Eine belegte Wirkung von Dihydroberberin gibt es nicht: Am Menschen sind bisher nur 2 kleine Studien mit 5 und 9 Teilnehmenden veröffentlicht, und beide maßen vor allem Blutspiegel. Im Körper wird DHB schnell wieder zu Berberin, für das die EFSA im Entwurf von 2026 keine sichere Verzehrmenge festlegen konnte. In der EU ist DHB nicht als neuartiges Lebensmittel zugelassen, ein Antrag von 2023 ist noch offen. Stand: Oktober 2026.
Dihydroberberin, kurz DHB, ist eine chemisch abgewandelte Form von Berberin. Berberin ist ein gelber, bitterer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Alkaloide. Er steckt zum Beispiel in Wurzel und Rinde der Berberitze, in der Kanadischen Orangenwurzel und in der Rinde des Amur-Korkbaums.
DHB für Präparate wird laut einem EU-Zulassungsantrag chemisch aus Berberin hergestellt. In kleinen Mengen entsteht es auch von selbst, weil Bakterien im menschlichen Körper Berberin zu DHB umwandeln können. DHB wird leichter aufgenommen als Berberin. Bei Ratten wurde es danach schnell wieder zu Berberin, so die EFSA in ihrem Entwurf von 2026.
Beworben wird DHB als besser aufnehmbares Berberin, vor allem rund um Zuckerwerte und Gewicht. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Laut Verbraucherzentrale sind Werbeaussagen zum Zucker im Blut bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Berberin nicht erlaubt.
Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartig. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. DHB wird chemisch hergestellt und hat keine.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Dihydroberberin | Kein Eintrag in der EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel und keiner im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel, also keine Zulassung. |
| Zulassungsantrag | Seit 2023 liegt der EU-Kommission der Antrag eines Herstellers vor. Beantragt ist DHB nur für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene, ausdrücklich nicht für Schwangere, Stillende und Menschen, die Medikamente nehmen. Entschieden ist darüber nicht. |
| Synthetisches Berberin | Laut EFSA hat die EU-Kommission klargestellt: Synthetisch hergestelltes Berberin in Lebensmitteln fällt unter die Regeln für neuartige Lebensmittel. |
| Berberin in Nahrungsergänzung | Laut Verbraucherzentrale darf Berberin selbst in der EU derzeit nicht in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. Für Berberin-Hydrochlorid läuft ebenfalls ein Zulassungsantrag. |
| EU-Prüfung von Pflanzen mit Berberin | Auf Anregung Frankreichs prüft die EU, ob Zubereitungen aus 13 Pflanzen mit Berberin eingeschränkt oder verboten werden. Die EFSA konnte im Entwurf vom 29. Januar 2026 für keine davon eine sichere Verzehrmenge festlegen. Ein endgültiges Gutachten lag bis Oktober 2026 nicht vor. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Keine Meldung zu DHB. Zu Berberin gab es von 2020 bis 2025 13 Meldungen, mehr als die Hälfte davon als nicht zugelassene neuartige Zutat. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Kapseln mit DHB dürfen in der EU derzeit nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Zu DHB selbst gibt es fast nur Labor- und Tierversuche.
In einer Studie (2021) nahmen 5 junge Männer nacheinander Berberin, DHB in 2 Mengen und ein Scheinmittel. Mit DHB war in den 2 Stunden nach einer Testmahlzeit mehr Berberin im Blut. Bei den Zuckerwerten im Blut gab es zwischen den Durchgängen keinen Unterschied. Bezahlt hat die Studie ein DHB-Hersteller.
Bei 9 Gesunden führte DHB zu höheren Blutwerten von Berberin und seinen Abbauprodukten als eine andere Berberin-Zubereitung (2024). Sponsor im Studienregister ist ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Folgen für die Gesundheit hat die Studie nicht gemessen.
Veröffentlichte Studien am Menschen dazu gibt es nicht. Im Studienregister stehen eine Studie mit geplant 54 Menschen mit Vorstufe von Diabetes und eine mit 120 Gesunden. Beide finanziert der Hersteller, der die EU-Zulassung beantragt hat, Ergebnisse gibt es bisher nicht.
Eine Übersicht (2026) fasst Zell- und Tierversuche zu DHB und Stoffwechsel zusammen. Studien am Menschen, die Folgen für Krankheiten untersuchen, nennen die Autoren sehr begrenzt. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nicht einfach auf Menschen übertragen.
Zu Berberin gibt es deutlich mehr Studien am Menschen, viele aus China. Laut der US-Gesundheitsbehörde NCCIH (2023) reichen die Daten zum Abnehmen nicht aus, viele Studien hatten ein hohes Risiko für Verzerrungen. Mehr dazu unter Berberin.
Studien zu Wechselwirkungen gibt es nur für Berberin. Weil DHB im Körper zu Berberin wird, liegt nahe, dass sie auch hier gelten.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Diabetesmittel (Tabletten und Spritzen), zum Beispiel Sulfonylharnstoffe | Präparate mit berberinhaltigen Pflanzen können laut ANSES zu Unterzucker führen. Laut Verbraucherzentrale sind Wechselwirkungen mit Sulfonylharnstoffen beschrieben. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Ciclosporin oder Tacrolimus nach einer Transplantation | Berberin erhöhte in Studien den Ciclosporin-Spiegel im Blut. Ein Fallbericht beschreibt stark gestiegene Tacrolimus-Werte. Nicht ohne dein Behandlungsteam. |
| Medikamente, die über die Leberenzyme CYP3A4, CYP2D6 oder CYP2C9 abgebaut werden | In einer Studie mit 17 Männern bremste Berberin diese Enzyme, geprüft mit Midazolam, Dextromethorphan und Losartan. Solche Mittel können dann stärker wirken. Frag in deiner Apotheke. |
| Gerinnungshemmer wie Rivaroxaban | Ein Fallbericht beschreibt einen Mann mit akutem Leberschaden und stark erhöhtem Rivaroxaban-Spiegel, 3 Wochen nach Beginn mit Berberin. Im Labor und bei Tieren hemmte Berberin zudem die Blutplättchen. |
| Mittel, die den Herzrhythmus beeinflussen, und Cannabidiol (CBD) | Fallberichte beschreiben Herzrhythmusstörungen unter Berberin, einer auch unter DHB. Laut Verbraucherzentrale kann es zusammen mit CBD zu Herzrhythmusstörungen kommen. Nicht ohne ärztlichen Rat kombinieren. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor einem DHB-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine. Am Menschen gibt es nur 2 kleine Studien mit 5 und 9 Teilnehmenden, die vor allem Blutspiegel maßen. In der Studie, die auch die Zuckerwerte im Blut maß, änderten sich diese nicht.
In einer Studie mit 5 Männern war mit DHB mehr Berberin im Blut. Ob das für die Gesundheit einen Unterschied macht, ist nicht untersucht. Im Körper wird DHB ohnehin wieder zu Berberin.
Nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung. DHB ist in der EU ein neuartiges Lebensmittel ohne Zulassung, ein Antrag von 2023 ist noch offen.
Zu DHB selbst gibt es kaum Daten. Von Berberin sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden und Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten bekannt. Ein Fallbericht von 2026 beschreibt schwere Herzrhythmusstörungen bei einem Mann, der unter anderem DHB nahm.
DHB ist eine chemisch abgewandelte Form von Berberin, die leichter aufgenommen wird. Im Körper wird sie schnell wieder zu Berberin.
Nein. Eine amtliche Menge gibt es nicht, und für Berberin konnte die EFSA im Entwurf von 2026 keine sichere Verzehrmenge festlegen.
Die französische Behörde ANSES rät Schwangeren und Stillenden von Präparaten mit Berberin ab. Bei Säuglingen wurde Berberin mit einer gefährlichen Anreicherung von Bilirubin in Verbindung gebracht, und selbst der Zulassungsantrag schließt Schwangere und Stillende aus.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.