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L-Tyrosin: Wofür, wie viel und was Studien zeigen

L-Tyrosin ist eine Aminosäure, aus der dein Körper Botenstoffe wie Dopamin und die Schilddrüsenhormone bildet – eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es aber nicht, und Studien zu Konzentration unter Stress sind klein und uneinheitlich. Für Phenylalanin und Tyrosin zusammen nennt die WHO 25 mg pro kg Körpergewicht am Tag, mit eiweißhaltigem Essen nimmst du meist mehr auf. Für Präparate sah die norwegische Behörde VKM schon ab 1.250 mg am Tag ein mögliches Risiko. Stand: Oktober 2026.

L-Tyrosin in 30 Sekunden

Was ist das?
Eine Aminosäure, also ein Baustein von Eiweiß. Der Körper bildet sie aus der Aminosäure Phenylalanin.
Wofür?
Aus Tyrosin entstehen Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin, die Schilddrüsenhormone und der Hautfarbstoff Melanin. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Woher?
Aus Käse, Soja, Kernen, Fleisch, Fisch, Eiern und Hülsenfrüchten. Zur Tabelle
Präparate?
Keine EU-Höchstmenge. Die norwegische Behörde VKM sah 2016 schon ab 1.250 mg am Tag ein mögliches Risiko. Mehr dazu

Wofür braucht der Körper Tyrosin?

L-Tyrosin ist ein Baustein fast aller Eiweiße im Körper. Es gilt als bedingt essenziell: Der Körper stellt es aus der Aminosäure Phenylalanin her, solange davon genug da ist.

Aus Tyrosin bildet der Körper Botenstoffe wie Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, außerdem die Schilddrüsenhormone und den Hautfarbstoff Melanin. Daraus leiten Hersteller oft Versprechen zu Konzentration und Stimmung ab – für Präparate belegt sind sie nicht.

„Tyrosin“ und „L-Tyrosin“ meinen im Alltag dasselbe: Die L-Form steckt in Eiweiß aus Lebensmitteln. Als Präparat gibt es außerdem N-Acetyl-L-Tyrosin (NALT), eine chemisch abgewandelte Form.

Lebensmittel mit Tyrosin

Tyrosin steckt in fast allem mit Eiweiß. Viel liefern lange gereifter Käse, Sojabohnen, Kerne, Fleisch und Fisch.

Tyrosin in Lebensmitteln
Lebensmittelg pro 100 gg pro Portion
Parmesan20,4 (2 EL gerieben, 20 g)
Sojabohnen, getrocknet1,540,92 (60 g roh)
Gouda1,450,44 (1 Scheibe, 30 g)
Hanfsamen, geschält1,260,25 (2 EL, 20 g)
Kürbiskerne1,090,33 (Handvoll, 30 g)
Erdnüsse1,050,32 (Handvoll, 30 g)
Hähnchenbrust0,811,01 (125 g)
Rinderleber0,810,81 (100 g)
Thunfisch (Gelbflosse)0,790,99 (1 Steak, 125 g)
Lachs (Zucht)0,760,95 (1 Filet, 125 g)
Feta0,670,34 (50 g)
Linsen, getrocknet0,660,4 (60 g roh)
Hüttenkäse0,570,57 (½ Becher, 100 g)
Kichererbsen, getrocknet0,510,31 (60 g roh)
Hühnerei0,50,3 (1 Ei, 60 g)
Mandeln0,450,14 (Handvoll, 30 g)
Haferflocken0,40,2 (50 g)
Tofu0,360,36 (100 g)

Werte: USDA FoodData Central (SR Legacy), roh bzw. getrocknet, gerundet, abgerufen am 12.10.2026.

Ideen aus der Küche: Lachs-Spinat-Auflauf mit Parmesan-Kruste, Edamame-Käse-Bällchen, Quinoa-Linsen-Salat mit Feta oder Parmesan-Rosenkohl mit Walnüssen.

Wie viel Tyrosin am Tag?

Einen eigenen Wert nur für Tyrosin gibt es nicht. Die WHO hat 2007 zusammen mit FAO und UNU den Bedarf für Phenylalanin und Tyrosin gemeinsam festgelegt: 25 mg pro kg Körpergewicht am Tag für Erwachsene. Wie viel davon Tyrosin sein muss, ließ sich laut WHO nicht bestimmen.

Phenylalanin und Tyrosin zusammen pro Tag (WHO 2007, Erwachsene)
KörpergewichtBedarf pro Tag
50 kg1,25 g
60 kg1,5 g
70 kg1,75 g
80 kg2 g
90 kg2,25 g

In den USA nehmen Menschen laut einer nationalen Erhebung im Schnitt etwa 2,8 g Tyrosin am Tag auf – dazu kommt Phenylalanin. Wer genug Eiweiß isst, bekommt also auch genug Tyrosin. Mehr zu Eiweißbausteinen findest du bei den essenziellen Aminosäuren.

Dosierung: Was Behörden zu Präparaten sagen

Eine EU-Höchstmenge oder einen BfR-Wert für L-Tyrosin gibt es nicht. Auch in den USA wurde keine Obergrenze festgelegt, weil die Daten dafür nicht reichten.

Die norwegische Behörde VKM bewertete 2016 Präparate mit 1.250 bis 2.000 mg am Tag. Ergebnis: Alle diese Mengen könnten ein Risiko für Nebenwirkungen bedeuten – für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren. Grundlage war vor allem ein Tierversuch. Studien am Menschen, die Nebenwirkungen gezielt untersucht hätten, fand die VKM nicht.

Die spanische Behörde AESAN hielt 2012 bis zu 1.900 mg am Tag für Tyrosin und Phenylalanin zusammen in Nahrungsergänzungsmitteln für vertretbar. Die Behörden kommen also zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Tyrosin aus dem Essen gilt als unproblematisch. Zu Präparaten über lange Zeit gibt es kaum Daten am Menschen.

In einem Tierversuch über 13 Wochen wurden bei sehr hohen Mengen Leber und Nieren schwerer, außerdem stiegen die Blutfette. Eine Studie mit 30 gesunden Männern (2026) fand bei bis zu 4 g am Tag über vier Wochen keine auffälligen Blutwerte. Zwei der vier Autoren arbeiten bei einem Hersteller von Aminosäuren, und die Studie lief nur vier Wochen.

Bei der angeborenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (PKU) kann der Körper Phenylalanin kaum in Tyrosin umwandeln. Die Ernährung bei PKU gehört in ärztliche Hand – auch die Frage nach Tyrosin-Präparaten.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Gut untersuchte Wechselwirkungen gibt es nicht. Weil Tyrosin Ausgangsstoff von Botenstoffen und Schilddrüsenhormonen ist, gilt bei diesen Medikamenten Vorsicht:

MedikamentGut zu wissen
MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva und Parkinson-Mittel)Sie bremsen den Abbau von Botenstoffen. Zusätzliches Tyrosin wurde damit kaum untersucht – nur nach ärztlicher Absprache.
Levodopa (Parkinson-Mittel)Levodopa ist die Vorstufe von Dopamin, die der Körper sonst aus Tyrosin bildet. Ob Tyrosin-Präparate die Behandlung stören, ist kaum untersucht – nur nach ärztlicher Absprache.
Schilddrüsenhormone (etwa Levothyroxin)Ob Tyrosin die Schilddrüsenwerte verändert, ist nicht untersucht. Bei Schilddrüsenerkrankungen vorher mit der Praxis sprechen.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Ob Tyrosin-Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sicher sind, ist laut VKM nicht bekannt. Tyrosin aus dem Essen ist kein Problem.

Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Kinder unter 10 Jahren hat die VKM nicht bewertet.

Was sagt die Forschung?

Die häufigsten Versprechen zu Tyrosin drehen sich um Konzentration unter Stress, Sport und die Schilddrüse. Hier steht, was Studien dazu zeigen – ohne Versprechen.

Konzentration unter Stress

Ein Review von 2015 fand: In einem Teil der Studien schnitten Menschen mit Tyrosin in kurzen, belastenden oder geistig fordernden Situationen besser ab, in anderen nicht. Die Autoren vermuten einen Effekt nur, wenn die Botenstoffe vorübergehend knapp sind. Untersucht wurden vor allem kurze Belastungen, nicht die Einnahme über Wochen. Die EFSA sah 2011 keinen belegten Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit.

Sport

Für die körperliche Leistung fand derselbe Review kaum Nutzen. Eine Studie mit 8 Fußballern bei 32 °C (2025) fand mit 150 mg pro kg Körpergewicht keinen Unterschied bei Sprints oder Entscheidungen im Spiel.

Schilddrüse

Schilddrüsenhormone werden aus Tyrosin und Jod gebildet. Eine Studie, die zeigt, dass Tyrosin-Präparate die Schilddrüse beeinflussen, gibt es nach unserer Recherche nicht. Mehr zum zweiten Baustein liest du bei Jod.

Phenylketonurie

Ein Cochrane-Review (2021) fand drei Studien mit zusammen 56 Menschen mit PKU. Mit Tyrosin stieg der Tyrosinwert im Blut, bei allen anderen gemessenen Werten gab es keinen Unterschied. Eine Empfehlung ließ sich daraus nicht ableiten.

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Häufige Fragen

Welche Wirkung hat L-Tyrosin?

Eine EU-zugelassene Wirkung gibt es nicht. Tyrosin ist Ausgangsstoff für Botenstoffe wie Dopamin, außerdem bildet der Körper daraus die Schilddrüsenhormone. Studien zu Konzentration unter Stress sind klein und uneinheitlich, für die körperliche Leistung fand ein Review kaum Nutzen.

Hat L-Tyrosin Nebenwirkungen?

Tyrosin aus dem Essen gilt als unproblematisch, zu Präparaten über lange Zeit gibt es kaum Daten am Menschen. In einer Studie mit 30 gesunden Männern waren die Blutwerte bei bis zu 4 g am Tag über vier Wochen unauffällig. Die VKM sah ab 1.250 mg am Tag ein mögliches Risiko, vor allem auf Grundlage eines Tierversuchs.

Was ist L-Tyrosin?

Eine Aminosäure und ein Baustein von Eiweiß. Der Körper bildet sie aus Phenylalanin, außerdem steckt sie in fast allen eiweißhaltigen Lebensmitteln.

Wie viel Tyrosin braucht man am Tag?

Die WHO nennt 25 mg pro kg Körpergewicht für Phenylalanin und Tyrosin zusammen, bei 70 kg also rund 1,75 g. Mit normaler Ernährung nehmen viele Menschen mehr auf.

Wie hoch sollte man L-Tyrosin dosieren?

Eine amtliche Dosis gibt es nicht. Die norwegische Behörde VKM sah bei 1.250 bis 2.000 mg am Tag aus Präparaten ein mögliches Risiko. Spanien hielt bis 1.900 mg für Tyrosin und Phenylalanin zusammen für vertretbar.

Hat Tyrosin etwas mit der Schilddrüse zu tun?

Schilddrüsenhormone entstehen aus Tyrosin und Jod. Dass Präparate die Schilddrüse beeinflussen, ist nicht belegt. Hast du eine Schilddrüsenerkrankung, sprich vorher mit deiner Praxis.

Welche Lebensmittel enthalten viel Tyrosin?

Parmesan, Sojabohnen, Gouda, Hanfsamen, Kürbiskerne und Erdnüsse. Die Tabelle oben zeigt die Werte pro Portion.

Quellen

  1. Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to L-tyrosine and contribution to normal synthesis of catecholamines (ID 1928), increased attention (ID 440, 1672, 1930), and contribution to normal muscle function (ID 1929) · EFSA Journal 9(6):2270, 2011
  2. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to L-tyrosine and contribution to normal synthesis of dopamine pursuant to Article 13(5) · EFSA Journal 9(7):2290, 2011
  3. Verordnung (EU) Nr. 155/2014 zur Nichtzulassung bestimmter anderer gesundheitsbezogener Angaben (u. a. L-Tyrosin und Dopaminbildung) · Amtsblatt der EU, 2014
  4. Protein and amino acid requirements in human nutrition: report of a joint FAO/WHO/UNU expert consultation (WHO Technical Report Series 935) · World Health Organization, 2007
  5. Risk assessment of "other substances" – L-tyrosine (VKM Report 2016:61) · Norwegian Scientific Committee for Food Safety (VKM), 2016
  6. FoodData Central (SR Legacy), Aminosäure Tyrosin · U.S. Department of Agriculture
  7. Tansman G, Kindstedt PS, Hughes JM: Crystal fingerprinting: elucidating the crystals of Cheddar, Parmigiano-Reggiano, Gouda, and soft washed-rind cheeses using powder x-ray diffractometry · Dairy Science & Technology, 2015
  8. Jongkees BJ et al.: Effect of tyrosine supplementation on clinical and healthy populations under stress or cognitive demands – a review · Journal of Psychiatric Research, 2015
  9. Donnan KJ, Williams EL, Stanger N: Tyrosine supplementation is ineffective in facilitating soccer players' physical and cognitive performance during high-intensity intermittent exercise in hot conditions · PLOS ONE, 2025
  10. Remmington T, Smith S: Tyrosine supplementation for phenylketonuria · Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021
  11. Matsumoto H et al.: Evaluation of the Safety and Tolerability of L-Tyrosine Supplementation in Healthy Adult Men: A Randomized Crossover Trial · Nutrients, 2026

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