Eine belegte Wirkung hat Eleuthero nicht: Die EMA erkennt Arzneimittel aus der Taigawurzel nur aufgrund langer Tradition bei Müdigkeit und Schwäche an, weil die Studien zu viele Mängel hatten. In einer Studie mit 96 Menschen mit chronischer Müdigkeit (2004) unterschied sich Eleuthero nicht von Placebo. Als Arzneimittel ist die Wurzel erst ab 12 Jahren und höchstens 2 Monate am Stück vorgesehen. Stand: Oktober 2026.
Eleuthero, botanisch Eleutherococcus senticosus, ist ein dorniger Strauch aus dem Fernen Osten Russlands und Ostasiens. Verwendet wird die Wurzel, auf Deutsch Taigawurzel. Der Handelsname „Sibirischer Ginseng“ führt in die Irre: Die Pflanze gehört zwar zur selben Familie, ist aber kein Panax Ginseng.
In der Sowjetunion war die Wurzel ab 1962 eine offizielle Arzneipflanze. Damals entstanden viele Studien zu Ausdauer und Leistungsfähigkeit, oft mit gesunden Freiwilligen. Heute wird Eleuthero als „Adaptogen“ beworben, ähnlich wie Ashwagandha, Rhodiola und Schisandra.
Die EMA bewertet Arzneimittel aus der Taigawurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Beschwerden wie Müdigkeit und Schwäche. Das beruht auf langer Anwendung, nicht auf überzeugenden Studien.
Für Eleuthero in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Zubereitungen und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt die Wurzel als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Anhaltende Müdigkeit kann viele Ursachen haben, etwa Eisenmangel, eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Depression. Lass sie ärztlich abklären, statt sie mit Präparaten zu überdecken.
Die EMA kennt keine Wechselwirkungen. Gezielt untersucht ist aber wenig.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Digoxin (Herzmittel) | Ein 74-jähriger Mann hatte mit Eleuthero deutlich erhöhte Digoxin-Werte im Blut, ohne Vergiftungszeichen (Fallbericht 1996). Laborstudien zeigen, dass Eleuthero manche ältere Digoxin-Tests stören kann, neuere nicht. Sag der Praxis vor der Blutabnahme, dass du Eleuthero nimmst. |
| Blutdruckmittel | Bei sehr hohem Blutdruck rät die WHO-Monographie ab. In einer kleinen Studie mit 20 älteren Menschen mit Bluthochdruck blieb die Blutdruckeinstellung unverändert (2004). Frag vorher in der Praxis. |
| Diabetesmittel | In Tierversuchen sanken die Zuckerwerte im Blut. Am Menschen ist das kaum untersucht. Frag vorher in der Praxis. |
| Andere Medikamente | Im Labor hemmten Inhaltsstoffe einzelne Leberenzyme, die Medikamente abbauen. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag in der Apotheke. |
Die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht belegt. Die EMA und die WHO raten in dieser Zeit von Eleuthero ab.
Für Kinder unter 12 Jahren fehlen ausreichende Daten, die EMA sieht die Anwendung deshalb erst ab 12 Jahren vor.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2014) | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Beschwerden wie Müdigkeit und Schwäche, allein auf Basis langer Anwendung. Ab 12 Jahren, höchstens 2 Monate. |
| Lebensmittel | Laut Novel-Food-Katalog der EU ist die Wurzel in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. In anderen Lebensmitteln gilt sie als neuartig und braucht eine Zulassung. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Lettland wies 2021 mehrfach Erfrischungsgetränke mit Eleuthero an der Grenze zurück, Portugal 2024 einen Instant-Kaffee. Grund war jeweils ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Wurzel: in Nahrungsergänzung nicht neuartig, zugleich Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Die Verwendung in Lebensmitteln soll beschränkt werden (Liste B). Nicht verbindlich. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Eleuthero darf als Nahrungsergänzung verkauft werden, als Zutat in Getränken oder Snacks dagegen nicht. Als Lebensmittel darf es nicht mit Krankheiten oder Erschöpfungszuständen beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Die EMA hat zahlreiche Studien geprüft. Sie sah mögliche Effekte auf Müdigkeit und Schwäche, wegen Mängeln im Aufbau der Studien aber keine sicheren Schlüsse. Deshalb gibt es nur die traditionelle Einstufung.
96 Menschen mit anhaltender Müdigkeit ohne erkennbare Ursache bekamen Eleuthero oder Placebo, 76 blieben 2 Monate dabei. In beiden Gruppen ging die Müdigkeit deutlich zurück, ein Unterschied zeigte sich nicht. In einer Untergruppe mit mäßiger Müdigkeit gab es Hinweise, die erst bestätigt werden müssten.
144 Menschen mit stressbedingter Erschöpfung bekamen 8 Wochen lang einen Eleuthero-Extrakt, ein Stressbewältigungs-Training oder beides. Fast alle Werte besserten sich in allen Gruppen. Eleuthero zusätzlich zum Training brachte, wenn überhaupt, kaum etwas.
20 Menschen ab 65 Jahren mit Bluthochdruck nahmen 8 Wochen lang Eleuthero oder Placebo. Nach 4 Wochen lagen einzelne Werte zur Lebensqualität höher, nach 8 Wochen nicht mehr.
Eine Übersicht (2021) machte 46 russischsprachige Studien aus den Jahren 1962 bis 1986 zugänglich, meist mit gesunden Freiwilligen. Viele berichteten über mehr Ausdauer, ihre Methoden lassen sich heute aber oft schwer beurteilen.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Belegt ist keine. Die EMA erkennt Arzneimittel nur aufgrund langer Tradition bei Müdigkeit und Schwäche an, in einer Studie mit 96 Menschen gab es keinen Unterschied zu Placebo.
Nein. Eleuthero gehört zur selben Pflanzenfamilie, ist aber eine andere Art als Panax Ginseng. „Sibirischer Ginseng“ ist nur ein Handelsname.
Arzneimittel sieht die EMA für höchstens 2 Monate am Stück vor. Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Vorgabe.
Möglich sind Schlafstörungen, Reizbarkeit, Herzrasen und Kopfschmerzen. Wie häufig sie auftreten, ist nicht bekannt.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Die WHO-Monographie rät bei einem Blutdruck über 180/90 mmHg ab.
Nein, davon raten EMA und WHO ab, weil die Sicherheit nicht belegt ist. Das gilt auch für die Stillzeit.
Ja, als Nahrungsergänzung und als Arzneimittel. In anderen Lebensmitteln wie Getränken ist die Wurzel nicht zugelassen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.