Eine belegte Wirkung hat Oleuropein nicht: Die EU hat für Olivenblatt-Extrakt keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die EMA führt Olivenblätter nur als traditionelles Arzneimittel, also auf Basis langer Anwendung. Eine Auswertung von 12 Studien fand beim oberen Blutdruckwert im Mittel knapp 4 mmHg Unterschied, eine neuere von 11 Studien (2026) bei Zuckerwerten und Blutfetten keinen. Die zugelassene EU-Angabe zu Polyphenolen gilt nur für Olivenöl, nicht für Kapseln mit Olivenblatt-Extrakt. Stand: Oktober 2026.
Oleuropein ist ein Bitterstoff aus dem Olivenbaum (Olea europaea). Er ist der wichtigste Vertreter der Secoiridoide, einer Gruppe von Polyphenolen im Ölbaum. Laut EMA-Bericht macht er den Baum widerstandsfähiger gegen Insekten und Bakterien.
Am meisten Oleuropein steckt in den Blättern. Als Nahrungsergänzung wird es deshalb als Olivenblatt-Extrakt verkauft, oft mit Angabe des Oleuropein-Gehalts in Prozent. Im Körper entstehen daraus unter anderem Hydroxytyrosol und Tyrosol, die auch im Olivenöl vorkommen.
Beworben wird Olivenblatt-Extrakt vor allem mit Blutdruck, Zuckerwerten, Blutfetten und Abwehrkräften. Was Studien dazu zeigen, liest du unter Was sagt die Forschung?
| Quelle | Was bekannt ist |
|---|---|
| Getrocknete Olivenblätter | Hauptquelle. Blätter in Arzneibuch-Qualität enthalten mindestens 5 % Oleuropein, laut EMA-Bericht meist 6 bis 9 % der Trockenmasse. |
| Olivenblatt-Tee | Ein nicht konzentrierter Aufguss aus den Blättern. Laut EU-Katalog ein herkömmliches Lebensmittel. |
| Frische, rohe Oliven | Sehr bitter durch Oleuropein. Je reifer die Frucht, desto weniger enthält sie. |
| Eingelegte Tafeloliven | Beim Entbittern wird der Bitterstoff weitgehend entfernt, deshalb schmecken sie milder. |
| Natives Olivenöl | Enthält Hydroxytyrosol und verwandte Stoffe wie den Oleuropein-Komplex. Für die EU-Angabe zu Olivenöl-Polyphenolen braucht ein Öl mindestens 5 mg davon je 20 g. |
Quellen: EMA-Bewertungsbericht zu Olivenblättern (2016, Europäisches Arzneibuch), EU-Novel-Food-Katalog, Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Genaue Gehalte in Lebensmitteln schwanken stark; eine amtliche Datenbank mit Oleuropein-Werten gibt es im Bundeslebensmittelschlüssel nicht.
Oliven und Olivenöl sind feste Teile der Mittelmeerküche – als Lebensmittel, nicht als Ersatz für ein Präparat. Mehr dazu im Lexikon unter Oliven und Olivenöl, und im Ratgeber Woran erkennt man hochwertiges Olivenöl?
Rezepte mit Oliven: Kabeljau mit Artischocken und Oliven, Doradenfilets mit Oliven und Bohnen aus dem Airfryer oder Ofenlachs mit Tomaten, Oliven und Kapern.
Für Oleuropein und Olivenblatt-Extrakt in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EU-Monographie der EMA legt Mengen nur für traditionelle Arzneimittel aus getrockneten Blättern fest, als Tee oder Pulver. Für Extrakte in Kapseln gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Die EMA nennt eine übliche Anwendungsdauer von 2 bis 4 Wochen.
In Studien wurden Extrakte mit etwa 50 bis 140 mg Oleuropein am Tag über 6 bis 12 Wochen untersucht. Das sind Studienbedingungen, kein Rat. Die Extrakte waren verschieden hergestellt, die Ergebnisse lassen sich nicht auf jedes Produkt übertragen.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Blutdruckmittel | In einigen Studien lag der Blutdruck mit Extrakt etwas niedriger. Zusammen mit Blutdruckmitteln könnte er stärker sinken als gewollt. Klinisch untersucht ist das nicht. Sprich das vorher mit deiner Praxis ab und miss deinen Blutdruck. |
| Diabetesmittel (Tabletten und Spritzen) | Studien haben Zuckerwerte im Blut untersucht, mit uneinheitlichen Ergebnissen. In Labor- und Tierversuchen sanken die Zuckerwerte. Kontrolliere deine Werte und frag in der Praxis. |
| Medikamente, die über Leberenzyme (CYP) abgebaut werden – das sind viele | Im Labor hemmt Oleuropein mehrere dieser Enzyme. Ob das im Körper eine Rolle spielt, ist nicht geklärt. Frag in der Apotheke, ob dein Medikament dazugehört. |
| Medikamente allgemein | Die EMA nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Untersucht ist aber wenig. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Olivenblatt-Arzneimitteln ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. Über die Fruchtbarkeit gibt es keine Daten.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Olivenblätter nicht, weil Daten fehlen. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit und für Jugendliche nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Oliven und Olivenöl in der Küche betrifft das nicht.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Olivenblätter in Nahrungsergänzung | Laut Novel-Food-Katalog der EU sind Blätter und Knospen des Olivenbaums in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel (POL-NF-00545). Olivenblatt-Extrakt wird so als Nahrungsergänzung verkauft. |
| Oliven und Blatt-Tee | Früchte und ein nicht konzentrierter Aufguss der Blätter sind herkömmliche Lebensmittel. |
| Oliven-Polyphenole als Zutat | „Oliven-Polyphenole“ und ein Fruchtextrakt mit mindestens 10 % Hydroxytyrosol gelten in Lebensmitteln als neuartig und sind noch nicht zugelassen. Für Nahrungsergänzung wurde das nicht bewertet. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Das Blatt ist als Lebensmittel (Tee, Nahrungsergänzung) und als traditionelles Arzneimittel geführt, ohne Empfehlung zur Einschränkung. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz. |
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2017) | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Ausscheidung von Wasser über die Nieren bei leichten Wassereinlagerungen, nachdem ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind. Eine „gut belegte Anwendung“ sah die EMA nicht. Bei der Überprüfung 2025 fand sie keinen Grund für Änderungen. |
| Gesundheitsangaben | Keine für Olivenblätter. Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. Eine Angabe zu Olivenblatt-Extrakt und den Zuckerwerten nach dem Essen lehnte die EU 2015 ab (Verordnung (EU) 2015/1041). Die Angabe zu Olivenöl-Polyphenolen gilt nur für Olivenöl. |
Als Lebensmittel darf Olivenblatt-Extrakt nicht mit Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes beworben werden.
Die Studien sind meist klein und kurz, und fast jede testete einen anderen Extrakt. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Andere Pflanzen, die mit Herz und Kreislauf beworben werden: Weißdorn und Knoblauch-Extrakt.
In einer Studie (2011) bekamen 232 Menschen mit leichtem Bluthochdruck 8 Wochen lang Olivenblatt-Extrakt oder das Blutdruckmittel Captopril. In beiden Gruppen sank der obere Wert ähnlich, mit Extrakt um rund 11 mmHg. Eine Placebo-Gruppe gab es nicht, und nur 148 Menschen konnten ausgewertet werden. In einer Placebo-Studie (2017) mit 60 Männern mit hochnormalem Blutdruck war der obere Wert nach 6 Wochen mit Extrakt um gut 3 mmHg niedriger.
Eine Auswertung von 12 Studien mit 819 Menschen (2022) fand mit Extrakt einen um knapp 4 mmHg niedrigeren oberen Blutdruckwert und etwas niedrigere Blutfette, aber keine Unterschiede bei den Zuckerwerten. Eine kleinere Auswertung von 3 Studien mit 248 Menschen mit hohem oder hochnormalem Blutdruck (2025) kam zu einem ähnlichen Ergebnis, nannte die Qualität der Studien aber wechselhaft. Die EMA hielt die Daten für zu schwach für eine sichere Aussage.
In einer Placebo-Studie (2021) nahmen 77 übergewichtige Erwachsene mit Cholesterinwerten knapp über dem Normalbereich 8 Wochen lang Olivenblatt-Extrakt. Blutfette, Blutdruck und Zuckerwerte änderten sich nicht anders als mit Placebo.
In einer Placebo-Studie (2013) mit 46 übergewichtigen Männern fielen Labortests zur Zuckerverwertung nach 12 Wochen mit Extrakt etwas besser aus. Die EFSA sah 2014 zu wenig Belege, weil sich das Ergebnis in anderen Studien nicht wiederholte. Eine Auswertung von 11 Studien (2026) fand in den aussagekräftigeren Studien keine Effekte auf Zuckerwerte und Blutfette und sieht keine Grundlage für Empfehlungen.
Zur Ausscheidung von Wasser gibt es laut EMA nur eine alte Studie von 1949 mit wenigen Angaben. Die EMA stützt diese traditionelle Anwendung deshalb auf die lange Verwendung, nicht auf Studien.
Neuere Arbeiten zu Viren und Abwehr stammen laut EMA-Überprüfung (2025) vor allem aus Labor und Computermodellen. Klinische Belege, dass Olivenblatt-Extrakt vor Infekten schützt, gibt es nicht. Eine beantragte Angabe zu einem Mittel mit Olivenblatt-Extrakt und dem Immunsystem wurde nicht zugelassen.
Laut EMA ist wenig darüber bekannt, wie viel Oleuropein der Körper aufnimmt, vermutlich wenig und unterschiedlich viel. Nach einer Einzelgabe fanden sich Abbaustoffe wie Hydroxytyrosol bis zu 24 Stunden später im Urin.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat für Olivenblatt-Extrakt keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA führt Olivenblätter nur als traditionelles Arzneimittel zur Entwässerung. Studien zu Blutdruck und Zuckerwerten sind klein und uneinheitlich.
In einer Auswertung von 12 Studien lag der obere Wert mit Extrakt im Mittel knapp 4 mmHg niedriger. Die Studien sind klein und testeten verschiedene Extrakte. Bluthochdruck gehört in ärztliche Behandlung.
Natives Olivenöl enthält Hydroxytyrosol und verwandte Stoffe wie den Oleuropein-Komplex. Am meisten Oleuropein steckt aber in den Blättern. Die EU-Angabe zu Olivenöl-Polyphenolen gilt nur für Olivenöl mit mindestens 5 mg davon je 20 g, nicht für Kapseln.
In Studien gab es meist wenige Beschwerden, beschrieben sind etwa Husten, Schwindel und Kopfschmerzen. Bei schwerer Herz- oder Nierenschwäche sollen Olivenblätter laut EMA nicht genommen werden.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Weil der Blutdruck in einigen Studien etwas sank, könnte er zusammen mit Blutdruckmitteln stärker sinken. Untersucht ist das nicht.
Ja. Laut EU-Katalog sind Olivenblätter in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. Mit Krankheiten wie Bluthochdruck darf aber nicht geworben werden.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Daten fehlen. Auch unter 18 Jahren empfiehlt sie Olivenblätter nicht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.