Eine geprüfte Wirkung hat Nicotinamid-Ribosid (NR) nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und in Studien stieg zwar der NAD+-Wert im Blut, ein Nutzen für Gesunde zeigte sich aber nicht. Als neuartiges Lebensmittel ist NR-Chlorid seit 2020 erlaubt, in Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 300 mg am Tag für Erwachsene und 230 mg für Schwangere und Stillende. In einer großen Studie mit 410 Menschen mit Parkinson schnitt NR nach einem Jahr schlechter ab als Placebo. Stand: Oktober 2026.
Nicotinamid-Ribosid, kurz NR, ist eine Form von Vitamin B3. Es besteht aus Nicotinamid und dem Zucker Ribose.
Im Körper wird NR zu NAD+ umgebaut. NAD+ brauchen viele Enzyme, etwa im Energiestoffwechsel. Laut EFSA wird NR nach dem Schlucken wahrscheinlich großteils zu Nicotinamid gespalten, bevor es ins Blut gelangt.
Beworben wird NR vor allem für mehr Energie und ein langes Leben. Ähnlich vermarktet werden NMN, das in der EU noch nicht als Lebensmittel zugelassen ist, und NADH.
NR-Chlorid darf in der EU als Quelle für Niacin in Nahrungsergänzungsmitteln stecken. Für Niacin gibt es zugelassene Angaben. Sie beschreiben, was das Vitamin Niacin tut, und sind keine eigene Wirkung von NR. Mehr dazu unter Niacin.
Nur in Spuren. Laut EFSA ist über NR in Lebensmitteln wenig bekannt. Gemessen wurde es vor allem in Kuhmilch, vermutet wird es auch in Lebensmitteln mit Hefe.
Rund 0,7 Liter Kuhmilch liefern laut einer Schätzung im EFSA-Gutachten etwa 0,5 mg NR. Ein Präparat mit 300 mg NR-Chlorid enthält mehrere hundert Mal so viel.
Niacin selbst steckt in vielen Lebensmitteln. Der Körper bildet es außerdem aus der Aminosäure Tryptophan. Mehr dazu unter Niacin.
| Punkt | Regelung |
|---|---|
| Status | Zugelassenes neuartiges Lebensmittel seit 20. Februar 2020, Durchführungsverordnung (EU) 2020/16. |
| Form | Nur Nicotinamid-Ribosidchlorid: synthetisch hergestellt, weißes bis hellbraunes Pulver, mindestens 90 % rein. |
| Nahrungsergänzungsmittel | Höchstens 300 mg am Tag für Erwachsene, ausgenommen Schwangere und Stillende. Für Schwangere und Stillende höchstens 230 mg am Tag. |
| Andere Lebensmittel | Seit 2022 auch in einigen Speziallebensmitteln wie Mahlzeitersatz. Dort nur für Erwachsene ab 18 Jahren, ausgenommen Schwangere und Stillende. |
| Kinder | Nicht zugelassen. Die Zulassung gilt nur für Erwachsene. |
| Bezeichnung | Auf dem Etikett steht „Nicotinamid-Ribosidchlorid“. |
| Niacin-Quelle | Seit 2021 in der EU-Liste der Niacin-Formen, die in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt sind (Verordnung (EU) 2021/418). |
| Wer darf es verkaufen | Bis 20. Februar 2025 nur das Unternehmen, das die Zulassung beantragt hat. Seitdem auch andere – aber nur NR-Chlorid, das der zugelassenen Beschreibung entspricht. |
| Gesundheitsangaben | Keine für NR zugelassen. |
Die Höchstmengen beruhen auf dem EFSA-Gutachten von 2019. 300 mg NR-Chlorid liefern laut EFSA rund 126 mg Nicotinamid. Das ist rund ein Siebtel der Obergrenze von 900 mg Nicotinamid am Tag, die für Erwachsene gilt.
Für Schwangere und Stillende war der Sicherheitsabstand zu den Tierversuchen bei 300 mg zu klein. Die EFSA hielt für sie deshalb nur 230 mg am Tag für sicher.
Eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht – die Höchstmenge ist keine Empfehlung. In vielen Studien bekamen die Teilnehmenden 1.000 bis 2.000 mg am Tag, also mehr, als die EU in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Ob ein Präparat für dich sinnvoll ist, klärst du am besten in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Andere Präparate mit Vitamin B3 (Nicotinamid, Niacin) | Die Mengen addieren sich. 300 mg NR-Chlorid entsprechen laut EFSA rund 126 mg Nicotinamid. |
| Krebsmedikamente | Studien zu Wechselwirkungen sind uns nicht bekannt. Wegen der offenen Fragen zu Nicotinamid und Tumoren nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam. |
| Dialyse und Nierenerkrankungen | Bei Menschen an der Dialyse führte viel Nicotinamid öfter zu einem Mangel an Blutplättchen. Sprich ein Präparat vorher mit deiner Praxis ab. |
| Medikamente allgemein | Studien zu Wechselwirkungen mit NR liegen uns nicht vor. Frag bei Dauermedikamenten in der Apotheke. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Für Schwangere und Stillende erlaubt die EU in Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 230 mg NR-Chlorid am Tag. In Speziallebensmitteln wie Mahlzeitersatz ist NR für sie nicht zugelassen. Für Kinder gibt es keine Zulassung.
Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 16 mg Nicotinamid am Tag den Hinweis, dass Schwangere sie nicht nehmen sollen. NR wird im Körper zu Nicotinamid. Sprich vor einem Präparat mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Stoff | Status in der EU | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Nicotinamid-Ribosidchlorid (NR) | Zugelassenes neuartiges Lebensmittel und erlaubte Niacin-Form | Höchstens 300 mg am Tag in Nahrungsergänzungsmitteln, 230 mg für Schwangere und Stillende. |
| Nicotinamid und Nicotinsäure | Klassische Formen von Vitamin B3 | Das BfR empfiehlt je Nahrungsergänzungsmittel höchstens 160 mg Nicotinamid oder 4 mg Nicotinsäure am Tag. |
| NMN (Nicotinamidmononukleotid) | Noch nicht als Lebensmittel zugelassen | Die EFSA hat 2026 eine bestimmte Form unter festen Bedingungen als sicher bewertet. Entschieden hat die EU-Kommission noch nicht. |
NR und NMN sind beide Vorstufen von NAD+. Rechtlich trennt sie viel: NR darf in der EU verkauft werden, NMN als Lebensmittel bisher nicht.
Die meisten Studien sind klein und kurz. Viele wurden vom Hersteller bezahlt oder nutzten Kapseln, die er gestellt hat. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
| Studie | Wer | Dauer und Menge | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Martens 2018 | 24 gesunde Erwachsene mittleren und höheren Alters | 6 Wochen, 1.000 mg am Tag | NAD+ in Blutzellen rund 60 % höher als mit Placebo. Kapseln und ein Teil des Geldes vom Hersteller. |
| Conze 2019 | 140 Erwachsene mit Übergewicht, 40 bis 60 Jahre | 8 Wochen, 100, 300 oder 1.000 mg am Tag | NAD+ im Blut je nach Menge 22 bis 142 % höher. Beschwerden wie mit Placebo. Bezahlt vom Hersteller. |
| Dollerup 2018 | 40 Männer mit Adipositas, 40 bis 70 Jahre | 12 Wochen, 2.000 mg am Tag | Zuckerstoffwechsel, Energieverbrauch und Körperzusammensetzung wie mit Placebo. |
| McDermott 2024 | 90 Menschen mit Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK) | 6 Monate, 1.000 mg am Tag | Gehstrecke in 6 Minuten rund 18 m länger als mit Placebo. Die Autoren halten eine größere Studie für nötig. |
| Brakedal 2026 (NOPARK) | 410 Menschen mit Parkinson im frühen Stadium | 1 Jahr, 1.000 mg am Tag | Die Beschwerden nahmen mit NR stärker zu als mit Placebo. |
In Studien stieg der NAD+-Wert im Blut, in einer Studie mit 140 Erwachsenen (2019) je nach Menge um 22 bis 142 %. Ob ein höherer Wert Gesunden etwas bringt, ist nicht belegt.
Eine Auswertung von 27 Studien mit 1.599 Teilnehmenden (2026) verglich mehrere NAD+-Vorstufen. Bei keiner unterschied sich die empfundene Müdigkeit oder die Schlafqualität von Placebo.
Eine Auswertung von Studien mit über 60-Jährigen (2025) fand keine Belege dafür, dass NR oder NMN Muskelmasse und Kraft erhalten. Bei Menschen mit leichten Gedächtnisstörungen fielen einige Tests mit NR sogar schlechter aus.
Bei 40 Männern mit Adipositas (2018) änderten 2.000 mg am Tag über 12 Wochen weder den Zuckerstoffwechsel noch den Energieverbrauch oder die Körperzusammensetzung.
In der NOPARK-Studie (2026) bekamen 410 Menschen ein Jahr lang NR oder Placebo. Mit NR nahmen die Beschwerden stärker zu, auch die nicht motorischen. Laut den Autoren spricht das nicht für NR als Behandlung.
Studien, die beim Menschen ein längeres Leben untersuchen, gibt es nach unserer Recherche nicht. Die bisherigen Studien messen Laborwerte, Leistung oder Beschwerden über Wochen bis zu einem Jahr.
Fazit: NR ist in der erlaubten Menge als sicher bewertet. Ein Nutzen für Gesunde ist nicht belegt, und bei Parkinson schnitt es in einer großen Studie schlechter ab als Placebo.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine geprüfte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe für NR zugelassen. In Studien stieg der NAD+-Wert im Blut, ein Nutzen für Gesunde zeigte sich aber nicht.
In Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 300 mg NR-Chlorid am Tag für Erwachsene und 230 mg für Schwangere und Stillende. Eine empfohlene Tagesmenge gibt es nicht.
In Studien bis 12 Wochen gab es meist nur leichte Beschwerden wie Übelkeit, ähnlich oft wie mit Placebo. Langzeitdaten fehlen, und die EFSA sieht bei sehr viel Nicotinamid offene Fragen.
NR ist eine Form von Vitamin B3, die der Körper zu Nicotinamid und NAD+ umbaut. Die zugelassenen Angaben für Niacin beschreiben das Vitamin, keine eigene Wirkung von NR.
Beide sind Vorstufen von NAD+. NR ist in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen, NMN noch nicht (Stand Oktober 2026).
Erlaubt sind höchstens 230 mg am Tag. Das BfR empfiehlt bei Präparaten mit mehr als 16 mg Nicotinamid am Tag den Hinweis, dass Schwangere sie nicht nehmen sollen – sprich vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Nur in Spuren, vor allem in Milch. Rund 0,7 Liter Kuhmilch liefern laut einer Schätzung im EFSA-Gutachten etwa 0,5 mg NR.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.