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L-Glutamin: Was ist das und was zeigen Studien?

L-Glutamin ist eine Aminosäure, die dein Körper selbst bildet, vor allem im Muskel – im Blut kommt keine Aminosäure häufiger vor. Frauen in einer großen US-Studie nahmen mit dem Essen im Schnitt knapp 7 g Glutamin am Tag auf. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht, und Studien mit Sportlerinnen und Sportlern zeigen meist keinen Vorteil. Stand: Oktober 2026.

L-Glutamin in 30 Sekunden

Was ist das?
Eine Aminosäure, die der Körper selbst bildet, vor allem im Muskel. Sie gilt deshalb als nicht essenziell.
Wofür?
Glutamin ist Eiweißbaustein und transportiert Stickstoff durch den Körper. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Woher?
Aus allen Lebensmitteln mit Eiweiß: Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Tofu, Getreide. Zur Tabelle
Präparate?
Keine EU-Höchstmenge. Die norwegische Behörde VKM sah bis 16,5 g am Tag keine Bedenken. Mehr dazu

Wofür braucht der Körper Glutamin?

L-Glutamin ist einer der 20 Bausteine, aus denen der Körper Eiweiß baut. Es gilt als nicht essenziell, weil der Körper es selbst bildet – rund 90 % davon im Muskel. Bei schweren Krankheiten und großem Stress stufen Fachleute Glutamin als „bedingt essenziell“ ein.

Im Blut kommt keine Aminosäure häufiger vor. Glutamin transportiert Stickstoff und bindet Ammoniak, damit er sicher durch den Körper kommt. Besonders viel verbrauchen Zellen im Dünndarm, in den Nieren und aktive Abwehrzellen.

Aus Glutamin entsteht Glutamat, die Form der Glutaminsäure im Körper. Im Dünndarm wird aus Glutamin außerdem Citrullin, mehr dazu unter L-Citrullin. „Glutamin“ und „L-Glutamin“ meinen im Alltag dasselbe: Die L-Form ist die, die in Eiweiß vorkommt.

Glutamin in Lebensmitteln

Glutamin steckt in jedem Lebensmittel mit Eiweiß. Viel davon liefern Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte, aber auch Tofu, Hülsenfrüchte und Getreide tragen bei.

Glutamin in sechs Lebensmitteln, berechnet aus den Eiweißbausteinen (Lenders et al. 2009)
LebensmittelEiweiß je 100 gGlutamin je 100 gAnteil am Eiweiß
Rindfleisch25,9 g1,23 g4,8 %
Tofu6,6 g0,60 g9,1 %
Hühnerei12,6 g0,56 g4,4 %
Mais2,5 g0,41 g16,2 %
Weißer Reis2,7 g0,30 g11,1 %
Magermilch3,4 g0,28 g8,1 %

Quelle: Lenders et al., European Journal of Clinical Nutrition 2009, Tabelle 2. Werte aus Gensequenzen der Eiweiße berechnet, Lebensmittel so, wie die Studie sie erfasst hat (Eiweißgehalt in Spalte 2).

Spannend: Im Eiweiß von Getreide steckt anteilig mehr Glutamin als in Fleisch oder Ei. Den höchsten Gehalt fand die Studie in Weizenkeimen mit 9,5 g je 100 g, bei Vollkornbrot bestand ein Drittel des Eiweißes aus Glutamin. Die rund 70.000 Frauen der Studie nahmen im Schnitt 6,8 g Glutamin am Tag mit dem Essen auf.

Ideen aus der Küche: Tofu-Rührei mit Pilzen, Grünkohl und Vollkornbrot, Zitronen-Hähnchenbrust auf Linsensalat, Beeren-Pancakes mit Magerquark oder Gefüllte Kürbisse mit Linsen, Spinat und Feta. Mehr zu Hülsenfrüchten im Lexikon unter Linsen.

Dosierung: Was Behörden zu Präparaten sagen

Eine EU-Höchstmenge oder einen BfR-Wert für L-Glutamin gibt es nicht. Eine amtliche Tagesmenge für Präparate auch nicht.

Was Behörden zu Glutamin-Präparaten sagen (Stand Oktober 2026)
BehördeBewertung
VKM, Norwegen (2016)3,5 bis 16,5 g L-Glutamin am Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln: wahrscheinlich ohne gesundheitliche Bedenken, ab 10 Jahren. Jüngere Kinder wurden nicht bewertet. Langzeitstudien an Gesunden fehlen.
AESAN, Spanien (2012/2013)Hielt zunächst 2 g, dann 5 g am Tag in Nahrungsergänzungsmitteln für annehmbar (zitiert nach VKM).
IOM, USA (2005)Keine Höchstmenge festgelegt, die Daten reichen nicht (zitiert nach VKM).

In Studien wurden teils deutlich größere Mengen gegeben, etwa 15 g am Tag in der Reizdarm-Studie unten. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Laut VKM verursachten kurzfristig bis 0,5 g pro kg Körpergewicht am Tag in früheren Bewertungen keine deutlichen Nebenwirkungen. Studien an Gesunden über lange Zeit gibt es nicht.

Ob viel Glutamin über lange Zeit Tumoren beeinflusst, ist nicht geklärt. Bei einer Krebserkrankung sprich ein Präparat deshalb vorher mit dem Behandlungsteam ab.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

MedikamentGut zu wissen
Diabetes-MedikamenteGlutamin veränderte in Studien bei Menschen mit Diabetes die Stoffwechselwerte nach dem Essen. Wie das mit Medikamenten zusammenspielt, ist nicht untersucht. Vorher ärztlich klären.
KrebstherapieOb Glutamin Tumoren beeinflusst, ist offen. Präparate nur nach Absprache mit dem Behandlungsteam.
Alle anderen MedikamenteDie VKM beschreibt keine Wechselwirkungen mit Medikamenten, Studien dazu fehlen. Fehlende Daten heißen nicht, dass es keine gibt.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Ob Glutamin-Präparate Ungeborene beeinflussen oder ob Schwangere und Stillende sie anders vertragen, ist laut VKM nicht bekannt. Glutamin aus dem Essen ist kein Problem – es gehört zu jedem Eiweiß.

Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.

Rechtslage: Lebensmittel oder Arzneimittel?

Als Pulver oder Kapseln ist L-Glutamin ein Nahrungsergänzungsmittel. In den USA gibt es L-Glutamin aber auch als Arzneimittel für eine bestimmte Krankheit.

Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
BereichStand
Nahrungsergänzung (EU)Im Handel üblich. Im EU-Novel-Food-Katalog gibt es keinen Eintrag zu Glutamin.
Spezielle Lebensmittel (EU)L-Glutamin steht auf der EU-Liste der Stoffe, die Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke zugesetzt werden dürfen (VO (EU) 609/2013).
GesundheitsangabenKeine zugelassen, die EFSA-Gutachten 2009 bis 2011 fielen negativ aus.
Arzneimittel USASeit 2017 als Pulver bei Sichelzellkrankheit zugelassen, ab 5 Jahren.
Arzneimittel EUDie EMA empfahl 2019, die Zulassung bei Sichelzellkrankheit abzulehnen. Der Hersteller zog den Antrag zurück.

In der US-Studie hatten Menschen mit Sichelzellkrankheit mit Glutamin seltener Klinikaufenthalte wegen Schmerzkrisen als mit Placebo. Die EMA sah in der Hauptstudie mit 230 Patientinnen und Patienten dagegen nicht belegt, dass Schmerzkrisen seltener werden; viele brachen die Studie ab.

Was sagt die Forschung?

Glutamin wird vor allem für Sport und bei Darmbeschwerden angeboten. Hier steht, was untersucht wurde – ohne Versprechen.

Muskeln, Ausdauer und Abwehr bei Sportlern

Eine Metaanalyse von 2019 wertete 25 Studien mit Sportlerinnen und Sportlern aus. Glutamin änderte weder Muskelmasse noch Körperfett, Ausdauer oder die Zahl der Abwehrzellen. Nur das Körpergewicht lag im Schnitt 1,4 kg niedriger.

Durchlässigkeit des Dünndarms

Eine Metaanalyse von 2024 fasste 10 Studien mit 352 Teilnehmenden zusammen, die meisten mit Vorerkrankungen. Insgesamt war die Durchlässigkeit des Dünndarms mit Glutamin nicht anders als ohne. Eine Angabe dazu lehnte die EU schon 2009 ab.

Reizdarm nach einer Infektion

In einer US-Studie beendeten 106 Erwachsene mit Durchfall-Reizdarm nach einer Magen-Darm-Infektion 8 Wochen mit 15 g Glutamin am Tag oder Placebo. Das Studienziel, mindestens 50 Punkte weniger auf einer Beschwerde-Skala, erreichten 80 % mit Glutamin und 6 % mit Placebo. Es ist eine einzelne Studie, die Forschenden fordern selbst größere Studien. Reizdarm-Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Intensivstation

In der REDOXS-Studie bekamen 1.223 schwer kranke Menschen mit Organversagen Glutamin, Antioxidantien, beides oder Placebo, jeweils über Vene und Sonde. Mit Glutamin starben im Krankenhaus und nach 6 Monaten mehr Menschen als ohne. Das betrifft Klinik-Mengen bei schwerer Krankheit, nicht Pulver im Alltag – mehr ist aber nicht automatisch besser.

Sichelzellkrankheit

Hier ist L-Glutamin in den USA ein Arzneimittel, in der EU nicht. Mehr dazu unter Rechtslage.

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Häufige Fragen

Was ist L-Glutamin?

Eine Aminosäure, die der Körper selbst bildet, vor allem im Muskel. Im Blut kommt keine Aminosäure häufiger vor.

Welche Wirkung hat Glutamin?

Glutamin ist Eiweißbaustein und transportiert Stickstoff. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Eine Metaanalyse mit 25 Sportstudien fand keinen Effekt auf Muskelmasse, Ausdauer oder Abwehrzellen.

In welchen Lebensmitteln steckt Glutamin?

In allem mit Eiweiß, etwa Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten, Tofu und Getreide. 100 g Rindfleisch liefern laut einer Berechnung rund 1,2 g.

Wie viel Glutamin am Tag?

Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Die norwegische Behörde VKM sah bis 16,5 g am Tag aus Präparaten keine Bedenken, Langzeitstudien fehlen.

Hat L-Glutamin Nebenwirkungen?

Kurzfristig wurde es in Studien meist gut vertragen. Bei Leber- oder Nierenerkrankungen kann es den Ammoniak-Haushalt belasten, dann nur nach ärztlicher Rücksprache.

Was zeigen Studien zu Glutamin bei Reizdarm?

Bei Reizdarm mit Durchfall nach einer Infektion erreichten in einer Studie mit 106 Menschen 80 % mit Glutamin das Studienziel, 6 % mit Placebo. Größere Studien fehlen. Zur Durchlässigkeit des Dünndarms fand eine Metaanalyse mit 10 Studien insgesamt keinen Unterschied.

Ist Glutamin dasselbe wie Glutamat?

Nein. Der Körper baut Glutamin zu Glutamat um, der Form der Glutaminsäure im Körper. Das Natriumsalz der Glutaminsäure ist der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat.

Quellen

  1. Risk assessment of "other substances" – L-glutamine and L-glutamic acid (VKM Report 2016:25) · Norwegian Scientific Committee for Food Safety (VKM), 2016
  2. EFSA NDA Panel: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to L-glutamine and growth or maintenance of muscle mass, faster restoration of muscle glycogen stores and other claims · EFSA Journal, 2011
  3. EFSA NDA Panel: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to glutamine and immune health and integrity of the intestinal lining and normal intestinal permeability · EFSA Journal, 2009
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (konsolidierte Fassung, kein Eintrag für Glutamin) · Amtsblatt der EU, 2025
  5. Verordnung (EU) Nr. 609/2013 über Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und Tagesrationen (Anlage: Unionsliste, Aminosäuren) · Amtsblatt der EU, 2013
  6. EU Novel Food Catalogue (Suche „glutamine“: kein Eintrag) · Europäische Kommission
  7. Lenders CM et al.: Evaluation of a novel food composition database that includes glutamine and other amino acids derived from gene sequencing data · European Journal of Clinical Nutrition, 2009
  8. Ramezani Ahmadi A et al.: The effect of glutamine supplementation on athletic performance, body composition, and immune function: A systematic review and a meta-analysis of clinical trials · Clinical Nutrition, 2019
  9. Abbasi F et al.: A systematic review and meta-analysis of clinical trials on the effects of glutamine supplementation on gut permeability in adults · Amino Acids, 2024
  10. Zhou Q et al.: Randomised placebo-controlled trial of dietary glutamine supplements for postinfectious irritable bowel syndrome · Gut, 2019
  11. Heyland D et al.: A randomized trial of glutamine and antioxidants in critically ill patients (REDOXS) · New England Journal of Medicine, 2013
  12. Holeček M: Side effects of long-term glutamine supplementation · Journal of Parenteral and Enteral Nutrition, 2013
  13. FDA approves new treatment for sickle cell disease (L-Glutamin-Pulver, Pressemitteilung 07.07.2017) · U.S. Food and Drug Administration, 2017
  14. Withdrawal of the marketing authorisation application: glutamine for sickle cell disease (18.09.2019) · European Medicines Agency, 2019

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.