Kiefernrinden-Extrakt hat keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und eine Cochrane-Auswertung von 27 kleinen Studien zu 10 Krankheiten konnte weder Nutzen noch Sicherheit verlässlich beurteilen. Der Extrakt aus der Rinde der Strandkiefer besteht vor allem aus Procyanidinen (OPC) und darf in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden. Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Stand: Oktober 2026.
Kiefernrinden-Extrakt wird aus der Rinde der Strandkiefer (Pinus pinaster) gewonnen, die auch Seekiefer heißt. Der Nadelbaum wächst an den Küsten Südwesteuropas, etwa in Frankreich.
Der Extrakt besteht vor allem aus Procyanidinen, auch OPC genannt (oligomere Proanthocyanidine). Der meistuntersuchte Extrakt ist auf rund 70 % Procyanidine eingestellt. Dieselbe Stoffgruppe steckt auch in OPC-Präparaten, etwa aus Traubenkernen.
Studien nutzten verschiedene Extrakte, teils auch aus anderen Kiefernarten. Sie unterscheiden sich im Gehalt an Procyanidinen und anderen Zutaten. Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach von einem Produkt auf ein anderes übertragen.
Beworben wird der Extrakt vor allem rund um Venen, Blutdruck, Haut und Konzentration.
Kiefernrinde ist kein übliches Lebensmittel, den Extrakt gibt es nur als Präparat.
Procyanidine an sich stecken aber auch im Essen, etwa in Beeren, Äpfeln, Nüssen, Zimt und Kakaobohnen. Mehr zu Kakao liest du unter Kakao-Flavanole.
Die Cochrane-Fachleute geben zu bedenken, dass eine ausgewogene Ernährung nennenswerte Mengen dieser Stoffe liefern kann. Sie fragen deshalb, ob weitere Studien mit Präparaten sinnvoll sind.
Für Kiefernrinden-Extrakt gibt es keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
In den Studien der Cochrane-Auswertung wurden 50 bis 250 mg am Tag untersucht, meist höchstens 3 Monate lang. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Wie viel Procyanidine ein Präparat liefert, hängt vom Extrakt ab. Die Studienergebnisse gelten nicht automatisch für jedes Produkt.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer und Mittel gegen das Verklumpen der Blutplättchen (zum Beispiel ASS, Clopidogrel, Phenprocoumon) | Bei 22 starken Rauchern verklumpten die Blutplättchen nach dem Rauchen nicht stärker, wenn sie vorher einen standardisierten Extrakt genommen hatten (Studie 1999). Das US-Krebszentrum MSKCC rät deshalb bei Gerinnungshemmern zur Rücksprache, weil das Blutungsrisiko steigen könnte. |
| Diabetesmittel | In einer Auswertung von 27 Studien (2025) lagen die Nüchtern-Zuckerwerte und der Langzeitwert HbA1c mit dem Extrakt etwas niedriger. Nimmst du Diabetesmittel, sprich ein Präparat vorher mit deiner Praxis ab. |
| Blutdruckmittel | In derselben Auswertung lag der Blutdruck mit dem Extrakt im Mittel gut 2 mmHg niedriger. Das ist wenig. Nimmst du Blutdruckmittel, sprich ein Präparat trotzdem vorher ab. |
| Weitere Medikamente | Zu anderen Wechselwirkungen, etwa mit Mitteln, die das Immunsystem dämpfen, haben wir keine Studien am Menschen gefunden. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Zu Kiefernrinden-Extrakt in Schwangerschaft und Stillzeit haben wir keine Sicherheitsbewertung einer Behörde gefunden. In mehreren Studien waren Schwangere und Stillende ausgeschlossen.
Zwei Studien der Cochrane-Auswertung liefen nur mit Kindern. Für Kinder, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit ein Präparat nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Rinde der Strandkiefer (Pinus pinaster) | Rinde und Knospen sind in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel (EU-Novel-Food-Katalog). Für andere Lebensmittel gilt dieser Eintrag nicht. |
| Rinde der Waldkiefer (Pinus sylvestris) | Ebenfalls in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig, zusammen mit Zapfen, Nadeln, Knospen und jungen Trieben. |
| Rinde der Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis) | Neuartiges Lebensmittel ohne Zulassung, nach einer Einstufung in Spanien (Katalog-Eintrag 2025). Die Samen dieser Kiefer sind dagegen ein normales Lebensmittel. |
| Gesundheitsangaben | Keine für Kiefernrinden-Extrakt. Eine Angabe zu den Polyphenolen als Antioxidantien wurde abgelehnt, Angaben zu Blutgefäßen und Atemwegen stehen „on hold“. |
| Kombipräparat mit Kiefernrinde | Eine Angabe zum LDL-Cholesterin gilt nur für eine bestimmte Mischung aus acht Zutaten, darunter Rotschimmelreis und 20 mg Kiefernrinden-Extrakt. Bis April 2028 darf sie nur der Antragsteller verwenden (Verordnung (EU) 2023/648). Für den Extrakt allein gilt sie nicht. |
Als Lebensmittel darf Kiefernrinden-Extrakt nicht mit Krankheiten wie Venenleiden, Bluthochdruck oder ADHS beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Viele Studien testeten einen bestimmten Markenextrakt, wir schreiben dann „standardisierter Extrakt“.
| Untersuchtes Thema | Studien |
|---|---|
| Herz-Kreislauf und Risikofaktoren | 7 Studien, 338 Menschen |
| Diabetes | 6 Studien, 339 Menschen |
| Arthrose | 3 Studien, 293 Menschen |
| Erektionsstörungen | 3 Studien, 277 Männer |
| Asthma | 2 Studien, 86 Menschen |
| Venenschwäche | 2 Studien, 60 Menschen |
| Sexuelle Funktionsstörung bei Frauen | 1 Studie, 83 Frauen |
| ADHS bei Kindern | 1 Studie, 61 Kinder |
| Schädel-Hirn-Verletzung | 1 Studie, 60 Menschen |
| Knochenschwund nach den Wechseljahren | 1 Studie, 44 Frauen |
Für alle Themen bewertete Cochrane die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse als sehr gering. Quelle: Robertson et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2020.
Die Cochrane-Auswertung (2020) umfasste 27 Studien mit 1.641 Menschen. Die Studien waren klein, dauerten 4 Wochen bis 6 Monate und waren oft lückenhaft berichtet. Ein sicheres Urteil über Nutzen oder Sicherheit ist laut den Autorinnen und Autoren nicht möglich. 13 der 27 Studien finanzierte der Hersteller des meistuntersuchten Extrakts.
Zu Venenschwäche gab es nur 2 Studien mit 60 Menschen. Ob der Extrakt Schmerzen, Schweregefühl und Schwellungen verringert, ist laut zwei Cochrane-Auswertungen (2020) unklar, die Belege sind sehr unsicher. Weitere Venen-Mittel findest du unter Rosskastanie und Rutin.
Eine Auswertung von 27 Studien mit 1.685 Menschen (2025) fand mit dem Extrakt im Mittel einen gut 2 mmHg niedrigeren Blutdruck, etwas niedrigere Zuckerwerte im Blut und 1,4 kg weniger Körpergewicht. BMI, Taillenumfang, HDL-Cholesterin und Triglyceride änderten sich nicht. Die Autorinnen und Autoren fordern größere und längere Studien.
In einer chinesischen Studie (2021) nahmen 76 Menschen, die in Peking im Freien arbeiten, je 12 Wochen einen standardisierten Extrakt und ein Scheinmittel. Mit dem Extrakt blieb die Haut im trockenen Herbst feuchter und war elastischer. Es ist eine einzelne Studie mit Messwerten der Haut.
In einer belgischen Studie (2022) bekamen 88 Kinder mit ADHS 10 Wochen lang den Extrakt, das ADHS-Medikament Methylphenidat oder ein Scheinmittel. Lehrkräfte bewerteten das Verhalten mit Extrakt und mit Medikament besser als mit Scheinmittel. Es ist eine einzelne kleine Studie, ändere die Behandlung deines Kindes nicht ohne die Ärztin oder den Arzt.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Eine Cochrane-Auswertung von 27 Studien mit 1.641 Menschen fand für keine der 10 untersuchten Krankheiten verlässliche Belege.
Der Extrakt besteht vor allem aus OPC, also Procyanidinen, beim meistuntersuchten Extrakt zu rund 70 %. OPC-Präparate gibt es auch aus Traubenkernen, ihre Zusammensetzung ist anders.
Eine amtliche Tagesmenge oder Höchstmenge gibt es nicht. In Studien wurden 50 bis 250 mg am Tag untersucht, meist bis zu 3 Monate lang – das sind Studienbedingungen, kein Rat.
In Studien wurden meist leichte Beschwerden berichtet, etwa Magen-Darm-Probleme, Schwindel und Kopfschmerzen. Mit Gerinnungshemmern ist Vorsicht nötig, weil der Extrakt die Blutplättchen beeinflussen kann.
Ja, Rinde und Knospen der Strandkiefer sind in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. Mit Krankheiten darf der Extrakt aber nicht beworben werden.
In einer belgischen Studie mit 88 Kindern bewerteten Lehrkräfte das Verhalten nach 10 Wochen mit dem Extrakt besser als mit Scheinmittel. Eine einzelne kleine Studie ersetzt keine Behandlung, sprich mit der Ärztin oder dem Arzt deines Kindes.
Sicherheitsdaten fehlen, in mehreren Studien waren Schwangere ausgeschlossen. Frag vorher Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.