SmarTasty
Kalorien zählen per Foto

Mit deiner Zustimmung nutzen wir Google Analytics, um SmarTasty zu verbessern. Daten können in die USA gehen. Jederzeit widerrufbar. Datenschutz

Fo-Ti (He Shou Wu): Wirkung, Risiken & Rechtslage

Eine belegte Wirkung hat Fo-Ti nicht, auch nicht auf graue Haare, dafür ist die Wurzel für Leberschäden bekannt: Eine Übersicht zählte 450 Fälle, 7 Menschen starben. Fo-Ti enthält außerdem Emodin, das die EU 2021 in Lebensmitteln verboten hat – ein EU-Gericht erklärte das Verbot 2024 für nichtig, rechtskräftig ist das Urteil aber nicht. Stand: Oktober 2026.

Fo-Ti in 30 Sekunden

Was ist das?
Die Wurzel des Vielblütigen Knöterichs aus der chinesischen Medizin, auf Chinesisch He Shou Wu. Sie enthält Stilbene und Anthrachinone wie Emodin.
Rechtslage?
In Nahrungsergänzung laut EU-Katalog nicht neuartig, wegen des Emodins aber rechtlich umstritten. Zur Rechtslage
Forschung?
Kontrollierte Studien mit Fo-Ti allein gegen graue Haare sind uns nicht bekannt. Untersucht wurden vor allem Zellen, Tiere und Kräutermischungen.
Risiken?
Hunderte beschriebene Leberschäden, auch mit zubereiteter Wurzel und auch in Europa, einzelne tödlich. Mehr zu Risiken

Was ist Fo-Ti?

Fo-Ti ist die Wurzelknolle des Vielblütigen Knöterichs, botanisch heute Reynoutria multiflora, früher Polygonum multiflorum. Auf Chinesisch heißt sie He Shou Wu. In der chinesischen Medizin wird sie seit Jahrhunderten verwendet, unter anderem bei grauen Haaren und bei Verstopfung.

Es gibt zwei Formen: die rohe, getrocknete Wurzel und die zubereitete Wurzel, die lange gedämpft wird. Beim Dämpfen ändern sich die Inhaltsstoffe, harmlos wird die Wurzel dadurch aber nicht.

Typisch sind ein Stilbenglucosid und Anthrachinone wie Emodin und Physcion. Anthrachinone kennt man aus abführenden Pflanzen. Das chinesische Arzneibuch (Ausgabe 2015) verlangt für die rohe und für die zubereitete Wurzel sogar einen Mindestgehalt an Emodin und Physcion.

Ein Verwandter, der Japanische Staudenknöterich, liefert den Rohstoff vieler Resveratrol-Präparate. Mit Fo-Ti ist er nicht gleichzusetzen.

Angeboten wird Fo-Ti als Pulver, Kapsel oder Tablette, oft mit Versprechen rund um volles, dunkles Haar und Jugendlichkeit. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht, und krankheitsbezogene Werbung ist für Lebensmittel verboten.

Rechtslage in Deutschland und der EU

Bei Fo-Ti treffen zwei Regeln aufeinander. Nach dem Recht für neuartige Lebensmittel darf die Wurzel in Nahrungsergänzung verwendet werden. Gleichzeitig steht Emodin, das von Natur aus in der Wurzel steckt, seit 2021 auf der EU-Liste der in Lebensmitteln verbotenen Stoffe.

Fo-Ti: Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
ThemaWas gilt
EU-Katalog für neuartige Lebensmittel (Eintrag 2025)Wurzel, Stängel, Rinde und Samen von Reynoutria multiflora sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. Der Katalog sagt nur, ob eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel nötig ist, nicht, ob ein Produkt sicher ist.
Verordnung (EU) 2021/468Emodin und alle Zubereitungen, in denen es enthalten ist, dürfen Lebensmitteln nicht zugesetzt werden. Grund: Emodin war im Labor erbgutschädigend, eine unbedenkliche Menge konnte die EFSA nicht angeben.
EU-Gericht (13. November 2024)Das Verbot ist nichtig, weil es unabhängig von der enthaltenen Menge gilt (Rechtssache T-302/21 und Parallelverfahren).
Rechtsmittel (seit Januar 2025)Die EU-Kommission hat Rechtsmittel eingelegt (unter anderem C-48/25 P). Eine Entscheidung ist nach unserer Recherche noch nicht gefallen, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Praxis der BehördenKontrollbehörden meldeten Nahrungsergänzungsmittel mit Emodin auch nach dem Urteil als verbotenen Stoff im EU-Schnellwarnsystem, etwa 2025 – bisher für Produkte aus anderen Pflanzen.
Stoffliste von Bund und LändernKein Eintrag für Fo-Ti.
GesundheitsangabenKeine zugelassen.

Für dich heißt das: Ob Fo-Ti-Präparate mit Emodin in der EU verkauft werden dürfen, ist rechtlich umstritten. Ähnlich ist die Lage bei Blattzubereitungen aus Aloe vera. Unabhängig davon bleiben die beschriebenen Leberschäden.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die meisten Arbeiten zu Fo-Ti befassen sich mit Inhaltsstoffen und Leberschäden, nicht mit einem Nutzen.

Mythos: Fo-Ti macht graue Haare wieder dunkel

Kontrollierte Studien am Menschen, in denen Fo-Ti allein die Haarfarbe veränderte, sind uns nicht bekannt. Eine Übersicht zu Naturstoffen bei grauen Haaren (2026) stützt sich vor allem auf Versuche zu Pigmentzellen und nennt das Auftragen auf die Kopfhaut als bevorzugten Weg für weitere Forschung.

Studien am Menschen

In der chinesischen Medizin wird Fo-Ti meist in Kräutermischungen verwendet. Studien mit solchen Mischungen sagen nichts darüber, was die Wurzel selbst bewirkt.

Stilbenglucosid und Alterung

Zum typischen Stilbenglucosid der Wurzel gibt es viele Zell- und Tierversuche zu Alterungsvorgängen. Ob sich daraus etwas für Menschen ergibt, ist offen.

Warum trifft es manche Menschen?

Die Leberschäden gelten als idiosynkratisch, treffen also nur einzelne Menschen. Eine chinesische Studie (2019) fand bei Erkrankten auffällig oft die Erbanlage HLA-B*35:01. In einer Gruppe von 72 Behandelten stiegen die Leberwerte bei Trägern der Erbanlage häufiger an als bei anderen, nämlich bei 37,5 % gegenüber 4,7 %.

Risiken und Nebenwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Studien zu Wechselwirkungen von Fo-Ti mit Medikamenten gibt es nach unserer Recherche kaum. Wichtig ist vor allem alles, was die Leber zusätzlich belastet.

Medikament oder SituationGut zu wissen
Medikamente, die die Leber belasten können, zum Beispiel ParacetamolLaut Verbraucherzentrale solltest du bei solchen Mitteln die Leberwerte prüfen lassen, wenn du Pflanzenstoffe wie Fo-Ti nimmst. Besser: vorher mit der Praxis sprechen.
Regelmäßig AlkoholBelastet die Leber zusätzlich. Die Verbraucherzentrale rät dann ebenfalls zur Kontrolle der Leberwerte.
LebererkrankungMit einer vorgeschädigten Leber gehört Fo-Ti nicht in Selbstversuche.
Andere MedikamenteKaum untersucht. Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vorher mit deiner Apotheke.

Nimmst du Medikamente oder hast du eine Lebererkrankung, sprich vor einem Fo-Ti-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Fo-Ti?

Belegt ist keine, und eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Untersucht wurden vor allem Zellen, Tiere und Kräutermischungen, gut beschrieben sind dagegen Leberschäden.

Macht Fo-Ti graue Haare wieder dunkel?

Belegt ist das nicht. Kontrollierte Studien mit Fo-Ti allein sind uns nicht bekannt, und Präparate für die Haare fielen gerade durch Leberschäden auf.

Kann Fo-Ti die Leber schädigen?

Ja. Eine Übersicht zählte 450 Fälle, 2 Menschen brauchten eine neue Leber, 7 starben. Beschwerden begannen meist etwa einen Monat nach Beginn der Einnahme.

Ist Fo-Ti in Deutschland erlaubt?

Das ist rechtlich umstritten. In Nahrungsergänzung ist die Wurzel laut EU-Katalog nicht neuartig, sie enthält aber Emodin, das die EU 2021 in Lebensmitteln verboten hat. Ein Gericht hat das Verbot gekippt, rechtskräftig ist das noch nicht.

Ist zubereitetes Fo-Ti sicherer als rohes?

Nicht verlässlich. Das Dämpfen verändert die Inhaltsstoffe, Leberschäden sind aber auch nach zubereiteter Wurzel beschrieben.

Gibt es eine empfohlene Dosierung für Fo-Ti?

Nein. Eine amtliche Menge gibt es nicht, und eine sichere Menge ist nicht bekannt.

Quellen

  1. EU Novel Food Status Catalogue: Reynoutria multiflora (Thunb.) Moldenke – Wurzel, Stängel, Rinde, Samen nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln (POL-NF-13783) · Europäische Kommission
  2. Verordnung (EU) 2021/468 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 in Bezug auf botanische Arten, die Hydroxyanthracen-Derivate enthalten · Amtsblatt der EU, 2021
  3. Urteil des Gerichts (Sechste erweiterte Kammer) vom 13. November 2024, Rechtssache T-302/21, Aboca u. a./Kommission · Gericht der Europäischen Union, 2024
  4. Rechtsmittel, eingelegt am 24. Januar 2025 von der Europäischen Kommission gegen das Urteil in der Rechtssache T-302/21 (Rechtssache C-48/25 P) · Amtsblatt der EU, C/2025/1416, 2025
  5. RASFF 2025.4115: emodin in a food supplement from the Netherlands · EU-Schnellwarnsystem RASFF, 2025
  6. EFSA ANS Panel: Safety of hydroxyanthracene derivatives for use in food · EFSA Journal, 2018
  7. Liu Y, Wang Q, Yang J et al.: Polygonum multiflorum Thunb.: A Review on Chemical Analysis, Processing Mechanism, Quality Evaluation, and Hepatotoxicity · Frontiers in Pharmacology, 2018
  8. LiverTox: Polygonum Multiflorum · National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIH)
  9. Lei X, Chen J, Ren J et al.: Liver Damage Associated with Polygonum multiflorum Thunb.: A Systematic Review of Case Reports and Case Series · Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2015
  10. Li C, Rao T, Chen X et al.: HLA-B*35:01 Allele Is a Potential Biomarker for Predicting Polygonum multiflorum-Induced Liver Injury in Humans · Hepatology, 2019
  11. Rein pflanzlich heißt nicht immer harmlos (Stand 11.08.2026) · Verbraucherzentrale, 2026
  12. Stoffliste des Bundes und der Bundesländer – Pflanzenliste L–Z (Aktualisierung September 2026, kein Eintrag zu Polygonum/Reynoutria multiflora) · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2026
  13. Zhu C, Gao Y, Gong H, Wang J: Natural products and their derivatives as candidate treatments for hair greying: from drug discovery to molecular mechanisms · Chinese Medicine, 2026

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.