Huperzin A hemmt dasselbe Enzym wie manche Alzheimer-Medikamente, eine belegte Wirkung für Gesunde gibt es aber nicht: In einer kleinen Studie mit Sportlern veränderte es Gedächtnis- und Konzentrationstests nicht. In der EU ist es nicht als Lebensmittel zugelassen, und der Puls kann deutlich sinken.
Huperzin A in 30 Sekunden
Was ist das?
Ein Pflanzenstoff aus dem Chinesischen Bärlapp. Er hemmt den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin – wie manche Alzheimer-Medikamente.
Rechtslage?
In der EU nicht als Lebensmittel zugelassen. Behörden melden Produkte regelmäßig über das EU-Schnellwarnsystem. In China ist es ein Arzneimittel.
Forschung?
Studien fast nur bei Menschen mit Demenz, meist klein und methodisch schwach. Für Gesunde gibt es kaum Daten.
Risiken?
Übelkeit, Durchfall, Schlafprobleme und ein zu langsamer Puls. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind zu erwarten. Mehr zu Risiken
Was ist Huperzin A?
Huperzin A ist ein Alkaloid aus dem Chinesischen Bärlapp (Huperzia serrata), einer moosähnlichen Pflanze. Es kann auch im Labor hergestellt werden.
Huperzin A hemmt das Enzym Acetylcholinesterase. Dieses Enzym baut den Botenstoff Acetylcholin ab, der Signale zwischen Nervenzellen und zu den Muskeln überträgt. Nach demselben Prinzip arbeiten Alzheimer-Medikamente wie Donepezil.
In China ist Huperzin A als Arzneimittel zugelassen. In der EU ist es das nicht.
Rechtslage in Deutschland und der EU
Weder im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel noch in der EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel gibt es einen Eintrag. Eine Zulassung als Lebensmittel gibt es nicht.
Behörden aus mehreren EU-Ländern, auch aus Deutschland, melden seit 2020 immer wieder Nahrungsergänzungsmittel mit Huperzin A über das EU-Schnellwarnsystem – als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Oft steckt darin zusätzlich Alpha-GPC.
Das dänische Lebensmittelinstitut DTU bewertete Huperzin A in Nahrungsergänzungsmitteln 2016 als gesundheitlich bedenklich.
Die Verbraucherzentrale nennt den Bärlapp Huperzia serrata unter den neuen, nicht zugelassenen Pflanzenzutaten.
Produkte aus dem Internet, oft aus den USA oder Großbritannien, sind in der EU deshalb nicht verkehrsfähig.
Was sagt die Forschung?
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien betreffen Menschen mit Demenz und stammen aus China. Für Gesunde gibt es kaum Daten.
Alzheimer-Demenz (Cochrane)
Ein Cochrane-Review von 2008 wertete sechs Studien mit 454 Menschen mit Alzheimer aus. In einigen Tests schnitt Huperzin A besser ab als Placebo. Nur eine Studie war aber ausreichend gut und groß. Eine Empfehlung lässt sich laut Autoren nicht ableiten.
Studie aus den USA
In einer Studie mit 210 Menschen mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz (2011) wurde das Hauptziel nicht erreicht: Die Gedächtnistests unterschieden sich nach 16 Wochen nicht von Placebo. Nur eine Nebenauswertung mit der höheren Menge zeigte einen Unterschied.
Weitere Auswertungen
Eine Auswertung von 20 Studien mit 1.823 Menschen (2013) fand bessere Testwerte, stufte die meisten Studien aber als methodisch schwach ein. Zu vaskulärer Demenz und zu leichten Gedächtnisstörungen fanden Cochrane-Reviews keine ausreichenden Belege.
Gesunde Sportler
In einer kleinen Studie mit 15 trainierten Erwachsenen (2021) veränderte Huperzin A Gedächtnis- und Konzentrationstests nicht. Das Training empfanden sie als anstrengender.
Risiken und Nebenwirkungen
In Studien berichtet: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und Unruhe.
Langsamer Herzschlag: In einer Studie sank der Puls im Mittel deutlich unter den Normalbereich. Das dänische DTU sieht darin ein Risiko, das behandelt werden muss.
Außerdem genannt werden Schwitzen, verschwommenes Sehen und Schwindel.
Die Hemmung des Enzyms im Blut hält an: Zwei Tage nach der letzten Einnahme war sie in einer Studie noch messbar.
Daten zur Sicherheit über längere Zeit fehlen.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Studien zu Wechselwirkungen gibt es kaum. Weil Huperzin A wie ein Arzneistoff am Acetylcholin-System ansetzt, sind Wechselwirkungen mit Medikamenten zu erwarten, die dort ebenfalls ansetzen.
Hemmen dasselbe Enzym. Wirkungen und Nebenwirkungen könnten sich addieren. Nie ohne ärztliche Rücksprache kombinieren.
Mittel, die den Herzschlag verlangsamen (zum Beispiel Betablocker)
Unter Huperzin A sank in einer Studie der Puls. Zusammen könnte er zu stark absinken.
Anticholinergika (zum Beispiel manche Mittel bei Blasenschwäche oder Reiseübelkeit)
Arbeiten in die Gegenrichtung. Beide könnten sich gegenseitig abschwächen.
Narkose mit bestimmten Muskelentspannern
Mittel, die die Acetylcholinesterase hemmen, können deren Wirkung verlängern. Sag vor Operationen Bescheid.
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Produkt mit Huperzin A mit deiner Praxis oder Apotheke.
Häufige Fragen
Was ist Huperzin A?
Ein Alkaloid aus dem Chinesischen Bärlapp. Es hemmt das Enzym, das den Botenstoff Acetylcholin abbaut – wie manche Alzheimer-Medikamente.
Welche Wirkung hat Huperzin A?
Es hemmt das Enzym, das den Botenstoff Acetylcholin abbaut. Ein Nutzen ist nicht belegt: Studien bei Demenz sind meist klein und methodisch schwach, für Gesunde gibt es kaum Daten.
Ist Huperzin A in Deutschland erlaubt?
Nein, nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung. Es ist in der EU nicht zugelassen, Behörden melden solche Produkte regelmäßig über das EU-Schnellwarnsystem.
Was zeigen Studien zu Huperzin A bei Alzheimer?
Kleinere, meist chinesische Studien fanden bessere Testwerte, sind aber methodisch schwach. In der größten Studie aus den USA wurde das Hauptziel nicht erreicht.
Was weiß man über Huperzin A bei Gesunden?
Fast nichts. In einer kleinen Studie mit Sportlern veränderte es Gedächtnis- und Konzentrationstests nicht.
Welche Nebenwirkungen hat Huperzin A?
Häufig Übelkeit, Durchfall und Schlafprobleme. Der Puls kann so stark sinken, dass das behandelt werden muss.
Darf man Huperzin A mit Alzheimer-Medikamenten kombinieren?
Nicht ohne ärztliche Rücksprache. Beide hemmen dasselbe Enzym, Wirkungen und Nebenwirkungen könnten sich addieren.