Eine belegte Wirkung hat Wermut als Nahrungsergänzung nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, die EMA erkennt Wermutkraut nur als traditionelles Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit und leichten Bauchbeschwerden an, und kontrollierte Studien am Menschen zu Würmern oder anderen Parasiten gibt es laut EMA nicht. Das Kraut enthält Thujon, das in hohen Mengen Krampfanfälle auslösen kann: Laut BfR können schon 1 bis 2 Tassen Wermuttee am Tag die tolerierbare Menge überschreiten. Von Nahrungsergänzungsmitteln mit Wermut rät die Verbraucherzentrale unter Berufung auf das BfR bis auf Weiteres ab. Stand: Oktober 2026.
Der Echte Wermut (Artemisia absinthium) ist ein Korbblütler mit silbrig behaarten Blättern und kleinen gelben Blüten. Verwendet werden die Blätter und die blühenden Triebspitzen, das Wermutkraut. Es schmeckt sehr bitter, verantwortlich ist vor allem der Bitterstoff Absinthin.
Das ätherische Öl des Krauts enthält je nach Herkunft und Sorte unterschiedlich viel Thujon. Thujon kann in hohen Mengen das Nervensystem schädigen und Krampfanfälle auslösen. Es steckt in kleineren Mengen auch in Salbei.
Traditionell wird Wermut als Bittermittel vor dem Essen verwendet. Im Internet wird er heute vor allem als Teil einer „Parasitenkur“ beworben, oft zusammen mit Schwarzer Walnuss und Gewürznelken. Nicht verwechseln mit Artemisia annua, dem Einjährigen Beifuß – das ist eine andere Art.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Tee | Getrocknetes Wermutkraut, pur oder in Kräutermischungen | Lebensmittel, außerdem Arzneitee mit Standardzulassung. Das BfR sieht Sicherheitsbedenken, weil der Thujon-Gehalt stark schwankt. |
| Tinktur, Presssaft, Pulver | Auszug mit Alkohol, Saft aus frischem Kraut oder gemahlenes Kraut | Laut EMA traditionelle Arzneimittel. Der Thujon-Gehalt muss angegeben sein. |
| Nahrungsergänzung | Kapseln oder Tropfen, teils in Mischungen für „Parasitenkuren“ | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Das BfR kann die Sicherheit mangels Daten nicht abschließend bewerten. |
| Wermutwein, Absinth, Bitter | Getränke mit Wermut als Aroma | Thujon ist hier gesetzlich begrenzt. |
| Ätherisches Wermutöl | Konzentriertes Öl aus dem Kraut | Nicht zum Einnehmen. Schon kleine Mengen können schwere Vergiftungen auslösen. |
Quellen: EMA-Monographie (2017, korrigiert 2020), BfR-Wissenschaft 12/2013, Stoffliste von Bund und Ländern, Verordnung (EG) Nr. 1334/2008.
Für Wermut in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge. Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest, sie sind kein Rat zur Einnahme.
Für Thujon gibt es zwei amtliche Werte: Das BfR rechnet mit einer tolerierbaren Menge von 10 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag – für einen Menschen mit 60 Kilogramm sind das 0,6 Milligramm. Dieser Wert gilt für den lebenslangen Verzehr. Für die kurze Anwendung als Arzneimittel setzt die EMA die Grenze bei 6 Milligramm Thujon am Tag.
Das BfR hat 2013 berechnet: Bei thujonreichem Wermut kann schon 1 Tasse Tee am Tag die tolerierbare Menge überschreiten, auch in einer Kräutermischung. Bei thujonarmem Wermut wird sie mit reinem Wermuttee ab 2 Tassen am Tag überschritten. Wie viel Thujon in Kapseln steckt, steht meist nicht auf der Packung.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, setz es ab und frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Epilepsie und Mittel gegen Epilepsie | Thujon greift im Gehirn am selben Rezeptor an wie manche Epilepsie- und Beruhigungsmittel, wirkt dort aber entgegengesetzt. Berichtet sind Wechselwirkungen laut EMA nicht. Bei Epilepsie Wermut nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine | Ein Einfluss ist laut EMA denkbar, aber nicht belegt. Nur nach ärztlicher Rücksprache kombinieren. |
| Tinkturen und Alkohol | Tinkturen enthalten Alkohol. Wichtig, wenn du keinen Alkohol trinken darfst oder Medikamente nimmst, die sich nicht mit Alkohol vertragen. |
| Andere Medikamente | Thujon wird in der Leber über mehrere Enzyme abgebaut. Wechselwirkungen hält die EMA deshalb für unwahrscheinlich, untersucht sind sie kaum. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Wermut-Präparat in der Apotheke.
In Schwangerschaft und Stillzeit rät die EMA von Wermut ab. Thujon kann die Gebärmutter anregen, und in einem Versuch mit einem Wermut-Extrakt an trächtigen Ratten nisteten sich weniger Embryonen ein. Studien am Menschen gibt es nicht.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Wermut nicht. Ein Fallbericht beschreibt schweren Durchfall bei einem 10 Monate alten Baby nach einem selbst hergestellten Wermut-Auszug. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2017, korrigiert 2020) | Wermutkraut: traditionelles Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, also auf Basis langer Anwendung. Der Thujon-Gehalt muss angegeben sein, die tägliche Aufnahme unter 6 Milligramm liegen. |
| Überprüfung | 2026 hat die EMA Daten für die regelmäßige Überprüfung der Monographie angefordert. Ein Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Kraut: als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B), kritischer Inhaltsstoff Thujon. Nicht verbindlich. |
| BfR (BfR-Wissenschaft 12/2013) | Sicherheitsbedenken für Wermut als Tee. Für Nahrungsergänzung keine abschließende Bewertung möglich, weil Daten fehlen. Das BfR empfahl, Wermut in Nahrungsergänzung auf die EU-Liste der Stoffe unter Beobachtung zu setzen. |
| Thujon in Getränken (Verordnung über Aromen) | Thujon darf Lebensmitteln nicht als Reinstoff zugesetzt werden. Höchstgehalte: 0,5 mg/kg in alkoholfreien Getränken aus Wermut und verwandten Arten, 10 mg/kg in anderen alkoholischen Getränken, 35 mg/kg in alkoholischen Getränken aus Wermut wie Absinth. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag für Artemisia absinthium. Die Stoffliste führt das Kraut als bekanntes Lebensmittel. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Wermut darf als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden. Werbung mit Wirkungen auf Würmer, Parasiten oder Krankheiten ist bei Lebensmitteln aber nicht erlaubt.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Studien am Menschen gibt es nur wenige.
Laut EMA gibt es keine veröffentlichten Studien, die die Wirksamkeit von Wermut bei Würmern am Menschen prüfen. Hinweise stammen aus Labor- und Tierversuchen. Eine kleine Studie gab 20 Menschen mit Amöbenruhr Wermutpulver, ohne Vergleichsgruppe – was dabei auf Wermut zurückgeht, lässt sich nicht sagen.
Zwei kleine Studien derselben Arbeitsgruppe gaben 40 beziehungsweise 20 Menschen mit Morbus Crohn zusätzlich zu ihren Medikamenten Wermutpulver oder Placebo. Mit Wermut ging es mehr Teilnehmenden besser. Bestätigungen durch andere Gruppen sind uns nicht bekannt. Morbus Crohn gehört in ärztliche Behandlung, Medikamente nie eigenmächtig absetzen.
Gute Studien zu Appetit oder Magen-Darm-Beschwerden fehlen laut EMA. Die Anerkennung als traditionelles Arzneimittel beruht auf jahrzehntelanger Anwendung, nicht auf Studien.
Absinth wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern verboten, weil man ihm eigene Schäden zuschrieb. Heutige Auswertungen gehen davon aus, dass der Thujon-Gehalt im Absinth dafür zu niedrig war und die Beschwerden vom Alkohol kamen. Krampfanfälle auslösen kann dagegen konzentriertes Wermutöl.
Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA erkennt Wermutkraut nur als traditionelles Arzneimittel bei Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden an.
Belegt ist sie nicht. Kontrollierte Studien am Menschen zu Würmern oder anderen Parasiten gibt es laut EMA nicht, ein Befall lässt sich in der Praxis nachweisen und mit Medikamenten behandeln.
Wermut enthält Thujon, das in hohen Mengen Krampfanfälle auslösen kann. Besonders gefährlich ist ätherisches Wermutöl, aber auch bei Tee sieht das BfR schon ab 1 bis 2 Tassen am Tag Bedenken.
Laut BfR kann je nach Thujon-Gehalt schon 1 Tasse Tee aus reinem Wermutkraut am Tag zu viel Thujon liefern. Wie viel ein Tee enthält, steht meist nicht auf der Packung.
Nein, die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Thujon die Gebärmutter anregen kann. Unter 18 Jahren empfiehlt sie Wermut ebenfalls nicht.
Nein. Wermut ist Artemisia absinthium, der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) und der Gewöhnliche Beifuß sind andere Arten derselben Gattung mit anderen Inhaltsstoffen.
Ja, als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzung ist das Kraut bekannt. Die Behörden empfehlen aber, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, und Thujon ist in Getränken gesetzlich begrenzt.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.