Als Nahrungsergänzung hat Mariendistel keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und Arzneimittel aus den Früchten erkennt die EMA nur aufgrund langer Tradition an, etwa bei Völlegefühl. In einer Cochrane-Auswertung von 18 Studien mit 1.088 Menschen mit Lebererkrankungen (2007) änderte Mariendistel die Sterblichkeit nicht. Wer auf Korbblütler allergisch ist, soll sie laut EMA nicht nehmen. Stand: Oktober 2026.
Die Mariendistel (Silybum marianum) ist eine Distel aus dem Mittelmeerraum und gehört zu den Korbblütlern. Verwendet werden die reifen Früchte, die oft Samen genannt werden. In der Küche nutzt man sie ganz oder geschrotet, mehr dazu im Lexikon.
Typisch ist Silymarin, ein Gemisch verwandter Pflanzenstoffe wie Silibinin. Laut Europäischem Arzneibuch müssen die getrockneten Früchte mindestens 1,5 Prozent Silymarin enthalten, Extrakte sind auf deutlich mehr eingestellt.
In der Werbung geht es fast immer um die Leber, wie bei Artischocken-Extrakt oder Löwenzahnwurzel. Im Handel gibt es Arzneimittel, Tees und Nahrungsergänzungsmittel.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Tee aus den Früchten | Zerkleinerte Früchte, mit kochendem Wasser aufgegossen | Laut EMA traditionelles Arzneimittel. In Deutschland gibt es eine Standardzulassung als Arzneitee, auch als Teil von Gallentee-Mischungen. |
| Arzneimittel mit Trockenextrakt | Extrakte aus den Früchten, auf Silymarin eingestellt | Seit mindestens 1974 in der EU als Arzneimittel bei Lebererkrankungen im Handel. Die EMA hielt diese Anwendung 2018 trotzdem nicht für belegt und erkennt nur die traditionelle Anwendung an. |
| Nahrungsergänzung | Pulver oder Extrakt in Kapseln | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Ein bestimmter Extrakt mit 70 bis 80 Prozent Silymarin gilt laut EU-Katalog in Nahrungsergänzung als nicht neuartig. Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt, die Verwendung zu beschränken. |
| Silibinin als Infusion | Ein einzelner Bestandteil des Silymarins, als Arzneimittel zum Spritzen | Notfallmedizin in der Klinik, etwa bei einer Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz. Kapseln aus Drogerie oder Apotheke sind dafür nicht gedacht. |
Quellen: EMA-Monographie (2018) und Bewertungsbericht, EU-Katalog für neuartige Lebensmittel, Stoffliste von Bund und Ländern, Kayes und Ho (2024).
Wie viel Silymarin ein Produkt liefert, hängt stark von Zubereitung und Hersteller ab. Studien mit einem bestimmten Extrakt lassen sich deshalb nicht auf Tee oder andere Kapseln übertragen.
Für Mariendistel in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage. Bleiben Beschwerden länger als 2 Wochen, sieht die EMA eine Abklärung in Praxis oder Apotheke vor.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt die Frucht als Tee und in Nahrungsergänzung, außerdem als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Bei der Überprüfung 2023 fand die EMA keine neuen Sicherheitsdaten, die eine Änderung der Monographie nötig machten. Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente allgemein | Die EMA-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Im Labor hemmte Mariendistel-Extrakt das Leberenzym CYP3A4, in Studien am Menschen veränderte er die Spiegel anderer Medikamente aber nicht. Die EMA hält das Risiko für gering. |
| Diabetesmittel (Tabletten und Spritzen) | In einer Auswertung von 5 kleinen Studien mit Menschen mit Typ-2-Diabetes (2016) lagen die Nüchtern-Zuckerwerte mit Silymarin niedriger. Nimmst du Diabetesmittel, sprich vorher mit deiner Praxis und achte auf Unterzuckerung. |
| Gerinnungshemmer | Die Verbraucherzentrale nennt mögliche Wechselwirkungen mit Blutverdünnern, die EMA hat keine berichtet. Sprich vorher mit deiner Praxis. |
| Andere Medikamente, die die Leber belasten | Ein Fallbericht beschreibt einen Leberschaden unter Silymarin zusammen mit dem Antibiotikum Clindamycin. Ob Mariendistel beteiligt war, ist laut EMA unklar. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Daten über die Fruchtbarkeit gibt es nicht. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Mariendistel nicht, weil Daten fehlen.
Mariendistel wird manchmal für die Milchbildung in der Stillzeit beworben. Eine solche Angabe hat die EU 2011 abgelehnt: Ein Zusammenhang war nicht nachgewiesen. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2018) | Getrocknete Früchte, Tee und Extrakte: nur traditionelles Arzneimittel, allein auf Basis langer Anwendung – bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat. Im Wortlaut der EMA geht es außerdem um die Leberfunktion – ebenfalls nur aufgrund langer Tradition. |
| Lebererkrankungen | Extrakte sind seit Jahrzehnten bei Lebererkrankungen wie toxischen Leberschäden oder Zirrhose im Handel. Eine „gut belegte Anwendung“ erkannte die EMA 2018 nicht an, weil die Studiendaten nicht stimmig waren. |
| Überprüfung 2023/2024 | Die EMA sah keinen Grund für eine Änderung: keine neuen Produkte und keine neuen Daten zu Wirkung oder Sicherheit. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Oberirdische Pflanzenteile und ein Aceton-Extrakt der Früchte mit 70 bis 80 Prozent Silymarin: in Nahrungsergänzung nicht neuartig. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Frucht: als Tee und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B). Nicht verbindlich. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen, Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. Abgelehnt hat die EU 2011 eine Angabe zur Milchbildung in der Stillzeit. |
Für dich heißt das: Mariendistel darf in Nahrungsergänzung stecken, aber nicht mit Lebererkrankungen beworben werden. Ob ein Produkt Arzneimittel oder Lebensmittel ist, entscheiden Behörden im Einzelfall.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Viele Studien sind alt, klein oder methodisch schwach, und sie testeten sehr unterschiedliche Extrakte.
Für eine „Leberkur“ gibt es keine zugelassene Angabe und keine Belege. Die Verbraucherzentrale hält auch eine Wirkung bei Fettleber für nicht belegt. Eine Fettleber kann laut Verbraucherzentrale durch andere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen zurückgehen, solange noch keine Zirrhose besteht.
18 Studien mit 1.088 Menschen mit alkoholbedingter Lebererkrankung oder Hepatitis B oder C. Sterblichkeit, Komplikationen und Gewebebefunde der Leber unterschieden sich nicht von Placebo oder keiner Behandlung. Nur wenige Studien waren von hoher Qualität, und in diesen fand sich auch bei leberbedingten Todesfällen kein bedeutsamer Unterschied.
154 Menschen mit Hepatitis C nahmen 24 Wochen lang einen standardisierten Mariendistel-Extrakt in zwei Stärken oder Placebo. Die Leberwerte normalisierten sich bei je 2 Menschen pro Gruppe, auch Viruslast und Lebensqualität unterschieden sich nicht.
78 Menschen nahmen 48 Wochen lang Extrakt in zwei hohen Stärken oder Placebo. Eine Besserung im Gewebebefund hatten 15 und 19 Prozent mit Extrakt und 12 Prozent mit Placebo – kein bedeutsamer Unterschied.
Eine Auswertung von 5 kleinen Studien mit 270 Menschen mit Typ-2-Diabetes fand mit Silymarin niedrigere Nüchtern-Zuckerwerte. Die Belege sind schwach, die Autoren sprechen keine Empfehlung aus.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA erkennt Mariendistel-Arzneimittel nur aufgrund langer Tradition an, etwa bei Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden.
Nein, dafür gibt es weder Belege noch eine zugelassene Angabe. Eine Cochrane-Auswertung von 18 Studien mit 1.088 Leberkranken fand keinen Unterschied bei der Sterblichkeit.
In einer Studie mit 78 Menschen mit entzündlicher Fettleber (2019) besserte sich der Gewebebefund mit Extrakt nicht bedeutsam stärker als mit Placebo. Laut Verbraucherzentrale ist eine Wirkung bei Fettleber nicht belegt.
Beschrieben sind leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und allergische Reaktionen bis zum allergischen Schock. Manchmal wirkt Mariendistel leicht abführend.
Laut EMA niemand mit Allergie gegen Korbblütler wie Kamille oder Ringelblume. Abgeraten wird außerdem in Schwangerschaft und Stillzeit sowie unter 18 Jahren.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz sofort den Giftnotruf oder 112 anrufen. In der Klinik wird dann unter anderem Silibinin als Infusion eingesetzt, Kapseln sind dafür nicht gedacht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.