L-Serin ist eine nicht essenzielle Aminosäure: Der Körper bildet sie selbst, und in den USA nehmen Menschen mit Essen und Präparaten im Schnitt 3,5 g am Tag auf. Untersucht wird hoch dosiertes L-Serin vor allem bei der seltenen erblichen Nervenkrankheit HSAN1, eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Die norwegische Behörde VKM hält bis 1.750 mg am Tag aus Präparaten für Erwachsene für wahrscheinlich unbedenklich. Stand: Oktober 2026.
L-Serin ist ein Baustein von Eiweiß. Der Körper kann es selbst herstellen, vor allem aus einem Zwischenprodukt des Zuckerabbaus und aus Glycin. Darum heißt es nicht essenziell.
Aus Serin baut der Körper weitere Stoffe: Glycin, L-Cystein, Taurin und Fette der Zellhüllen wie Phosphatidylserin. Im Gehirn entsteht daraus außerdem D-Serin, die spiegelbildliche Form – ein anderer Stoff mit eigener Rechtslage.
Als Pulver oder Kapsel wird L-Serin vor allem mit Versprechen zu Schlaf, Gehirn und Nerven verkauft.
Serin steckt in jedem Lebensmittel mit Eiweiß. Laut VKM bestehen die meisten Nahrungseiweiße zu etwa 4 bis 5 Prozent aus Serin.
| Lebensmittel | g pro 100 g | g pro Portion |
|---|---|---|
| Parmesan | 2,07 | 0,41 (2 EL gerieben, 20 g) |
| Erdnüsse, geröstet | 1,83 | 0,55 (Handvoll, 30 g) |
| Sojabohnen, getrocknet | 1,69 | 1,01 (60 g roh) |
| Emmentaler | 1,59 | 0,48 (1 Scheibe, 30 g) |
| Kürbiskerne | 1,52 | 0,46 (Handvoll, 30 g) |
| Linsen, getrocknet | 1,51 | 0,91 (60 g roh) |
| Gouda | 1,3 | 0,39 (1 Scheibe, 30 g) |
| Rindfleisch, mager | 1,14 | 1,43 (125 g) |
| Leinsamen | 1,07 | 0,11 (1 EL, 10 g) |
| Thunfisch | 1 | 1,25 (1 Steak, 125 g) |
| Hühnerei | 0,97 | 1,16 (2 Eier, 120 g) |
| Hähnchenbrust | 0,97 | 1,21 (125 g) |
| Tofu | 0,83 | 0,83 (100 g) |
| Lachs | 0,76 | 0,95 (1 Filet, 125 g) |
| Edamame | 0,72 | 0,72 (100 g) |
| Haferflocken | 0,71 | 0,36 (50 g) |
| Magerquark | 0,69 | 1,03 (150 g) |
| Quinoa | 0,61 | 0,37 (60 g roh) |
Werte: Max Rubner-Institut (2025), Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, Spalte Serin, roh bzw. getrocknet, gerundet. Abgerufen am 21.10.2026.
Der Körper selbst enthält viel davon: Laut VKM stecken in einem 70 kg schweren Mann etwa 300 bis 400 g Serin, fast alles in Eiweiß gebunden. Wer genug Eiweiß isst, bekommt laut VKM ausreichend Serin.
Ideen aus der Küche: Veganes Tofu-Rührei, Tofu-Edamame-Poke-Bowl oder Erdnuss-Tofu-Spieße.
Einen Bedarfswert gibt es nicht, weil der Körper Serin selbst bildet. Auch das US-Institute of Medicine legte 2005 weder einen Bedarf noch eine Obergrenze fest.
Zum Vergleich: In den USA nahmen Menschen laut einer nationalen Erhebung im Schnitt 3,5 g Serin am Tag auf, aus Essen und Präparaten zusammen. Bei Männern zwischen 31 und 50 Jahren lagen die höchsten Werte bei 7,9 g am Tag.
Eine EU-Höchstmenge oder einen BfR-Wert für L-Serin gibt es nicht. Andere Behörden haben Präparate bewertet.
| Behörde | Bewertung |
|---|---|
| VKM, Norwegen (2016) | 50 bis 1.750 mg L-Serin am Tag aus Präparaten sind für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren wahrscheinlich unbedenklich, für Kinder von 10 bis 13 Jahren bis 1.800 mg. Kinder unter 10 Jahren wurden nicht bewertet. |
| AESAN, Spanien (2015) | Hielt höchstens 200 mg am Tag in Nahrungsergänzungsmitteln für vertretbar (zitiert nach VKM). |
| Institute of Medicine, USA (2005) | Legte keine Obergrenze fest, weil die Daten dafür nicht reichten. |
| EU | Keine Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel und keine zugelassene Gesundheitsangabe. |
Grundlage der VKM war ein 90-tägiger Versuch mit Ratten ohne Schäden. Langzeitstudien mit gesunden Menschen gibt es nicht. In Studien bei der Nervenkrankheit HSAN1 bekamen Betroffene 400 mg pro kg Körpergewicht am Tag, bei 70 kg also 28 g – unter ärztlicher Kontrolle. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Serin aus dem Essen ist kein Problem. Zu Präparaten bei Gesunden über längere Zeit gibt es kaum Daten, die VKM fand keine Langzeitstudie.
Gut untersuchte Wechselwirkungen gibt es nicht. Die VKM fand dazu keine Angaben – das heißt nicht, dass es keine gibt.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Mittel gegen Psychosen und andere Psychopharmaka | Nicht untersucht. Wegen der Beobachtung von 1980 nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Alle anderen Medikamente | Keine Daten. Frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis. |
Studien zu L-Serin-Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es laut VKM nicht. Bekannt sind nur Fälle, in denen Schwangere L-Serin unter ärztlicher Aufsicht bekamen, weil ihr Ungeborenes einen angeborenen Serin-Mangel hatte.
Kinder unter 10 Jahren hat die VKM nicht bewertet. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
L-Serin wird als Nahrungsergänzung verkauft. Für Aminosäuren gibt es in der EU keine gemeinsame Liste für Nahrungsergänzungsmittel, die Länder regeln das selbst.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag zu L-Serin. |
| Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke | L-Serin steht auf der EU-Liste der Stoffe, die solchen Lebensmitteln zugesetzt werden dürfen (Verordnung (EU) Nr. 609/2013). |
| Italien | Stoffe dieser EU-Liste dürfen laut Gesundheitsministerium auch in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. |
| Norwegen | Laut VKM ist L-Serin Zutat von Nahrungsergänzungsmitteln im Handel. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
| D-Serin | Eine andere Form, für die es in der EU keine Zulassung als Lebensmittel gibt. Mehr unter D-Serin. |
Die meisten Studien zu L-Serin laufen bei seltenen Krankheiten und mit sehr großen Mengen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Bei der Erbkrankheit HSAN1 bildet der Körper wegen eines Enzymfehlers giftige Fettstoffe, die Nerven schädigen. In einer ersten Studie (2011) mit 14 Betroffenen sanken diese Stoffe mit L-Serin. In einer Studie (2019) mit 18 Betroffenen schnitten die Teilnehmenden mit L-Serin nach einem Jahr auf einer Nerven-Skala etwas besser ab als mit Placebo. Das ist eine Behandlung unter ärztlicher Aufsicht, kein Hinweis für den Alltag.
In einer ersten Sicherheitsstudie (2017) bekamen 20 Menschen mit ALS 6 Monate lang verschiedene Mengen L-Serin. Die meisten vertrugen es, eine Wirkung ließ sich so nicht prüfen. Eine Folgestudie mit 43 Teilnehmenden ohne Vergleichsgruppe wurde 2022 vorzeitig beendet. Ein Nutzen ist nicht belegt.
In zwei kleinen Studien eines Herstellers (2014) nahmen 53 und 9 Menschen, die mit ihrem Schlaf unzufrieden waren, an wenigen Abenden 3 g L-Serin oder ein Scheinmittel. Mit L-Serin bewerteten sie ihren Schlaf etwas besser, gemessen wurde fast nur das eigene Empfinden. In einer Studie mit 33 Studierenden (2022) verschob sich die innere Uhr mit L-Serin weniger nach hinten, die Schlafgewohnheiten änderten sich nicht.
Zu Nervenschäden bei Diabetes gibt es nur Tierversuche. Bei Mäusen (2023) schnitten die Tiere mit viel L-Serin in Nerventests besser ab, die Schäden an den Nerven gingen aber weiter. Studien am Menschen dazu gibt es nach unserer Recherche nicht.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
L-Serin ist ein Baustein von Eiweiß, den der Körper selbst bildet. Eine belegte Wirkung als Präparat für Gesunde gibt es nicht, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Untersucht wird es vor allem bei seltenen Nervenkrankheiten.
Nein. Der Körper stellt Serin selbst her, vor allem aus einem Zwischenprodukt des Zuckerabbaus und aus Glycin. Einen Bedarfswert gibt es deshalb nicht.
Eine amtliche Höchstmenge gibt es nicht. Die norwegische Behörde VKM hält bis 1.750 mg am Tag aus Präparaten ab 14 Jahren für wahrscheinlich unbedenklich.
Parmesan, Erdnüsse, Sojabohnen, Emmentaler, Kürbiskerne und Linsen. Die meisten Eiweiße bestehen zu 4 bis 5 Prozent aus Serin.
Zwei kleine Studien eines Herstellers mit 53 und 9 Teilnehmenden fanden, dass Menschen ihren Schlaf nach 3 g L-Serin etwas besser bewerteten. Gemessen wurde fast nur das eigene Empfinden, über wenige Nächte.
Beide sind Spiegelbilder derselben Aminosäure. L-Serin steckt im Eiweiß des Essens, D-Serin bildet der Körper im Gehirn daraus. Als Lebensmittel ist D-Serin in der EU nicht zugelassen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.