Tocotrienole sind enge Verwandte von Vitamin E, eine eigene EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es für sie nicht. Als Vitamin E zählen EFSA und DGE nur Alpha-Tocopherol, der Schätzwert der DGE liegt bei 8 mg am Tag. Studien zu Tocotrienolen, etwa zu Fettleber, Blutfetten und Knochen, sind klein und uneinheitlich. Stand: Oktober 2026.
Tocotrienole sind fettlösliche Stoffe aus Pflanzen. Es gibt vier Formen: Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Tocotrienol. Sie ähneln den vier Tocopherolen, haben aber eine ungesättigte Seitenkette.
Oft werden alle acht Formen „Vitamin E“ genannt. Die EFSA bewertet als Vitamin E aber nur Alpha-Tocopherol. Auch die DGE bezieht ihre Werte seit der Überarbeitung 2025 nur darauf, denn bisher ist nur für Alpha-Tocopherol nachgewiesen, dass es einen Vitamin-E-Mangel beheben kann.
Der Grund liegt in der Leber: Ein Transporteiweiß, das Alpha-Tocopherol-Transferprotein, gibt fast nur Alpha-Tocopherol wieder ins Blut ab. Die anderen Formen baut die Leber ab und scheidet sie aus (NIH).
| Tocopherole | Tocotrienole | |
|---|---|---|
| Formen | Alpha, Beta, Gamma, Delta | Alpha, Beta, Gamma, Delta |
| Seitenkette | gesättigt | ungesättigt |
| Zählen als Vitamin E (EFSA, DGE) | nur Alpha-Tocopherol | nein |
| Im Blut gehalten | vor allem Alpha-Tocopherol | werden schneller abgebaut |
| Typische Quellen | Nüsse, Samen, Weizenkeime, Pflanzenöle | Palmöl, Reiskleie, Annattosamen, Gerste, Hafer |
Tocotrienole stecken vor allem in Palmöl, in Reiskleie und in Annattosamen, in kleineren Mengen auch in Gerste und Hafer (Übersicht 2016). In Palmöl ist Gamma-Tocotrienol die Hauptform.
Ein in einer Studie verwendeter Annatto-Extrakt bestand zu 90 % aus Delta- und zu 10 % aus Gamma-Tocotrienol (Studie 2018). Nüsse, Samen und die meisten Pflanzenöle liefern dagegen vor allem Tocopherole (DGE).
Die Gehalte schwanken stark nach Sorte und Verarbeitung. Verlässliche Werte für einzelne Lebensmittel nennen wir deshalb nicht. Haferflocken und Gerste bringen außerdem Ballaststoffe mit, mehr im Lexikon unter Haferflocken.
Eine amtliche Tagesmenge für Tocotrienole gibt es nicht. In der EU dürfen sie als „Tocotrienol-Tocopherol“ in Nahrungsergänzungsmitteln stecken – als Quelle für Vitamin E (Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II).
Für Vitamin E in Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) höchstens 30 mg pro Tagesdosis, ab 15 Jahren. Der Wert wird gerade überarbeitet. Männer ab 55 Jahren sollen wissen, dass unkontrolliert eingenommenes Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs erhöhen kann (BfR).
Wie Tocotrienole bei diesem Wert mitzählen, sagt das BfR nicht ausdrücklich. In der EU-Liste für Nahrungsergänzungsmittel wird Vitamin E in Milligramm Alpha-Tocopherol-Äquivalenten (α-TE) angegeben.
| Was | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Schätzwert Vitamin E | 8 mg Alpha-Tocopherol pro Tag ab 1 Jahr, Stillende 13 mg | DGE 2025 |
| Angemessene Zufuhr Vitamin E | 13 mg (Männer), 11 mg (Frauen) Alpha-Tocopherol pro Tag | EFSA 2015 |
| Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel | höchstens 30 mg Vitamin E pro Tag, ab 15 Jahren | BfR 2021, in Überarbeitung |
| Obergrenze aus allen Quellen | Obergrenze: 300 mg Vitamin E pro Tag für Erwachsene | SCF 2003, EFSA |
| Tocotrienole | keine eigene Tagesmenge, keine eigene Gesundheitsangabe | – |
In Studien wurden meist 150 bis 600 mg Tocotrienole am Tag untersucht – das ist ein Vielfaches von 30 mg und eine Studienbedingung, kein Rat.
In einer Studie mit 71 Menschen mit Fettleber traten über 24 Wochen keine Nebenwirkungen auf (Studie 2020). Langzeitdaten zu Tocotrienol-Präparaten fehlen.
Für Vitamin E aus Präparaten gilt: Bei hohen Mengen wurden eine erhöhte Blutungsneigung und mehr Prostatakrebs beobachtet (DGE). Ob das auch für Tocotrienole gilt, ist kaum untersucht.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer (z. B. Phenprocoumon, Warfarin) und Plättchenhemmer (z. B. ASS) | Die EFSA-Obergrenze für Vitamin E gilt laut DGE nicht für Menschen, die solche Mittel nehmen. Bei ihnen gehört jedes Vitamin-E-Präparat in ärztliche Hand, laut NIH kann viel Vitamin E das Blutungsrisiko erhöhen. Für Tocotrienole fehlen gezielte Daten. |
| Chemotherapie und Bestrahlung | Krebsärztinnen und -ärzte raten laut NIH meist von Antioxidantien-Präparaten während der Behandlung ab. Nur nach Rücksprache. |
| Alle anderen Medikamente | Gezielte Studien zu Tocotrienolen haben wir kaum gefunden. Fehlende Daten heißen nicht, dass es keine Wechselwirkungen gibt. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Zu Tocotrienol-Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es kaum Daten. Den Vitamin-E-Bedarf schätzt die DGE in der Schwangerschaft auf 8 mg, in der Stillzeit auf 13 mg Alpha-Tocopherol am Tag – mit Nüssen, Fisch, Süßkartoffeln oder Paprika ist das über das Essen erreichbar (DGE).
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit oder für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
In der EU sind Tocotrienole als Form von Vitamin E in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt – unter dem Namen „Tocotrienol-Tocopherol“. Die EU-Liste beschreibt eine typische Mischung mit viel Alpha- und Gamma-Tocotrienol neben Tocopherolen (Richtlinie 2002/46/EG).
Annattosamen gelten in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel (EU-Novel-Food-Katalog). Eine eigene Gesundheitsangabe für Tocotrienole gibt es nicht, beantragte Angaben dazu stehen nicht im EU-Register.
Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Tocotrienolen – und was zeigen Studien?
Tocotrienole werden gern als besondere Form von Vitamin E vorgestellt. Für Bedarf und Mangel zählt aber nur Alpha-Tocopherol (EFSA, DGE). Ein Fachartikel (2019) nennt es einen verbreiteten Irrtum, alle acht Formen als Vitamin E zu bezeichnen.
In einer Studie bekamen 71 Menschen mit nicht alkoholbedingter Fettleber 24 Wochen lang Delta-Tocotrienol oder ein Scheinmittel (2020). Mit Tocotrienol waren Leberwerte und ein Fettleber-Index günstiger. Eine Übersicht (2023) fand nur vier Studien am Menschen, eine Autorin arbeitete für einen Hersteller von Annatto-Tocotrienolen.
Eine Übersicht über 30 Studien mit Tocotrienolen aus Palmöl (2025) beschreibt teils günstigere Blutfettwerte, teils keine Veränderung, in einer Studie stieg das LDL-Cholesterin. Die Präparate stammten von vier Herstellern. In einer US-Studie mit 67 Menschen mit hohem Cholesterinwert veränderten drei Tocotrienol-Präparate die Blutfette nach 4 Wochen nicht (2002).
87 Frauen nach den Wechseljahren mit geringer Knochenmasse nahmen 12 Wochen lang Tocotrienole aus Annatto oder ein Scheinmittel (2018). Einige Laborwerte des Knochenabbaus waren danach niedriger. Brüche oder die Mineraldichte der Knochen wurden nicht untersucht.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Belegt ist keine. Für Tocotrienole hat die EU keine Gesundheitsangabe zugelassen, Studien zu Fettleber, Blutfetten und Knochen sind klein und uneinheitlich.
Sie gehören zur Vitamin-E-Familie, zählen aber nicht zum Vitamin-E-Bedarf. EFSA und DGE werten nur Alpha-Tocopherol als Vitamin E.
Beide gibt es in vier Formen. Tocotrienole haben eine ungesättigte Seitenkette und kommen vor allem in Palmöl, Reiskleie, Annatto und Getreide vor, Tocopherole vor allem in Nüssen und Samen.
Eine amtliche Menge gibt es nicht. Für Vitamin E aus Präparaten empfiehlt das BfR höchstens 30 mg am Tag.
Ja, als „Tocotrienol-Tocopherol“ dürfen sie in der EU als Form von Vitamin E in Nahrungsergänzungsmitteln stecken. Annattosamen gelten nicht als neuartiges Lebensmittel.
Wer Gerinnungshemmer nimmt, eine Operation vor sich hat oder schwanger ist. Sprich ein Präparat dann vorher mit deiner Praxis ab.
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