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Vitamin A: Wirkung, Tagesbedarf und Höchstmenge

Für Vitamin A hat die EU sechs Gesundheitsangaben zugelassen, unter anderem zu Sehkraft, Haut und Immunsystem. Die DGE empfiehlt Frauen 700 µg und Männern 850 µg am Tag – die meisten Erwachsenen in Deutschland erreichen das schon mit dem Essen. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 200 µg am Tag, und Schwangere sollen keine Leber essen, weil zu viel Vitamin A dem Ungeborenen schaden kann. Stand: Oktober 2026.

Vitamin A in 30 Sekunden

Was ist das?
Ein fettlösliches Vitamin. Als Retinol steckt es in tierischen Lebensmitteln, als Vorstufe Beta-Carotin in Gemüse und Obst.
Wofür?
Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei. Vitamin A trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das sind zwei von sechs EU-zugelassenen Angaben.
Woher?
Aus Leber, Butter, Käse und Eiern. Möhren, Süßkartoffeln und grünes Blattgemüse liefern Beta-Carotin. Zur Tabelle
Präparate?
Meist nicht nötig. Das BfR empfiehlt höchstens 200 µg Vitamin A am Tag aus Präparaten, in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache. Mehr dazu

Wirkung: Wofür du Vitamin A brauchst

Vitamin A ist ein Sammelbegriff. Dazu gehören Retinol und eng verwandte Stoffe, die nur in tierischen Lebensmitteln vorkommen – man nennt sie vorgeformtes Vitamin A. Pflanzen liefern Vorstufen wie Beta-Carotin, aus denen der Körper Vitamin A bildet (EFSA).

Der Körper speichert vorgeformtes Vitamin A, vor allem in der Leber. Deshalb kann sich zu viel davon anreichern. Für Beta-Carotin aus dem Essen gibt es laut EFSA keine Hinweise auf Schäden.

Welche Aussagen über Vitamin A erlaubt sind, legt die EU fest. Zugelassen sind diese sechs – im Wortlaut:

Ein Lebensmittel darf diese Sätze nur tragen, wenn es mindestens 15 % des Referenzwerts enthält – bei Vitamin A 120 von 800 µg pro 100 g (Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Nr. 1169/2011). Die Angaben betreffen das Vitamin. Eine Angabe, nach der mehr als der Bedarf mehr bewirkt, gibt es nicht.

Lebensmittel mit Vitamin A

Vorgeformtes Vitamin A steckt nur in tierischen Lebensmitteln, mit großem Abstand am meisten in Leber. Butter, Käse und Eier liefern kleinere Mengen. In Möhren, Süßkartoffeln, Kürbis, Grünkohl und Spinat steckt Beta-Carotin.

Vitamin A in Lebensmitteln
Lebensmittelµg pro 100 gµg pro Portion
Rinderleber19.70219.702 (100 g)
Möhre945756 (1 Möhre, 80 g)
Butter71471 (für 1 Brot, 10 g)
Süßkartoffel6581.316 (1 kleine, 200 g)
Grünkohl479719 (150 g)
Spinat370555 (150 g)
Gouda (48 % Fett i. Tr.)27382 (1 Scheibe, 30 g)
Hokkaido-Kürbis267534 (200 g)
Feldsalat267134 (50 g)
Hühnerei260156 (1 Ei, 60 g)
Paprika, rot233350 (1 Schote, 150 g)
Camembert (45 % Fett i. Tr.)21565 (30 g)

Werte: Max Rubner-Institut (2025), Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, roh, gerundet, abgerufen am 21.10.2026. Angegeben in Retinol-Aktivitätsäquivalenten. Bei Gemüse stammt der Wert aus Beta-Carotin und anderen Carotinoiden.

Vitamin A ist fettlöslich. Damit der Körper Beta-Carotin aus Gemüse nutzen kann, braucht es laut DGE etwas Fett in der Mahlzeit, etwa einen Teelöffel Öl. Tierische Lebensmittel mit Vitamin A bringen das Fett schon mit.

Ideen mit Möhren, Süßkartoffeln und Grünkohl: Karotten-Ingwer-Suppe, Süßkartoffel-Pfanne mit Feta und Spinat oder Grünkohl-Kichererbsen-Eintopf. Mehr im Lexikon unter Karotte und Süßkartoffel.

Tagesbedarf: Wie viel Vitamin A am Tag?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Frauen 700 µg und Männern 850 µg Vitamin A am Tag, Männern ab 65 Jahren 800 µg (Stand Ableitung 2020). Gerechnet wird in Retinol-Aktivitätsäquivalenten: 1 µg entspricht 1 µg Retinol oder 12 µg Beta-Carotin.

Vitamin A pro Tag (DGE, empfohlene Zufuhr, Stand Ableitung 2020)
AlterMännlichWeiblich
0 bis unter 4 Monate500 µg500 µg
4 bis unter 12 Monate400 µg400 µg
1 bis unter 4 Jahre300 µg300 µg
4 bis unter 7 Jahre350 µg350 µg
7 bis unter 10 Jahre450 µg450 µg
10 bis unter 13 Jahre600 µg600 µg
13 bis unter 15 Jahre800 µg700 µg
15 bis unter 19 Jahre950 µg800 µg
19 bis unter 65 Jahre850 µg700 µg
Ab 65 Jahren800 µg700 µg
Schwangere–800 µg
Stillende–1.300 µg

Angaben in Retinol-Aktivitätsäquivalenten. Für Säuglinge sind es Schätzwerte.

Die EFSA rechnet in Retinoläquivalenten, dort zählen schon 6 µg Beta-Carotin als 1 µg. Sie nennt 650 µg für Frauen und 750 µg für Männer (2015).

In Deutschland nehmen Erwachsene laut Nationaler Verzehrsstudie II im Mittel 1.400 bis 1.800 µg Retinoläquivalente am Tag auf – mehr als empfohlen (BfR). Vorgeformtes Vitamin A macht davon nur 400 bis 700 µg aus.

Dosierung: Was Behörden zu Präparaten sagen

Beim vorgeformten Vitamin A liegen Bedarf und Obergrenze nah beieinander. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt deshalb zwei Wege: gar kein Vitamin A in Nahrungsergänzungsmitteln oder höchstens 200 µg pro Tagesdosis eines Produkts, ab 15 Jahren.

Auf solchen Produkten soll stehen, dass Schwangere sie nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen. Die Werte für Vitamin A und Beta-Carotin überarbeitet das BfR gerade (BfR-Übersicht, Stand 2025).

Vitamin A in Präparaten: Werte und Regeln (Stand Oktober 2026)
WasWertQuelle
Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel (vorgeformtes Vitamin A)höchstens 200 µg pro Tag, ab 15 Jahren; Hinweis zur SchwangerschaftBfR 2021, in Überarbeitung
Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmittelnhöchstens 3,5 mg pro TagBfR 2021, in Überarbeitung
Obergrenze aus allen Quellen (vorgeformtes Vitamin A)Obergrenze: 3.000 µg pro Tag für Erwachsene, auch Schwangere, Stillende und Frauen nach den WechseljahrenEFSA 2024
Beta-Carotin aus Präparatenkeine Obergrenze ableitbar; Raucherinnen und Raucher sollen keine Präparate mit Beta-Carotin nehmenEFSA 2024
Erlaubte Formen in NahrungsergänzungsmittelnRetinol, Retinylacetat, Retinylpalmitat, Beta-CarotinRichtlinie 2002/46/EG, Anhang II
Referenzwert für die KennzeichnungReferenzwert: 800 µg pro TagVerordnung (EU) Nr. 1169/2011

Der BfR-Wert ist ein Vorschlag, keine gesetzliche Höchstmenge. Auf der Packung steht Vitamin A in µg Retinoläquivalenten.

Warum so wenig? Für 15- bis 17-Jährige liegt die Obergrenze bei 2.600 µg, und so viel vorgeformtes Vitamin A nehmen die 5 % der Jungen mit der höchsten Zufuhr schon mit dem Essen auf. Rechnerisch bleibt für Präparate nichts übrig (BfR).

Nebenwirkungen: Wenn es zu viel wird

Riskant ist vorgeformtes Vitamin A aus Präparaten, Leber und Lebertran. Für Beta-Carotin aus Gemüse und Obst gibt es laut EFSA keine Hinweise auf Schäden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Medikament oder SituationGut zu wissen
Isotretinoin (Aknemittel zum Einnehmen)Mit Vitamin A verwandt. Laut Fachinformation soll man dazu kein Vitamin A nehmen, weil sonst eine Überdosierung droht (EMA). Bei anderen Retinoiden frag in der Praxis.
Multivitamine, Lebertran, Leber-KapselnDas Vitamin A addiert sich. Rechne die Mengen zusammen oder frag in der Apotheke.
Präparate mit Beta-Carotin und RauchenRaucherinnen und Raucher sollen laut EFSA keine Präparate mit Beta-Carotin nehmen.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Für Schwangere empfiehlt die DGE 800 µg Vitamin A am Tag, für Stillende 1.300 µg. Gemüse mit Beta-Carotin, Milchprodukte und Eier tragen dazu bei.

Seit den 1990er-Jahren gilt in Deutschland die Empfehlung, die das BfR 2021 bestätigt hat: In der Schwangerschaft auf Leber aller Tierarten verzichten. Die EFSA rät 2024 auch Frauen, die schwanger werden wollen, von Leberprodukten ab.

Der Grund: In einer US-Studie (1995) mit rund 22.700 Schwangeren hatten Kinder häufiger Fehlbildungen, wenn die Mütter mehr als 10.000 IE (3.000 µg) vorgeformtes Vitamin A am Tag aus Präparaten nahmen. Die Fälle häuften sich, wenn das vor der 7. Schwangerschaftswoche geschah.

Die Obergrenze der EFSA gilt nur für vorgeformtes Vitamin A, nicht für Beta-Carotin. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit oder für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme – die BfR-Höchstmenge gilt erst ab 15 Jahren.

Was sagt die Forschung?

Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Vitamin A und Beta-Carotin – und was zeigen Studien?

Beta-Carotin für Raucher?

In einer finnischen Studie (1994) mit 29.133 Rauchern nahmen die Männer fünf bis acht Jahre lang 20 mg Beta-Carotin am Tag oder ein Scheinmittel. Mit Beta-Carotin erkrankten 18 % mehr an Lungenkrebs, die Sterblichkeit lag um 8 % höher. Die EFSA rät Rauchern deshalb von solchen Präparaten ab.

Vitamin A und Knochen

In einer US-Beobachtungsstudie (2002) mit 72.337 Frauen nach den Wechseljahren hatten Frauen mit mindestens 3.000 µg Vitamin A am Tag häufiger einen Hüftbruch als Frauen mit weniger als 1.250 µg. Die EFSA prüfte 2024 alle neueren Daten: Für Mengen bis 3.000 µg ist ein ursächlicher Zusammenhang nicht belegt.

Viel hilft viel?

Die zugelassenen Angaben gelten schon ab 15 % des Referenzwerts. Erwachsene in Deutschland nehmen im Mittel mehr auf, als die DGE empfiehlt (BfR). Weil der Abstand zur Obergrenze klein ist, sieht das BfR für Präparate kaum Spielraum.

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Häufige Fragen

Was bewirkt Vitamin A?

Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei. Insgesamt hat die EU sechs Angaben zugelassen, unter anderem zu Haut, Schleimhäuten und Immunsystem.

Wie viel Vitamin A braucht man am Tag?

Frauen 700 µg und Männer 850 µg, ab 65 Jahren 800 µg. Schwangere 800 µg und Stillende 1.300 µg – so die DGE.

Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin A?

Am meisten Leber, außerdem Butter, Käse und Eier. Möhren, Süßkartoffeln, Grünkohl und Spinat liefern Beta-Carotin – eine Möhre rund 750 µg Vitamin A.

Kann man zu viel Vitamin A nehmen?

Ja. Die EFSA nennt für Erwachsene höchstens 3.000 µg vorgeformtes Vitamin A am Tag aus allen Quellen. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 200 µg am Tag.

Darf man in der Schwangerschaft Leber essen?

Nein. BfR und EFSA raten Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch von Leber und Leberprodukten ab, weil zu viel Vitamin A dem Ungeborenen schaden kann.

Ist Beta-Carotin dasselbe wie Vitamin A?

Beta-Carotin ist eine Vorstufe, aus der der Körper Vitamin A bildet. Für Beta-Carotin aus dem Essen gibt es keine Obergrenze, Raucher sollen aber laut EFSA keine Beta-Carotin-Präparate nehmen.

Quellen

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Vitamin A · Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2020
  2. Scientific Opinion on Dietary Reference Values for vitamin A (EFSA Journal 13(3):4028) · EFSA, 2015
  3. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for preformed vitamin A and β-carotene (EFSA Journal 22(6):e8814) · EFSA, 2024
  4. Höchstmengenvorschläge für Vitamin A in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2021
  5. Höchstmengenvorschläge für Beta-Carotin in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2021
  6. Höchstmengenempfehlungen des BfR für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln (Übersicht) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2025
  7. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (konsolidierte Fassung) · Amtsblatt der EU, 2025
  8. Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel (konsolidierte Fassung, Anhänge I und II) · Amtsblatt der EU, 2025
  9. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (Anhang XIII, Nährstoffbezugswerte) · Amtsblatt der EU, 2011
  10. Isotretinoin: Schiedsverfahren nach Artikel 29, Anhänge I bis III mit Fachinformation (Abschnitte 4.5 und 4.9) · Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)
  11. Rothman KJ et al.: Teratogenicity of High Vitamin A Intake · New England Journal of Medicine, 1995
  12. Alpha-Tocopherol, Beta Carotene Cancer Prevention Study Group: The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers · New England Journal of Medicine, 1994
  13. Feskanich D et al.: Vitamin A Intake and Hip Fractures Among Postmenopausal Women · JAMA, 2002
  14. Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0 · Max Rubner-Institut (2025), DOI 10.25826/Data20251217-134202-0, 2025

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