Molybdän trägt zu einer normalen Verstoffwechslung schwefelhaltiger Aminosäuren bei. Das ist die einzige EU-zugelassene Angabe, den Bedarf Erwachsener schätzt die DGE auf 50 bis 100 µg am Tag. Hülsenfrüchte und Getreide liefern das meist von allein, für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 80 µg am Tag. Stand: Oktober 2026.
Molybdän ist ein Spurenelement. Der Körper baut es in den sogenannten Molybdän-Cofaktor ein. Den brauchen vier Enzyme, darunter die Sulfitoxidase und die Xanthinoxidase (NIH).
Diese Enzyme bauen schwefelhaltige Aminosäuren und Sulfit ab, außerdem Purine, aus denen am Ende Harnsäure entsteht. Einige sind auch am Abbau von Arzneistoffen beteiligt (NIH).
Aus dem Essen nimmt der Körper 40 bis 100 % des Molybdäns auf. Die Nieren regeln, wie viel im Körper bleibt, und scheiden den Rest mit dem Urin aus (NIH).
Welche Aussagen über Molybdän erlaubt sind, legt die EU fest. Zugelassen ist eine – im Wortlaut:
Ein Lebensmittel darf diesen Satz nur tragen, wenn es mindestens 15 % des Referenzwerts enthält – bei Molybdän 7,5 von 50 µg pro 100 g (Verordnungen (EU) Nr. 432/2012 und Nr. 1169/2011).
Molybdän steckt vor allem in Hülsenfrüchten wie Erbsen, Linsen und Bohnen und in Getreide (DGE). Auch Nüsse und Leber enthalten viel (NIH). Obst und viele Gemüse liefern in den US-Messungen wenig.
Wie viel Molybdän ein Lebensmittel enthält, hängt stark vom Boden und vom Wasser ab, mit dem es gewachsen ist. Die große US-Datenbank FoodData Central führt keine Molybdänwerte (NIH). Die Tabelle zeigt Messungen aus den USA.
| Lebensmittel | Portion | Molybdän je Portion |
|---|---|---|
| Augenbohnen, gekocht | ½ Tasse, etwa 85 g | 288 µg |
| Rinderleber, gebraten | 85 g | 104 µg |
| Limabohnen, gekocht | ½ Tasse, etwa 95 g | 104 µg |
| Naturjoghurt | 1 Becher, etwa 245 g | 26 µg |
| Milch (2 % Fett) | 1 Glas, etwa 240 ml | 22 µg |
| Ofenkartoffel mit Schale | 1 mittelgroße | 16 µg |
| Banane | 1 mittelgroße | 15 µg |
| Reis, gekocht | ½ Tasse, etwa 80 g | 13 µg |
| Vollkornbrot | 1 Scheibe | 12 µg |
| Erdnüsse, geröstet | 28 g | 11 µg |
| Hühnerei | 1 Stück | 9 µg |
| Hähnchenbrust, gebraten | 85 g | 9 µg |
| Spinat, gekocht | ½ Tasse, etwa 90 g | 8 µg |
Werte: U.S. Food and Drug Administration (Total Diet Study), zusammengestellt vom NIH Office of Dietary Supplements, Stand 2021. Grammangaben von uns gerundet umgerechnet. Werte aus Deutschland können wegen anderer Böden deutlich anders liegen.
In Deutschland nahmen Frauen in einer kleinen Untersuchung (1996) im Mittel 89 µg Molybdän am Tag aus der Nahrung auf, Männer 100 µg (BfR). Schon eine Portion Hülsenfrüchte kann mehr liefern, als du am Tag brauchst.
Ideen mit Linsen und Bohnen: Veganer Linsen-Eintopf, Rotes Linsen-Dal oder Toskanischer Weiße-Bohnen-Eintopf. Mehr im Lexikon unter Linsen und Haferflocken.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr: 50 bis 100 µg am Tag ab 10 Jahren. Die Werte wurden im Jahr 2000 abgeleitet.
| Alter | Molybdän |
|---|---|
| 0 bis unter 4 Monate | 7 µg |
| 4 bis unter 12 Monate | 20–40 µg |
| 1 bis unter 4 Jahre | 25–50 µg |
| 4 bis unter 7 Jahre | 30–75 µg |
| 7 bis unter 10 Jahre | 40–80 µg |
| 10 bis unter 15 Jahre | 50–100 µg |
| Jugendliche und Erwachsene | 50–100 µg |
Eigene Werte für Schwangerschaft und Stillzeit nennt die DGE nicht.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt als Referenzwert 65 µg am Tag ab 15 Jahren, auch in Schwangerschaft und Stillzeit. Für Kinder sind es 20 µg (4 bis 6 Jahre) bis 45 µg (11 bis 14 Jahre).
Ein Mangel durch normales Essen ist nicht bekannt (NIH). Beschrieben wurde er nur einmal, 1981 bei einem Menschen, der lange über die Vene ernährt wurde – mit einer Lösung ganz ohne Molybdän.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 80 µg Molybdän pro Tagesdosis. Das gilt für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene.
So rechnet das BfR: Die Obergrenze für 15- bis 17-Jährige liegt bei 500 µg am Tag. Wer in Europa viel Molybdän aus der Nahrung aufnimmt, kommt auf etwa 186 µg. Den Rest teilt das BfR zwischen Präparaten und angereicherten Lebensmitteln auf und halbiert den Anteil für Präparate noch einmal, weil manche mehrere davon nehmen.
| Was | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Vorschlag für Nahrungsergänzungsmittel | höchstens 80 µg Molybdän pro Tag, ab 15 Jahren | BfR 2021 |
| Erlaubte Verbindungen | Ammonium-, Kalium- und Natriummolybdat | Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II |
| Obergrenze aus allen Quellen | Obergrenze: 600 µg pro Tag für Erwachsene, 500 µg für 15- bis 17-Jährige | SCF 2000, BfR |
| Referenzwert für die Kennzeichnung | 50 µg pro Tag | Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 |
Der BfR-Wert ist ein Vorschlag, keine gesetzliche Höchstmenge. EU-weite Höchstmengen für Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bisher nicht.
Gruppen mit zu wenig Molybdän sind nicht bekannt (NIH). Ob du überhaupt ein Präparat brauchst, klärst du am besten in der Praxis oder Apotheke.
Aus dem Essen ist zu viel Molybdän bei Gesunden kaum möglich, weil die Nieren den Überschuss schnell ausscheiden (NIH). Vergiftungen kommen vor allem bei der Arbeit vor, etwa im Bergbau oder in der Metallverarbeitung.
Studien am Menschen zu hohen Mengen gibt es kaum. Die Obergrenzen stützen sich deshalb vor allem auf Tierversuche, in denen hohe Mengen die Fortpflanzung und die Entwicklung der Jungen störten (NIH).
In einer Gegend Armeniens mit sehr molybdänreichem Boden nahmen Menschen 10 bis 15 mg am Tag aus der Nahrung auf. Viele hatten Gelenkschmerzen, gichtähnliche Beschwerden und hohe Harnsäurewerte im Blut (NIH).
| Medikament oder Stoff | Gut zu wissen |
|---|---|
| Kupfer | Bei Rindern und Schafen führt viel Molybdän im Futter zu Kupfermangel. Ein Abkömmling, Tetrathiomolybdat, wurde deshalb als Arzneimittel untersucht, das Kupfer bindet (Übersicht 2024). Ob übliche Mengen beim Menschen den Kupferhaushalt stören, ist nicht belegt. |
| Alle Medikamente | Klinisch bedeutsame Wechselwirkungen sind laut NIH nicht bekannt. Fehlende Daten heißen nicht, dass es keine gibt. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente oder ein Kupfer- oder Zinkpräparat, frag vor einem Molybdän-Präparat in der Apotheke oder Praxis. Mehr zu Kupfer liest du unter Kupfer.
Für Schwangere und Stillende nennt die EFSA wie für andere Erwachsene einen Referenzwert von 65 µg am Tag. Die Obergrenze von 600 µg aus allen Quellen gilt auch für sie (BfR).
Für Kinder liegen die Obergrenzen niedriger, von 200 µg (4 bis 6 Jahre) bis 400 µg (11 bis 14 Jahre). Die BfR-Höchstmenge für Präparate gilt erst ab 15 Jahren.
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit oder für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Molybdän – und was zeigen Studien?
Weil Molybdän im Enzym für den Sulfit-Abbau steckt, wird es mit Sulfit-Unverträglichkeit in Verbindung gebracht, etwa nach Wein oder Trockenobst. Studien, die Molybdän-Präparate dafür bei Menschen ohne angeborenen Enzymdefekt geprüft haben, gibt es nach unserer Recherche nicht.
Molybdän steckt auch im Enzym, das Harnsäure bildet. In einer Gegend Armeniens mit sehr viel Molybdän im Boden hatten viele Menschen hohe Harnsäurewerte und gichtähnliche Beschwerden (NIH). Studien mit Präparaten in üblicher Menge dazu gibt es nach unserer Recherche nicht.
Bei Wiederkäuern entsteht aus Molybdän im Pansen Tetrathiomolybdat, das Kupfer bindet – die Tiere bekommen Kupfermangel (Übersicht 2024). Beim Menschen wurde Tetrathiomolybdat als Arzneimittel untersucht, etwa bei der Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson. Mit Molybdän aus Präparaten ist das nicht gleichzusetzen.
Der einzige beschriebene erworbene Mangel betraf 1981 einen Menschen, der lange nur über die Vene ernährt wurde. Er bekam Herzrasen, Kopfschmerzen, Nachtblindheit und fiel ins Koma. Mit Molybdän in der Lösung verschwanden die Beschwerden (NIH).
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Molybdän trägt zu einer normalen Verstoffwechslung schwefelhaltiger Aminosäuren bei. Das ist die einzige EU-zugelassene Angabe. Der Körper braucht das Spurenelement für vier Enzyme.
Ab 10 Jahren laut DGE 50 bis 100 µg, die EFSA nennt als Referenzwert 65 µg. Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 80 µg am Tag.
Vor allem Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen, außerdem Getreide, Nüsse und Leber. Der Gehalt schwankt stark mit dem Boden.
Durch normales Essen ist keiner bekannt. Beschrieben wurde er bei einem sehr seltenen Gendefekt und einmal bei langer künstlicher Ernährung über die Vene.
Die Obergrenze aus allen Quellen liegt für Erwachsene bei 600 µg am Tag. Sehr hohe Mengen aus der Nahrung gingen in einer Gegend Armeniens mit gichtähnlichen Beschwerden einher.
In der EU nur Präparate mit Ammonium-, Kalium- oder Natriummolybdat. Molybdän-Glycinat und Aminosäurechelate sind nicht zugelassen.
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