Agmatin entsteht im Körper aus der Aminosäure Arginin und wird als Agmatin-Sulfat für Nerven und Stimmung verkauft – belegt ist keine Wirkung: Es gibt nur eine Handvoll kleiner Studien am Menschen, die größte mit 61 ausgewerteten Teilnehmenden. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gilt Agmatin-Sulfat als noch nicht zugelassen, seit 2021 gab es 5 Warnmeldungen im EU-Schnellwarnsystem. Stand: Oktober 2026.
Agmatin entsteht, wenn von der Aminosäure L-Arginin eine Säuregruppe abgespalten wird. Es ist eine Zwischenstufe im Stoffwechsel der Polyamine, einer Gruppe kleiner Moleküle in allen Zellen. Als Naturstoff ist Agmatin seit mehr als 100 Jahren bekannt.
Der Körper bildet selbst nur wenig Agmatin. Es stammt außerdem aus dem Essen und wird auch von Bakterien gebildet. In den meisten Lebensmitteln steckt nur wenig, mehr in fermentierten wie Wein, Bier und Sake, laut einer Übersicht von 2012.
Präparate enthalten Agmatin meist als Agmatin-Sulfat, ein Salz mit Schwefelsäure. Beworben wird es für Nerven, Stimmung und Schmerzen. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Für isolierte Stoffe gilt die EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel. Wurde ein Stoff vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen, braucht er vor dem Verkauf eine Zulassung.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Eintrag „Agmatine (4-aminobutyl) guanidine sulfate“: noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | 5 Meldungen von 2021 bis 2025 aus Schweden, Polen und Slowenien zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Agmatin-Sulfat. Die Ware kam aus den USA, Großbritannien oder unbekannter Herkunft, einmal zusammen mit DMAA und Yohimbin. |
| Arzneimittel | Ein zugelassenes Arzneimittel mit Agmatin ist uns nicht bekannt. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Solange es keine Zulassung gibt, darf Agmatin-Sulfat in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die meisten Daten stammen aus Tierversuchen.
In einer Studie aus Israel (2010) bekamen 99 Menschen mit Bandscheibenvorfall 2 Wochen lang Agmatin-Sulfat oder ein Scheinmittel. Ausgewertet wurden nur 61. Die Schmerzen gingen in beiden Gruppen zurück, mit Agmatin stärker. Weil so viele ausfielen, ist das Ergebnis unsicher.
In einer Fallserie (2020) nahmen 11 Menschen mit schmerzhafter Nervenschädigung, meist durch Diabetes, 2 Monate lang Agmatin-Sulfat. Die Schmerzen sanken im Schnitt um knapp die Hälfte. Ohne Vergleichsgruppe mit Scheinmittel lässt sich das nicht sicher dem Agmatin zuschreiben.
Ein Bericht (2013) beschreibt 3 Menschen mit Depression, denen es mit Agmatin besser ging. In einer Fallserie (2026) bekamen 5 Menschen mit Zwangsstörung Agmatin zusätzlich zu ihren Antidepressiva, bei 2 besserten sich die Beschwerden deutlich. Studien mit Vergleichsgruppe fehlen. In Tierversuchen zeigt Agmatin Effekte wie Antidepressiva, eine Übersicht (2021) fordert deshalb Studien am Menschen.
An beiden Schmerzstudien wirkte ein Forscher mit, der laut eigener Angabe (2024) bei einer Firma angestellt ist und dort Anteile und Patente hält. Diese Firma bezahlte 2024 Sicherheitstests zu einem Agmatin-Markenprodukt. Auch der Fallbericht über 5 Jahre stammt von ihm.
Studien zu Wechselwirkungen gibt es nicht. Die Tabelle zeigt, wo Vorsicht naheliegt.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antidepressiva und andere Psychopharmaka | Nicht systematisch untersucht. In der Fallserie von 2026 lief die Kombination unter ärztlicher Aufsicht. Nur nach Rücksprache. |
| Blutdruckmittel und Nitrate | Nicht untersucht. Agmatin greift in die Bildung von Stickstoffmonoxid ein, das die Gefäßweite mitbestimmt. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Starke Schmerzmittel, besonders Opioide | Agmatin wird im Zusammenhang mit Opioiden erforscht, bisher vor allem im Tierversuch. Beim Menschen nicht untersucht. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Produkt mit Agmatin mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine Wirkung. Es gibt nur wenige kleine Studien am Menschen, die größte mit 61 ausgewerteten Teilnehmenden, und die meisten Daten stammen aus Tierversuchen.
Als Lebensmittel nicht: Der EU-Katalog führt es als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Es darf deshalb nicht als Nahrungsergänzung verkauft werden.
Eine Studie mit Bandscheibenvorfall (2010) und eine Fallserie mit 11 Menschen (2020) berichten weniger Schmerzen. Beide sind klein, und an beiden wirkte ein Forscher mit eigenen Firmeninteressen mit.
In einer Studie hatten 3 Teilnehmende bei der höchsten Menge Durchfall und Übelkeit. Langzeitdaten und Daten zu Wechselwirkungen fehlen weitgehend.
Ja, in kleinen Mengen. Mehr findet sich in fermentierten Lebensmitteln, besonders in Wein, Bier und Sake.
Nein. Agmatin entsteht aus Arginin, ist aber ein eigener Stoff mit eigenen Angriffspunkten im Körper.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.