Synephrin aus der Bitterorange hat keine belegte Wirkung beim Abnehmen: Eine Auswertung von 18 Studien (2022) fand beim Gewicht keinen deutlichen Unterschied zu Placebo, dafür lag der obere Blutdruckwert bei längerer Einnahme im Schnitt gut 6 mmHg höher. Das BfR rät, mit Nahrungsergänzungsmitteln höchstens etwa 6,7 mg Synephrin am Tag aufzunehmen und es nicht mit Koffein zu kombinieren, weil sich die Wirkungen auf Herz und Kreislauf verstärken können. Stand: Oktober 2026.
Synephrin, genauer p-Synephrin, ist ein Pflanzenstoff aus Zitrusfrüchten, vor allem aus der Bitterorange, auch Pomeranze genannt (Citrus aurantium). Chemisch ist er mit Ephedrin verwandt.
Bitterorangen sind zu sauer und zu bitter, um sie roh zu essen. Man macht daraus Marmelade, Orangeat und Liköre. Getrocknete Bitterorangenschale ist außerdem ein zugelassenes Arzneimittel, etwa bei Appetitlosigkeit.
In Präparaten steckt laut BfR wahrscheinlich meist ein Extrakt aus unreifen Früchten, eingestellt auf zum Beispiel 6 oder 10 % Synephrin. Es gibt auch Extrakte mit bis zu 95 %.
Synephrin war früher selbst ein Arzneistoff: Synthetisch hergestellt wurde es bei zu niedrigem Blutdruck eingesetzt. In Deutschland ist ein solches Präparat nicht mehr im Handel.
Beworben wird Synephrin heute vor allem zum Abnehmen und für das Training, oft zusammen mit Koffein. Ähnlich beworben werden Koffein, Guarana und Forskolin. Wie du ein vernünftiges Kaloriendefizit berechnest, erklärt unser Ratgeber.
Synephrin nimmst du auch mit ganz normalen Zitrusfrüchten auf, etwa mit Orangen, Mandarinen und ihren Säften. Die Gehalte schwanken stark, je nach Sorte, Größe und Reife der Frucht.
| Beispiel | Synephrin |
|---|---|
| Orangensaft, je nach Probe | etwa 4 bis 85 mg pro Kilogramm |
| Ein Glas Orangensaft (200 ml) | rechnerisch etwa 0,7 bis 17 mg |
| Durchschnitt aus Zitrusfrüchten, Säften und Marmelade | etwa 0,8 bis 6,7 mg am Tag |
| Die 5 % mit dem höchsten Verzehr | etwa 3,5 bis 25,7 mg am Tag |
Die Spannen ergeben sich aus den niedrigsten und höchsten gemessenen Gehalten. Quelle: BfR-Stellungnahme Nr. 004/2013 auf Basis der Nationalen Verzehrsstudie II; Glas Orangensaft selbst gerechnet.
Auch Bitterorangen-Marmelade enthält Synephrin, die wenigen Messwerte schwanken stark. Aus diesen Zahlen leitet das BfR seine Empfehlung ab: Präparate sollen nicht mehr Synephrin liefern, als Durchschnittsverzehrer ohnehin mit dem Essen aufnehmen.
Eine EU-weite Höchstmenge für Synephrin gibt es nicht. Mehrere Behörden haben aber Grenzen genannt oder festgelegt.
| Behörde oder Land | Was gilt |
|---|---|
| BfR (Deutschland, 2012) | Empfehlung: mit Nahrungsergänzungsmitteln höchstens etwa 6,7 mg Synephrin am Tag. Das entspricht der durchschnittlichen Aufnahme aus Lebensmitteln. Nicht rechtsverbindlich. |
| Frankreich | Gesetzliche Grenze: weniger als 20 mg Synephrin je empfohlener Tagesportion. Koffein und koffeinhaltige Zutaten sind in solchen Präparaten verboten. Pflicht-Warnhinweis: nicht für Kinder, Schwangere, Stillende und bei Behandlung mit Blutdrucksenkern. |
| Italien (Entwurf 2017) | Höchstens 30 mg Synephrin am Tag, der Gehalt muss auf dem Etikett stehen. Warnhinweis: nicht in Schwangerschaft und Stillzeit und nicht unter 12 Jahren, bei Herz-Kreislauf-Problemen vorher ärztlich beraten lassen. |
Abnehm- und Sportprodukte liefern oft deutlich mehr: Bei einem vom BfR geprüften Produkt kamen je nach Verzehrempfehlung 37,5 bis 75 mg Synephrin am Tag zusammen. Einige hoch dosierte Kombinationen mit Koffein stufte das BfR als nicht sicher ein.
Für Kombinationen mit Koffein in wirksamen Mengen fordert das BfR deutliche Hinweise: nicht für Menschen mit Bluthochdruck, Übergewicht oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vorsicht bei intensivem Sport, bei Medikamenten vorher ärztlich fragen.
| Medikament oder Stoff | Gut zu wissen |
|---|---|
| Koffein, auch aus Kaffee, Energydrinks oder Guarana | Die Wirkungen auf Herzschlag und Blutdruck können sich laut BfR gegenseitig verstärken. In Frankreich sind Synephrin-Präparate mit Koffein verboten. |
| Blutdruckmittel, auch Mittel bei zu niedrigem Blutdruck | Die kanadische Gesundheitsbehörde schreibt laut BfR einen Warnhinweis vor: nicht zusammen verwenden. Frag vorher in der Praxis. |
| Schilddrüsenhormone | Eine Frau, die gut eingestellt Schilddrüsenhormone nahm, bekam schon am ersten Tag mit einem Präparat mit 30 mg Synephrin anhaltendes Herzrasen (Fallbericht). Auch hier verlangt Kanada einen Warnhinweis. |
| MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva) und andere Stoffe mit ähnlicher Wirkung wie Synephrin | Laut kanadischem Warnhinweis nicht zusammen verwenden. |
| Andere Medikamente | Wenig untersucht. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis. |
Laut BfR sind Präparate mit Synephrin für Schwangere, Stillende und Kinder nicht geeignet. In Frankreich muss das als Warnhinweis auf der Packung stehen, der italienische Entwurf nennt Kinder unter 12 Jahren.
Aus Tierversuchen gibt es Hinweise, dass Stoffe aus der Bitterorange die Milchbildung verringern könnten.
Für Jugendliche gibt es keine Daten zur Sicherheit. Geht es dir ums Gewicht, sprich lieber mit deiner Haus- oder Kinderarztpraxis.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Früchte der Bitterorange sind ein herkömmliches Lebensmittel, Blätter und Blüten sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. Deutschland merkte im Katalog an, dass Synephrin ein pharmakologisch aktiver Stoff mit beschriebenen schweren Nebenwirkungen ist. |
| Reines oder synthetisches Synephrin | Kein eigener Eintrag im Katalog. Der Eintrag betrifft die Pflanze. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Frucht: Lebensmittel, mit Verweis auf die BfR-Bewertung zu Synephrin. Blatt und Blüte sind auch aus Nahrungsergänzung bekannt. Die Schale ist auch ein Arzneistoff, ihre Verwendung in Lebensmitteln soll beschränkt werden (Liste B). Nicht verbindlich. |
| Frankreich und Italien | Höchstmengen und Warnhinweise für Präparate, siehe Dosierung. |
| Überwachung in Deutschland | Ein Produkt mit Koffein und nicht angegebenem Synephrin stuften deutsche Behörden 2020 als nicht sicheres Lebensmittel ein, es wurde zurückgerufen (EU-Schnellwarnsystem RASFF). |
| EU-weite Prüfung | Die Leitungen der nationalen Lebensmittelbehörden zählen Synephrin in Zitrus-Zubereitungen zu den 13 Stoffen, die vorrangig EU-weit geprüft werden sollen (Bericht 2024). Dieses Verfahren kann zu Verbot oder Beschränkung führen. Eine Entscheidung gibt es noch nicht. |
| Doping | Synephrin steht nicht auf der Verbotsliste der WADA. Im Wettkampf beobachtet die WADA es 2026 aber in ihrem Monitoring-Programm. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Bitterorangen-Extrakte dürfen als Nahrungsergänzung verkauft werden, mit Grenzen, die nicht in jedem Land gleich sind. Werbung mit Abnehmen ist ohne zugelassene Angabe nicht erlaubt.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Viele Studien testeten Mischprodukte, die Wirkung von Synephrin allein lässt sich dann nicht trennen.
Eine Auswertung von 18 placebokontrollierten Studien fand bei längerer Einnahme keinen deutlichen Unterschied beim Gewicht und keinen bei der Körperzusammensetzung. Die Autorinnen und Autoren sehen keinen Beleg für einen Nutzen beim Abnehmen.
In derselben Auswertung lagen beide Blutdruckwerte mit Synephrin höher als mit Placebo, der Puls eher auch. Die Forschenden fordern weitere Studien zur Sicherheit.
Laut NCCIH waren die meisten Studien zum Gewicht klein, teils wenig sorgfältig und mit Mischprodukten, die Ergebnisse widersprachen sich. Für keinen gesundheitlichen Zweck ist ein Nutzen klar gezeigt.
In Studien einer spanischen Arbeitsgruppe nutzten vor allem Männer nach einer einzelnen Gabe beim Radfahren etwas mehr Fett als Energiequelle, der Energieverbrauch insgesamt änderte sich nicht (Übersicht 2021). Bei 18 sportlichen Frauen fand dieselbe Gruppe 2022 keinen Unterschied.
Die Studien nutzten 2 bis 3 mg Synephrin pro Kilogramm Körpergewicht, bei 60 kg also 120 bis 180 mg – ein Vielfaches der BfR-Empfehlung. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Auf Sprint, Sprungkraft und Ausdauerleistung hatte eine einzelne Gabe in den Studien keinen Einfluss (Übersicht 2021).
Belegt ist keine, eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Eine Auswertung von 18 Studien fand beim Gewicht keinen deutlichen Unterschied zu Placebo, dafür etwas höhere Blutdruckwerte.
Das BfR rät, mit Nahrungsergänzungsmitteln höchstens etwa 6,7 mg am Tag aufzunehmen. In Frankreich gilt gesetzlich eine Grenze von unter 20 mg je Tagesportion.
Das BfR rät davon ab, weil sich die Wirkungen auf Herzschlag und Blutdruck verstärken können. In Frankreich sind Präparate mit Bitterorange und Koffein verboten.
In üblichen Mengen aus Lebensmitteln nicht. Aus hoch dosierten Präparaten, vor allem mit Koffein, sind Herzrasen, Rhythmusstörungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle beschrieben, auch bei jungen Menschen.
Ja, Bitterorangen-Extrakte dürfen als Nahrungsergänzung verkauft werden. Die BfR-Höchstmenge von 6,7 mg am Tag ist eine Empfehlung, einige hoch dosierte Kombinationen mit Koffein stufte das BfR als nicht sicher ein.
Nein, verboten ist es nicht. Die WADA beobachtet Synephrin 2026 aber im Wettkampf in ihrem Monitoring-Programm.
Ja, in kleinen Mengen. Mit Orangen, Mandarinen, Säften und Marmelade kommen laut BfR im Schnitt bis etwa 6,7 mg am Tag zusammen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.