebo.
Unter 12 Jahren empfiehlt die EMA Myrrhe-Arzneimittel nicht. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU) | EU-Monographie der EMA (2011) zur Myrrhentinktur: traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei kleinen Geschwüren und Entzündungen im Mund, etwa am Zahnfleisch, sowie bei kleinen Wunden und Furunkeln. Zum Auftragen, allein auf Basis langer Anwendung. |
| Überprüfung | 2018 sah die EMA keinen Grund für Änderungen. Seit 2024 läuft eine neue Überprüfung, ein Ergebnis steht noch aus. |
| Arzneimittel in Deutschland | Myrrhentinktur gibt es mit Standardzulassung. Ein Kombi-Arzneimittel mit Kamillenblüten-Trockenextrakt und Kaffeekohle ist seit 2018 traditionell registriert. Anwendungsgebiet laut Fachinformation: begleitende Behandlung bei Magen-Darm-Störungen mit unspezifischem Durchfall, leichten Krämpfen und Blähungen. |
| Lebensmittel und Nahrungsergänzung | Der Europarat führt Myrrhe als natürliche Aromaquelle für kleine Mengen in Lebensmitteln. Für Nahrungsergänzung gibt es keine behördliche Einordnung: keinen Eintrag im Novel-Food-Katalog der EU und keinen in der Stoffliste von Bund und Ländern. |
| Kosmetik | Myrrhenharz ist in Kosmetik ohne Beschränkung erlaubt. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Lebensmittel ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel dürfte Myrrhe nicht mit Krankheiten beworben werden.
Zu Myrrhe gibt es viele Labor- und Tierversuche, aber nur wenige kleine Studien am Menschen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Ein anderes Harz, das oft im Mund verwendet wird, ist Mastix.
Für die Tinktur fand die EMA keine klinischen Studien. Eine Auswertung von 8 kleinen Studien zu Myrrhe in der Zahnpflege (2026) fand etwas weniger Zahnbelag, bei Zahnfleischentzündung und Heilung aber keinen klaren Unterschied. Die Autoren fordern bessere Studien.
In einer Studie aus Saudi-Arabien (2014) trugen 30 Menschen mit frischen Aphthen 5 Tage lang ein Myrrhe-Gel auf, eine andere Gruppe ein Gel ohne Wirkstoff. Die Autoren berichten weniger Schmerzen mit Myrrhe. Die EMA hält die Studie für zu klein.
96 Menschen mit Colitis ulcerosa in einer ruhigen Phase nahmen 12 Monate lang die Kombination oder das Standardmittel Mesalazin (2013). Einen Rückfall hatten 53 von 100 mit der Kombination und 45 von 100 mit Mesalazin, der Unterschied war statistisch nicht gesichert. Die Autoren sehen erste Hinweise und fordern weitere Studien. Eine Übersicht deutscher Leitlinien (2024) nennt die Kombination als mögliche Ergänzung, immer ärztlich begleitet.
In Ägypten wurde ein Myrrhe-Präparat gegen den Wurm-Befall Bilharziose verkauft. In einer Studie mit 1.131 Menschen galten danach nur rund 9 von 100 als geheilt, mit dem Standardmittel Praziquantel 63 bis 80 von 100 (EMA-Bericht).
In einer italienischen Pilotstudie (2017) berichteten Menschen mit verschiedenen Schmerzen nach einem Myrrhe-Extrakt über weniger Beschwerden. Die EMA bezweifelt, dass die Studie richtig verblindet war, und die Gruppen waren sehr klein.
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Als Arzneimittel ist Myrrhentinktur nur traditionell registriert, klinische Studien dazu fand die EMA 2011 keine.
Ein Auszug aus dem Harz des Myrrhenstrauchs, meist mit Alkohol hergestellt. Es gibt ihn als Tinktur, als Trockenextrakt in einem Kombi-Arzneimittel und in Kapseln. Eine amtliche Tagesmenge zum Einnehmen gibt es nicht.
Laut EMA-Monographie verdünnt in Wasser zum Spülen oder Gurgeln oder unverdünnt zum Betupfen. Die Menge steht in der Packungsbeilage. Halten Beschwerden länger als 1 Woche an, geh in die Praxis.
Die EMA hat die Einnahme 2011 bewusst nicht in die Monographie aufgenommen. In Deutschland gibt es ein Kombi-Arzneimittel zum Einnehmen, ob Myrrhe-Kapseln als Nahrungsergänzung erlaubt sind, ist nicht geklärt.
Beschrieben sind allergische Hautreaktionen, wie häufig, ist nicht bekannt. Die alkoholische Tinktur kann auf Schleimhaut und Wunden kurz brennen.
Nein, die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab. Es gibt Hinweise, dass Myrrhe auf die Gebärmutter wirken könnte, etwa aus einer Studie mit 80 Frauen (2020).
Myrrhe und Guggul sind Harze von zwei verschiedenen Commiphora-Arten, Weihrauch stammt von Boswellia-Bäumen. Studien und Risiken lassen sich nicht übertragen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.