Eine belegte Wirkung hat Ergothionein nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die Studien am Menschen sind klein, etwa eine Pilotstudie mit 19 älteren Menschen. Als zugelassenes neuartiges Lebensmittel dürfen Nahrungsergänzungsmittel höchstens 30 mg am Tag liefern, für Kinder über 3 Jahren 20 mg; für Schwangere und Stillende sind sie nicht vorgesehen. Am meisten Ergothionein steckt in Speisepilzen wie Austernpilzen, Shiitake und Steinpilzen. Stand: Oktober 2026.
Ergothionein ist ein schwefelhaltiger Stoff, der mit der Aminosäure Histidin verwandt ist. Bilden können ihn nur bestimmte Pilze und einige andere Mikroorganismen. Wir nehmen ihn mit dem Essen auf, vor allem mit Speisepilzen.
Der Körper hat dafür einen eigenen Transporter, OCTN1 genannt. Dass er Ergothionein befördert, wurde 2005 entdeckt. Er sitzt unter anderem im Dünndarm und in den Nieren. In einer Studie mit Gesunden (2017) stieg der Gehalt im Blut nach reinem Ergothionein deutlich, mit dem Urin wurden weniger als 4 % ausgeschieden.
Beworben wird Ergothionein vor allem rund um gesundes Altern, oft als „Antioxidans“. Ein Forscher schlug 2018 vor, es „Langlebigkeits-Vitamin“ zu nennen. Ein Vitamin im amtlichen Sinn ist es nicht: Einen Referenzwert von DGE oder EFSA gibt es nicht, und ob der Mensch es zwingend braucht, ist offen (Übersicht 2023).
Auch Glutathion wird so beworben. Es ist ein anderer Stoff, steckt aber ebenfalls in Pilzen, oft zusammen mit Ergothionein (Analyse 2017). Mehr zu einem Pilz mit viel Ergothionein unter Shiitake.
Ergothionein steckt vor allem in Speisepilzen. Wie viel, schwankt stark – je nach Pilzart, Anbau, Messmethode und Teil des Pilzes. Im Hut ist mehr als im Stiel (Analyse 2017).
| Lebensmittel | Ergothionein je Gramm Trockenmasse |
|---|---|
| Austernpilz | 0,6 bis 2,6 mg |
| Shiitake | 0,35 bis 2,1 mg |
| Steinpilz | 1,8 mg (eine Messung) |
| Kräuterseitling | 0,5 bis 1,7 mg |
| Maitake | 0,02 bis 1,1 mg |
| Weißer Champignon | 0,15 bis 0,5 mg |
| Tempeh | 0,2 mg |
| Hühnerleber | 0,05 mg |
| Kidneybohnen, Hafer | je etwa 0,002 mg |
Pilze: Spannweiten der Messungen mit Massenspektrometrie oder HPLC aus der Zusammenstellung von Tian et al. (2023), ohne Werte aus einfacheren Farbtests. Tempeh, Leber, Bohnen, Hafer: Literaturwerte nach Beelman et al. (2020). Eine Messung aus Deutschland (2007) fand in frischen Steinpilzen 53 mg je 100 g.
Frische Pilze bestehen laut Bundeslebensmittelschlüssel zu rund 89 bis 91 % aus Wasser. 100 g frische Austernpilze liefern deshalb rechnerisch etwa 6 bis 27 mg Ergothionein – eine ähnliche Größenordnung wie die 30 mg, die ein Präparat höchstens liefern darf.
Geschätzt nehmen Menschen in den USA im Mittel etwa 1,1 mg am Tag auf, in Italien bis zu 4,6 mg (Schätzungen, zitiert 2020). Wer regelmäßig Pilze isst, liegt darüber.
Rezepte mit Austern- und Steinpilzen: schwarzer Reis mit Austernpilzen, Rinderstreifen mit Austernpilzen, ein Pilz-Fondue mit Steinpilzen oder ein Kräuterseitling-Gulasch. Mehr zu den Pilzen im Lexikon unter Austernpilze, Shiitake und Champignons.
| Punkt | Regelung |
|---|---|
| Zugelassen | „L-Ergothionein“ in der EU-Liste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel. Die Zulassung beruht auf synthetisch hergestelltem Ergothionein. |
| Erwachsene | höchstens 30 mg am Tag, ausgenommen Schwangere und Stillende |
| Kinder über 3 Jahren | höchstens 20 mg am Tag |
| Andere Lebensmittel | In kleinen Mengen auch in Getränken, Milchprodukten und Getreideriegeln erlaubt. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Grundlage sind Gutachten der EFSA von 2016 und 2017. In einer 90-Tage-Studie mit Ratten zeigten sich bis 800 mg je kg Körpergewicht keine schädlichen Effekte. Die geschätzte Aufnahme aus allen Quellen liegt laut EFSA bei Erwachsenen 470-fach, bei Kindern über 3 Jahren 216-fach unter diesem Wert.
Die Höchstmenge ist keine Empfehlung, eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht. In einer Pilotstudie (2024) nahmen ältere Menschen ein Jahr lang dreimal pro Woche 25 mg. Das sind Studienbedingungen, kein Rat. Ob ein Präparat für dich sinnvoll ist, klärst du am besten in der Praxis oder Apotheke.
Nebenwirkungen sind aus den bisherigen Studien nicht bekannt. In der Pilotstudie mit 19 älteren Menschen blieben Blutbild, Leber- und Nierenwerte über ein Jahr unauffällig (2024).
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente allgemein | Bekannte Wechselwirkungen gibt es nach unserer Recherche nicht. Untersucht ist das aber kaum. |
| Mehrere Präparate gleichzeitig | Prüfe, ob mehrere Produkte Ergothionein enthalten. Die 30 mg am Tag sind die Höchstmenge für Erwachsene. |
| Schwere Erkrankungen und Krebsbehandlung | Sprich jedes Präparat mit deiner Praxis oder deinem Behandlungsteam ab. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Nahrungsergänzungsmittel mit Ergothionein sind laut EU-Zulassung nicht für Schwangere und Stillende vorgesehen. Der Antrag hatte diese Gruppen ausgenommen.
Für angereicherte Lebensmittel wie Getränke oder Milchprodukte hat die EFSA 2017 auch Schwangere, Stillende und Kleinkinder einbezogen und keine Bedenken gesehen. Für Kinder über 3 Jahren gilt in Präparaten eine kleinere Höchstmenge von 20 mg am Tag.
Pilze im Essen sind in dieser Zeit kein Problem. Vor Präparaten sprich mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Bereich | Stand |
|---|---|
| L-Ergothionein als Zutat | Zugelassenes neuartiges Lebensmittel: 2017 für Nahrungsergänzung, 2018 für weitere Lebensmittel erweitert. |
| Herstellung | Die Zulassung beruht auf synthetisch hergestelltem L-Ergothionein mit mindestens 99 % Reinheit. Andere Verfahren stehen nicht in der EU-Liste. |
| Speisepilze und Pilzpulver | Herkömmliche Lebensmittel, zum Beispiel Shiitake und Maitake. Dort zählt der Status des jeweiligen Pilzes. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen, nach unserer Recherche auch keine beantragt. |
Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Ergothionein – und was zeigen Studien an Menschen?
Der Begriff stammt aus einem Vorschlag von 2018, nicht aus Studien mit Präparaten. Oft zitiert wird eine Beobachtungsstudie aus Malmö (2020): Bei 3.236 Erwachsenen, die im Mittel 21 Jahre lang begleitet wurden, war ein höherer Ergothionein-Gehalt im Blut mit weniger Herzerkrankungen und Todesfällen verbunden. Ergothionein war dort aber vor allem ein Marker für eine gesundheitsbewusste Ernährung. Ursache und Wirkung zeigt so eine Studie nicht.
In einer Pilotstudie aus Singapur (2024) nahmen 19 Menschen ab 60 Jahren mit leichter kognitiver Störung ein Jahr lang dreimal pro Woche 25 mg oder ein Scheinmittel. Mit Ergothionein waren die Ergebnisse in einem Lerntest besser, und ein Blutwert für Nervenschäden blieb stabil. Für eine Aussage ist die Studie viel zu klein.
In der ersten Studie mit reinem Ergothionein bei Gesunden (2017) sanken einige Marker für oxidative Schäden und Entzündung leicht, die meisten Unterschiede waren aber nicht deutlich.
Fazit: Ergothionein steckt vor allem in Pilzen, Belege für einen Nutzen von Präparaten fehlen. Wer regelmäßig Pilze isst, nimmt ihn ohnehin auf.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht. Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die Studien am Menschen sind klein, etwa eine Pilotstudie mit 19 Teilnehmenden.
Vor allem in Speisepilzen wie Austernpilzen, Shiitake und Steinpilzen. Andere Lebensmittel enthalten deutlich weniger.
Präparate dürfen in der EU höchstens 30 mg am Tag für Erwachsene liefern, für Kinder über 3 Jahren 20 mg. Eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht.
Präparate sind laut EU-Zulassung nicht für Schwangere und Stillende vorgesehen. Pilze im Essen sind kein Problem.
Nein. Der Begriff „Langlebigkeits-Vitamin“ ist ein Vorschlag aus der Forschung, einen Referenzwert von DGE oder EFSA gibt es nicht.
Aus den bisherigen kleinen Studien sind keine bekannt. Große und lange Studien am Menschen fehlen.
Einen festgelegten Bedarf gibt es nicht. 100 g frische Austernpilze liefern rechnerisch etwa 6 bis 27 mg.
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