Eine belegte Wirkung hat Fo-Ti nicht, auch nicht auf graue Haare, dafür ist die Wurzel für Leberschäden bekannt: Eine Übersicht zählte 450 Fälle, 7 Menschen starben. Fo-Ti enthält außerdem Emodin, das die EU 2021 in Lebensmitteln verboten hat – ein EU-Gericht erklärte das Verbot 2024 für nichtig, rechtskräftig ist das Urteil aber nicht. Stand: Oktober 2026.
Fo-Ti ist die Wurzelknolle des Vielblütigen Knöterichs, botanisch heute Reynoutria multiflora, früher Polygonum multiflorum. Auf Chinesisch heißt sie He Shou Wu. In der chinesischen Medizin wird sie seit Jahrhunderten verwendet, unter anderem bei grauen Haaren und bei Verstopfung.
Es gibt zwei Formen: die rohe, getrocknete Wurzel und die zubereitete Wurzel, die lange gedämpft wird. Beim Dämpfen ändern sich die Inhaltsstoffe, harmlos wird die Wurzel dadurch aber nicht.
Typisch sind ein Stilbenglucosid und Anthrachinone wie Emodin und Physcion. Anthrachinone kennt man aus abführenden Pflanzen. Das chinesische Arzneibuch (Ausgabe 2015) verlangt für die rohe und für die zubereitete Wurzel sogar einen Mindestgehalt an Emodin und Physcion.
Ein Verwandter, der Japanische Staudenknöterich, liefert den Rohstoff vieler Resveratrol-Präparate. Mit Fo-Ti ist er nicht gleichzusetzen.
Angeboten wird Fo-Ti als Pulver, Kapsel oder Tablette, oft mit Versprechen rund um volles, dunkles Haar und Jugendlichkeit. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht, und krankheitsbezogene Werbung ist für Lebensmittel verboten.
Bei Fo-Ti treffen zwei Regeln aufeinander. Nach dem Recht für neuartige Lebensmittel darf die Wurzel in Nahrungsergänzung verwendet werden. Gleichzeitig steht Emodin, das von Natur aus in der Wurzel steckt, seit 2021 auf der EU-Liste der in Lebensmitteln verbotenen Stoffe.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel (Eintrag 2025) | Wurzel, Stängel, Rinde und Samen von Reynoutria multiflora sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. Der Katalog sagt nur, ob eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel nötig ist, nicht, ob ein Produkt sicher ist. |
| Verordnung (EU) 2021/468 | Emodin und alle Zubereitungen, in denen es enthalten ist, dürfen Lebensmitteln nicht zugesetzt werden. Grund: Emodin war im Labor erbgutschädigend, eine unbedenkliche Menge konnte die EFSA nicht angeben. |
| EU-Gericht (13. November 2024) | Das Verbot ist nichtig, weil es unabhängig von der enthaltenen Menge gilt (Rechtssache T-302/21 und Parallelverfahren). |
| Rechtsmittel (seit Januar 2025) | Die EU-Kommission hat Rechtsmittel eingelegt (unter anderem C-48/25 P). Eine Entscheidung ist nach unserer Recherche noch nicht gefallen, das Urteil ist nicht rechtskräftig. |
| Praxis der Behörden | Kontrollbehörden meldeten Nahrungsergänzungsmittel mit Emodin auch nach dem Urteil als verbotenen Stoff im EU-Schnellwarnsystem, etwa 2025 – bisher für Produkte aus anderen Pflanzen. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Kein Eintrag für Fo-Ti. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Ob Fo-Ti-Präparate mit Emodin in der EU verkauft werden dürfen, ist rechtlich umstritten. Ähnlich ist die Lage bei Blattzubereitungen aus Aloe vera. Unabhängig davon bleiben die beschriebenen Leberschäden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die meisten Arbeiten zu Fo-Ti befassen sich mit Inhaltsstoffen und Leberschäden, nicht mit einem Nutzen.
Kontrollierte Studien am Menschen, in denen Fo-Ti allein die Haarfarbe veränderte, sind uns nicht bekannt. Eine Übersicht zu Naturstoffen bei grauen Haaren (2026) stützt sich vor allem auf Versuche zu Pigmentzellen und nennt das Auftragen auf die Kopfhaut als bevorzugten Weg für weitere Forschung.
In der chinesischen Medizin wird Fo-Ti meist in Kräutermischungen verwendet. Studien mit solchen Mischungen sagen nichts darüber, was die Wurzel selbst bewirkt.
Zum typischen Stilbenglucosid der Wurzel gibt es viele Zell- und Tierversuche zu Alterungsvorgängen. Ob sich daraus etwas für Menschen ergibt, ist offen.
Die Leberschäden gelten als idiosynkratisch, treffen also nur einzelne Menschen. Eine chinesische Studie (2019) fand bei Erkrankten auffällig oft die Erbanlage HLA-B*35:01. In einer Gruppe von 72 Behandelten stiegen die Leberwerte bei Trägern der Erbanlage häufiger an als bei anderen, nämlich bei 37,5 % gegenüber 4,7 %.
Studien zu Wechselwirkungen von Fo-Ti mit Medikamenten gibt es nach unserer Recherche kaum. Wichtig ist vor allem alles, was die Leber zusätzlich belastet.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Medikamente, die die Leber belasten können, zum Beispiel Paracetamol | Laut Verbraucherzentrale solltest du bei solchen Mitteln die Leberwerte prüfen lassen, wenn du Pflanzenstoffe wie Fo-Ti nimmst. Besser: vorher mit der Praxis sprechen. |
| Regelmäßig Alkohol | Belastet die Leber zusätzlich. Die Verbraucherzentrale rät dann ebenfalls zur Kontrolle der Leberwerte. |
| Lebererkrankung | Mit einer vorgeschädigten Leber gehört Fo-Ti nicht in Selbstversuche. |
| Andere Medikamente | Kaum untersucht. Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vorher mit deiner Apotheke. |
Nimmst du Medikamente oder hast du eine Lebererkrankung, sprich vor einem Fo-Ti-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine, und eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Untersucht wurden vor allem Zellen, Tiere und Kräutermischungen, gut beschrieben sind dagegen Leberschäden.
Belegt ist das nicht. Kontrollierte Studien mit Fo-Ti allein sind uns nicht bekannt, und Präparate für die Haare fielen gerade durch Leberschäden auf.
Ja. Eine Übersicht zählte 450 Fälle, 2 Menschen brauchten eine neue Leber, 7 starben. Beschwerden begannen meist etwa einen Monat nach Beginn der Einnahme.
Das ist rechtlich umstritten. In Nahrungsergänzung ist die Wurzel laut EU-Katalog nicht neuartig, sie enthält aber Emodin, das die EU 2021 in Lebensmitteln verboten hat. Ein Gericht hat das Verbot gekippt, rechtskräftig ist das noch nicht.
Nicht verlässlich. Das Dämpfen verändert die Inhaltsstoffe, Leberschäden sind aber auch nach zubereiteter Wurzel beschrieben.
Nein. Eine amtliche Menge gibt es nicht, und eine sichere Menge ist nicht bekannt.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.