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Wermut: Wirkung, Thujon, Parasitenkur und Risiken

Eine belegte Wirkung hat Wermut als Nahrungsergänzung nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, die EMA erkennt Wermutkraut nur als traditionelles Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit und leichten Bauchbeschwerden an, und kontrollierte Studien am Menschen zu Würmern oder anderen Parasiten gibt es laut EMA nicht. Das Kraut enthält Thujon, das in hohen Mengen Krampfanfälle auslösen kann: Laut BfR können schon 1 bis 2 Tassen Wermuttee am Tag die tolerierbare Menge überschreiten. Von Nahrungsergänzungsmitteln mit Wermut rät die Verbraucherzentrale unter Berufung auf das BfR bis auf Weiteres ab. Stand: Oktober 2026.

Wermut in 30 Sekunden

Was ist das?
Blätter und Blütentriebe des Echten Wermuts (Artemisia absinthium), eines sehr bitteren Korbblütlers. Kritischer Inhaltsstoff ist Thujon.
Wofür?
Laut EMA traditionelles Arzneimittel bei Appetitlosigkeit. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht, auch nicht gegen Parasiten. Mehr dazu
Woher?
Als Tee, Tinktur oder Kapsel, außerdem als Würze in Wermutwein und Absinth. Ätherisches Wermutöl ist gefährlich. Was ist was?
Präparate?
Keine amtliche Tagesmenge. Das BfR sieht schon bei Tee Bedenken, nicht in Schwangerschaft, Stillzeit und unter 18. Mehr dazu

Wofür wird Wermut verwendet?

Der Echte Wermut (Artemisia absinthium) ist ein Korbblütler mit silbrig behaarten Blättern und kleinen gelben Blüten. Verwendet werden die Blätter und die blühenden Triebspitzen, das Wermutkraut. Es schmeckt sehr bitter, verantwortlich ist vor allem der Bitterstoff Absinthin.

Das ätherische Öl des Krauts enthält je nach Herkunft und Sorte unterschiedlich viel Thujon. Thujon kann in hohen Mengen das Nervensystem schädigen und Krampfanfälle auslösen. Es steckt in kleineren Mengen auch in Salbei.

Traditionell wird Wermut als Bittermittel vor dem Essen verwendet. Im Internet wird er heute vor allem als Teil einer „Parasitenkur“ beworben, oft zusammen mit Schwarzer Walnuss und Gewürznelken. Nicht verwechseln mit Artemisia annua, dem Einjährigen Beifuß – das ist eine andere Art.

Tee, Tinktur, Kapsel, Wermutöl: Was ist was?

Wermut-Produkte im Vergleich (Stand Oktober 2026)
FormWas es istEinordnung
TeeGetrocknetes Wermutkraut, pur oder in KräutermischungenLebensmittel, außerdem Arzneitee mit Standardzulassung. Das BfR sieht Sicherheitsbedenken, weil der Thujon-Gehalt stark schwankt.
Tinktur, Presssaft, PulverAuszug mit Alkohol, Saft aus frischem Kraut oder gemahlenes KrautLaut EMA traditionelle Arzneimittel. Der Thujon-Gehalt muss angegeben sein.
NahrungsergänzungKapseln oder Tropfen, teils in Mischungen für „Parasitenkuren“Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Das BfR kann die Sicherheit mangels Daten nicht abschließend bewerten.
Wermutwein, Absinth, BitterGetränke mit Wermut als AromaThujon ist hier gesetzlich begrenzt.
Ätherisches WermutölKonzentriertes Öl aus dem KrautNicht zum Einnehmen. Schon kleine Mengen können schwere Vergiftungen auslösen.

Quellen: EMA-Monographie (2017, korrigiert 2020), BfR-Wissenschaft 12/2013, Stoffliste von Bund und Ländern, Verordnung (EG) Nr. 1334/2008.

Dosierung: Was Behörden zu Wermut sagen

Für Wermut in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge. Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest, sie sind kein Rat zur Einnahme.

Für Thujon gibt es zwei amtliche Werte: Das BfR rechnet mit einer tolerierbaren Menge von 10 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag – für einen Menschen mit 60 Kilogramm sind das 0,6 Milligramm. Dieser Wert gilt für den lebenslangen Verzehr. Für die kurze Anwendung als Arzneimittel setzt die EMA die Grenze bei 6 Milligramm Thujon am Tag.

Das BfR hat 2013 berechnet: Bei thujonreichem Wermut kann schon 1 Tasse Tee am Tag die tolerierbare Menge überschreiten, auch in einer Kräutermischung. Bei thujonarmem Wermut wird sie mit reinem Wermuttee ab 2 Tassen am Tag überschritten. Wie viel Thujon in Kapseln steckt, steht meist nicht auf der Packung.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Hast du Beschwerden mit einem Präparat, setz es ab und frag in der Praxis oder Apotheke.

Wechselwirkungen: Epilepsie-Mittel, Beruhigungsmittel, Alkohol

Medikament oder SituationGut zu wissen
Epilepsie und Mittel gegen EpilepsieThujon greift im Gehirn am selben Rezeptor an wie manche Epilepsie- und Beruhigungsmittel, wirkt dort aber entgegengesetzt. Berichtet sind Wechselwirkungen laut EMA nicht. Bei Epilepsie Wermut nur nach ärztlicher Rücksprache.
Beruhigungsmittel wie BenzodiazepineEin Einfluss ist laut EMA denkbar, aber nicht belegt. Nur nach ärztlicher Rücksprache kombinieren.
Tinkturen und AlkoholTinkturen enthalten Alkohol. Wichtig, wenn du keinen Alkohol trinken darfst oder Medikamente nimmst, die sich nicht mit Alkohol vertragen.
Andere MedikamenteThujon wird in der Leber über mehrere Enzyme abgebaut. Wechselwirkungen hält die EMA deshalb für unwahrscheinlich, untersucht sind sie kaum.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Wermut-Präparat in der Apotheke.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

In Schwangerschaft und Stillzeit rät die EMA von Wermut ab. Thujon kann die Gebärmutter anregen, und in einem Versuch mit einem Wermut-Extrakt an trächtigen Ratten nisteten sich weniger Embryonen ein. Studien am Menschen gibt es nicht.

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Wermut nicht. Ein Fallbericht beschreibt schweren Durchfall bei einem 10 Monate alten Baby nach einem selbst hergestellten Wermut-Auszug. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.

Rechtslage: Gewürz, Tee, Arzneimittel

Wermut: Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas gilt
Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2017, korrigiert 2020)Wermutkraut: traditionelles Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, also auf Basis langer Anwendung. Der Thujon-Gehalt muss angegeben sein, die tägliche Aufnahme unter 6 Milligramm liegen.
Überprüfung2026 hat die EMA Daten für die regelmäßige Überprüfung der Monographie angefordert. Ein Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht.
Stoffliste von Bund und LändernKraut: als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B), kritischer Inhaltsstoff Thujon. Nicht verbindlich.
BfR (BfR-Wissenschaft 12/2013)Sicherheitsbedenken für Wermut als Tee. Für Nahrungsergänzung keine abschließende Bewertung möglich, weil Daten fehlen. Das BfR empfahl, Wermut in Nahrungsergänzung auf die EU-Liste der Stoffe unter Beobachtung zu setzen.
Thujon in Getränken (Verordnung über Aromen)Thujon darf Lebensmitteln nicht als Reinstoff zugesetzt werden. Höchstgehalte: 0,5 mg/kg in alkoholfreien Getränken aus Wermut und verwandten Arten, 10 mg/kg in anderen alkoholischen Getränken, 35 mg/kg in alkoholischen Getränken aus Wermut wie Absinth.
EU-Katalog für neuartige LebensmittelKein Eintrag für Artemisia absinthium. Die Stoffliste führt das Kraut als bekanntes Lebensmittel.
GesundheitsangabenKeine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“.

Für dich heißt das: Wermut darf als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden. Werbung mit Wirkungen auf Würmer, Parasiten oder Krankheiten ist bei Lebensmitteln aber nicht erlaubt.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Studien am Menschen gibt es nur wenige.

„Parasitenkur“

Laut EMA gibt es keine veröffentlichten Studien, die die Wirksamkeit von Wermut bei Würmern am Menschen prüfen. Hinweise stammen aus Labor- und Tierversuchen. Eine kleine Studie gab 20 Menschen mit Amöbenruhr Wermutpulver, ohne Vergleichsgruppe – was dabei auf Wermut zurückgeht, lässt sich nicht sagen.

Morbus Crohn (2007 und 2010)

Zwei kleine Studien derselben Arbeitsgruppe gaben 40 beziehungsweise 20 Menschen mit Morbus Crohn zusätzlich zu ihren Medikamenten Wermutpulver oder Placebo. Mit Wermut ging es mehr Teilnehmenden besser. Bestätigungen durch andere Gruppen sind uns nicht bekannt. Morbus Crohn gehört in ärztliche Behandlung, Medikamente nie eigenmächtig absetzen.

Appetitlosigkeit

Gute Studien zu Appetit oder Magen-Darm-Beschwerden fehlen laut EMA. Die Anerkennung als traditionelles Arzneimittel beruht auf jahrzehntelanger Anwendung, nicht auf Studien.

Absinth und „Absinthismus“

Absinth wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern verboten, weil man ihm eigene Schäden zuschrieb. Heutige Auswertungen gehen davon aus, dass der Thujon-Gehalt im Absinth dafür zu niedrig war und die Beschwerden vom Alkohol kamen. Krampfanfälle auslösen kann dagegen konzentriertes Wermutöl.

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Wermut?

Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA erkennt Wermutkraut nur als traditionelles Arzneimittel bei Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Beschwerden an.

Was ist dran an der Wermut-Parasitenkur?

Belegt ist sie nicht. Kontrollierte Studien am Menschen zu Würmern oder anderen Parasiten gibt es laut EMA nicht, ein Befall lässt sich in der Praxis nachweisen und mit Medikamenten behandeln.

Ist Wermut giftig?

Wermut enthält Thujon, das in hohen Mengen Krampfanfälle auslösen kann. Besonders gefährlich ist ätherisches Wermutöl, aber auch bei Tee sieht das BfR schon ab 1 bis 2 Tassen am Tag Bedenken.

Ist Wermuttee bedenklich?

Laut BfR kann je nach Thujon-Gehalt schon 1 Tasse Tee aus reinem Wermutkraut am Tag zu viel Thujon liefern. Wie viel ein Tee enthält, steht meist nicht auf der Packung.

Darf man Wermut in der Schwangerschaft nehmen?

Nein, die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Thujon die Gebärmutter anregen kann. Unter 18 Jahren empfiehlt sie Wermut ebenfalls nicht.

Ist Wermut dasselbe wie Artemisia annua oder Beifuß?

Nein. Wermut ist Artemisia absinthium, der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) und der Gewöhnliche Beifuß sind andere Arten derselben Gattung mit anderen Inhaltsstoffen.

Ist Wermut in Deutschland erlaubt?

Ja, als Gewürz, Tee und in Nahrungsergänzung ist das Kraut bekannt. Die Behörden empfehlen aber, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, und Thujon ist in Getränken gesetzlich begrenzt.

Quellen

  1. Final European Union herbal monograph on Artemisia absinthium L., herba – Revision 1 (EMA/HMPC/751490/2016 Corr. 1) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2020
  2. Final assessment report on Artemisia absinthium L., herba (EMA/HMPC/751484/2016) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2017
  3. Addendum to assessment report on Artemisia absinthium L., herba (EMA/HMPC/13144/2020) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2020
  4. Call for scientific data for the periodic review of the monograph on Absinthii herba (EMA/HMPC/57665/2026) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2026
  5. Public statement on the use of herbal medicinal products containing thujone (EMA/HMPC/732886/2010 Rev. 1) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2012
  6. Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, 2., ergänzte Auflage (BfR-Wissenschaft 12/2013), Kapitel Artemisia absinthium (Wermut) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2013
  7. Rein pflanzlich heißt nicht immer harmlos (Stand 11.08.2026) · Verbraucherzentrale, 2026
  8. Stoffliste des Bundes und der Bundesländer – Pflanzenliste A–K, 2. Auflage, Oktober 2020 (Eintrag Artemisia absinthium, Kraut) · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2020
  9. Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 über Aromen – Anhang III Teil A und B (Thujon) · Amtsblatt der EU, 2008
  10. Opinion of the Scientific Committee on Food on Thujone (SCF/CS/FLAV/FLAVOUR/23 ADD2 Final) · Europäische Kommission, Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss (SCF), 2003
  11. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (kein Eintrag für Wermut; Erwägungsgrund 10 zu Pflanzenstoffen) · Amtsblatt der EU, 2025
  12. Krebs S, Omer TN, Omer B: Wormwood (Artemisia absinthium) suppresses tumour necrosis factor alpha and accelerates healing in patients with Crohn's disease – a controlled clinical trial · Phytomedicine, 2010
  13. Weisbord SD, Soule JB, Kimmel PL: Poison on line – acute renal failure caused by oil of wormwood purchased through the Internet · New England Journal of Medicine, 1997
  14. Padosch SA, Lachenmeier DW, Kröner LU: Absinthism: a fictitious 19th century syndrome with present impact · Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy, 2006

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