Eine belegte Wirkung hat Phosphatidylserin nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, die EFSA sah 2010 keinen belegten Zusammenhang mit Gedächtnis und geistiger Leistung. In einer Studie mit 120 älteren Menschen und Phosphatidylserin aus Soja gab es nach 12 Wochen keinen Unterschied zu Placebo. In Nahrungsergänzung ist Phosphatidylserin aus Soja ohne eigene Zulassung erlaubt, aus Fisch bis 300 mg am Tag. Stand: Oktober 2026.
Phosphatidylserin, kurz PS, ist ein Phospholipid: ein Fettbaustein aus Glycerin, zwei Fettsäuren, Phosphat und der Aminosäure Serin. Es steckt in den Hüllen der Körperzellen, dort vor allem auf der Innenseite. Am meisten davon gibt es im Gehirn.
Für PS gibt es keinen Referenzwert für die Zufuhr, und ein Mangel durch das Essen ist nicht beschrieben.
Als Präparat wird PS vor allem rund um Gedächtnis und Stress beworben. Ähnlich vermarktet werden Citicolin, Bacopa oder Ginkgo.
Im Essen kommt PS als Teil der Zellhüllen vor, also in kleinen Mengen in vielen Lebensmitteln. Verlässliche Gehalte für einzelne Lebensmittel stehen in amtlichen Datenbanken nicht.
Für Präparate stammte PS früher aus Rinderhirn. Wegen der Gefahr durch BSE, den sogenannten Rinderwahnsinn, wird davon heute abgeraten. Aus einem Rinderhirn ließen sich außerdem nur rund 3 g PS gewinnen.
Heute wird PS meist mit Enzymen aus Soja-Lecithin hergestellt: Dabei wird die Aminosäure L-Serin an Phospholipide aus Soja gehängt. So beschreibt es auch die EU-Zulassung. Daneben gibt es PS aus Fisch-Phospholipiden, das zusätzlich Omega-3-Fettsäuren trägt.
Die Fettsäuren unterscheiden sich je nach Herkunft. Die EFSA hält PS aus Rinderhirn und aus Soja deshalb für verschiedene Stoffe, deren Studienergebnisse sich nicht einfach übertragen lassen.
Verwandte Phospholipide sind Phosphatidylcholin und Phosphatidsäure. Ein Gemisch aus PS und Phosphatidsäure ist in der EU eigens zugelassen.
Eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht – die Höchstmengen sind keine Empfehlung. In Studien wurden meist 100 bis 300 mg am Tag untersucht, in einzelnen Studien bis 800 mg. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, setz es ab und frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente allgemein | Gezielte Studien zu Wechselwirkungen gibt es nach unserer Recherche nicht. In den Sicherheitsstudien änderten sich Blutwerte, Blutdruck und Puls nicht. |
| Mittel, die wie der Botenstoff Acetylcholin wirken, zum Beispiel Cevimelin | Ein Fallbericht (2022) beschreibt eine 58-jährige Frau mit Cevimelin, die nach einem Kombi-Präparat mit Bacopa und PS schwitzte, Übelkeit und Herzrasen bekam. Die Autoren vermuten vor allem Bacopa. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Kombi-Präparate | Viele Gedächtnis-Präparate mischen PS mit Pflanzenstoffen oder Omega-3. Dann gelten auch deren Hinweise, etwa bei Ginkgo oder Bacopa. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Studien zu PS-Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nach unserer Recherche nicht. Das zugelassene Gemisch aus PS und Phosphatidsäure ist laut EU ausdrücklich nicht für Schwangere und Stillende bestimmt. Sprich vor einem Präparat mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Bei Kindern wurde PS vor allem in kleinen Studien zu ADHS untersucht, mehr dazu unter Was sagt die Forschung?. Fällt einem Kind Konzentration schwer, gehört das in die Kinderarztpraxis.
| Form | Was gilt |
|---|---|
| PS aus Soja in Nahrungsergänzung | Laut EU-Katalog für neuartige Lebensmittel kein neuartiges Lebensmittel. Eine EU-Höchstmenge gibt es dafür nicht. |
| PS aus Soja-Phospholipiden in anderen Lebensmitteln | Seit 2011 zugelassen, mit Höchstgehalten, etwa 80 mg je 100 g in Joghurt und 350 mg je 100 g in Getreideriegeln. Bezeichnung „Soja-Phosphatidylserin“. |
| PS aus Fisch-Phospholipiden | Zugelassenes neuartiges Lebensmittel, in Nahrungsergänzung höchstens 300 mg am Tag. Bezeichnung „Fisch-Phosphatidylserin“. |
| Gemisch aus PS und Phosphatidsäure aus Soja | Zugelassen, in Nahrungsergänzung höchstens 800 mg am Tag. Bezeichnung „Soja-Phosphatidylserin und -Phosphatidsäure“, nicht für Schwangere und Stillende. |
| PS aus anderen Rohstoffen, etwa Sonnenblumen-Lecithin | Der EU-Katalog nennt nur Soja und Fisch. Eine Einstufung für andere Herkunft gibt es nach unserer Recherche nicht. |
| PS aus Rinderhirn | Wegen der BSE-Gefahr heute nicht mehr üblich. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Gedächtnis, geistiger Leistung und Stress hat die EU nach der EFSA-Prüfung 2010 abgelehnt. |
Im EU-Schnellwarnsystem RASFF haben wir keine Meldung zu Phosphatidylserin gefunden. Als Lebensmittel darf PS nicht mit Krankheiten wie Demenz beworben werden.
Viele Studien sind alt, klein und nutzten PS aus Rinderhirn, das heute nicht mehr verwendet wird. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
| Thema | Wer und wie lange | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gedächtnis im Alter, PS aus Rinderhirn (1991) | 149 Menschen mit altersbedingten Gedächtnisproblemen, 12 Wochen | In einigen Lern- und Gedächtnistests besser als mit Placebo, vor allem bei schwächeren Ausgangswerten. |
| Geistiger Abbau im Alter, PS aus Rinderhirn (1993) | 494 Menschen von 65 bis 93 Jahren, 6 Monate | In Verhaltens- und Gedächtnistests besser als mit Placebo. |
| Gedächtnis im Alter, PS aus Soja (2001) | 120 Menschen über 57 Jahre mit Gedächtnisklagen, 12 Wochen | Kein Unterschied zu Placebo. |
| Gedächtnis im Alter, PS aus Soja (2010) | 78 Menschen von 50 bis 69 Jahren, 6 Monate | Alle Gruppen schnitten besser ab, auch mit Placebo. Nur wer anfangs schwächer war, lag mit PS über dem eigenen Ausgangswert. |
| PS mit Omega-3 aus Fisch (2010) | 157 ältere Menschen mit Gedächtnisklagen, 15 Wochen | In einem Test zum sofortigen Erinnern besser, weitere Vorteile nur in Untergruppen. |
| Gesundheitsangaben (EFSA 2010) | Anträge zu Gedächtnis, geistiger Leistung und Stress | PS nicht ausreichend beschrieben, Zusammenhang nicht belegt. |
Die frühen positiven Studien nutzten PS aus Rinderhirn. Mit PS aus Soja fand eine niederländische Studie (2001) mit 120 älteren Menschen und 300 oder 600 mg am Tag keinen Unterschied zu Placebo. Eine japanische Studie (2010) sah nur bei schwächeren Ausgangswerten bessere Ergebnisse als vorher, vier der sechs Autorinnen und Autoren arbeiteten bei einem Lebensmittelkonzern.
In einer Studie (2010) mit 157 älteren Menschen und PS aus Fisch mit Omega-3-Fettsäuren schnitt die PS-Gruppe nach 15 Wochen in einem Test zum sofortigen Erinnern besser ab. Weitere Vorteile zeigten sich erst in nachträglich gebildeten Untergruppen.
In einer Studie (2004) mit 4 Gruppen zu je 20 Personen nahmen die Teilnehmenden 3 Wochen lang ein Gemisch aus PS und Phosphatidsäure oder Placebo, dann folgte ein Stresstest. Die Hormonantwort im Blut fiel nur bei der kleinsten Menge schwächer aus, bei den höheren Mengen nicht. Die Studie lief nur 3 Wochen.
Eine Auswertung (2021) von 3 kleinen Studien mit 216 Kindern fand mit 200 bis 300 mg am Tag einen kleinen Unterschied bei der Unaufmerksamkeit, nicht aber bei den Beschwerden insgesamt. Die Autorinnen und Autoren sprechen von vorläufigen Hinweisen.
Die EFSA hält beide für verschiedene Stoffe mit anderen Fettsäuren. Ergebnisse der alten Rinderhirn-Studien lassen sich deshalb nicht einfach auf heutige Soja-Präparate übertragen.
Fazit: In Studien über einige Monate wurde PS gut vertragen. Ob PS bei Gedächtnisproblemen etwas bringt, ist nicht belegt.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht. Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, die EFSA sah 2010 keinen belegten Zusammenhang mit Gedächtnis und geistiger Leistung.
Für PS aus Fisch höchstens 300 mg am Tag in Nahrungsergänzung, für das Gemisch mit Phosphatidsäure 800 mg. Für Soja-PS in Nahrungsergänzung gibt es keine EU-Höchstmenge und auch keine empfohlene Tagesmenge.
In einer Studie mit 300 und 600 mg am Tag über 12 Wochen gab es keine Unterschiede zu Placebo bei Blutwerten, Blutdruck und Puls. Bei Soja- oder Fischallergie auf die Herkunft achten.
Heute meist aus Soja-Lecithin, seltener aus Fisch-Phospholipiden. Früher stammte es aus Rinderhirn, davon wird wegen BSE abgeraten.
Ältere Studien mit PS aus Rinderhirn fanden kleine Vorteile in Tests. Mit Soja-PS gab es in einer Studie mit 120 älteren Menschen keinen Unterschied zu Placebo.
Studien dazu gibt es nach unserer Recherche nicht. Das Gemisch mit Phosphatidsäure ist laut EU nicht für Schwangere und Stillende bestimmt, sprich vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Beides sind Phospholipide aus Zellhüllen. Phosphatidylcholin trägt Cholin, Phosphatidylserin die Aminosäure Serin, und nur für Cholin gibt es zugelassene Angaben.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.