Eine belegte Wirkung hat Rhodiola nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, ein Antrag zu weniger Müdigkeit bei Stress scheiterte 2012 bei der EFSA. Die EMA führt Rosenwurz-Extrakt nur als traditionelles Arzneimittel, also auf Basis langer Anwendung, weil die Studien zu Stress und Erschöpfung deutliche Mängel haben. Eine Übersicht von 11 Studien (2012) fand bei allen ein hohes oder unklares Risiko für verzerrte Ergebnisse. Stand: Oktober 2026.
Die Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist ein Dickblattgewächs. Sie wächst in Gebirgen der Nordhalbkugel, ein großer Teil der Handelsware stammt laut EMA aus dem Altai in Asien. Verwendet wird der unterirdische Teil, also Wurzelstock und Wurzeln. Frisch angeschnitten duftet er nach Rosen, daher der Name. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Rhodiola.
Bekannte Inhaltsstoffe sind Rosavine und Salidrosid. Laut EMA hängt ihr Gehalt stark davon ab, wie ein Extrakt hergestellt wird. Ein Extrakt ist deshalb nicht wie der andere.
Angeboten wird Rosenwurz vor allem für Stress, Müdigkeit und Konzentration. Im Handel heißt sie oft „Adaptogen“. Eine geprüfte Aussage ist das nicht. Ähnlich beworben werden Ashwagandha und Schisandra.
Rosenwurz gibt es als Arzneimittel und als Nahrungsergänzung. Das ist rechtlich ein großer Unterschied, auch wenn die Packungen ähnlich aussehen.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Traditionelles Arzneimittel | Trockenextrakt aus Wurzelstock und Wurzeln in Tabletten, mit Alkohol hergestellt | Registriert allein auf Basis langer Anwendung, nach der EU-Monographie der EMA. In Deutschland seit 2014. Mit Packungsbeilage. |
| Nahrungsergänzung | Extrakt oder Pulver aus Wurzel oder Kraut in Kapseln, Menge und Qualität je nach Hersteller | Lebensmittel. Laut EU-Katalog sind Wurzel und Kraut in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. |
| Tee, Kaffee- oder Kakaogetränke mit Rosenwurz | Rosenwurz als Zutat in anderen Lebensmitteln | Neuartiges Lebensmittel und ohne Zulassung nicht erlaubt. Der EU-Katalog nimmt nur Nahrungsergänzungsmittel aus. |
Quellen: EMA-Monographie und Bewertungsbericht (2024), Novel-Food-Katalog der EU.
Nicht immer ist drin, was draufsteht. Eine Untersuchung von rund 40 Rosenwurz-Produkten (2016) fand in etwa einem Fünftel kein Rosavin, den Leitstoff der echten Rosenwurz. Rund 80 Prozent der übrigen enthielten weniger davon als registrierte Arzneimittel und waren offenbar mit anderen Rhodiola-Arten gestreckt.
Für Rhodiola in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt eine Zubereitung und ihre Menge nur für registrierte Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gilt sie nicht, und sie ist kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
In Studien wurden sehr unterschiedliche Extrakte und Mengen untersucht. Das sind Studienbedingungen, kein Rat. Laut US-Gesundheitsbehörde NCCIH ist Rosenwurz bis zu 12 Wochen möglicherweise sicher.
Hast du eine bipolare Störung oder eine andere psychische Erkrankung, sprich vor einem Präparat mit deiner Praxis. Hast du Beschwerden mit einem Präparat, setz es ab und frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antidepressiva, zum Beispiel Paroxetin oder Sertralin | Ein Fallbericht (2015) beschreibt Unruhe und Zittern, als jemand zu Paroxetin ein Rosenwurz-Präparat nahm. Die Autoren vermuteten ein Serotonin-Syndrom. Auch in der EU-Datenbank für Verdachtsfälle gibt es einzelne Meldungen mit Antidepressiva. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Losartan, Warfarin, Phenytoin und andere Mittel, die über das Leberenzym CYP2C9 abgebaut werden | Bei 13 Gesunden war die Aktivität dieses Enzyms nach 2 Wochen Rosenwurz um 21 Prozent geringer. Bei Mitteln, bei denen schon kleine Änderungen im Blut zählen, kann das laut den Autoren eine Rolle spielen. Die EMA hält die Bedeutung für unklar. Frag vorher in der Apotheke. |
| Medikamente allgemein | Die EMA-Monographie nennt keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen. Untersucht ist aber wenig. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Rosenwurz-Arzneimitteln ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. Auch Daten über die Fruchtbarkeit fehlen.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Rosenwurz nicht, weil Daten fehlen. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Jugendliche nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, Revision 2024) | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Stress-Beschwerden wie Müdigkeit und Erschöpfung, allein auf Basis langer Anwendung. Eine „gut belegte Anwendung“ sah die EMA nicht: Die Studien hatten erhebliche Mängel. |
| Arzneimittel in Deutschland | Traditionell registrierte Arzneimittel mit Rosenwurz-Trockenextrakt, laut EMA-Bericht seit 2014. |
| Lebensmittel | Wurzel und Kraut sind laut Novel-Food-Katalog der EU in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. In anderen Lebensmitteln gelten sie als neuartig und brauchen eine Zulassung. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Wurzel und Kraut: nur in Nahrungsergänzung nicht neuartig, deshalb in Liste C. Die Wurzel ist außerdem ein traditionelles Arzneimittel. Nicht verbindlich. |
| Artenschutz | Seit 23. Februar 2023 steht die ganze Gattung Rhodiola im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), in der EU in Anhang B. Für den Handel mit Wurzeln und Extrakten braucht es Genehmigungen. Samen, Pollen und fertig verpackte Produkte für den Einzelhandel sind ausgenommen. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Eine Angabe zu weniger Müdigkeit bei Stress hat die EU nach dem EFSA-Gutachten von 2012 abgelehnt. Weitere Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Rosenwurz nicht mit Krankheiten wie Depressionen oder Burnout beworben werden.
Die Studien sind meist klein, kurz und testen unterschiedliche Extrakte. Unabhängige Wiederholungen fehlen laut einer Übersicht (2011) weitgehend. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Mehr zu einer anderen Pflanze, die für Stress beworben wird, liest du unter Ashwagandha, zu einem Stoff aus Tee unter L-Theanin.
In einer Studie (2009) bekamen 60 Erwachsene mit stressbedingter Erschöpfung 4 Wochen lang einen Rosenwurz-Extrakt oder Placebo. In beiden Gruppen ging es den Teilnehmenden besser. Auf einer Burnout-Skala und bei einigen Aufmerksamkeitstests schnitt die Extrakt-Gruppe etwas besser ab. Die EMA hält die Studie für zu klein.
Eine systematische Übersicht (2012) fand 11 Studien zu körperlicher und geistiger Müdigkeit. Zwei von sechs Studien zur körperlichen und drei von fünf zur geistigen Müdigkeit berichteten einen Effekt. Alle hatten ein hohes oder unklares Risiko für verzerrte Ergebnisse. Die EMA kam 2024 zum Schluss, dass die Belege nicht ausreichen.
In einer Studie (2007) mit 89 Menschen mit leichter bis mittlerer Depression ging es mit Extrakt nach 6 Wochen besser, mit Placebo blieben die Werte fast gleich. Die EMA hält das für untypisch und die Ergebnisse für fraglich. In einer Studie (2015) mit 57 Menschen gab es nach 12 Wochen keinen deutlichen Unterschied zwischen Rosenwurz, dem Antidepressivum Sertralin und Placebo. Nebenwirkungen hatten mit Rosenwurz 30 Prozent, mit Sertralin 63 Prozent und mit Placebo 17 Prozent.
Eine Auswertung von 26 Studien (2025) mit 668 gesunden, meist jungen Menschen fand kleine Verbesserungen bei Ausdauerwerten. Die Ergebnisse der einzelnen Studien wichen stark voneinander ab, die Autoren raten zu Vorsicht bei der Deutung.
Mehrere offene Studien mit 50 bis 118 Teilnehmenden, etwa mit Burnout-Beschwerden, berichteten über 4 bis 12 Wochen Verbesserungen. Eine Vergleichsgruppe mit Placebo gab es nicht. Wie viel davon auf Rosenwurz zurückgeht, lässt sich so nicht sagen.
Laut NCCIH (2025) reichen die Belege nicht, um zu sagen, ob Rosenwurz für irgendeinen gesundheitlichen Zweck nützt. Die meisten Studien am Menschen sind von geringer bis mittlerer Qualität.
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Als Arzneimittel ist Rosenwurz nur traditionell registriert, also auf Basis langer Anwendung. Die Studien zu Stress und Müdigkeit hält die EMA für zu mangelhaft.
Ja. Rhodiola rosea ist der botanische Name der Rosenwurz. Verwendet werden Wurzelstock und Wurzeln. Andere Rhodiola-Arten werden manchmal untergemischt.
Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Tagesmenge. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage. Halten Beschwerden länger als 2 Wochen an, sieht die EMA eine ärztliche Abklärung vor.
Beschrieben sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Hautausschlag und Juckreiz, dazu Schwindel und Schlafprobleme. Ein Fallbericht beschreibt eine manische Episode nach einer sehr hohen Menge.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Ein Fallbericht beschreibt Unruhe und Zittern unter Paroxetin und Rosenwurz, die Autoren vermuteten ein Serotonin-Syndrom.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Daten fehlen. Auch unter 18 Jahren empfiehlt sie Rosenwurz nicht.
Ja. Seit Februar 2023 steht die ganze Gattung Rhodiola im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Fertig verpackte Produkte für den Einzelhandel sind ausgenommen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.