Saccharomyces boulardii ist eine Hefe, die in Deutschland als Arzneimittel zugelassen ist, Anwendungsgebiet sind vor allem akute Durchfälle. In einer Auswertung von 21 Studien mit 4.780 Menschen bekamen mit der Hefe 8,5 % Durchfall unter Antibiotika, ohne sie 18,7 % – eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Nahrungsergänzung gibt es trotzdem nicht. Bei schwer kranken oder immungeschwächten Menschen und bei einem zentralen Venenkatheter kann die Hefe ins Blut gelangen, es gab Todesfälle. Stand: Oktober 2026.
Saccharomyces boulardii ist eine Hefe. Fachleute zählen sie heute zu Saccharomyces cerevisiae, der Art, zu der auch Back- und Bierhefe gehören. In Präparaten steckt sie lebend, aber gefriergetrocknet.
Entdeckt hat sie der französische Forscher Henri Boulard in den 1920er-Jahren in Indochina, auf der Schale von Litschis und Mangostanen. Daher kommt der Name.
Als Hefe ist sie gegen Antibiotika, die sich gegen Bakterien richten, unempfindlich und übersteht die Magensäure. Mittel gegen Pilze töten sie dagegen ab. Nach dem Absetzen verschwindet sie innerhalb von 3 bis 5 Tagen wieder.
S. boulardii zählt zu den Probiotika, also zu lebenden Mikroorganismen in Präparaten. Einen Überblick über Bakterien-Präparate findest du unter Probiotika. Mit Bierhefe ist sie nicht gleichzusetzen: Bierhefe-Präparate sind meist nicht mehr lebendig.
Für Nahrungsergänzungsmittel mit S. boulardii gibt es keine amtliche Tagesmenge. Bei Arzneimitteln steht die Menge in der Packungsbeilage und richtet sich nach dem Anwendungsgebiet.
Die Packungsbeilage eines Arzneimittels nennt als Anwendungsgebiete akute Durchfälle, Reisedurchfall und Durchfall bei Sondenernährung. Für Kinder unter 2 Jahren ist es nicht vorgesehen.
Die belgische Arzneimittelbehörde rät, die Warnhinweise der Arzneimittel auch bei den vielen Nahrungsergänzungsmitteln mit S. boulardii zu beachten.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antimykotika (Mittel gegen Pilze) | Sie können die Hefe abtöten und die Wirkung abschwächen. Eine Übersichtsarbeit nennt einen Abstand von mindestens 4 Stunden – frag dazu in der Apotheke. |
| MAO-Hemmer (bestimmte Medikamente bei Depressionen oder Parkinson) | Laut Packungsbeilage eines Arzneimittels kann der Blutdruck steigen. |
| Antibiotika | Die Hefe ist gegen Antibiotika unempfindlich. In Studien wurde sie gerade zusammen mit Antibiotika untersucht. |
| Mittel, die die Abwehr unterdrücken (etwa nach Transplantation, bei Krebs) | Nicht ohne ärztliche Rücksprache: Bei geschwächter Abwehr steigt das Risiko, dass die Hefe ins Blut gelangt. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Die Packungsbeilage eines Arzneimittels rät von der Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil für diesen Stamm keine Daten vorliegen. Für Kinder unter 2 Jahren ist es nicht vorgesehen.
Bei Säuglingen und Kleinkindern mit Durchfall droht schnell Flüssigkeitsmangel. Frag in der Kinderarztpraxis, bevor du ein Präparat gibst.
| Thema | Stand |
|---|---|
| Arzneimittel | In Deutschland zugelassen, apothekenpflichtig, nicht verschreibungspflichtig. Seit 2018 verboten bei schwer Kranken, geschwächter Abwehr und zentralem Venenkatheter. |
| Als Lebensmittel | Hefen der Gattung Saccharomyces gelten laut EU-Katalog nicht als neuartig. Präparate werden auch als Nahrungsergänzung verkauft. Eine Einstufung durch deutsche Behörden gibt es nach unserer Recherche nicht. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Anträge zu Bauchbeschwerden, Abwehr und Gleichgewicht der Bakterien hat die EU abgelehnt, etwa 2012 für einen Stamm, weil nicht belegt war, dass er mit dem Arzneimittel-Stamm übereinstimmt. |
| Das Wort Probiotika auf der Packung | Laut einer Leitlinie der EU-Kommission gilt schon der Hinweis, ein Produkt enthalte Probiotika, als Gesundheitsangabe. Zugelassen ist keine. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Keine Meldung zu S. boulardii gefunden. |
Weil dieselbe Hefe in Deutschland ein Arzneimittel mit strengen Gegenanzeigen ist und für Nahrungsergänzung keine behördliche Einstufung vorliegt, zeigen wir hier keinen Einnahme-Plan.
Hier steht, was Studien untersucht haben, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die Studien liefen fast alle mit Arzneimitteln.
Eine Auswertung von 21 Studien mit 4.780 Kindern und Erwachsenen (2015) fand: Mit der Hefe bekamen 8,5 % Durchfall unter Antibiotika, ohne sie 18,7 %. Bei Kindern lag der Anteil bei 8,8 % statt 20,9 %, bei Erwachsenen bei 8,2 % statt 17,4 %. Wie Durchfall gemessen wurde, legten die einzelnen Studien selbst fest.
Eine Cochrane-Auswertung von 82 Studien mit 12.127 Menschen, meist Kindern (2020), fand in den verlässlichsten großen Studien keinen Unterschied, ob Durchfall länger als 48 Stunden dauerte. Auch Auswertungen nur mit S. boulardii zeigten stark schwankende Ergebnisse.
In fünf finnischen Universitätskliniken hatten von 46 Menschen mit Saccharomyces im Blut (2009 bis 2018) mindestens 20 ein Präparat mit S. boulardii genommen. Die Chance, Hefe im Blut zu finden, war bei ihnen etwa 14-mal so hoch wie in einer Vergleichsgruppe. Die Autoren raten auch bei geschädigter Darmwand zur Vorsicht.
In Deutschland ist die Hefe ein Arzneimittel, vor allem bei akuten Durchfällen. In Studien bekamen mit ihr 8,5 % statt 18,7 % Durchfall unter Antibiotika. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe für Nahrungsergänzung gibt es nicht.
Die häufigste Nebenwirkung sind Blähungen. Bei zentralem Venenkatheter, schwerer Krankheit oder geschwächter Abwehr kann die Hefe ins Blut gelangen, es gab Todesfälle.
Die Hefe ist gegen Antibiotika unempfindlich und wurde gerade so untersucht. Mittel gegen Pilze dagegen töten sie ab – kläre das mit Praxis oder Apotheke.
Nein. Beide gehören zur Art Saccharomyces cerevisiae, S. boulardii wird aber lebend verkauft. Bierhefe-Präparate sind meist nicht mehr lebendig.
Die Packungsbeilage eines Arzneimittels rät davon ab, weil für den Stamm keine Daten vorliegen. Sprich das mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme ab.
Nein. Arzneimittel mit der Hefe sind in Deutschland apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Daneben werden Präparate als Nahrungsergänzung verkauft.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.