Eine belegte Wirkung hat Carnosinsäure nicht: Die Daten stammen fast nur aus Labor und Tierversuchen, Studien am Menschen gibt es nur mit Rosmarin-Pulver oder Rosmarin-Extrakt, und die sind klein und kurz. Bekannt ist der Stoff vor allem aus dem Zusatzstoff E 392 (Extrakt aus Rosmarin): Er bewahrt Fette vor dem Ranzigwerden und darf in Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 400 mg je kg ausmachen, gerechnet zusammen mit Carnosol. Ob Kapseln mit viel Carnosinsäure als Nahrungsergänzung zulässig sind, hat keine Behörde eigens geprüft. Stand: Oktober 2026.
Carnosinsäure ist ein Pflanzenstoff aus der Gruppe der phenolischen Diterpene. Sie kommt vor allem in Rosmarin (Rosmarinus officinalis, auch Salvia rosmarinus) und in Salbei vor. In der Pflanze fängt sie aggressive Sauerstoffverbindungen ab und wird dabei unter anderem zu Carnosol umgebaut.
Nicht verwechseln: L-Carnosin heißt ähnlich, ist aber ein Baustein aus zwei Aminosäuren, der vor allem in Fleisch vorkommt. Mit Rosmarin hat es nichts zu tun.
Im Handel gibt es Kapseln mit Rosmarin-Extrakt, oft mit Angabe des Carnosinsäure-Gehalts. Beworben werden sie mit Gehirn, Nerven und gesundem Altern. Was Studien dazu zeigen, liest du unter Was sagt die Forschung?
| Quelle | Was bekannt ist |
|---|---|
| Rosmarin, frisch und getrocknet | Wichtigste natürliche Quelle. Wie viel drin ist, schwankt mit Sorte, Standort und Jahreszeit. |
| Salbei | Enthält ebenfalls Carnosinsäure. |
| Andere Kräuter und Tee | Spuren nachgewiesen, Mengen meist nicht gemessen. |
| Lebensmittel mit E 392 | Erlaubt zum Beispiel in Ölen und Fetten, Fleisch- und Fischerzeugnissen, Saucen, Suppen, Backwaren und Nahrungsergänzungsmitteln, je nach Lebensmittel mit 15 bis 400 mg je kg (Carnosol plus Carnosinsäure). |
Quellen: EFSA 2018 (Gehalte in Kräutern, Liste der erlaubten Lebensmittel), EMA-Bewertungsbericht zu Rosmarin (2024, Schwankungen), Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 in der Fassung vom 18.08.2026. Eine amtliche Datenbank mit Carnosinsäure-Werten gibt es im Bundeslebensmittelschlüssel nicht.
In der Zutatenliste steht der Zusatzstoff zum Beispiel als „Antioxidationsmittel: Extrakt aus Rosmarin“ oder „E 392“. Für den Zusatzstoff werden die Duftstoffe des Rosmarins weitgehend entfernt.
In der Küche passt Rosmarin zu Bohnen, Kartoffeln, Lamm, Fisch und Ofengemüse. Mehr zum Kraut im Lexikon unter Rosmarin. Rezepte mit Rosmarin: Toskanischer Weiße-Bohnen-Eintopf, Weiße-Bohnen-Rosmarin-Aufstrich, Lachs vom Blech mit Rote Bete, Rosenkohl und Rosmarin oder ein Olivenbrot mit Rosmarin.
Für Carnosinsäure als Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Amtliche Werte gibt es nur für den Zusatzstoff E 392. Die EFSA hat 2008 keine duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) festgelegt, weil Langzeitstudien und Studien zu Fortpflanzung und Entwicklung fehlten. In 90-Tage-Versuchen mit Ratten traten mit 20 bis 60 mg Carnosol plus Carnosinsäure je kg Körpergewicht keine schädlichen Effekte auf – das waren je nach Extrakt die höchsten getesteten Mengen.
Der Sachverständigenausschuss von WHO und FAO (JECFA) hat 2016 einen vorläufigen ADI von 0,3 mg pro kg Körpergewicht festgelegt, gerechnet als Carnosinsäure plus Carnosol. Vorläufig, weil Daten zu Fortpflanzung und Entwicklung fehlten.
| Körpergewicht | Carnosinsäure plus Carnosol pro Tag, höchstens |
|---|---|
| 60 kg | 18 mg |
| 70 kg | 21 mg |
| 80 kg | 24 mg |
Ein ADI ist die Menge, die man nach heutigem Wissen lebenslang täglich ohne nennenswertes Risiko aufnehmen kann – hier für Rosmarin-Extrakt als Zusatzstoff, aus allen Quellen zusammen. Der Wert ist vorläufig und kein Rat zur Einnahme.
In einer Studie bekamen Erwachsene 4 Wochen lang einen Rosmarin-Extrakt mit 8 mg Carnosinsäure plus Carnosol am Tag, in einer Sicherheitsstudie 40 mg. Das sind Studienbedingungen, kein Rat. Die 40 mg liegen über dem vorläufigen ADI für 70 kg.
Die EU-Monographie der EMA kennt nur Rosmarinblätter als Tee und als Badezusatz. Für Extrakte oder Carnosinsäure in Kapseln legt sie nichts fest.
Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente allgemein | Laut EMA gibt es keine Daten zu Wechselwirkungen von Rosmarin-Zubereitungen. Für Kapseln mit viel Carnosinsäure ist das Zusammenspiel mit Medikamenten nicht untersucht. |
| Medikamente, die über Leberenzyme abgebaut werden – das sind viele | In Tierversuchen regten hohe Mengen Rosmarin-Extrakt Leberenzyme an, die auch Medikamente abbauen. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nicht untersucht. Frag in der Apotheke, ob dein Medikament dazugehört. |
| Rosmarin als Gewürz | Für Rosmarinblätter als Tee nennt die EMA keine berichteten Wechselwirkungen. Küchenmengen sind normales Essen. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Rosmarin-Arzneimitteln ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. In der Volksmedizin galt Rosmarin als Mittel, das die Regelblutung auslöst, und wurde in der Schwangerschaft gemieden.
Für Kinder unter 12 Jahren empfiehlt die EMA Rosmarinblätter nicht, weil Daten fehlen. Kapseln mit Carnosinsäure in Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Rosmarin als Gewürz in Speisen betrifft das nicht.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Rosmarin als Gewürz und Tee | Herkömmliches Lebensmittel. Die Stoffliste von Bund und Ländern führt das Blatt als Gewürz, Tee und Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch als Arzneistoff, und empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken (Liste B). Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz. |
| Zusatzstoff E 392 | Extrakt aus Rosmarinblättern, zugelassen als Antioxidationsmittel mit Höchstmengen je Lebensmittel, in Nahrungsergänzungsmitteln 400 mg je kg, gerechnet als Carnosol plus Carnosinsäure. Die Reinheit ist EU-weit festgelegt. |
| Carnosinsäure als Hauptzutat in Kapseln | Nicht eigens geregelt. Die Zulassung als E 392 gilt für den Einsatz als Zusatzstoff, nicht für Kapseln mit Carnosinsäure als Wirkstoff. Im Novel-Food-Katalog der EU gibt es keinen Eintrag zu Rosmarin oder Carnosinsäure. Ob stark angereicherte Extrakte oder reine Carnosinsäure neuartige Lebensmittel sind, hat keine Behörde öffentlich bewertet. |
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2024) | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel: Rosmarinblätter als Tee bei Verdauungsbeschwerden und leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich, als Badezusatz bei leichten Muskel- und Gelenkschmerzen und leichten Durchblutungsstörungen. Allein auf Basis langer Anwendung, nur für die Blätter, nicht für Extrakte. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Lebensmittel ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel dürfen Rosmarin-Extrakte nicht mit Krankheiten beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Ein anderer Pflanzenstoff, der ähnlich beworben wird: Oleuropein aus Olivenblättern.
Fast alle Daten stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen, etwa zu Nervenzellen. Laut einer Übersicht (2023) steht die Forschung zu Erkrankungen des Nervensystems erst am Anfang. Ob im Körper genug Carnosinsäure ankommt, um so etwas zu bewirken, ist offen.
Im US-Studienregister ClinicalTrials.gov fand sich im Oktober 2026 keine Studie, in der Menschen Carnosinsäure als Präparat geschluckt haben – nur Studien zu Zahnpasta, Gel und Zahnbehandlungen. Auch Daten dazu, wie der Körper Carnosinsäure aufnimmt, gibt es laut EMA für Rosmarin-Zubereitungen nicht.
In einer Studie (2012) bekamen 28 ältere Menschen einmalig verschiedene Mengen getrocknetes Rosmarinpulver oder Placebo. Mit der kleinsten Menge waren sie in einem Gedächtnistest etwas schneller, mit der größten langsamer. Langzeitdaten gibt es nicht.
In einer Studie (2018) nahmen 68 Studierende einen Monat lang Rosmarin oder Placebo. In Fragebögen zu Gedächtnis, Angst und Schlaf schnitt die Rosmarin-Gruppe besser ab. Die Studie war klein, und wie viel Carnosinsäure drin war, ist nicht bekannt.
In einer Studie (2025) nahmen 40 gestresste Erwachsene je 4 Wochen einen Extrakt mit Carnosinsäure und Carnosol oder Placebo. Ein Fragebogen-Wert zu Angst war mit Extrakt etwas niedriger, Messwerte im Speichel unterschieden sich nicht. Alle Autorinnen und Autoren arbeiten beim Hersteller des Extrakts.
Für die Anwendungen ihrer Monographie fand die EMA 2024 keine klinischen Studien. Studien zu Gedächtnis oder Stimmung berücksichtigte sie nicht, weil es dafür keine lange Arzneimittel-Tradition in der EU gibt.
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die Daten stammen fast nur aus Labor und Tierversuchen. Studien am Menschen gibt es nur mit Rosmarin-Pulver oder -Extrakt, und die sind klein.
Nein. Carnosinsäure ist ein Pflanzenstoff aus Rosmarin und Salbei. L-Carnosin ist ein Baustein aus zwei Aminosäuren, der vor allem in Fleisch vorkommt.
E 392 ist ein Extrakt aus Rosmarinblättern, der als Antioxidationsmittel Fette in Lebensmitteln vor dem Ranzigwerden bewahrt. Die Höchstmengen werden als Carnosol plus Carnosinsäure berechnet, in Nahrungsergänzungsmitteln sind es 400 mg je kg.
Für Kapseln gibt es keinen amtlichen Wert. Für Rosmarin-Extrakt als Zusatzstoff nennen WHO und FAO vorläufig 0,3 mg Carnosinsäure plus Carnosol pro kg Körpergewicht am Tag, bei 70 kg also 21 mg. Das ist kein Rat zur Einnahme.
Das ist nicht eigens geregelt. Rosmarin ist ein Lebensmittel, und Rosmarin-Extrakt ist als Zusatzstoff E 392 zugelassen. Ob Kapseln mit viel Carnosinsäure zulässig sind, hat keine Behörde eigens geprüft.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Rosmarin-Arzneimitteln ab, weil Daten fehlen. Rosmarin als Gewürz im Essen betrifft das nicht.
In Küchenmengen ist Rosmarin ein normales Lebensmittel. Beschrieben sind seltene Kontaktallergien, etwa bei der Arbeit mit Rosmarin-Extrakt oder nach Rosmarin-Pflastern auf der Haut.
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