Eine belegte Wirkung von Artemisia annua als Tee, Pulver oder Kapsel gibt es nicht: Die WHO rät in ihrer Stellungnahme von 2019 davon ab, die Pflanze in irgendeiner Form gegen Malaria zu verwenden, weil der Wirkstoffgehalt stark schwankt und Resistenzen drohen. Aus dem Einjährigen Beifuß stammt zwar der Malaria-Wirkstoff Artemisinin, die Pflanze selbst gilt im EU-Katalog aber als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, und seit 2020 gab es 30 Warnmeldungen dazu. Stand: Oktober 2026.
Artemisia annua, auf Deutsch Einjähriger Beifuß, ist ein Korbblütler. In der traditionellen chinesischen Medizin wurde die Pflanze bei Fieber verwendet. Ein Rezept aus dem Jahr 341 beschreibt dafür einen Saft mit kaltem Wasser, keinen Tee.
1972 isolierten Forschende in China daraus den Wirkstoff Artemisinin. Die Forscherin Tu Youyou bekam dafür 2015 den Nobelpreis für Medizin. Artemisinin und seine Abkömmlinge wie Artesunat und Artemether sind heute der Kern der wichtigsten Malaria-Medikamente, der Artemisinin-Kombinationstherapien. Die Pflanze ist weiterhin die Hauptquelle für den Wirkstoff.
Tee, Pulver und Kapseln aus der Pflanze sind etwas anderes. Laut WHO schwankt ihr Gehalt an Artemisinin stark, je nach Sorte, Erntezeit, Trocknung und Lagerung. Beim Tee spielt zusätzlich die Wassertemperatur eine Rolle.
Nicht verwechseln: Wermut (Artemisia absinthium) und der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris) sind verwandte, aber andere Arten mit anderen Inhaltsstoffen. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es für Artemisia annua nicht.
Pflanzen, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartige Lebensmittel. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Eintrag „Artemisia annua“ für alle Pflanzenteile und Extrakte: noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Der Eintrag stammt von 2019 und geht auf Belgien und Deutschland zurück. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Das Kraut ist als neuartiges Lebensmittel gekennzeichnet. Als kritischer Inhaltsstoff ist Artemisinin genannt. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | 30 Meldungen von 2020 bis 2026 aus 11 Ländern, 17 davon aus Belgien und 3 aus Deutschland. Meist ging es um Nahrungsergänzungsmittel, 5-mal um Tee oder Kräuter für Aufgüsse. |
| Arzneimittel | Die Abkömmlinge Artemether, Artesunat und Artenimol sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Ein zugelassenes Arzneimittel aus der Pflanze selbst ist uns nicht bekannt. |
| Zum Vergleich: Gewöhnlicher Beifuß | Artemisia vulgaris gilt im EU-Katalog nicht als neuartig, als Kraut und wässriger Auszug sogar in Lebensmitteln allgemein. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Artemisia annua darf in der EU nicht als Lebensmittel verkauft werden, weder als Tee noch als Pulver oder Kapsel. Für die Vorbeugung und Behandlung von Malaria gibt es geprüfte Medikamente. Lass dich vor einer Reise in ein Malariagebiet ärztlich beraten.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Laut WHO sind die wenigen Studien am Menschen oft klein, kurz oder schlecht kontrolliert.
In einer offenen Studie im Kongo (2004 veröffentlicht) tranken 132 Menschen mit Malaria 7 Tage lang Artemisia-Tee in zwei Stärken oder bekamen Chinin. Nach 7 Tagen lag die Heilungsrate mit Tee im Schnitt bei 74 Prozent, mit Chinin bei 91 Prozent. Bis Tag 35 hatten laut WHO-Auswertung mit Tee rund zwei Drittel wieder Erreger im Blut, mit Chinin rund ein Fünftel. Die Forschenden raten deshalb vom Tee als alleiniger Behandlung ab.
Eine Studie mit 957 Menschen im Kongo (2019) berichtete, Artemisia-Tee habe besser abgeschnitten als ein Standard-Medikament. Die WHO fand schwere Mängel, etwa bei der Zufallszuteilung und der Verblindung, und die Ergebnisse passten nicht zu anderen Daten aus dem Land. 2020 hat die Fachzeitschrift die Studie zurückgezogen.
Ärztinnen und Ärzte in Frankreich beschrieben 2016 zwei Reisende, die zur Vorbeugung ein Artemisia-Präparat genommen hatten. Beide bekamen eine schwere Malaria und mussten auf die Intensivstation. Laut WHO bleibt Artemisinin nur kurz im Blut und eignet sich in keiner Form zur Vorbeugung.
Im Mai 2020 schrieb das Afrika-Büro der WHO, Pflanzen wie Artemisia annua würden als mögliche Mittel bei COVID-19 betrachtet. Wirksamkeit und Sicherheit müssten aber in strengen Studien geprüft werden. In einem Laborversuch (2021) hemmten Artemisia-Auszüge und ein Kräutergetränk aus Madagaskar das Virus in Zellkulturen. Ob solche Mengen im Blut ankommen, ist offen. Aussagekräftige Studien am Menschen gibt es nach unserer Recherche nicht.
Abkömmlinge von Artemisinin wie Artesunat werden in der Krebsforschung untersucht. Laut einer Übersicht (2017) vor allem im Labor und im Tierversuch, dazu gibt es Fallberichte und kleine Pilotstudien. Das betrifft gereinigte Arzneistoffe, nicht Tee oder Pulver aus der Pflanze. Der Autor rät wegen unerwarteter Leberschäden davon ab, solche Stoffe ohne kontrollierte Studien mit pflanzlichen Mitteln zu kombinieren.
Studien zu Wechselwirkungen von Tee oder Pulver gibt es kaum. Hinweise stammen aus einer Studie mit reinem Artemisinin.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Malaria-Medikamente und Mittel zur Malaria-Vorbeugung | Artemisia-Produkte ersetzen sie nicht. Die Kombination wurde nicht untersucht. Nimm verordnete Mittel so, wie es mit deiner Praxis besprochen ist. |
| Medikamente, die über die Leberenzyme CYP3A oder CYP2C19 abgebaut werden | In einer Studie mit 75 Gesunden (2007) arbeiteten diese Enzyme unter reinem Artemisinin schneller, ein anderes Enzym (CYP1A2) langsamer. Das kann Wirkspiegel verändern. Ob Tee oder Pulver dafür genug Artemisinin liefern, ist nicht untersucht. |
| Medikamente, die die Leber belasten können | Nicht untersucht. Wegen beschriebener Leberschäden nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Artemisia-Produkt mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine, weder als Tee noch als Pulver oder Kapsel. Der Malaria-Wirkstoff Artemisinin stammt zwar aus der Pflanze, doch die WHO rät in ihrer Stellungnahme von 2019 davon ab, die Pflanze selbst gegen Malaria zu verwenden.
Die WHO unterstützt Artemisia-Pflanzenmaterial in keiner Form, weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung. Die Gründe: stark schwankender Wirkstoffgehalt, häufige Rückfälle und die Gefahr von Resistenzen.
Als Lebensmittel nicht. Der EU-Katalog führt die Pflanze mit allen Teilen und Extrakten als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, das gilt auch für Tee.
Nein. Artemisinin ist ein Wirkstoff aus der Pflanze, seine Abkömmlinge stecken in geprüften Malaria-Medikamenten. Tee, Pulver und Kapseln enthalten wechselnde, oft zu geringe Mengen.
Belegt ist nichts. Im Laborversuch hemmten Auszüge das Virus in Zellkulturen, aussagekräftige Studien am Menschen fehlen. Die WHO verlangte 2020 strenge Studien.
Beschrieben ist eine schwere Leberentzündung nach Artemisia-Tee. Das größte Risiko: Wer sich bei Malaria auf die Pflanze verlässt, kann schwer erkranken.
Nein. Wermut ist Artemisia absinthium, eine verwandte Art mit anderen Inhaltsstoffen. Auch der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris) ist eine andere Art.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.