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AFA-Algen: Wirkung, Risiken und Microcystine

AFA-Algen haben keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Das größere Thema sind Algengifte: In den USA lagen in 63 von 87 untersuchten Proben die Microcystine über dem Orientierungswert von 1 µg pro Gramm. Kinder sollten AFA-Produkte laut Verbraucherzentrale nicht essen, Schwangere und Stillende darauf verzichten. Stand: Oktober 2026.

AFA-Algen in 30 Sekunden

Was ist das?
Ein Cyanobakterium aus Süßwasser, oft „Blaualge“ genannt. Verkauft als Pulver, Presslinge oder Kapseln.
Wofür?
Beworben für vieles, von Konzentration bis Abwehr. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Mehr dazu
Woher?
Wild geerntet, vor allem im Upper Klamath Lake in Oregon (USA). Dort wächst auch eine giftige Blaualge. Zu den Algengiften
Präparate?
Keine amtliche Tagesmenge. Nicht für Kinder, Schwangere und Stillende verzichten besser. Mehr dazu

Wofür werden AFA-Algen verwendet?

AFA steht für Aphanizomenon flos-aquae. Das ist ein Cyanobakterium, früher sagte man Blaualge. Wie Spirulina zählt AFA nicht zu den echten Algen, weil die Zellen keinen echten Zellkern haben.

Geerntet wird AFA wild, vor allem im Upper Klamath Lake im US-Bundesstaat Oregon. Getrocknet kommt es als Pulver, Presslinge oder Kapseln in den Handel.

Im Internet werden AFA-Algen mit sehr vielen Versprechen angepriesen, von Konzentration und Gedächtnis bis zu Allergien. Belege dafür gibt es laut Verbraucherzentrale nicht. Das BgVV, Vorgänger des Bundesinstituts für Risikobewertung, nannte solche Aussagen schon 2001 nicht belegt und möglicherweise irreführend.

Was steckt in AFA-Algen?

Getrocknete AFA bestehen laut Verbraucherzentrale zu 57 bis 62 % aus Eiweiß, dazu kommen Kohlenhydrate, etwas Fett und Farbstoffe wie Chlorophyll. Bei 1,5 g am Tag sind das aber knapp 1 g Eiweiß.

Das BgVV hielt es 2001 deshalb für unwahrscheinlich, dass Tabletten die Versorgung mit Eiweiß oder Nährstoffen verbessern. Auch die Omega-3-Fettsäure aus 1,5 g AFA bringt laut Verbraucherzentrale höchstens ein Zehntel der Menge, die die DGE nennt. Jod enthalten AFA wenig, weil sie aus Süßwasser stammen.

Dosierung: Was Behörden zu AFA sagen

Eine amtliche Tagesmenge für AFA-Algen gibt es nicht.

Hersteller empfahlen laut einer Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis zu 3 g am Tag. Bei den gemessenen Microcystin-Gehalten kann schon das zu viel Algengift liefern, schrieb die Kommission 2005.

Zum Einordnen: Die WHO leitete für Microcystin-LR eine vorläufige tolerierbare Menge von 0,04 µg pro kg Körpergewicht am Tag ab. Für einen Erwachsenen mit 60 kg sind das 2,4 µg. Der US-Orientierungswert von 1 µg pro g AFA geht davon aus, dass jemand 2 g AFA am Tag isst und sonst keine Microcystine aufnimmt.

Nebenwirkungen und Algengifte

Das größte Risiko sind Microcystine. Diese Gifte bildet vor allem eine andere Blaualge, Microcystis aeruginosa. Sie wächst im selben See und kann bei der Ernte mit in das Produkt gelangen.

Mikroalgen können laut BgVV außerdem Schwermetalle und andere Schadstoffe anreichern. Treten Beschwerden auf, setz das Produkt ab und lass dich ärztlich beraten.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

MedikamentGut zu wissen
Mittel, die das Immunsystem dämpfen (Immunsuppressiva)Laut Verbraucherzentrale sind Wechselwirkungen möglich. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
BlutverdünnerLaut Verbraucherzentrale sind Wechselwirkungen möglich. Frag vorher in der Apotheke.
Verschriebene Medikamente allgemeinBgVV und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnten 2002, dass AFA-Präparate keine Therapie ersetzen. Setz nichts ohne Rücksprache ab.

Gezielte Studien zu Wechselwirkungen gibt es kaum. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Laut Verbraucherzentrale sollten Kinder grundsätzlich keine AFA-Produkte essen. Schwangere und Stillende sollten zum Schutz des Kindes darauf verzichten.

Die US-Behörde FDA rät, vor Algen-Präparaten für Kinder die Kinderarztpraxis zu fragen. In Schwangerschaft und Stillzeit sprich mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.

Rechtslage: Lebensmittel ohne Grenzwert für Algengifte

Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas gilt
LebensmittelLaut Novel-Food-Katalog der EU ist Aphanizomenon flos-aquae var. flos-aquae kein neuartiges Lebensmittel (POL-NF-00139). Ein zweiter Eintrag zur Art nennt sie in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig (POL-NF-09483). AFA darf ohne Zulassung verkauft werden.
AlgengifteEinen EU-Höchstgehalt für Microcystine in Lebensmitteln gibt es nicht. Oregon legte 1 µg pro g für Algenprodukte fest – ein US-Wert, kein EU-Recht.
GesundheitsangabenKeine zugelassen. Eine beantragte Angabe zur Stimmung steht „on hold“.
Bewertung in DeutschlandDas BgVV hielt 2001 die Unbedenklichkeit von Algenerzeugnissen für nicht garantiert. Die DFG-Kommission sah 2005 bei regelmäßigem Verzehr eine Gefährdung als nicht ausgeschlossen.

Als Lebensmittel dürfen AFA-Produkte nicht mit Krankheiten beworben werden. Ein Versprechen auf der Packung ist deshalb kein geprüfter Fakt.

Was sagt die Forschung?

Studien am Menschen gibt es kaum, und die vorhandenen sind sehr klein. Hier steht, was untersucht wurde – ohne Versprechen.

Konzentration und ADHS

AFA wurde unter anderem für Kinder mit ADHS beworben. Laut DFG-Kommission sind solche Effekte wissenschaftlich nicht erwiesen. Belastbare Studien am Menschen gibt es nach unserer Recherche nicht.

Stammzellen im Blut

In einer Studie (2007) nahmen 12 gesunde Erwachsene einmal einen AFA-Extrakt oder ein Scheinmittel. Die Zahl bestimmter Stammzellen im Blut lag eine Stunde später um 18 % höher, der Anstieg war vorübergehend. Ob das irgendeinen Nutzen hat, wurde nicht untersucht.

Vitamin B12

Eine Analyse (2006) fand in AFA fast nur Pseudo-Vitamin-B12. Ein Test, der nur echtes B12 erfasst, zeigte rund 5 % des Werts eines älteren Messverfahrens. Die Autoren halten AFA für ungeeignet, um sich vegan mit B12 zu versorgen.

Nährstoffe

Mengen von 1,5 bis 3 g am Tag liefern nur wenig Eiweiß, Vitamine und Fettsäuren. Nach BgVV und Verbraucherzentrale ist ein Nutzen für die Versorgung deshalb fraglich.

Häufige Fragen

Welche Wirkung haben AFA-Algen?

Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die wenigen Studien am Menschen sind sehr klein, eine hatte 12 Teilnehmende.

Sind AFA-Algen gefährlich?

Sie können mit Microcystinen belastet sein, die die Leber schädigen. In den USA lagen 63 von 87 Proben über dem Orientierungswert von 1 µg pro Gramm.

Haben AFA-Algen Vitamin B12?

Kaum nutzbares. Sie enthalten vor allem Pseudo-Vitamin-B12, das der Mensch nicht als Vitamin nutzen kann. Bei veganer Ernährung brauchst du ein B12-Präparat.

Dürfen Kinder AFA-Algen essen?

Laut Verbraucherzentrale nein. Auch Schwangere und Stillende sollten darauf verzichten.

Wie viel AFA-Algen am Tag?

Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Hersteller empfahlen bis zu 3 g – bei belasteten Produkten kann das laut DFG-Kommission schon zu viel Algengift sein.

Was ist der Unterschied zwischen AFA-Algen und Spirulina?

Beides sind Cyanobakterien. AFA wird wild in einem See geerntet, in dem auch eine giftige Blaualge wächst. Spirulina wird gezüchtet.

Quellen

  1. EU Novel Food Status Catalogue: Aphanizomenon flos-aquae var. flos-aquae – whole: Not novel in food (POL-NF-00139) · Europäische Kommission
  2. EU Novel Food Status Catalogue: Aphanizomenon flos-aquae – whole: Not novel in food supplements (POL-NF-09483) · Europäische Kommission
  3. AFA-Algen und AFA-Algenprodukte – Stellungnahme vom 23.09.2001 · BgVV (heute Bundesinstitut für Risikobewertung), 2001
  4. Microcystine in Algenprodukten zur Nahrungsergänzung – Endfassung vom 28. September 2005 · DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln (SKLM), 2005
  5. Blue-Green Algae Products and Microcystins · U.S. Food and Drug Administration (FDA), 2024
  6. AFA-Algen als Nahrungsergänzungsmittel: Wirkung, Risiken und Schadstoffe · Verbraucherzentrale, 2026
  7. On hold health claims on foods (Liste der Article-13.1-Angaben „on hold“, aus der EU-Liste übernommen) · Department of Health and Social Care (GOV.UK), 2021
  8. Gilroy DJ et al.: Assessing potential health risks from microcystin toxins in blue-green algae dietary supplements · Environmental Health Perspectives, 2000
  9. Van Hassel WHR et al.: LC-MS/MS Validation and Quantification of Cyanotoxins in Algal Food Supplements from the Belgium Market and Their Molecular Origins · Toxins, 2022
  10. Miyamoto E et al.: Purification and characterization of a corrinoid-compound in an edible cyanobacterium Aphanizomenon flos-aquae as a nutritional supplementary food · Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2006
  11. Lerch C, Morlock T, Bock V: Veganer und Vegetarier aufgepasst: Spirulina, Afa und Chlorella sind keine zuverlässigen Vitamin B12-Quellen · CVUA Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe (analytik.news), 2020
  12. Lee AN, Werth VP: Activation of autoimmunity following use of immunostimulatory herbal supplements · Archives of Dermatology, 2004
  13. Jensen GS et al.: Mobilization of human CD34+ CD133+ and CD34+ CD133(-) stem cells in vivo by consumption of an extract from Aphanizomenon flos-aquae · Cardiovascular Revascularization Medicine, 2007

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.