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Artischocken-Extrakt: Wirkung, Studien und Nebenwirkungen

Als Nahrungsergänzung hat Artischocken-Extrakt keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und Arzneimittel aus den Blättern erkennt die EMA nur aufgrund langer Tradition an, bei Völlegefühl und Blähungen. In einer Studie mit 244 Menschen mit Reizmagen (2003) besserten sich die Beschwerden mit Extrakt stärker als mit Placebo – für eine anerkannte Wirkung reichte das der EMA nicht. Bei Gallensteinen, verschlossenen Gallenwegen, Lebererkrankungen und Allergie gegen Korbblütler sollst du ihn laut EMA nicht nehmen. Stand: Oktober 2026.

Artischocken-Extrakt in 30 Sekunden

Was ist das?
Extrakt aus den Blättern der Artischocke (Cynara cardunculus), nicht aus dem Gemüse. Typisch sind Kaffeoylchinasäuren wie Cynarin.
Wofür?
Vor allem mit Galle, Leber und Cholesterin beworben. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Mehr dazu
Woher?
Als Tee, als Extrakt in Arzneimitteln oder als Nahrungsergänzung. Das Gemüse ist die Blütenknospe. In der Küche
Präparate?
Keine amtliche Tagesmenge für Nahrungsergänzung. Nicht bei Gallensteinen, Gallenwegs- und Lebererkrankungen oder Korbblütler-Allergie. Mehr dazu

Wofür wird Artischocken-Extrakt verwendet?

Die Artischocke (Cynara cardunculus, früher Cynara scolymus) ist ein Korbblütler aus dem Mittelmeerraum. Als Gemüse isst man die Blütenknospe. Für Extrakte, Tees und Arzneimittel werden dagegen die bitteren Laubblätter verwendet.

Typisch für die Blätter sind Kaffeoylchinasäuren wie Cynarin und Chlorogensäure sowie Flavonoide. In der Werbung geht es meist um Galle, Leber und Cholesterin, ähnlich wie bei Mariendistel oder Löwenzahnwurzel.

Artischocke in der Küche

Das Gemüse sind die fleischigen Blütenböden und die unteren Teile der Schuppenblätter. Mehr zu Nährwerten, Einkauf und Zubereitung liest du im Lexikon. Die Blätter, aus denen Extrakte entstehen, isst man nicht.

Ideen aus der Küche: Artischocken mit Bohnen, eine Artischocken-Zitronen-Pasta, eine Wildlachs-Artischocken-Pfanne oder ein Buchweizen-Tabouleh mit Artischocken.

Dosierung: Was Behörden zu Präparaten sagen

Für Artischocken-Extrakt in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.

Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage. Bleiben die Beschwerden länger als 2 Wochen, sieht die EMA eine Abklärung in der Praxis vor.

Die Stoffliste von Bund und Ländern führt das Blatt als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel und in Nahrungsergänzung als nicht neuartig. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Medikament oder SituationGut zu wissen
Medikamente allgemeinDie EMA-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen.
Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (Phenprocoumon, Warfarin)Die WHO-Monographie, zitiert in der Stoffliste von Bund und Ländern, warnt vor einer möglichen Wechselwirkung. Sprich vorher mit deiner Praxis.
CholesterinsenkerZusammen mit Artischocken-Extrakt nicht untersucht. Bei hohen Cholesterinwerten lass dich ärztlich beraten. Setz verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab.
OperationenNimmst du Gerinnungshemmer und Artischocken-Extrakt, sag es vor einer Operation der Praxis oder Klinik.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Ausreichende Tests zu Erbgut, Krebs und Fortpflanzung gibt es laut EMA nicht. Für Kinder unter 12 Jahren empfiehlt die EMA Artischocken-Extrakt nicht, weil Daten fehlen.

Artischocken als Gemüse gehören zur normalen Küche. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.

Rechtslage: Arzneimittel, Tee oder Nahrungsergänzung?

Artischocken-Extrakt: Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas gilt
Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2018)Getrocknete Blätter als Tee, Pulver und Extrakte: nur traditionelles Arzneimittel, allein auf Basis langer Anwendung – bei Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und Blähungen, ab 12 Jahren.
Gut belegte Anwendung?Nein. Die Studiendaten reichten der EMA 2018 nicht für eine anerkannte Wirkung. Die Überprüfung 2024/2025 ergab keinen Grund für eine Änderung.
Stoffliste von Bund und LändernBlatt: Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel, in Nahrungsergänzung nicht neuartig. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B). Blütenboden und Schuppenblätter: Lebensmittel. Nicht verbindlich.
EU-Katalog für neuartige LebensmittelKein eigener Eintrag für die Artischocke. Das Gemüse ist ein herkömmliches Lebensmittel.
GesundheitsangabenKeine zugelassen, Angaben zu Pflanzen stehen „on hold“. Eine Angabe zur Entwässerung über die Nieren sah die EFSA 2010 nicht als belegt an, sie ist nicht zugelassen.

Für dich heißt das: Artischocken-Extrakt darf in Nahrungsergänzung stecken, aber nicht mit Erkrankungen von Leber, Galle oder Blutfetten beworben werden.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die Studien testeten unterschiedliche Blattextrakte, oft von wenigen Herstellern, und liefen meist nur einige Wochen.

Reizmagen (2003)

247 Menschen mit Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) nahmen 6 Wochen lang einen Blattextrakt oder Placebo, 244 wurden ausgewertet. Die Beschwerden besserten sich mit Extrakt stärker, auch die Lebensqualität. Für eine anerkannte Wirkung reichte das der EMA nicht.

Cholesterin (2018)

Eine Auswertung von 9 Studien mit 702 Menschen fand mit Extrakt im Mittel etwas niedrigere Werte: Gesamtcholesterin rund 18 mg/dl, LDL rund 15 mg/dl weniger. Die EMA hielt 2018 weitere sorgfältige Studien für nötig, bevor sich ein Nutzen beurteilen lässt.

Fettleber (2022)

Eine Auswertung von 5 kleinen Studien mit 333 Menschen mit Fettleber fand mit Extrakt niedrigere Leberwerte. Die EMA sah darin 2025 keinen Grund, die Monographie zu ändern.

„Leberkur“ im Check

Für eine „Leberkur“ gibt es keine zugelassene Angabe und keine Belege. Leberschützende Effekte zeigte Cynarin laut EMA nur im Labor und bei Ratten, nicht in klinischen Studien. Lebererkrankungen nennt die EMA sogar als Gegenanzeige.

Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Artischocken-Extrakt?

Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA erkennt Arzneimittel aus den Blättern nur aufgrund langer Tradition an, bei Völlegefühl und Blähungen.

Was ist dran an der „Leberkur“ mit Artischocke?

Dafür gibt es weder Belege noch eine zugelassene Angabe. Lebererkrankungen sind laut EMA sogar ein Grund, Artischocken-Extrakt nicht zu nehmen.

Was zeigen Studien zu Artischocken-Extrakt und Cholesterin?

In einer Auswertung von 9 Studien mit 702 Menschen (2018) lag das LDL-Cholesterin mit Extrakt im Mittel rund 15 mg/dl niedriger. Die EMA hält das noch nicht für ausreichend belegt.

Welche Nebenwirkungen hat Artischocken-Extrakt?

Beschrieben sind leichter Durchfall mit Bauchkrämpfen, Übelkeit, Sodbrennen und allergische Reaktionen. Wie oft sie auftreten, ist nicht bekannt.

Wer sollte keinen Artischocken-Extrakt nehmen?

Laut EMA niemand mit Gallensteinen, Gallenwegs- oder Lebererkrankung oder Allergie gegen Korbblütler. Abgeraten wird außerdem in Schwangerschaft und Stillzeit sowie unter 12 Jahren.

Ist Artischocken-Extrakt dasselbe wie das Gemüse?

Nein. Als Gemüse isst man die Blütenknospe, Extrakte stammen aus den bitteren Blättern. Studien und Gegenanzeigen der EMA gelten für die Blatt-Zubereitungen.

Quellen

  1. European Union herbal monograph on Cynara cardunculus L. (syn. Cynara scolymus L.), folium (EMA/HMPC/194014/2017) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2018
  2. Assessment report on Cynara cardunculus L. (syn. Cynara scolymus L.), folium (EMA/HMPC/194013/2017) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2018
  3. Addendum to Assessment report on Cynara cardunculus L. (syn. C. scolymus L.), folium (EMA/HMPC/432136/2024) · European Medicines Agency (EMA), HMPC, 2025
  4. Stoffliste des Bundes und der Bundesländer – Kategorie Pflanzen und Pflanzenteile, Einträge A–K, 2. Auflage (Eintrag Cynara cardunculus ssp. scolymus, Laubblatt sowie Blütenboden/Schuppenblatt) · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2020
  5. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to various food(s)/food constituent(s) claiming an increase in renal water elimination, „kidneys health“, „urinary health“, „bladder health“, „health of lower urinary tract“, „blood health“ … · EFSA Journal 2010;8(10):1742, 2010
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (kein Eintrag für Artischocke; Erwägungsgrund 10 zu Pflanzenstoffen) · Amtsblatt der EU, 2025
  7. Holtmann G, Adam B, Haag S, Collet W, Grünewald E, Windeck T: Efficacy of artichoke leaf extract in the treatment of patients with functional dyspepsia: a six-week placebo-controlled, double-blind, multicentre trial · Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 2003
  8. Sahebkar A, Pirro M, Banach M, Mikhailidis DP, Atkin SL, Cicero AFG: Lipid-lowering activity of artichoke extracts: A systematic review and meta-analysis · Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 2018
  9. Kamel AM, Farag MA: Therapeutic Potential of Artichoke in the Treatment of Fatty Liver: A Systematic Review and Meta-Analysis · Journal of Medicinal Food, 2022
  10. Kirchhoff R, Beckers C, Kirchhoff GM et al.: Increase in choleresis by means of artichoke extract · Phytomedicine, 1994

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.