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Magnolienrinden-Extrakt: Wirkung, Risiken & Rechtslage

Eine belegte Wirkung von Magnolienrinden-Extrakt und seinen Hauptstoffen Honokiol und Magnolol gibt es nicht: Zu Stress und Schlaf fanden wir nur wenige kleine Studien, meist mit Mischungen, etwa eine, die 26 Frauen beendeten. Zugelassen ist der Extrakt in der EU seit 2011 nur als Zutat für Kaugummi und Pfefferminz, mit höchstens 0,2 % zur Atemerfrischung. Für Kapseln und andere Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine Zulassung. Stand: Oktober 2026.

Magnolienrinden-Extrakt in 30 Sekunden

Was ist das?
Ein Extrakt aus der Rinde der Magnolie Magnolia officinalis, die in der chinesischen Medizin Hou Po heißt. Er besteht vor allem aus Honokiol und Magnolol.
Rechtslage?
In der EU als neuartiges Lebensmittel nur für Kaugummi und Pfefferminz zugelassen, nicht für Kapseln. Zur Rechtslage
Forschung?
Zu Stress und Schlaf nur wenige kleine Studien am Menschen, oft mit Mischungen. Der Rest sind Labor- und Tierversuche.
Risiken?
Honokiol und Magnolol setzen im Labor an denselben Rezeptoren an wie manche Beruhigungsmittel. Zu Schwangerschaft, Kindern und längerer Einnahme fehlen Daten. Mehr zu Risiken

Was ist Magnolienrinden-Extrakt?

Magnolia officinalis ist ein Baum aus China. Seine getrocknete Rinde heißt in der traditionellen chinesischen Medizin Hou Po. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Honokiol und Magnolol, zwei eng verwandte Stoffe aus der Gruppe der Neolignane.

Der in der EU zugelassene Extrakt wird mit überkritischem Kohlendioxid aus der Rinde gewonnen und danach gereinigt. Er besteht zu mindestens 94 % aus Magnolol und Honokiol, mit deutlich mehr Magnolol als Honokiol.

In Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Netz wird Magnolienrinde vor allem mit Versprechen zu Schlaf und Stress beworben, oft zusammen mit anderen Pflanzen. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Ähnliche Versprechen prüfen wir bei Passionsblume und Baldrian.

Rechtslage in Deutschland und der EU

Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartig. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. Für Magnolienrinden-Extrakt gibt es eine, aber mit engen Grenzen.

Magnolienrinden-Extrakt: Rechtslage auf einen Blick (Stand Oktober 2026)
WoWas gilt
EU-Liste zugelassener neuartiger LebensmittelMagnolienrindenextrakt ist zugelassen, aber nur für Kaugummi und Pfefferminz-Süßwaren, mit höchstens 0,2 % zur Atemerfrischung. Auf der Packung muss „Magnolienrindenextrakt“ stehen.
Wie es dazu kamEin Kaugummi-Hersteller beantragte die Zulassung 2009 im Vereinigten Königreich. Weil kein EU-Land begründete Einwände erhob, erlaubte die britische Behörde im Oktober 2011 den Verkauf in der ganzen EU. Deutschland und Frankreich hatten vorher unter anderem nach Daten zu Kindern und Jugendlichen gefragt und um niedrigere Werte für den Begleitstoff Methyleugenol gebeten.
Extrakt in Kapseln oder PulverFür Nahrungsergänzungsmittel mit Magnolienrinden-Extrakt gibt es keine Zulassung.
Rinde als PflanzenteilDie Stoffliste von Bund und Ländern führt die Rinde in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig. Sie steht dort aber in Liste C, also bei Stoffen, deren Verwendung möglicherweise gesundheitsschädlich ist. Für den Extrakt verweist die Liste auf die Zulassung mit Verwendungsbeschränkungen. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag zur Pflanze.
EU-Schnellwarnsystem RASFFKeine Meldung zu Magnolie, Honokiol oder Magnolol (Suche im Oktober 2026).
GesundheitsangabenKeine zugelassen.

Für dich heißt das: Kaugummi und Pfefferminz mit Magnolienrinden-Extrakt sind in den zugelassenen kleinen Mengen erlaubt. Kapseln mit Magnolienrinden-Extrakt, die mit Schlaf oder Stress beworben werden, hat die EU nicht zugelassen, und Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.

Was sagt die Forschung?

Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die meisten Arbeiten zu Honokiol und Magnolol sind Labor- und Tierversuche.

Mythos: pflanzliches Beruhigungsmittel

Im Labor verstärkten Honokiol und Magnolol die Signale des Botenstoffs GABA an Rezeptoren im Gehirn, an denen auch manche Beruhigungs- und Schlafmittel ansetzen (2012). Die Forschenden erwarten deshalb neben beruhigenden Effekten auch Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Studien, die das am Menschen prüfen, fehlen weitgehend.

Stress bei Frauen

In einer Studie (2008) nahmen 40 Frauen 6 Wochen lang eine Mischung aus Magnolienrinde und Rinde des Amur-Korkbaums oder ein Scheinmittel, 26 beendeten die Studie. Beim Fragebogen zur momentanen Anspannung schnitt die Mischung besser ab. Bei länger bestehender Ängstlichkeit, Schlaf, Cortisol im Speichel und Appetit gab es keinen Unterschied.

Schlaf in den Wechseljahren

Eine italienische Studie (2006) mit 89 Frauen in den Wechseljahren verglich 24 Wochen lang eine Tablette mit Soja-Isoflavonen, Milchsäurebakterien, Magnolienrinden-Extrakt, Magnesium, Calcium und Vitamin D mit einer Tablette nur aus Calcium und Vitamin D. Schlafprobleme und Stimmungstiefs gingen mit der Mischung stärker zurück. Welchen Anteil die Magnolie daran hatte, lässt sich nicht sagen.

Kaugummi und Zähne

In einer Studie (2011) kauten 120 Erwachsene mit hohem Kariesrisiko 30 Tage lang Kaugummi mit Magnolienrinden-Extrakt, einen anderen Kaugummi oder einen ohne Zusatz. Mit Magnolie waren bestimmte Kariesbakterien im Speichel, die Säurebildung im Zahnbelag und Zahnfleischbluten geringer als in den Vergleichsgruppen. Zugelassen ist der Extrakt in Kaugummi trotzdem nur zur Atemerfrischung.

Honokiol und das Herz

Eine Übersicht (2025) fand Daten zu Herz und Gefäßen nur aus Tier- und Laborversuchen. Ob und wie viel Honokiol und Magnolol aus Extrakten beim Menschen ins Blut gelangen, ist laut Übersicht nicht untersucht. Eine Empfehlung für eine sichere Menge gibt es nicht.

Risiken und Nebenwirkungen

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Studien zu Wechselwirkungen am Menschen gibt es nicht. Die Tabelle zeigt, wo Vorsicht naheliegt.

MedikamentGut zu wissen
Schlaf- und Beruhigungsmittel, zum Beispiel BenzodiazepineHonokiol und Magnolol setzen im Labor an denselben GABA-Rezeptoren an. Eine Verstärkung ist denkbar, aber nicht untersucht. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis.
Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussenIm Labor blockierten Honokiol und Magnolol einen Kaliumkanal des Herzens. Zusammen mit Mitteln, die das ebenfalls tun, ist ein Risiko denkbar. Frag in deiner Praxis.
Andere MedikamenteHonokiol und Magnolol werden im Körper wie viele Pflanzenstoffe chemisch umgebaut und ausgeschieden. Laut Übersicht (2018) lassen sich Wechselwirkungen nicht ausschließen. Frag in deiner Apotheke.

Nimmst du Medikamente, sprich vor einem Präparat mit Magnolienrinde mit deiner Praxis oder Apotheke.

Häufige Fragen

Welche Wirkung hat Honokiol?

Belegt ist keine. Honokiol setzt im Labor an Rezeptoren im Gehirn an, an denen auch manche Beruhigungsmittel ansetzen. Studien am Menschen gibt es kaum, und die wenigen testeten Mischungen.

Welche Wirkung hat Magnolienrinden-Extrakt?

Eine belegte Wirkung gibt es nicht. Zu Stress und Schlaf gibt es nur wenige kleine Studien, meist mit Mischungen aus mehreren Pflanzen oder Stoffen.

Ist Magnolienrinden-Extrakt in Deutschland erlaubt?

Nur in Kaugummi und Pfefferminz, mit höchstens 0,2 % zur Atemerfrischung. Für Kapseln und andere Nahrungsergänzungsmittel gibt es in der EU keine Zulassung.

Macht Magnolienrinde müde?

Möglich, denn Honokiol und Magnolol setzen im Labor an denselben Rezeptoren an wie manche Schlafmittel. Aussagekräftige Schlafstudien am Menschen gibt es nicht.

Ist Magnolienrinden-Extrakt gefährlich?

Studien mit konzentriertem Extrakt fanden bisher keine schweren Nebenwirkungen. Offen sind Wechselwirkungen mit Medikamenten, Effekte auf das Herz und die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit.

Was ist der Unterschied zwischen Honokiol und Magnolol?

Beide sind eng verwandte Stoffe aus der Magnolienrinde. Im zugelassenen Extrakt steckt deutlich mehr Magnolol als Honokiol.

Darf man Magnolienrinde mit Schlafmitteln kombinieren?

Nicht ohne ärztlichen Rat. Eine Verstärkung ist denkbar, untersucht ist sie am Menschen nicht.

Quellen

  1. Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 – Unionsliste der neuartigen Lebensmittel (konsolidierte Fassung vom 10.08.2026, Eintrag „Magnolienrindenextrakt“) · Amtsblatt der EU, 2026
  2. Schreiben der britischen Lebensmittelbehörde zur Genehmigung von Magnolienrindenextrakt als neuartige Lebensmittelzutat (17.10.2011, deutsche Fassung) · Food Standards Agency (veröffentlicht vom Bundesinstitut für Risikobewertung), 2011
  3. Stoffliste des Bundes und der Bundesländer – Pflanzenliste, Einträge L–Z, Auflage 2.1 (Aktualisierung September 2026; Magnolia officinalis, Rinde und Blüte) · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2026
  4. Vorwort zu den Stofflisten des Bundes und der Bundesländer, 4. Auflage (Bedeutung von Liste A, B und C) · Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), 2025
  5. EU Novel Food Status Catalogue: Suche „Magnolia“, „honokiol“, „magnolol“ (kein Eintrag) · Europäische Kommission
  6. RASFF Window: Suche „magnolia“, „honokiol“, „magnolol“ (keine Meldung) · Europäische Kommission (RASFF)
  7. EFSA NDA Panel: DRAFT Scientific Opinion on the safety of plant preparations containing berberine (EFSA-Q-2022-00803, u. a. Phellodendron amurense, Rinde) · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), 2026
  8. Alexeev M et al.: The natural products magnolol and honokiol are positive allosteric modulators of both synaptic and extra-synaptic GABA(A) receptors · Neuropharmacology, 2012
  9. Kalman DS et al.: Effect of a proprietary Magnolia and Phellodendron extract on stress levels in healthy women: a pilot, double-blind, placebo-controlled clinical trial · Nutrition Journal, 2008
  10. Mucci M et al.: Soy isoflavones, lactobacilli, Magnolia bark extract, vitamin D3 and calcium. Controlled clinical study in menopause · Minerva Ginecologica, 2006
  11. Campus G et al.: Effect of a Sugar-Free Chewing Gum Containing Magnolia Bark Extract on Different Variables Related to Caries and Gingivitis: A Randomized Controlled Intervention Trial · Caries Research, 2011
  12. Sarrica A et al.: Safety and Toxicology of Magnolol and Honokiol · Planta Medica, 2018
  13. Zhao W et al.: hERG channel blockade and additive interactions of magnolol and honokiol from Magnolia species · Toxicology Letters, 2026
  14. Olas B: The Cardioprotective Effect of Magnolia officinalis and Its Major Bioactive Chemical Constituents · International Journal of Molecular Sciences, 2025

Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.