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Vitamin E: Wirkung, Tagesbedarf und Nebenwirkungen

Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Das ist die einzige EU-zugelassene Angabe, und den Schätzwert der DGE von 8 mg am Tag liefert schon eine Handvoll Mandeln fast ganz. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 30 mg am Tag, denn in großen Studien gingen hohe Mengen mit mehr Hirnblutungen und bei Männern mit mehr Prostatakrebs einher. Stand: Oktober 2026.

Vitamin E in 30 Sekunden

Was ist das?
Ein fettlösliches Vitamin, das nur Pflanzen bilden. Als Vitamin E zählt heute nur Alpha-Tocopherol (EFSA, DGE).
Wofür?
Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Das ist die einzige EU-zugelassene Angabe.
Woher?
Aus Mandeln, Haselnüssen, Weizenkeimen, Olivenöl und Pinienkernen, in kleineren Mengen aus Paprika, Spinat, Avocado und Fisch. Zur Tabelle
Präparate?
Meist nicht nötig. Das BfR empfiehlt höchstens 30 mg am Tag. Wer Gerinnungshemmer nimmt, spricht jedes Präparat vorher ärztlich ab. Mehr dazu

Wirkung: Wofür du Vitamin E brauchst

Unter dem Namen Vitamin E fasst man acht verwandte Stoffe zusammen: vier Tocopherole und vier Tocotrienole. Nur für Alpha-Tocopherol ist nachgewiesen, dass es einen Vitamin-E-Mangel beheben kann. Deshalb zählen EFSA und DGE nur Alpha-Tocopherol als Vitamin E.

Ein Mangel ist sehr selten, weil das Essen meist genug liefert und der Körper Vitamin E im Fettgewebe speichert. Betroffen sind vor allem Menschen mit gestörter Fettverdauung oder seltenen Erbkrankheiten wie Mukoviszidose (DGE).

Welche Aussagen über Vitamin E erlaubt sind, legt die EU fest. Zugelassen ist genau eine – im Wortlaut:

Ein Lebensmittel darf diesen Satz nur tragen, wenn es mindestens 15 % des Referenzwerts enthält – bei Vitamin E 1,8 von 12 mg pro 100 g (Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Nr. 1169/2011). Weitere Angaben zu Vitamin E, etwa zu Herz, Haut oder Gedächtnis, hat die EU nicht zugelassen.

Lebensmittel mit Vitamin E

Vitamin E bilden nur Pflanzen. Viel steckt in Nüssen, Samen und Weizenkeimen, außerdem in Olivenöl. Gemüse wie Paprika und Spinat liefert kleinere Mengen, tierische Lebensmittel wie fetter Fisch eher wenig (DGE).

Vitamin E in Lebensmitteln
Lebensmittelmg pro 100 gmg pro Portion
Mandeln23,97,2 (Handvoll, 30 g)
Haselnüsse22,26,7 (Handvoll, 30 g)
Olivenöl20,22 (1 EL, 10 g)
Weizenkeime15,21,5 (1 EL, 10 g)
Pinienkerne11,21,7 (1 EL, 15 g)
Erdnüsse, geröstet82,4 (Handvoll, 30 g)
Pistazien5,21,6 (Handvoll, 30 g)
Paprika, rot3,95,8 (1 Schote, 150 g)
Spinat34,5 (150 g)
Grünkohl1,92,9 (150 g)
Lachs1,92,4 (1 Filet, 125 g)
Kichererbsen, getrocknet1,91,1 (60 g roh)
Avocado1,71,4 (½ Frucht, 80 g)
Kiwi1,71,3 (1 Stück, 75 g)
Hühnerei1,20,7 (1 Ei, 60 g)
Walnüsse1,10,3 (Handvoll, 30 g)

Werte: Max Rubner-Institut (2025), Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, roh, gerundet, abgerufen am 21.10.2026. Nüsse unterscheiden sich stark: Walnüsse liefern deutlich weniger als Mandeln oder Haselnüsse.

Ideen mit Mandeln, Avocado und Haselnüssen: Quinoa-Brokkoli-Salat mit Mandeln, Avocado-Pesto Zoodles oder Hähnchenbrust im Haselnussmantel. Mehr im Lexikon unter Mandeln und Avocado.

Tagesbedarf: Wie viel Vitamin E am Tag?

Die DGE hat ihre Werte überarbeitet (Stand Ableitung 2024). Ihr Schätzwert liegt jetzt bei 8 mg Vitamin E am Tag für alle ab 1 Jahr, auch für Schwangere. Stillende brauchen 13 mg, weil sie Vitamin E mit der Muttermilch abgeben. Früher lagen die Schätzwerte bei 11 bis 15 mg.

Vitamin E pro Tag (DGE, Schätzwerte, Stand Ableitung 2024)
Alterpro Tag
0 bis unter 4 Monate3,5 mg
4 bis unter 12 Monate5 mg
Ab 1 Jahr, Jugendliche und Erwachsene8 mg
Schwangere8 mg
Stillende13 mg

Angegeben in RRR-Alpha-Tocopherol: 1 mg entspricht 2 mg synthetischem all-rac-Alpha-Tocopherol.

Die EFSA nennt als angemessene Zufuhr 13 mg für Männer und 11 mg für Frauen (2015). Erwachsene in Deutschland nehmen laut Nationaler Verzehrsstudie II im Mittel 11 bis 15 mg am Tag auf (BfR).

Natürlich oder synthetisch: die Formen

In Präparaten steckt Vitamin E als natürliches RRR-Alpha-Tocopherol (früher d-Alpha-Tocopherol) oder als synthetisches all-rac-Alpha-Tocopherol (früher dl-Alpha-Tocopherol), oft als Acetat. Erlaubt sind außerdem gemischte Tocopherole und Tocotrienol-Tocopherol (Richtlinie 2002/46/EG).

Synthetisches Vitamin E ist ein Gemisch aus acht Spiegelbild-Formen. Nur die Hälfte davon kann laut EFSA den Bedarf an Vitamin E erfüllen. Die DGE rechnet deshalb: 1 mg natürliches entspricht 2 mg synthetischem Alpha-Tocopherol.

Formen von Vitamin E im Vergleich (Stand Oktober 2026)
FormSo steht es auf der PackungZählt für den Bedarf
NatürlichRRR-α-Tocopherol oder d-α-Tocopherol, auch als Acetat oder Succinatvoll
Synthetischall-rac-α-Tocopherol oder dl-α-Tocopherol, auch als Acetatzur Hälfte (DGE)
Mischungengemischte Tocopherole, Tocotrienol-Tocopherolnur der Anteil Alpha-Tocopherol

Die EFSA-Obergrenze von 300 mg gilt für alle Formen von Alpha-Tocopherol. Auf der Packung steht Vitamin E in mg Alpha-Tocopherol-Äquivalenten.

Dosierung: Was Behörden zu Präparaten sagen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 30 mg Vitamin E pro Tagesdosis eines Produkts, ab 15 Jahren. Nimmt jemand zwei solcher Produkte, hält das BfR bis zu 60 mg am Tag noch für tolerierbar.

Männer ab 55 Jahren sollen wissen, dass unkontrolliert eingenommenes Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs erhöhen kann (BfR). Den Wert überarbeitet das BfR gerade (BfR-Übersicht, Stand 2025).

Vitamin E in Präparaten: Werte und Regeln (Stand Oktober 2026)
WasWertQuelle
Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittelhöchstens 30 mg pro Tag, ab 15 Jahren; Hinweis für Männer ab 55BfR 2021, in Überarbeitung
Obergrenze aus allen QuellenObergrenze: 300 mg pro Tag für Erwachsene, auch Schwangere und Stillende; gilt nicht bei Gerinnungs- oder PlättchenhemmernEFSA 2024
Angemessene Zufuhr13 mg (Männer), 11 mg (Frauen) Alpha-Tocopherol pro TagEFSA 2015
Erlaubte Formen in Nahrungsergänzungsmittelnnatürliches und synthetisches Alpha-Tocopherol und ihre Ester, gemischte Tocopherole, Tocotrienol-TocopherolRichtlinie 2002/46/EG, Anhang II
Referenzwert für die KennzeichnungReferenzwert: 12 mg pro TagVerordnung (EU) Nr. 1169/2011

Der BfR-Wert ist ein Vorschlag, keine gesetzliche Höchstmenge. EU-weite Höchstmengen für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bisher nicht.

Die EFSA fand 2024 auf dem EU-Markt 1.159 Präparate mit zugesetztem Vitamin E. Die meisten enthielten bis 15 mg pro Portion, rund 2 % mehr als 100 mg, das stärkste 294 mg. Ob du überhaupt ein Präparat brauchst, klärst du am besten ärztlich.

Nebenwirkungen: Blutungen und Prostata

Mit üblichen Lebensmitteln ist laut DGE keine Überversorgung möglich. Bei hohen Mengen aus Präparaten wurden eine erhöhte Blutungsneigung und mehr Prostatakrebs beobachtet.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Medikament oder SituationGut zu wissen
Gerinnungshemmer (etwa Phenprocoumon, Warfarin) und Plättchenhemmer (etwa ASS)Für diese Menschen gilt die EFSA-Obergrenze nicht. Jedes Vitamin-E-Präparat gehört dann in ärztliche Hand (DGE, EFSA).
Erkrankungen, bei denen zu wenig Vitamin K ins Blut gelangtAuch hier gilt die Obergrenze nicht. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
Herz-Kreislauf-Erkrankung in ärztlicher BehandlungDie EFSA-Obergrenze gilt nicht für Menschen, die nach einem Ereignis wie einem Herzinfarkt behandelt werden. Sprich Präparate mit deiner Praxis ab.
Multivitamine, Tocotrienole, andere Präparate mit Vitamin EDie Mengen addieren sich. Rechne zusammen oder frag in der Apotheke.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Laut DGE brauchen Schwangere schätzungsweise 8 mg Vitamin E am Tag, Stillende 13 mg. Mit Nüssen, Weizenkeimen, Olivenöl und Gemüse ist das über das Essen erreichbar.

Die EFSA-Obergrenze von 300 mg gilt auch für Schwangere und Stillende. Für Kinder liegt sie niedriger: 100 mg (1 bis 3 Jahre) bis 260 mg (15 bis 17 Jahre).

Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit oder für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Die BfR-Höchstmenge gilt erst ab 15 Jahren.

Was sagt die Forschung?

Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Vitamin E – und was zeigen große Studien?

Vitamin E fürs Herz?

In der HOPE-Studie nahmen 9.541 Menschen mit Gefäßerkrankung oder Diabetes 400 IE natürliches Vitamin E oder ein Scheinmittel, ein Teil von ihnen insgesamt rund sieben Jahre lang. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Krebs waren nicht seltener als mit Scheinmittel, Herzschwäche dagegen häufiger (13 % mehr).

Schlaganfall: zwei Seiten

Eine Auswertung von 9 Studien mit 118.765 Teilnehmenden (2010) fand mit Vitamin E 22 % mehr Schlaganfälle durch Hirnblutung und 10 % weniger durch einen Gefäßverschluss. Auf 1.250 Menschen kam eine zusätzliche Hirnblutung, auf 476 ein Gefäßverschluss weniger. Die Autoren warnen vor breiter Einnahme, weil Hirnblutungen meist schwerer verlaufen.

Prostatakrebs: die SELECT-Studie

35.533 gesunde Männer ab 50 bzw. 55 Jahren nahmen 400 IE synthetisches Vitamin E, Selen, beides oder ein Scheinmittel. In der Auswertung von 2011 hatten in der Vitamin-E-Gruppe 620 Männer Prostatakrebs, unter Scheinmittel 529. Absolut waren das 1,6 Fälle mehr pro 1.000 Männer und Jahr.

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Häufige Fragen

Was bewirkt Vitamin E?

Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Das ist die einzige EU-zugelassene Angabe für Vitamin E.

Wie viel Vitamin E braucht man am Tag?

Laut DGE schätzungsweise 8 mg ab 1 Jahr, auch in der Schwangerschaft. Stillende brauchen 13 mg.

Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin E?

Mandeln, Haselnüsse, Weizenkeime, Olivenöl und Pinienkerne. Eine Handvoll Mandeln (30 g) liefert rund 7 mg.

Kann zu viel Vitamin E schaden?

Aus Präparaten ja: In großen Studien gingen hohe Mengen mit mehr Hirnblutungen und bei Männern mit mehr Prostatakrebs einher. Das BfR empfiehlt höchstens 30 mg am Tag aus Präparaten.

Darf ich Vitamin E mit Blutverdünnern nehmen?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Für Menschen mit Gerinnungs- oder Plättchenhemmern gilt die EFSA-Obergrenze von 300 mg nicht.

Ist natürliches Vitamin E besser als synthetisches?

Für den Bedarf zählt synthetisches Vitamin E nur zur Hälfte: 1 mg natürliches entspricht 2 mg synthetischem (DGE). Einen zusätzlichen Nutzen über den Bedarf hinaus belegt das nicht.

Quellen

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Vitamin E · Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2024
  2. Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin E (Referenzwerte, 3. Auflage) · Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2025
  3. Scientific Opinion on Dietary Reference Values for vitamin E as α-tocopherol (EFSA Journal 13(7):4149) · EFSA, 2015
  4. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin E (EFSA Journal 22(8):e8953) · EFSA, 2024
  5. Höchstmengenvorschläge für Vitamin E in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2021
  6. Höchstmengenempfehlungen des BfR für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln (Übersicht) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2025
  7. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (konsolidierte Fassung) · Amtsblatt der EU, 2025
  8. Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel (konsolidierte Fassung, Anhänge I und II) · Amtsblatt der EU, 2025
  9. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (Anhang XIII, Nährstoffbezugswerte) · Amtsblatt der EU, 2011
  10. Klein EA et al.: Vitamin E and the Risk of Prostate Cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT) · JAMA, 2011
  11. Schürks M et al.: Effects of vitamin E on stroke subtypes: meta-analysis of randomised controlled trials · BMJ, 2010
  12. HOPE and HOPE-TOO Trial Investigators (Lonn E et al.): Effects of Long-term Vitamin E Supplementation on Cardiovascular Events and Cancer · JAMA, 2005
  13. Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0 · Max Rubner-Institut (2025), DOI 10.25826/Data20251217-134202-0, 2025

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