Glabridin ist ein Pflanzenstoff aus der Wurzel des Echten Süßholzes – eine belegte Wirkung hat er nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Als angereichertes Präparat ist in der EU nur ein Süßholz-Flavonoid-Öl mit 2,5 bis 3,5 % Glabridin zugelassen: höchstens 120 mg am Tag, nicht für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche. Stand: Oktober 2026.
Glabridin ist ein Isoflavan, also ein Pflanzenstoff aus der großen Gruppe der Flavonoide. Es kommt nur in der Wurzel des Echten Süßholzes (Glycyrrhiza glabra) vor. Andere Süßholz-Arten wie Glycyrrhiza uralensis enthalten keins. Beschrieben wurde der Stoff zum ersten Mal 1976.
Als Nahrungsergänzung wird Glabridin meist zum Abnehmen beworben. Viel häufiger steckt es in Kosmetik: Laut einer Übersicht von 2013 betrafen 70 % der Patente zu Glabridin Kosmetik oder Haut, etwa Cremes, die die Haut aufhellen sollen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Glycyrrhizin. Das ist der Stoff, der Süßholz süß macht und auf Dauer den Blutdruck steigen lassen kann. Für ihn gelten regelmäßig höchstens 100 mg am Tag, mehr dazu unter Süßholzwurzel. Das in der EU zugelassene Glabridin-Präparat muss weniger als 0,005 % Glycyrrhizinsäure enthalten. Eine andere glycyrrhizinarme Form ist DGL-Lakritze.
| Produkt | Glabridin | Quelle |
|---|---|---|
| Getrocknete Wurzel des Echten Süßholzes | 0,08 bis 0,35 % des Trockengewichts, also etwa 0,8 bis 3,5 mg pro Gramm | Übersichtsarbeit 2013 |
| Lakritz-Pastillen aus einer schwedischen Studie | Rund 0,25 mg pro Gramm, also etwa 0,8 mg in 3,3 g | Studie 2026 |
| Zugelassenes Süßholz-Flavonoid-Öl | 2,5 bis 3,5 %, also rechnerisch etwa 3 bis 4 mg in 120 mg Öl | EU-Unionsliste |
| Süßholz-Arten Glycyrrhiza uralensis und Glycyrrhiza inflata | Kein Glabridin | Studie 2007 |
Die Gehalte in der Wurzel schwanken je nach Herkunft und Anbau. Umrechnung in mg pro Gramm und pro Portion: eigene Rechnung aus den Quellen.
Lakritz und Süßholztee liefern vor allem Glycyrrhizin. In der schwedischen Studie steckten in 3,3 g Lakritz neben rund 0,8 mg Glabridin schon 100 mg Glycyrrhizin – so viel, wie als Obergrenze für einen ganzen Tag gilt. Als Glabridin-Quelle taugt Lakritz deshalb nicht.
Mehr zur Pflanze, zu Tee und Lakritz im Lexikon unter Süßholzwurzel.
Eine amtliche Tagesmenge für reines Glabridin gibt es nicht. Für das zugelassene Süßholz-Flavonoid-Öl legt die EU eine Höchstmenge fest: 120 mg am Tag. Darin stecken rechnerisch etwa 3 bis 4 mg Glabridin.
Die 120 mg beruhen auf einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) von 2011. Grundlage war ein 90-Tage-Versuch an Ratten, für den die EFSA Werte der Blutgerinnung auswertete. Bis 120 mg am Tag hielt sie das Öl für Erwachsene für sicher. Der Hersteller hatte bis zu 300 mg am Tag beantragt.
In Studien wurden 300 bis 1.200 mg des Öls am Tag untersucht. Das sind Studienbedingungen, kein Rat – und deutlich mehr, als in der EU erlaubt ist.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Verschreibungspflichtige Medikamente allgemein | Laut EU-Zulassung nur unter ärztlicher Aufsicht. |
| Medikamente, die über die Leberenzyme CYP3A4, CYP2B6 oder CYP2C9 abgebaut werden | Glabridin hemmte diese Enzyme im Labor (2002). CYP3A4 ist das wichtigste Enzym für den Abbau von Medikamenten. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nicht untersucht. |
| Gerinnungshemmer (Blutverdünner) | Die EFSA leitete die Höchstmenge aus Gerinnungswerten im Rattenversuch ab. Daten am Menschen fehlen. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Hormonpräparate, auch Antihormon-Therapien bei Krebs | Glabridin bindet im Labor an Östrogen-Rezeptoren. Ob das beim Menschen etwas ändert, ist offen. Nur nach Rücksprache. |
| Blutdruckmittel, Entwässerungsmittel, Herzglykoside | Wichtig vor allem bei Süßholz-Produkten mit Glycyrrhizin, nicht beim zugelassenen Öl. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis. Die Wechselwirkungen von Glycyrrhizin stehen unter Süßholzwurzel.
Laut EU-Zulassung ist das Süßholz-Flavonoid-Öl nichts für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche. Der Hinweis muss auf der Packung stehen. Die EFSA hielt 2011 fest, dass die Sicherheit für Schwangere und Stillende nicht belegt ist.
Auch bei Lakritz und Süßholztee ist in der Schwangerschaft Vorsicht geboten, wegen des Glycyrrhizins. Präparate mit Glabridin in dieser Zeit und für Kinder deshalb nicht ohne Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Zugelassenes Präparat | „Flavonoide aus Glycyrrhiza glabra L.“: ein Wurzel-Extrakt, gewonnen mit Ethanol und mittelkettigen Triglyceriden (MCT), mit 2,5 bis 3,5 % Glabridin und weniger als 0,005 % Glycyrrhizinsäure. Zugelassen 2011, erweitert 2015, heute in der EU-Unionsliste. |
| Erlaubte Lebensmittel | Nahrungsergänzungsmittel, Getränke auf Milch-, Joghurt-, Obst- oder Gemüsebasis, Tagesrationen für eine gewichtskontrollierende Ernährung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke – jeweils höchstens 120 mg am Tag. Getränke nur als Einzelportion. |
| Reines Glabridin und andere angereicherte Extrakte | Für sie gilt die Zulassung nicht. Eine eigene Zulassung ist nicht bekannt, im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag zu Glabridin. |
| Süßholzwurzel, Lakritz, Tee | Übliche Lebensmittel. Für Süßwaren und Getränke gelten Hinweispflichten ab bestimmten Glycyrrhizin-Gehalten. |
| Warnmeldungen | Im EU-Schnellwarnsystem RASFF fanden wir keine Meldung zu Glabridin (Suche Oktober 2026). |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Achte bei Glabridin-Präparaten auf die Bezeichnung „Flavonoide aus Glycyrrhiza glabra L.“ und die Pflichthinweise. Fehlen sie, ist unklar, ob das Produkt in der EU so verkauft werden darf.
Cremes mit Glabridin fallen unter das Kosmetikrecht. Was dort erlaubt ist, sagt nichts über Kapseln zum Schlucken.
Viele Versprechen stammen aus Versuchen an Zellen und Tieren. Hier steht, was Studien an Menschen zeigen – ohne Versprechen.
In einer Studie aus Japan (2009) bekamen 84 Menschen mit leichtem Übergewicht 8 Wochen lang 300, 600 oder 900 mg Süßholz-Flavonoid-Öl am Tag oder ein Scheinmittel. In allen Öl-Gruppen sank das Körperfett, das Fett im Bauchraum nur mit 900 mg – mehr als dem Siebenfachen der EU-Höchstmenge. An der Studie waren weitgehend dieselben Forschenden beteiligt wie an der Sicherheitsstudie aus der Firma des Herstellers.
Eine Auswertung von 26 Studien mit 985 Menschen (2018) fand mit Süßholz im Schnitt 0,4 kg weniger Körpergewicht. Zugleich lag der untere Blutdruckwert im Schnitt 1,7 mmHg höher. Die Auswertung betrifft Süßholz allgemein, nicht reines Glabridin.
In einer schwedischen Studie (2026) aßen 28 junge Gesunde 2 Wochen lang täglich 3,3 g Lakritz mit rund 0,8 mg Glabridin. Die Zuckerwerte im Blut, der Langzeit-Zuckerwert (HbA1c) und die Blutfette veränderten sich nicht. Die Forschenden halten es für unwahrscheinlich, dass mögliche Effekte von Glabridin den Blutdruckanstieg durch Lakritz aufwiegen.
In Zell- und Tierversuchen band Glabridin an Östrogen-Rezeptoren. Eine Übersicht (2013) beschreibt es deshalb als möglichen pflanzlichen Hormon-Modulator. Studien dazu am Menschen gibt es nicht.
Im Labor hemmt Glabridin ein Enzym der Pigmentbildung. Darauf beruht der Einsatz in Cremes zur Hautaufhellung. Für Kapseln zum Schlucken ist dazu nichts belegt.
Unabhängige, größere Studien fehlen. Die Studien mit angereichertem Glabridin am Menschen nutzten das Öl eines einzigen Herstellers, und zwar in Mengen über der EU-Höchstmenge.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Kleine Studien aus dem Umfeld des Herstellers fanden etwas weniger Körperfett, aber mit bis zu 900 mg Öl am Tag – mehr als das Siebenfache der erlaubten Menge.
Als angereichertes Präparat ist in der EU nur ein Süßholz-Flavonoid-Öl mit 2,5 bis 3,5 % Glabridin zugelassen, höchstens 120 mg am Tag. Auf der Packung steht dann „Flavonoide aus Glycyrrhiza glabra L.“.
Für reines Glabridin gibt es keinen amtlichen Wert. Für das zugelassene Öl gilt eine Höchstmenge von 120 mg am Tag, darin stecken rechnerisch etwa 3 bis 4 mg Glabridin.
In kleinen Studien mit bis zu 1.200 mg Öl am Tag über 4 Wochen fielen keine deutlichen Nebenwirkungen auf. Langzeitdaten und Daten für Schwangere fehlen, bei verschreibungspflichtigen Medikamenten nur unter ärztlicher Aufsicht.
Nein. Glycyrrhizin macht Süßholz süß und kann auf Dauer den Blutdruck steigen lassen. Glabridin ist ein Flavonoid, und das zugelassene Öl enthält weniger als 0,005 % Glycyrrhizinsäure.
Ja, in kleinen Mengen: In einer schwedischen Studie lieferten 3,3 g Lakritz etwa 0,8 mg Glabridin. Dieselbe Menge enthielt aber auch 100 mg Glycyrrhizin, die Obergrenze für einen ganzen Tag.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.