Ashwagandha (Schlafbeere) ist eine Pflanze aus dem Ayurveda, deren Wurzel als Pulver oder Extrakt verkauft wird. Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht, und eine sichere Tagesmenge konnte bisher keine Behörde festlegen. Das BfR rät seit 2024 Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankung von Präparaten ab, in Dänemark ist der Verkauf verboten. Stand: Oktober 2026.
Ashwagandha, auf Deutsch Schlafbeere oder Winterkirsche, ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Nachtschattengewächse. Verwendet wird vor allem die Wurzel, in manchen Präparaten auch die Blätter.
In der ayurvedischen Medizin hat die Wurzel eine lange Tradition. Als Nahrungsergänzung wird sie mit Stress, Schlaf und Leistung beworben. Laut BfR sind diese Versprechen wissenschaftlich nicht belegt.
Als wichtigste Inhaltsstoffe gelten Withanolide und Alkaloide. Welche Stoffe in welcher Menge hinter den Ergebnissen von Studien stecken könnten, lässt sich laut BfR nicht sagen. Auch die Präparate unterscheiden sich stark: Wurzel oder Blatt, Pulver oder Extrakt, verschiedene Herstellungsverfahren.
Als Gewürz oder Gemüse spielt Ashwagandha bei uns keine Rolle. Laut Novel-Food-Katalog der EU ist ein nicht konzentrierter Tee aus der Wurzel ein herkömmliches Lebensmittel. Alle anderen Formen sind nur in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig.
Mehr zur Pflanze liest du im Lexikon unter Ashwagandha.
Wenn dich die indische Küche interessiert, hier ein paar Ideen – alle ohne Ashwagandha: eine Goldene Milch mit Ingwer, ein Veganes Dal Makhani oder ein Veganes Linsen-Kokos-Dal.
Für Ashwagandha gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge. Das BfR konnte keine Menge ableiten, die als gesundheitlich unbedenklich gilt. Zum selben Ergebnis kamen die Technische Universität Dänemarks (DTU) 2020 und die französische Behörde ANSES 2024.
Deshalb steht hier keine Dosierung. Die Mengen auf Packungen sind Herstellerangaben, keine geprüften Werte.
In Polen gelten Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel: 3 g Wurzelpulver oder 10 mg Withanolide am Tag. Viele Produkte in Deutschland liegen darüber – mehr dazu unter Rechtslage.
Laut LiverTox traten die Leberschäden meist 2 bis 12 Wochen nach Beginn auf, oft mit Gelbsucht und starkem Juckreiz. Bei den meisten klangen sie 1 bis 4 Monate nach dem Absetzen ab.
Besonders gefährdet sind Menschen, deren Leber schon vorher erkrankt ist. In einer Fallserie aus Indien (2023) mit 8 Betroffenen hatten 5 bereits eine chronische Lebererkrankung, 3 von ihnen starben. In den untersuchten Präparaten fanden sich keine Verunreinigungen.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Diabetes-Medikamente | Ashwagandha kann laut BfR die Zuckerwerte im Blut beeinflussen. Zusammen mit Diabetes-Mitteln könnten sie zu tief fallen. Sprich das vorher mit deiner Praxis ab. |
| Blutdruckmittel | Das BfR nennt Hinweise auf Wechselwirkungen. Frag vorher in deiner Praxis. |
| Mittel, die das Immunsystem dämpfen (Immunsuppressiva) | Auch hier sind laut BfR Wechselwirkungen möglich. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Beruhigungs- und Schlafmittel, Antiepileptika | ANSES rät Menschen, die solche dämpfenden Mittel nehmen, von Ashwagandha ab. In Polen steht ein entsprechender Warnhinweis auf der Packung. |
| Schilddrüsenhormone (z. B. Levothyroxin) | Ashwagandha kann die Schilddrüsenwerte verändern. Sprich vorher mit deiner Praxis. |
| Digoxin (Herzmittel) | Ein Inhaltsstoff ähnelt Digoxin und kann manche Labortests auf Digoxin verfälschen (BfR 2013, laut Verbraucherzentrale NRW). |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Ashwagandha-Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Schwangere und Stillende sollen laut BfR keine Ashwagandha-Präparate nehmen. Die Wurzel wurde traditionell auch genutzt, um eine Schwangerschaft abzubrechen. Die WHO rät deshalb in Schwangerschaft und Stillzeit ab.
Die Verbraucherzentrale NRW rät auch Frauen mit Kinderwunsch zum Verzicht. Für Kinder fehlen Sicherheitsdaten – BfR und ANSES raten ab, ANSES für alle unter 18 Jahren.
Hast du in der Schwangerschaft oder Stillzeit schon Ashwagandha genommen, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme.
In Deutschland ist Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. Für die Sicherheit ist allein der Hersteller verantwortlich, eine behördliche Prüfung vor dem Verkauf gibt es nicht. Andere Länder sind strenger.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU | Laut Novel-Food-Katalog sind alle Pflanzenteile in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig, ein nicht konzentrierter Wurzeltee ist ein herkömmliches Lebensmittel. Eine EU-weite Beschränkung gibt es bisher nicht. |
| EU-Lebensmittelbehörden | Die Leitungen der nationalen Lebensmittelbehörden (HoA) empfahlen 2024, Ashwagandha vorrangig EU-weit prüfen zu lassen. Dieses Verfahren (Artikel 8, VO 1925/2006) kann zu Verbot oder Beschränkung führen. Eine Entscheidung gibt es noch nicht. |
| Deutschland | Erlaubt. Das BfR rät seit 10.09.2024 Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankung ab (Mitteilung 39/2024). |
| Dänemark | Verkauf als Lebensmittel verboten, seit 2023. Grundlage ist die Risikobewertung der DTU von 2020: Eine Menge ohne Risiko ließ sich nicht festlegen. |
| Frankreich | ANSES rät seit April 2024 unter anderem Schwangeren, Stillenden, unter 18-Jährigen und Menschen mit Schilddrüsen-, Leber- oder Herzerkrankung von Präparaten ab. |
| Polen | Höchstens 3 g Wurzelpulver oder 10 mg Withanolide pro Tagesportion, dazu ein Warnhinweis. |
| Niederlande | Ein Verbot wurde 2025 vorgeschlagen und öffentlich beraten. In Kraft ist es noch nicht. |
| Arzneimittel | Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat 2013 keine EU-Monographie verabschiedet. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ist Ashwagandha damit nicht anerkannt. |
Was im Handel steckt, hat die Verbraucherzentrale NRW in der zweiten Jahreshälfte 2025 an 73 Produkten geprüft. Nur 22 trugen einen Hinweis für Kinder, 32 einen für Schwangere und Stillende und 11 einen für Menschen mit Lebererkrankung.
Nur 12 Produkte nannten die Menge an Withanoliden pro Tag. Bei 10 davon lag sie über der polnischen Höchstmenge – im Schnitt beim 4,5-Fachen, im Extremfall beim 15-Fachen.
Die meisten Versprechen rund um Ashwagandha stützen sich auf kleine Studien. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Eine Auswertung von 12 Studien mit 1.002 Erwachsenen (2022) fand niedrigere Werte in Fragebögen zu Stress und Angst als mit Scheinmittel. Die Ergebnisse der einzelnen Studien wichen stark voneinander ab, die Autoren stufen die Aussagekraft als gering ein.
Eine Auswertung von 7 Studien zu Cortisol und 6 zum empfundenen Stress (2025, 488 Teilnehmende) fand niedrigere Cortisolwerte im Blut. Beim empfundenen Stress zeigte sich dagegen kein klarer Unterschied.
Eine Auswertung von 5 Studien mit 400 Teilnehmenden (2021) fand einen kleinen Unterschied in Schlaf-Fragebögen und -Messungen. Alle Studien stammen aus Indien, vier testeten den Extrakt desselben Herstellers, eine wurde teilweise vom Hersteller bezahlt. Zu seltenen, schweren Nebenwirkungen sagen so kleine Studien wenig.
Eine Auswertung von 20 Studien zu Gedächtnis, Kraft und Hormonen (2026) fand im Mittel leicht höhere Testosteronwerte. Genau dieser Einfluss auf Hormone ist für die DTU und andere Behörden ein Grund zur Vorsicht.
Laut BfR wurden unerwünschte Wirkungen in den Studien nicht systematisch erfasst. Studien über lange Zeit und mit gefährdeten Gruppen fehlen, die getesteten Extrakte sind kaum vergleichbar.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht. Untersucht wurden vor allem Stress, Angst und Schlaf – in kleinen Studien mit geringer Aussagekraft. Laut BfR sind die beworbenen Wirkungen nicht belegt.
Es kann riskant sein. Beschrieben sind Leberschäden bis zum Leberversagen und Einflüsse auf Schilddrüse und Hormone. Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankung ab.
Nein, in Nahrungsergänzungsmitteln ist es in Deutschland erlaubt. In Dänemark ist der Verkauf seit 2023 verboten, in Polen gelten Höchstmengen.
Eine sichere Tagesmenge konnte keine Behörde ableiten – weder das BfR noch die DTU oder ANSES. Deshalb nennen wir keine Dosierung.
Berichtet werden Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Hautausschlag. Selten sind Leberschäden, meist 2 bis 12 Wochen nach Beginn.
Nein. Das BfR rät Schwangeren und Stillenden ausdrücklich ab, die Verbraucherzentrale auch Frauen mit Kinderwunsch.
Ashwagandha kann die Schilddrüsenwerte verändern. Nimmst du Schilddrüsenhormone oder andere Medikamente, sprich vorher mit deiner Praxis.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.