Urolithin A wird als Mittel für „gesunde Mitochondrien“ vermarktet. Hier steht, wie es um die Zulassung steht und was die Studien zeigen – und was nicht.
Urolithin A in 30 Sekunden
Was ist das?
Ein Stoff, den manche Bakterien in unserem Körper aus Pflanzenstoffen in Granatapfel, Beeren und Nüssen bilden. In Präparaten wird er chemisch hergestellt.
Rechtslage?
In der EU ein beantragtes, aber nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. In den USA ist es seit 2018 für bestimmte Lebensmittel erlaubt.
Forschung?
Einige kleine Studien, alle vom Hersteller finanziert. Die Hauptziele wurden meist nicht erreicht, manche Nebenziele schon.
Risiken?
In Studien bis zu vier Monaten gut vertragen. Langzeitdaten fehlen. Mehr zu Risiken
Was ist Urolithin A?
Urolithin A entsteht im Körper, wenn bestimmte Bakterien Ellagitannine und Ellagsäure abbauen. Diese Pflanzenstoffe stecken zum Beispiel in Granatäpfeln, Himbeeren, Erdbeeren und Walnüssen.
Nicht jeder Mensch hat die passenden Bakterien. Wie viel Urolithin A aus dem Essen entsteht, ist deshalb sehr unterschiedlich.
Für Präparate wird Urolithin A chemisch hergestellt. Untersucht wird vor allem, ob es den Abbau alter Mitochondrien beeinflusst (Mitophagie). Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen.
Rechtslage in Deutschland und der EU
Ein Hersteller hat 2018 in der EU beantragt, Urolithin A als neuartiges Lebensmittel zuzulassen. Eine Zulassung gibt es bis heute nicht: In der EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel steht es nicht.
Solange die Zulassung fehlt, darf Urolithin A in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden.
In den USA hat die Lebensmittelbehörde FDA 2018 keine Einwände gegen den Einsatz in bestimmten Lebensmitteln wie Getränken oder Riegeln erhoben (GRAS-Meldung 791).
Was sagt die Forschung?
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Alle Studien wurden vom Hersteller finanziert oder mitverfasst.
Ältere Erwachsene
In einer Studie mit 66 Menschen zwischen 65 und 90 Jahren (2022) unterschieden sich die Hauptziele – Gehstrecke in sechs Minuten und Energiebildung im Muskel – nach vier Monaten nicht vom Scheinpräparat. Bei der Ausdauer einzelner Muskeln und einigen Blutwerten gab es Unterschiede.
Menschen mittleren Alters
In einer Studie mit 88 gesunden Erwachsenen (2022) wurde das Hauptziel, die Spitzenleistung, nicht erreicht. Die Muskelkraft fiel in den Urolithin-Gruppen etwas höher aus.
Zusammenfassung
Eine Auswertung von fünf Studien mit 236 Teilnehmenden (2026) fand bei der Gehstrecke keinen sicheren Unterschied. Die Autorinnen und Autoren bewerten die Belege als schwach.
Immunsystem
In einer Studie mit 50 gesunden Erwachsenen (2025) veränderten sich über vier Wochen einige Immunzell-Werte im Blut. Ob das einen Nutzen hat, wurde nicht untersucht.
Risiken und Nebenwirkungen
In den Studien bis zu vier Monaten traten unerwünschte Ereignisse ähnlich oft auf wie mit dem Scheinpräparat.
In Tierversuchen zeigten sich keine Hinweise auf Erbgutschäden.
Daten über längere Zeiträume und für Schwangere, Stillende oder Kinder fehlen.
Produkte aus dem Internet sind in der EU nicht zugelassen. Ihre Qualität hat keine Behörde geprüft.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Studien oder Fallberichte zu Wechselwirkungen mit Medikamenten sind uns nicht bekannt. Das heißt nicht, dass es keine gibt – es wurde schlicht kaum untersucht.
Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vor einem Urolithin-A-Produkt mit deiner Praxis oder Apotheke.
Häufige Fragen
Ist Urolithin A in der EU zugelassen?
Nein. Es ist als neuartiges Lebensmittel beantragt, aber nicht zugelassen. Als Nahrungsergänzung darf es in der EU nicht verkauft werden.
Bekomme ich Urolithin A aus Granatapfel?
Nur, wenn die passenden Bakterien in deinem Körper es aus den Pflanzenstoffen bilden können. Das klappt nicht bei allen Menschen gleich gut.
Was zeigen die Studien zu Muskeln?
Die Hauptziele wurden in den größeren Studien nicht erreicht. Einzelne Nebenziele wie Muskelkraft oder Ausdauer fielen etwas besser aus. Alle Studien hat der Hersteller finanziert.
Ist Urolithin A sicher?
In Studien bis zu vier Monaten wurde es gut vertragen. Daten über längere Zeit fehlen.