Eine belegte Wirkung hat Bor nicht: Die EFSA stuft das Spurenelement als nicht essenziell ein und fand für Knochen, Gelenke, Schilddrüse und geistige Leistung keinen belegten Zusammenhang. Mit dem Essen nehmen Erwachsene in Großbritannien im Mittel 1,5 mg am Tag auf, viel Bor steckt in Trockenobst, Nüssen und Hülsenfrüchten. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 0,5 mg am Tag, für Kinder und Jugendliche sind sie nicht geeignet. Stand: Oktober 2026.
Bor ist ein Element, das in der Natur nur in Verbindungen vorkommt, etwa als Borax im Gestein oder als Borsäure im Wasser. Im Essen liegt es als Borat und Borsäure vor (EFSA).
Für Pflanzen ist Bor lebensnotwendig. Beim Menschen hat die EFSA keine bestimmte Aufgabe gefunden und stuft Bor als nicht essenziell ein. Eine empfohlene Zufuhr gibt es deshalb nicht (BfR).
Im Tierversuch führte sehr borarmes Futter zu Veränderungen bei Wachstum, Hormonwerten und Calcium im Körper. Bei Menschen gab es unter sehr borarmer Kost Hinweise auf einen veränderten Mineralstoffwechsel (EFSA).
Werbung mit Prostata, Schilddrüse, Gelenken oder Gehirn ist deshalb nicht erlaubt (Verbraucherzentrale). Ähnlich ist die Lage bei Silizium, einem anderen Spurenelement ohne belegte Aufgabe.
Bor steckt vor allem in Pflanzen: in Trockenobst, Nüssen, Obst, Blattgemüse, Pilzen und Hülsenfrüchten. Fleisch, Fisch und Milchprodukte enthalten wenig (EFSA).
| Lebensmittel | je 100 g | Portion | je Portion |
|---|---|---|---|
| Trockenpflaumen | 2,2–2,7 mg | 5 Stück, 40 g | 0,9–1,1 mg |
| Rosinen | 1,9–2,5 mg | 1 EL, 30 g | 0,6–0,8 mg |
| Mandeln | 2,3 mg | 1 Handvoll, 30 g | 0,7 mg |
| Erdnüsse | 1,4–1,8 mg | 1 Handvoll, 30 g | 0,4–0,5 mg |
| Haselnüsse | 1,6 mg | 1 Handvoll, 30 g | 0,5 mg |
| Datteln | 0,9 mg | 3 Stück, 45 g | 0,4 mg |
| Honig | 0,6–0,7 mg | 1 EL, 20 g | 0,1 mg |
| Banane | 0,4 mg | 1 Stück, 100 g | 0,4 mg |
| Apfel mit Schale | 0,2–0,3 mg | 1 Stück, 150 g | 0,4 mg |
| Brokkoli, Röschen | 0,2 mg | 150 g | 0,3 mg |
| Milch | unter 0,03 mg | 1 Glas, 200 ml | unter 0,05 mg |
| Rinderhack, Hähnchenbrust | unter 0,01 mg | 125 g | unter 0,02 mg |
Werte: Hunt et al. (1991) und Anderson et al. (1994), zusammengestellt von der WHO (Environmental Health Criteria 204, 1998), Frischgewicht. Wo zwei Werte stehen, stammen sie aus den beiden Messreihen. Portionen und Werte je Portion sind von uns gerechnet. Der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 4.0) enthält keine Werte für Bor.
Eine Portion Avocado lieferte in einer US-Messung (1994) etwa 1,1 mg Bor (WHO). Auch Wasser zählt: Leitungswasser in Deutschland enthielt nach einer Schätzung im Mittel etwa 0,02 mg pro Liter. Abgefülltes Wasser kann deutlich mehr enthalten, in einer Untersuchung bis zu 4,35 mg pro Liter (EFSA).
30 g Mandeln liefern damit schon rund 0,7 mg Bor – mehr, als das BfR höchstens für ein Präparat vorschlägt. Ideen mit Mandeln, Rosinen und Avocado: Brokkoli-Mandel-Aufstrich, Bratapfel-Overnight-Oats mit Walnüssen und Rosinen oder Avocado-Erbsen-Suppe mit Minze. Mehr im Lexikon unter Mandeln, Avocado und Backpflaumen.
Eine empfohlene Tagesmenge für Bor gibt es nicht. Weder die EFSA noch die Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nennen einen Referenzwert (BfR).
In Großbritannien nahmen Erwachsene mit dem Essen im Mittel 1,5 mg am Tag auf, mit Wasser kamen 0,2 bis 0,6 mg dazu (EFSA). Vegetarierinnen und Vegetarier nehmen oft mehr auf, weil Bor vor allem in Pflanzen steckt.
Im ungünstigsten Fall – viel borreiches Essen und ein borreiches Mineralwasser – schätzt das BfR für Erwachsene bis etwa 9 mg am Tag, ganz ohne Präparat. Für Schulkinder kam es auf etwa 8 mg.
| Alter | höchstens pro Tag |
|---|---|
| 1 bis 3 Jahre | 3 mg |
| 4 bis 6 Jahre | 4 mg |
| 7 bis 10 Jahre | 5 mg |
| 11 bis 14 Jahre | 7 mg |
| 15 bis 17 Jahre | 9 mg |
| Erwachsene, auch Schwangere und Stillende | 10 mg |
Die tolerierbare Obergrenze (UL) gilt für Bor als Borsäure und Borat aus Essen, Wasser und Präparaten zusammen. Sie stützt sich auf Tierversuche: Bei trächtigen Ratten waren die Jungen leichter. Für Kinder hat die EFSA die Werte nach der Körperoberfläche umgerechnet.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 0,5 mg Bor pro Tagesdosis. Auf der Packung soll stehen, dass das Produkt für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist. Anderen Lebensmitteln soll kein Bor zugesetzt werden.
Der Grund: Kinder und Jugendliche können ihre Obergrenze schon mit Essen, Mineralwasser und anderen Quellen erreichen. Erwachsenen bleibt im ungünstigsten Fall bis zur Obergrenze von 10 mg rechnerisch 1 mg. Diesen Rest halbiert das BfR, weil es Wissenslücken gibt und manche mehrere Präparate nehmen.
| Was | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel | höchstens 0,5 mg Bor pro Tag, nicht für Kinder und Jugendliche | BfR 2021 |
| Calciumfructoborat (zugelassenes neuartiges Lebensmittel) | höchstens 220 mg am Tag, das sind bis 6,4 mg Bor; nur für Erwachsene, nicht für Schwangere und Stillende | Unionsliste, EFSA 2021 |
| Obergrenze aus allen Quellen | 10 mg Bor pro Tag für Erwachsene | EFSA 2004 |
| Akzeptable tägliche Aufnahme (ADI) | 0,16 mg pro kg Körpergewicht, bei 70 kg etwa 11 mg | EFSA 2013, BfR |
Der BfR-Wert ist ein Vorschlag, die Höchstmenge für Calciumfructoborat ist gesetzlich festgelegt. Die EFSA hielt sie für sicher, weil Essen und Präparat zusammen mit 9,6 bis 9,9 mg Bor im Rahmen des ADI bleiben.
Die Verbraucherzentrale hält eine zusätzliche Einnahme nach heutigem Wissen nicht für empfehlenswert. Ob ein Präparat für dich infrage kommt, klärst du am besten in der Praxis oder Apotheke.
Aus Essen und Wasser sind Schäden durch Bor nicht bekannt (EFSA). Daten zu Menschen sind insgesamt dünn, deshalb stützen sich die Grenzwerte auf Tierversuche.
Hast du eine Nierenerkrankung, sprich vor einem Bor-Präparat mit deiner Praxis. Hast du versehentlich Borsäure geschluckt oder ein Kind etwas davon, ruf den Giftnotruf an.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Hormonbehandlung, etwa in den Wechseljahren | Bor wird im Zusammenhang mit Geschlechtshormonen untersucht. Die Verbraucherzentrale zählt Frauen in den Wechseljahren mit Hormonbehandlung zu den Risikogruppen. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Hormonabhängige Erkrankungen | Gezielte Daten fehlen. Sprich ein Präparat vorher mit deiner Praxis ab. |
| Nierenerkrankung oder Dialyse | Bor wird über die Nieren ausgeschieden (EFSA). Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Kombipräparate für Sport, Knochen oder Gelenke | Bor steckt laut Verbraucherzentrale oft in Mischprodukten, etwa zusammen mit Asparaginsäure oder Tribulus. Zähle das Bor aus allen Produkten zusammen. |
| Alle anderen Medikamente | Gezielte Studien zu Wechselwirkungen sind uns nicht bekannt. Fehlende Daten heißen nicht, dass es keine gibt. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Die Obergrenze der EFSA gilt auch in Schwangerschaft und Stillzeit: 10 mg Bor am Tag aus allen Quellen. Abgeleitet ist sie gerade aus Tierversuchen zur Entwicklung des ungeborenen Kindes. Bor gelangt durch die Plazenta (EFSA).
Calciumfructoborat ist nicht für Schwangere, Stillende und Menschen unter 18 Jahren zugelassen, darauf muss die Packung hinweisen. Bor-Präparate sind laut BfR für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Die Verbraucherzentrale zählt Schwangere und Stillende zu den besonders gefährdeten Gruppen. Sprich vor einem Präparat mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
In Nahrungsergänzungsmitteln dürfen Mineralstoffe nur in bestimmten Verbindungen stecken. Für Bor sind das in der EU wenige.
| Thema | Stand | Quelle |
|---|---|---|
| Erlaubte Verbindungen | Borsäure und Natriumborat, seit 2009 auf der EU-Liste | Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II |
| Calciumfructoborat | Zugelassenes neuartiges Lebensmittel seit Dezember 2021: nur in Nahrungsergänzungsmitteln für Erwachsene, nicht für Schwangere und Stillende, höchstens 220 mg am Tag | Unionsliste, VO (EU) 2017/2470 |
| Bor-Citrat, Bor-Aspartat, Bor-Glycinat | Nicht zugelassen. Bor-Glycinat gilt als neuartig und bräuchte eine Zulassung. | EU-Novel-Food-Katalog, Verbraucherzentrale |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Knochen, Gelenken, Schilddrüse und geistiger Leistung abgelehnt, Prostata als Krankheitsbezug zurückgewiesen. | EFSA 2009 und 2011 |
| Zusatzstoffe E 284 und E 285 | Borsäure und Borax nur zum Haltbarmachen von Störkaviar | EFSA 2013 |
| Andere Lebensmittel | Anreicherung mit Bor nicht empfohlen | BfR 2021 |
Präparate mit nicht zugelassenen Borverbindungen, etwa aus dem Ausland, kann der Zoll zurückhalten (Verbraucherzentrale).
Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Bor – und was zeigen Studien? Mengen zu Hormonwerten nennen wir bewusst nicht.
19 junge Bodybuilder nahmen 7 Wochen lang ein Bor-Präparat oder ein Scheinmittel (1993). Testosteron, Muskelmasse und Kraft unterschieden sich am Ende nicht zwischen den Gruppen, beide legten durch das Training zu. In einer Studie mit 8 Männern ohne Vergleichsgruppe (2011) lagen einzelne Hormonwerte im Blut nach einer Woche mit einer hohen Bormenge anders als vorher. Ob das für die Gesundheit etwas bedeutet, zeigt die Studie nicht.
Untersucht wurde vor allem Calciumfructoborat. 60 Erwachsene mit Knieschmerzen bekamen 2 Wochen lang Calciumfructoborat oder ein Scheinmittel (2014). Mit Calciumfructoborat gaben sie in Fragebögen weniger Beschwerden an. Die Studie war kurz, die Autoren arbeiteten für den Hersteller. Die EFSA hielt Studien an Menschen mit Arthrose 2009 nicht für übertragbar auf Gesunde.
Im Tierversuch beeinflusste der Borgehalt im Futter Calcium und Knochen. Beim Menschen fand die EFSA 2009 keine einheitliche Wirkung auf aussagekräftige Messwerte zu den Knochen. Studien zu Knochenbrüchen gibt es nach unserer Recherche nicht.
Die Annahme, Bor schütze vor Prostata- oder Gebärmutterhalskrebs, beruht laut Verbraucherzentrale auf Studien, die dafür nicht aussagekräftig genug sind. Eine Werbeaussage zur Prostata wies die EFSA 2011 zurück, weil sie eine Krankheit betrifft.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Belegt ist keine. Die EFSA stuft Bor als nicht essenziell ein, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Angaben zu Knochen, Gelenken und Schilddrüse wurden geprüft und abgelehnt.
Eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 0,5 mg am Tag, die Obergrenze der EFSA aus allen Quellen liegt für Erwachsene bei 10 mg.
Vor allem Trockenpflaumen, Rosinen, Mandeln, Haselnüsse und Erdnüsse mit rund 1,4 bis 2,7 mg je 100 g. Fleisch, Milch und Eier enthalten kaum Bor.
In einer Studie mit 19 Bodybuildern gab es nach 7 Wochen keinen Unterschied zum Scheinmittel. Sehr kleine Studien ohne Vergleichsgruppe sahen veränderte Laborwerte, ein Nutzen ist nicht belegt.
Nein. In Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt die EU nur Borsäure, Natriumborat und Calciumfructoborat. Bor-Glycinat gilt als neuartig und ist nicht zugelassen.
Aus dem Essen sind keine Schäden bekannt. Hohe Mengen schadeten im Tierversuch der Fruchtbarkeit und dem ungeborenen Nachwuchs. Präparate sind laut BfR für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.
Das ist nicht nachgewiesen. Eine bestimmte Aufgabe beim Menschen kennt man nicht, deshalb gibt es auch keine empfohlene Zufuhr.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.