Eine belegte Wirkung hat Schisandra nicht: Laut WHO-Monographie von 2007 stützt keine kontrollierte Studie eine Anwendung, und die neueren Studien am Menschen sind klein. Zur Leber gibt es vor allem Tierversuche und ältere Berichte aus China, in denen Leberwerte zurückgingen. Belegt ist dagegen, dass Schisandra-Extrakte in Studien den Abbau mancher Medikamente veränderten, etwa von Tacrolimus nach einer Organtransplantation. Stand: Oktober 2026.
Schisandra ist eine verholzende Kletterpflanze, bis zu 8 m lang, mit tiefroten Beeren in langen Trauben. Sie stammt aus Nordostchina, Korea, Japan und dem Osten Russlands. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Schisandra.
Ihr chinesischer Name Wu Wei Zi heißt „Frucht der fünf Geschmäcker“: sauer, bitter, süß, scharf und salzig. In der traditionellen chinesischen Medizin werden die Beeren seit langem genutzt. Als wichtigste Inhaltsstoffe gelten Lignane wie Schisandrin und Gomisine.
Im Handel heißt Schisandra oft „Adaptogen“. Der Begriff stammt aus der sowjetischen Forschung der 1960er-Jahre, in der die Beere als Arznei untersucht wurde. Eine geprüfte Aussage ist er nicht. Ähnlich beworben werden Rhodiola und Eleuthero.
Gut zu wissen: Neben Schisandra chinensis gibt es die eng verwandte Art Schisandra sphenanthera. Das chinesische Arzneibuch führt beide Früchte, viele Studien zu Wechselwirkungen stammen von der verwandten Art. Auf der Packung steht nicht immer, welche Art drin ist.
Für Schisandra in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die WHO-Monographie von 2007 nennt Mengen nur für getrocknete Früchte als Arzneidroge, übernommen aus dem chinesischen Arzneibuch. Für Nahrungsergänzungsmittel sind sie nicht geprüft und kein Rat zur Einnahme.
In einer neueren Studie bekamen die Teilnehmenden 1 g Extrakt am Tag über 12 Wochen. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt, die Verwendung der Früchte in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, setz es ab und frag in der Praxis oder Apotheke.
Inhaltsstoffe von Schisandra beeinflussen Leberenzyme und ein Transport-Eiweiß, mit denen der Körper viele Medikamente abbaut und ausscheidet. Je nach Dauer kann Schisandra den Abbau bremsen oder beschleunigen.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Tacrolimus und andere Mittel nach einer Organtransplantation | Mit Extrakt der verwandten Art Schisandra sphenanthera stieg der Tacrolimus-Spiegel bei 21 Lebertransplantierten mit gleicher Dosis im Mittel um 339 %. In China wird das unter ärztlicher Kontrolle gezielt genutzt. Nimm Schisandra nie ohne Rücksprache mit deinem Transplantationszentrum. |
| Midazolam und andere Medikamente, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden | Bei 12 gesunden Männern stieg die Menge Midazolam im Blut mit einem Extrakt der verwandten Art auf mehr als das Doppelte (2009). Frag vorher in der Apotheke, ob dein Medikament dazugehört. |
| Ciclosporin, Warfarin, HIV-Mittel (Proteasehemmer), Hormonpräparate mit Östrogen und Gestagen | Die WHO rät, solche Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht mit Schisandra zu kombinieren, weil die Früchte Enzyme für den Abbau von Medikamenten beeinflussen. |
| Medikamente, die über das Transport-Eiweiß P-Glykoprotein ausgeschieden werden (zum Beispiel der Betablocker Talinolol) | In einer Studie mit 12 gesunden Männern (2009) lag die Menge Talinolol im Blut mit Schisandra-chinensis-Extrakt um 47 % höher. |
| Beruhigungs- und Schlafmittel, Alkohol | Laut WHO kann Schisandra dämpfend auf das Nervensystem wirken. Nicht ohne Rücksprache mit deiner Praxis zusammen nehmen. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Die WHO rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Schisandra ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. In einer älteren, unkontrollierten Untersuchung setzten bei Schwangeren nach einer Schisandra-Tinktur Wehen ein. Bei trächtigen Kaninchen zog sich die Gebärmutter stärker zusammen.
Für Kinder gibt es keine Daten. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Beeren (Früchte) | Kein neuartiges Lebensmittel: Laut EU-Novel-Food-Katalog wurden sie vor 1997 in der EU verzehrt. Sie dürfen als Lebensmittel und in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden. |
| Junge, gekochte Blätter | Nur in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Die Frucht gilt als Lebensmittel und als Arzneidroge. Empfohlen wird, ihre Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Beantragte Angaben zu Stress, Leber und Wohlbefinden stehen „on hold“. |
| Arzneimittel | Keine EU-Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Das Europäische Arzneibuch beschreibt seit 2008 die Qualität der Früchte. |
| EU-Schnellwarnsystem (RASFF) | Keine Meldung zu Schisandra gefunden. |
Als Lebensmittel darf Schisandra nicht mit Krankheiten beworben werden. Für die Sicherheit eines Präparats ist der Hersteller verantwortlich, eine behördliche Prüfung vor dem Verkauf gibt es nicht.
Es gibt viele Labor- und Tierversuche, aber nur wenige gute Studien am Menschen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Zu einer anderen Pflanze, die oft bei Leberthemen genannt wird, liest du mehr unter Mariendistel.
Ältere Berichte aus China beschreiben mehr als 5.000 Menschen mit Leberentzündung, bei denen die Leberwerte nach Schisandra-Zubereitungen zurückgingen. Die WHO nennt diese Berichte unkontrolliert und methodisch fragwürdig. In einer kontrollierten Studie mit 189 Menschen mit Hepatitis B normalisierten sich die Werte häufiger als in der Vergleichsgruppe, stiegen aber 6 bis 12 Wochen nach dem Absetzen wieder an.
Eine Auswertung von 54 Tierstudien (2025) fand niedrigere Leberwerte bei künstlich geschädigter Leber. Die Ergebnisse wichen stark voneinander ab. Ob sich das auf Menschen übertragen lässt, ist offen.
Viele Studien dazu stammen aus der Sowjetunion, sind alt und meist nicht kontrolliert. Laut WHO ist keine Anwendung durch kontrollierte Studien gestützt.
In einer Studie aus Korea (2021) nahmen 54 Erwachsene über 50 Jahre 12 Wochen lang Schisandra-Extrakt oder Placebo und gingen dabei regelmäßig spazieren. Mit Extrakt nahm die Kraft im Oberschenkel etwas stärker zu, bei der Muskelmasse gab es keinen Unterschied.
In einer Studie aus Korea (2016) beendeten 36 Frauen eine 6-wöchige Einnahme von Extrakt oder Placebo. Mit Extrakt fielen die Werte im Beschwerde-Fragebogen niedriger aus. Es ist eine einzelne, kleine Studie.
Große, unabhängige Studien über lange Zeit fehlen. Die Präparate unterscheiden sich stark, teils ist nicht einmal klar, welche Schisandra-Art sie enthalten.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Belegt ist keine, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Laut WHO-Monographie stützt keine kontrollierte Studie eine Anwendung, die neueren Studien am Menschen sind klein.
Belegt ist das nicht. In älteren Studien aus China gingen bei Menschen mit Hepatitis die Leberwerte zurück, nach dem Absetzen stiegen sie wieder. Die übrigen Daten stammen meist aus Tierversuchen.
Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Tagesmenge. Die Mengen der WHO-Monographie gelten nur für die getrocknete Frucht als Arzneidroge und sind kein Rat für Präparate.
Beschrieben sind Sodbrennen, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit und allergische Hautreaktionen. Zu viel kann laut WHO Unruhe, Schlaflosigkeit und Atemnot auslösen.
Nur nach Rücksprache. Schisandra verändert den Abbau mancher Medikamente: Mit einer eng verwandten Art stieg der Tacrolimus-Spiegel in einer Studie um 339 %.
Ja, laut EU-Novel-Food-Katalog sind die Beeren ein herkömmliches Lebensmittel. Eine geprüfte Wirkung haben sie trotzdem nicht.
Die WHO rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Sicherheitsdaten fehlen und eine Tinktur Wehen auslöste. Frag vorher Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.